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BT_Wandern

October 2017

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Büttenwarder

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BT_Flugzeug

Vierzig

Rating: P 16
Genre: Humor, First Time, h/c (?), angst & denial allerorten (aber mit einer Art Happy End)
Bingo-Prompt: traurig / aufgebracht (Bingokarte)
Handlung: Boerne hat echte Sorgen. Findet Boerne. Thiel findet das nicht.
Bezug: Irgendwo im Wir-haben-nur-Sex (behaupten wir jedenfalls) Universum angesiedelt.
Beta: veradee, den ersten Entwurf vor hundert Jahren ... ich habe daraufhin ein bißchen was verbessert, aber der ganze restliche (und neue) Murks geht auf mein Konto
Länge: ~ 2.900 Wörter
Warnungen: Boerne ist hier eine ziemlich Drama-Queen geworden - wiewohl nicht zu unrecht, wie ich finde. Will sagen, ich kann das alles ziemlich gut nachfühlen ;) Im übrigen sind beide nicht sonderlich IC und bekleckern sich hier nicht unbedingt mit Ruhm.
A/N: Das sollte mal Nr. 40 der Münsteraner Momentaufnahmen werden und stammt aus dem Frühjahr/Sommer 2012 (Ihr könnt Euch wohl denken, was mich auf die Idee gebracht hat). Ich war nie so recht zufrieden damit, auch jetzt noch nicht. Aber naja, nach Überarbeitung kann man es vielleicht doch lesen. Ohne größeren Schaden zu nehemen ... Und wie meistens in solchen Fällen tröste ich mich mit der Vorstellung, daß jemand anderes aus der Grundidee vielleicht nochmal was Anständiges macht ;)


***


Thiel warf unauffällig einen Blick auf die leere Weinflasche und überlegte, ob er eine zweite holen sollte. Seit sie das letzte Mal zusammen gekocht hatten, stand noch eine Flasche in seiner Küche, die er alleine sowieso nicht aufmachen würde. Und nüchtern hielt er das hier nicht mehr lange durch.

"... nichts anderes übrig, als der grausamen Wahrheit ins Auge ..."

Er konnte sich wirklich nicht erinnern, daß er so rumgejammert hatte, als er vierzig geworden war. O.K., damals war bei ihm auch alles im Lot gewesen: Arbeit, Frau, Kind. Das sah nun bei Boerne etwas anders aus - trotzdem kein Grund, dermaßen zu übertreiben.

"... in diesem Alter muß man sich einfach bestimmter Grenzen gewahr werden, die ..."

Alter! Thiel hätte fast laut losgelacht. Boerne war und blieb ein Kindskopf, daran würde sich wohl kaum etwas ändern, bloß weil seine Altersangabe jetzt mit einer vier begann. Aus seiner Warte war das wirklich kein Alter - er hätte jedenfalls nichts dagegen gehabt, noch einmal vierzig zu sein. Seufzend stellte er das leere Weinglas zurück auf den Wohnzimmertisch und stand auf. Wenn er sich schon Boernes Klagelied anhören mußte, dann würde er wenigstens für Nachschub sorgen.

"... merke schon, wie der körperliche Verfall einsetzt ..."

Wieso hatte er bloß nicht gleich die Flucht ergriffen und Boerne die Nase vor der Tür zugeschlagen, als ihm klar geworden war, in was für einer Stimmung der andere heute war? Er hätte sich doch denken können, daß das nur noch schlimmer werden konnte. Sein halbherziger Versuch, dem Thema andere Seiten abzugewinnen, war leider auch fehlgeschlagen.

"Feiern? Wie kommen Sie denn auf die abwegige Idee?!" Boerne war ebenfalls aufgestanden und schien mitkommen zu wollen. Vermutlich um zu verhindern, daß er ein paar Sekunden außer Hörweite gelangte, dachte Thiel entnervt. "Ich bin froh, wenn der Tag vorbei ist. Am besten schließe ich die Tür zu und bleibe im Bett, das ist dann schon einmal eine Vorschau auf die Zukunft, die ja nun nicht mehr allzufern -"

"Mein Gott Boerne, jetzt stellen Sie sich doch nicht so an, als wäre das das Ende der Welt. Das ist doch nicht so -"

"Aber das Ende kommt doch auch unweigerlich näher, unaufhaltsam, Tag für Tag, das muß doch selbst Ihnen bewußt sein!"

Wie immer, wenn Boerne sich aufregte, fing er an, noch heftiger zu gestikulieren als ohnehin schon, und Thiel ging leicht in Deckung.

"Wie eine kafkaeske Maus rennt man zwischen zwei Wänden entlang ... Mit jedem Jahr sind mehr Entscheidungen gefällt, von Jahr zu Jahr gibt es immer weniger Spielraum, weniger Möglichkeiten."

Boerne seufzte, aber bevor Thiel die Gelegenheit nutzen und sich einklinken konnte, ging es schon wieder weiter im Text.

"Weniger von allem eben, das ist Ihnen doch sicher auch schon aufgefallen? Ich meine, wenn man jung ist, ist doch noch alles möglich. Alles ist neu! Es gibt unzählige erste Male. Aber dann ... irgendwann hat man alles getan und es bleibt nichts Neues mehr, was man ... wieso sehen Sie mich so an?"

***


Es war ein Scherz gewesen. Wirklich. Ein Scherz. Um Boerne zum Schweigen zu bringen, und weil er ihm eine solche Steilvorlage geliefert hatte. Er wußte auch nicht so genau, wieso er den Moment, in dem Boerne zu protestieren versuchte, dazu genutzt hatte, den Kuß zu vertiefen. Jedenfalls dauerte es einige Sekunden, bis er sich an den eigentlichen Grund für diese Aktion erinnerte und die Krawatte losließ, an der er Boerne zu sich gezogen hatte.

"Na also." Boerne starrte ihn an und schien die Sprache noch nicht wiedergefunden zu haben. "Es gibt anscheinend immer noch neue erste Male, da müssen Sie sich gar nicht so große Sorgen machen."

Boerne räusperte sich.

"Ist was nicht in Ordnung?" Er hatte große Mühe, ernst zu bleiben, weil sein Gegenüber immer noch völlig verdattert aussah.

"Sie haben da wohl etwas durcheinander gebracht", erklärte Boerne plötzlich. "Es gibt Menschen, die werden geküßt, und es gibt Menschen, die küssen, und ich gehöre ganz eindeutig zur letzteren Kategorie!" Und im nächsten Moment nutzte er schon die Tatsache, daß er ein paar Zentimeter größer war, schamlos dafür aus zurückzuschlagen.

Ihm war ein bißchen schwindelig, als Boerne sich von ihm löste. Vermutlich der Sauerstoffmangel.

"Jetzt sind wir quitt", erklärte Boerne, auch noch ein wenig außer Atem, was vielleicht der Grund für Thiels spontane Rückfrage war.

"Ging das jetzt eben darum, quitt zu sein?"

Der Satz hing einen Moment in der Luft, während Thiel sich bewußt wurde, daß Boerne zwar den Kuß unterbrochen, er Boerne aber noch nicht wieder losgelassen hatte.

"Wenn ich länger darüber nachdenke ..." Boernes deprimierte Stimmung von eben war wie weggewischt, stellte Thiel überrascht fest. Stattdessen strahlte er wieder diese typische Mischung aus Unternehmungslust, Neugier und fehlendem Risikobewußtsein aus, die Thiel inzwischen als Warnzeichen für bevorstehenden Ärger kennengelernt hatte. "Es gibt doch noch eine ganze Menge Dinge, die ich zum ersten Mal tun könnte ..."

Und was sollte das jetzt wieder heißen, eine Menge Dinge, die -

Ah.

***


Thiel war ein wenig ratlos. Zufrieden, ja, aber ratlos. Wenn er einfach seinem Instinkt gefolgt wäre, hätte er Boerne jetzt in den Arm genommen. Aber sein Kopf sagte ihm, daß das vielleicht nicht richtig war. Was sie eben getan hatten, war eine Sache, aber ... kuscheln? Das war eine ganz andere Sache. Sicher hätte sich das jetzt gut angefühlt, aber ... Er sah zur Seite, zu Boerne, der plötzlich ganz anders wirkte. Merkwürdig distanziert. So als wären sie eben nicht ... alles andere als distanziert gewesen.

Während er noch überlegte, was er jetzt sagen sollte, richtete Boerne sich plötzlich auf und brachte seine Kleidung wieder in Ordnung.

"Tja, das war ja ganz nett, aber ich muß jetzt wirklich los, Thiel."

"Ja dann ..." Er hatte so ein merkwürdiges Gefühl im Magen, fast so, als wäre ihm schlecht. Und weil es sich komisch anfühlte, halbnackt hier rumzuliegen, während Boerne schon wieder aussah, als sei nichts geschehen, fing er auch an, sich wieder anzuziehen. Er wollte noch etwas anderes sagen, oder fragen, aber Boerne war schneller.

"Wir sehen uns dann ja morgen bei der Pressekonferenz." Und damit marschierte er aus dem Raum. Marschieren war das richtige Wort, dachte Thiel benommen. Er hatte das Gefühl, daß Boerne am liebsten gerannt wäre.

Ganz nett?

***


Er hatte von seinem Nachbarn tatsächlich keinen Ton mehr gehört - was ziemlich ungewöhnlich war - geschweige denn etwas gesehen. Nachdem Boerne so hastig verschwunden war, hatte er im Wohnzimmer aufgeräumt, eine Tasse Kaffee getrunken, um einen klaren Kopf zu bekommen, und war schließlich ins Bett gegangen.

Und da lag er nun. Wach. Und starrte im Dunkeln an die Decke. Den Kaffee hätte er wohl doch besser sein lassen.

Er versuchte immer noch, dahinter zu kommen, wie eins zum anderen geführt hatte. Wie ein Abend, der damit begonnen hatte, daß Boerne mit einer Flasche Wein und einer verfrühten Geburtstagsdepression vor seiner Tür gestanden hatte, damit hatte enden können, daß sie auf seiner Couch ... daß sie ... Fiel das jetzt unter die Kategorie Sex? Früher hätte man "rumgemacht" gesagt. Das klang ziemlich furchtbar und überhaupt nicht richtig.

Ihm war schlecht. Dabei hatte er doch kaum etwas getrunken. Auf den Alkohol konnte man das, was passiert war, jedenfalls nicht schieben. Boerne war auch nüchtern gewesen. Höchstens ein kleines bißchen angetrunken. Und aufgeregt. Das waren sie beide gewesen.

Er drehte sich zum Fenster.

Vielleicht verbrachten sie einfach zu viel Zeit miteinander.

Er drehte sich wieder zur Tür.

Vielleicht mochte er Boerne ein wenig.

Er drehte sich wieder auf den Rücken und starrte an die Decke.

Eigentlich war das gar nicht so schlecht gewesen, bis zu dem Moment, als Boerne davongestürmt war und ihn einfach alleine gelassen hatte. Mit allem.

***


Irgendwann in dieser Nacht stand er vor Boernes Wohnungstür, den Finger auf dem Klingelknopf. Aber dann machte er wieder kehrt. Viel zu melodramatisch. Morgen würde er Boerne sowieso sehen, und das war viel vernünftiger. Aber ein Teil von ihm wollte nicht vernünftig sein. Weshalb er diese Diskussion noch zwei weitere Male mit sich selbst führte, im Flur zwischen ihren beiden Wohnungen.

***


Er hatte sich nicht überlegt, wie das funktionieren sollte - Boerne auf einer Pressekonferenz wiederzusehen. Erst kurz vor dem Termin wurde ihm bewußt, daß das sehr unangenehm werden konnte. Und daß er ihn eigentlich unter vier Augen sprechen mußte. Aber dann stellte sich heraus, daß seine Sorgen unbegründet waren. Boerne fehlte.

Die Staatsanwältin hob überrascht eine Augenbraue, als kurz vor knapp Frau Haller in den Konferenzraum eilte, sich entschuldigte und neben Thiel Platz nahm.

Sie hätte nicht beunruhigt sein müssen, denn Frau Haller machte ihre Sache ausgezeichnet. Er selbst hingegen hatte große Mühe, sich zu konzentrieren und seinen Part halbwegs anständig über die Bühne zu bringen. Als sich die Presse und Frau Klemm verabschiedeten, merkte er deutlich, daß er heute keinen guten Eindruck hinterlassen hatte.

Aber im Augenblick gingen ihm wichtigere Dinge durch den Kopf.

"Wo ist denn Ihr Chef?" fragte er Frau Haller, die ihre Papiere zusammenpackte.

"Der ist krank."

"Krank?" wiederholte Thiel ungläubig.

"Das ist vermutlich der erste Vorbote der herannahenden Apokalypse", kommentierte die Rechtsmedizinerin gut gelaunt. "Jetzt sehen Sie mich nicht so erschrocken an, Herr Kommissar. Er hat sich eine Grippe eingefangen und ist endlich mal so vernünftig, zuhause zu bleiben, statt alle Welt anzustecken. Und mit alle Welt meine ich mich."

Der Rest des Tages war so ereignisreich, daß ihm nicht viel Zeit zum Grübeln blieb. Er schob alle Fragen Boerne betreffend beiseite und konzentrierte sich auf seine Arbeit. Etwas anderes konnte er sowieso nicht tun.

Aber heute Abend würde er bei Boerne klingeln, komme was wolle.

***


Klingeln konnte er, aber offensichtlich hieß das noch lange nicht, daß Boerne auch öffnen mußte. Thiel fuhr sich entnervt mit beiden Händen durch die Haare. Er war sich ziemlich sicher, daß der andere nicht sterbenskrank im Bett lag, sondern daß er sich verkrochen hatte, um ihm aus dem Weg zu gehen.

Und ja, das war jetzt gerade alles ein bißchen komisch und eher unangenehm, aber es half doch nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Eigentlich sah das Boerne auch gar nicht ähnlich. Er hätte nie gedacht, daß ihn so etwas so aus der Fassung bringen würde. Er selbst war doch auch zur Arbeit gegangen, und stand jetzt hier, statt sich zu verkriechen. Wobei es ihn fast ein wenig überraschte, daß er so ruhig war. Naja. Ruhig war übertrieben. Wenn er ehrlich war, hatte er sich gefühlt wie kurz vorm Herzinfarkt, nachdem er geklingelt und auf Boernes Reaktion gewartet hatte.

Jetzt wurde er jedenfalls langsam eher wütend, und das war gut, weil er sich damit wesentlich besser fühlte. Er würde sich nicht einfach ignorieren lassen. Immerhin hatte er Boernes Zweitschlüssel für Notfälle. Und wenn das jetzt kein Notfall war, wußte er auch nicht.

***


"Boerne?"

Keine Reaktion. Er ging weiter den Flur entlang.

"Ich habe den Zweitschlüssel benutzt", erklärte er der leeren Wohnung überflüssigerweise. Wenn Boerne ihn hörte, konnte er sich das sowieso denken.

"Boerne ...?"

Da lag tatsächlich jemand im Bett. Und hatte die Decke über den Kopf gezogen. Thiel seufzte.

"Was soll das denn?"

"Lassen Sie mich in Ruhe", kam es gedämpft, aber deutlich hörbar unter der Bettdecke hervor.

"Mann, Boerne -" Er hatte selbst ohne Bettdecke Mühe, in dem stickigen Raum zu atmen. "Machen Sie wenigstens mal ein Fenster auf, das ist ja nicht zum Aushalten hier."

"Ich bin krank."

"Frischluft ist gut bei Erkältungen." Er ging Richtung Fenster, als Boerne nicht reagierte, wurde aber kurz vor seinem Ziel von einem lauten "Raus hier!" gestoppt. Boerne war unter der Bettdecke aufgetaucht und funkelte ihn so wütend an, daß er unwillkürlich einen Schritt zurück machte.

"Jetzt lassen Sie uns doch -"

"Raus aus meiner Wohnung, habe ich gesagt!" Boerne sah ganz blaß aus, und er konnte nur schwer einschätzen, ob vor Wut, oder ob er vielleicht doch krank war.

"Ich wollte doch nur sicherstellen, daß es Ihnen gut -"

"Ich wüßte nicht, daß ich Sie um Ihre Hilfe gebeten habe!"

"Boerne ..."

Boerne reagierte nicht mehr, sondern sah in die andere Richtung. Er merkte, wie er immer wütender wurde, aber er versuchte ruhig zu bleiben. Das war doch völlig kindisch, sich hier jetzt zu streiten.

"Sie finden also nicht, daß wir über das ein oder andere sprechen -"

"Wir müssen über gar nichts reden." Boerne war noch blasser geworden, und er selbst war kurz davor, die Beherrschung zu verlieren.

"Über gar nichts?" presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

"Genau." Boerne drehte sich weg von ihm und zog die Decke wieder bis über die Ohren. "Und jetzt verschwinden Sie hier und lassen mich in Ruhe."

***


Bis er wieder zurück in seiner Wohnung war, hatte sich der Ärger gelegt. Mit Boerne stimmte doch etwas nicht. Von wegen krank. Wieso mußte er das denn alles so kompliziert machen? Thiel seufzte.

Er brauchte eine Weile, bis er sich zu einem zweiten Anlauf aufmachte. Es war wirklich lächerlich von Boerne, sich so anzustellen, bloß weil sie ... wegen ... er suchte schon wieder vergeblich nach einem passenden Wort. Aber nichts wollte so richtig passen. Er hätte nicht einmal das Gefühl in Worte fassen können, obwohl es sich jedesmal wieder einstellte, sobald er an diesen Moment dachte. Was er zu vermeiden suchte, größtenteils erfolglos.

Jedenfalls hatte es einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Aber vielleicht ging das nur ihm so? Vielleicht konnte Boerne der Sache ja gar nichts Positives abgewinnen, vielleicht war ihm das alles nur äußerst peinlich?

Und wieso mußte ihm das ausgerechnet jetzt einfallen, während er gerade zum zweiten Mal mit dem Schlüssel in der Hand vor Boernes Tür stand?

Einen Moment zögerte er, aber dann erinnerte er sich an Boernes Gesichtsausdruck. An die Hände auf seiner Haut, die vorsichtig und gleichzeitig sehr sicher gewesen waren. Und an das Gefühl, daß mit einem Mal alles an seinen Platz fiel.

Er steckte den Schlüssel ins Schlüsselloch.

***


"Hier ist immer noch miserable Luft."

Diesmal war er gleich ins Schlafzimmer durchgegangen. Boerne ignorierte ihn einfach, also ging er zum Fenster, um es zu kippen.

"Das ist doch keine Lösung, hier rumzuliegen und Trübsal zu blasen."

"Lassen Sie mich in Ruhe."

Das hätte witzig sein können, wenn es nicht so eine verfahrene Situation gewesen wäre: Er wollte reden, und Boerne schwieg. Ein Wunder, daß das Universum noch nicht implodiert war. Thiel seufzte. Von Wollen konnte eigentlich keine Rede sein, er wußte nur, daß er wohl mußte. Denn das hielt er nicht mehr lange aus.

Er zerrte an Boernes Decke, was ihm nur ein unwilliges "Mir geht es zu schlecht, um aufzustehen" einbrachte.

"Ist auch gar nicht nötig", brummte er. Boerne kapierte anscheinend erst im letzten Moment, was er vorhatte, und versuchte Richtung Wand wegzurutschen.

"Jetzt sei doch nicht so verdammt stur ..."

"Haben Sie schon einmal etwas von Privatsphäre -" Boerne versuchte, aus dem Bett zu klettern, aber vergeblich. "Thiel! Was soll das denn!? Lassen Sie mich in -"

"Hiergeblieben!" Er hatte jetzt endgültig genug. "Schluß mit dem Unsinn! Was ist los?"

...

"Und für Privatsphäre ist ja wohl etwas zu spät."

...

"Was, Boerne?"

...

"Ich werde alt", murmelte Boerne.

"Geht es etwa immer noch darum?" fragte Thiel verständnislos.

"... und wir hätten das nicht tun sollen."

"Und wieso nicht!?" Wenigstens mußte er nicht fragen, was das war. Anscheinend hatte Boerne auch Probleme, das richtige Wort -

"Es ist ja sehr nett von Ihnen, daß Sie mich aufheitern wollten, aber ..."

"Sag mal, hast du sie noch alle?" Er war so perplex, daß ihm das einfach so rausgerutscht war. "Das war doch nicht ... nicht ..."

"Was denn sonst?" Boerne war sehr leise, und er hatte plötzlich das Gefühl, daß er den Kern des Problems gefunden hatte.

"Ich wollte eben." Das war jetzt nicht gerade besonders elegant ausgedrückt, dachte Thiel verzweifelt. Klang eher trotzig als überzeugend. "Dich." Und das klang jetzt wirklich unsäglich ... Er überlegte noch krampfhaft, wie er das besser erklären sollte, als Boerne plötzlich zu lachen anfing.

"Was? Was ist daran so lustig?"

"Nichts ..." Boerne brauchte ein paar Anläufe, bis er das Lachen wieder unter Kontrolle hatte, und Thiel überlegte, ob er beleidigt sein sollte.

"Was?"

"Sehr romantisch, Thiel, wirklich."

"Also bitte ..."

"Kein Wunder, daß du immer noch solo bist."

Das ging jetzt wirklich zu weit. Er war schließlich nicht gekommen, um sich beleidigen zu lassen. Er versuchte, von Boerne wegzukommen, aber vergebens, denn jetzt wurde er festgehalten.

"Das ist nicht komisch!"

"Ich weiß ..." Boerne zog ihn zurück. "Entschuldigung."

Eigentlich war er in der Stimmung gewesen, Boerne so richtig die Meinung zu sagen. Aber vielleicht sollte er lieber stillschweigend diesen seltenen Moment feiern, daß Boerne sich für etwas bei ihm entschuldigte. Und daß sie das mit dem Reden jetzt wohl hinter sich gebracht hatten. Auch wenn Boerne selbst sich mit Erklärungen vornehm zurückgehalten hatte. Während er sich hier abmühte ... Und dafür auch noch Hohn und Spott erntete. ... romantisch ... Das mußte ausgerechnet Boerne sagen mit seinem ganz nett, als ob sie -

"Was ist?"

Thiel starrte an die Decke. "Das war nicht ... ganz nett."

"Nein." Boernes Stimme klang mit einem Mal wieder so ernst, daß er sich nicht traute zur Seite zu sehen.

"Und jetzt?"

Boerne zuckte neben ihm mit den Schultern.

***


"Ich werde aber immer noch alt", seufzte Boerne, allerdings hörte sich das jetzt schon wesentlich optimistischer an als noch vor wenigen Minuten.

"Wir werden alle jeden Tag älter", brummte Thiel. "Was soll an dem Tag morgen schlimmer sein als an den anderen?"

"Danke, daß du mich daran erinnerst ..."

"Und was machst du jetzt morgen?"

"Hab' ich doch schon gesagt. Ich bleibe im Bett."

"Mhm."

"Willst du vorbeikommen?"

*** FIN ***

Comments

Schön!
Dieses langsame begreifen, dass da doch mehr ist als zunächst gedacht (Ja, Thiel, das war ganz sicher ein Scherz... *gnikker*... sagte das Unterbewusststein) und Boernes Zweifel und Verwirrung hat Du wunderbar beschrieben.
Mir hat auch gefallen, dass Thiel letztendlich derjenige ist, der nicht locker lässt, was dann vom letzten Satz gekrönt wird.

Boerne fand ich gut getroffen... Dramaqueen ist er ja doch ab und an mal, wenn er aus seiner Sicht gute Gründe dafür hat... was ja hier definitiv zutrifft.

Beide konnte ich mir gut vorstellen und deshalb ein dickes Danke für das schöne Kopfkino.
Boerne fand ich gut getroffen... Dramaqueen ist er ja doch ab und an mal, wenn er aus seiner Sicht gute Gründe dafür hat
Echt, du empfindest ihn tatsächlich so?? Wo denn?
Irgendwie schon.
Ich kann dir da jetzt keine konkrete Folge nennen... es ist eher so eine allgemeine Sichtweise, ein bisschen vom Typ "Schublade". Bei näherem Betrachten ist das ziemlich haltlos und wenn's drauf ankommt, ist er alles andere als eine Dramaqueen. Aber für mich passt das Verhalten in der Geschichte zu seinem Typ, so wie er in den Folgen dargestellt wird.

Ich meine das auch nicht abwertend, auch wenn "Dramaqueen" ja diesen Touch hat. Eher im Sinne von temperamentvoll und dezent übertreibend.

Ach... ich kann das schwer erklären und hoffe, du wirst schlau aus draus.
Naja, er kann sich schon über Kleinigkeiten aufregen. Jedenfalls konnte ich mir durchaus vorstellen, daß er über den herannahenden runden Geburtstag klagt. Und das ist garantiert nicht negativ, ich selbst habe nämlich noch viel mehr geklagt und gejammert ;)

Edited at 2013-11-15 08:47 pm (UTC)
Naja, er kann sich schon über Kleinigkeiten aufregen.
Ja, das meinte ich. In den Momenten kommt sein Temperament durch. Und er trumpft gerne mit seinem Wissen auf... gibt es da nicht eine Folge, in der Thiel kaum zu Wort kommt, weil Boerne jedes Stichwort nutzt um mit seinen Untersuchungsergebnissen in den Vordergrund zu treten?
Aber das was ihr beschreibt, kommt doch in diesem Text in keiner Weise vor?!
Naja... Boernes lamentieren am Anfang ging für mich schon in die Richtung. Ich seh' ihn da weiträumig gestikulierend durch die Wohnung tigern, während Thiel (vielleicht sogar mit den Füßen auf dem Wohnzimmertisch) lässig im Sessel lümmelt und wenig beeindruckt ist.
"Der Fluch der Mumie" vielleicht? Da gibt es diese überdrehte Szene, als Boerne drauf rumreitet, daß er die ganze zeit recht hatte ...
Ist in keiner Weise mit dem nervigen Weltuntergangsgenöle ob seines nahenden Geburtstags zu vergleichen.
Das in der Mumie war Boerne live, Frau Klemm nerven bis zum Erbrechen, vor allem, weil er recht hatte. Aber wie schon einmal angemerkt: nichts davon findet sich in diesem Text?
Vermutlich empfinde ich das nicht als nervig, weil ich mich selbst auch so anhöre *hust* Also, gerade was das Weltuntergangsgenöle vor dem Geburtstag angeht ... Sei froh, daß Du mich im letzten Sommer nicht live erlebt hast ;)

Ich hatte jetzt eher Angst, daß das verkriechen übertrieben wirkt, zumal eine ernstere Ebene aus der Geschichte rausgefallen ist, die nie so richtig zum Rest gepaßt hat. Wobei ich auch dieses Gefühl zur Genüge kenne und es gut nachvollziehen kann. Die Idee kommt ja nun auch nicht von irgendwo ...

Schade, daß wir da so auseinanderliegen im Empfinden. Ich hatte noch überlegt, ob das ein Text ist, der eine Extra-Warnung brauchen könnte (von daher wohl auch die DramaQueen obendrüber), aber sicher war ich mir wie immer nicht.
Ich hatte jetzt eher Angst, daß das verkriechen übertrieben wirkt,
Ja, wie ich ganz ehrlich sagen muss (auch wenn das in meinen Posts offensichtlich nicht klargeworden ist), ist das Verkriechen das i-Tüpfelchen, das für mich nun wirklich gar nicht mehr passt.

Und ja, ich habe mir schon gemerkt, dass Dramaqueen-Warnungen auf jeden Fall mit Deppen!Boerne gleichzusetzen sind.

Edited at 2013-11-16 10:47 am (UTC)
Klar regt er sich über Kleinigkeiten auf. Fast ausschließlich eigentlich. Aber dies depressive Gesabbel ist doch nicht "über Kleinigkeiten aufregen"?
Wobei das "im Bett verstecken" noch eher das war, was ich persönlich mit 'Dramaqueen' verbunden habe. Und das passt nicht zu Boerne, der bei jedem persönlichen Stress, den er hat, in übertriebenen Aktionismus ausbricht.
Ich kann dir da jetzt keine konkrete Folge nennen...
ich hatte mich auch schon gewundert

Aber für mich passt das Verhalten in der Geschichte zu seinem Typ, so wie er in den Folgen dargestellt wird
Widerspricht sich das nicht irgendwie?! Wie auch immer. Für mich (wie wohl jeder erwartet, der mich kennt) nicht.

Eher im Sinne von temperamentvoll und dezent übertreibend.
Oh, er ist temperamentvoll und übertreibt ohne Ende, zweifellos. Aber davon war in dieser Geschichte nichts zu sehen?! Hier hat er entweder lamentiert oder sich im Bett versteckt. Und das finde ich nun absolut ooc.


Cricri, ist nicht böse gemeint, du weißt das. Ich bin halt immer zu ehrlich und kann dann auch die Klappe nicht halten, blöde Eigenschaft.
Dass die Geschichte für mich generell nicht so zündet, mag daran liegen, dass ich diesem "wir-haben-Sex-aber-mehr-auch-nicht-Szenario" längst nicht immer etwas abgewinnen kann. Aber in diesem Fall wirklich fast gar nichts. Da sehe ich Boerne nun wirklich keinmal, außer in der einen Beschreibung, die Thiel mit Schwierigkeiten verbindet - die Stelle ist perfekt und passt wie die Faust aufs Auge. xD

Thiel ist sehr süß, der gefällt mir gut, aber Boerne ist für mich (wir wissen alle, das gilt nicht viel) schwer erträglich.

Edited at 2013-11-15 09:04 pm (UTC)
Thiel ist sehr süß
Na wenigstens etwas ;)

Ernsthaft ... Vielleicht liegt es ein wenig daran, daß das ganze aus Thiels POV geschrieben ist und man Boerne daher nur von außen sieht und das nicht so richtig nachvollziehen kann. Obwohl ich durchaus aus Gründen der Komik übertreiben wollte, steckt für mich ein ernster Kern dahinter. Boerne ist tatsächlich deprimiert wegen seines Geburtstags, auch wenn Thiel das nun wirklich nicht versteht. und in den Rest reiten sich beide rein, weil handeln und nicht reden nicht immer eine gute Kombination in Liebesdingen sind. Oder um Veras Betaanmerkung zu zitieren "beide hatten gehofft, daß der andere die Initiative ergreift", und danach sind sie erstmal beide gekränkt. Boerne eher depressiv gekränkt, Thiel eher offensiv gekränkt. Unter anderem deshalb, weil er sich nicht halb so viele Gedanken macht wie Boerne (von denen wir aber nix mitkriegen). - Naja, wenn ich länger drüber nachdenke, denke ich, ich hätte das vielleicht nicht als Komödie verpacken sollen. Aber Übung macht den Meister ;)
Aber für mich passt das Verhalten in der Geschichte zu seinem Typ, so wie er in den Folgen dargestellt wird.

So würde ich das auch betrachten. Aus den Szenen, die wir mit Boerne kennen, mache ich mir ein Bild und empfinde bestimmte Verhaltensweisen und Reaktionen als stimmig, auch wenn wir sie nie in einem der Filme gesehen haben.

Dass er sich im Bett verkriecht, ist meiner Meinung nach vielleicht ein bisschen auf die Spitze getrieben, aber das ursprüngliche Lamentieren und später seine brüske Zurückweisung Thiels passen gut zu dem Boerne, wie ich ihn sehe.
Ja, Thiel, das war ganz sicher ein Scherz...
*grins* ... ja, solche Dinge passieren immer wieder versehentlich ...

Die Geschichte ist schon ein wenig haarsträubend, aber schön, wenn Du trotzdem Spaß dran hattest. :)

wenn er aus seiner Sicht gute Gründe dafür hat... was ja hier definitiv zutrifft
Stimmt schon. Sowohl der Geburtstag als auch die weiteren Ereignisse können einen schon aus der Bahn werfen.
Beim Lesen habe ich die Geschichte wiedererkannt, aber die hatte ich wirklich gar nicht mehr auf dem Schirm. Mein Gedächtnis ist auch nicht mehr, was es war. ;)

"Es gibt Menschen, die werden geküßt, und es gibt Menschen, die küssen, und ich gehöre ganz eindeutig zur letzteren Kategorie!"

Das trifft seinen Tonfall genau! :)

Boernes deprimierte Stimmung von eben war wie weggewischt, stellte Thiel überrascht fest. Stattdessen strahlte er wieder diese typische Mischung aus Unternehmungslust, Neugier und fehlendem Risikobewußtsein aus,

Diesen Wandel, der in geradezu kindlicher Entdeckerlust endet, sehe ich vor mir. In solchen Momenten fällt mir immer der Satz "Ich habe noch andere unglaubliche Entdeckungen zu machen." aus "Das ewig Böse" ein.

Das "ganz nett" würde mich an Thiels Stelle auch sehr treffen.

Vielleicht mochte er Boerne ein wenig.

:)

"Nein." Boernes Stimme klang mit einem Mal wieder so ernst, daß er sich nicht traute zur Seite zu sehen.

Ich mag diese kleinen Momente, in denen die beiden gar nicht viel sagen und tun, die aber trotzdem viel bedeuten.

Boernes Frage ganz zum Schluss klingt aber doch vielversprechend. So schlimm wird sein Geburtstag also nicht aus ausfallen. :)
Boernes Frage ganz zum Schluss klingt aber doch vielversprechend. So schlimm wird sein Geburtstag also nicht aus ausfallen.
Da könntest Du recht haben ;)
Und nach dem Geburtstag legt sich so eine Geburtstagsdepression auch wieder. Ich rede aus Erfahrung ... Obwohl es völlig unlogisch ist, denn, wie Thiel zu recht feststellt, wird man natürlich jeden Tag älter.

Wenn Du die Geschichte (fast) vergessen hast, war's ja nochmal was neues für Dich :) Deine Anmerkungen waren schon sehr hilfreich, weil ich dadurch einen ganzen "Strang" rausgekürzt habe, der einfach nicht zur Stimmung des Restes gepaßt hat, aber so richtig rund läuft sie immer noch nicht. Aber besser wurde sie nicht mehr ;)

Ich mag diese kleinen Momente, in denen die beiden gar nicht viel sagen und tun, die aber trotzdem viel bedeuten.
Schön, daß das funktioniert. Sie haben das zwar alles noch nicht so richtig aussortiert, aber das wird noch ...
Ich finde schon, dass Boerne in seinem Redeschwall auf dem Sofa, warum es so schrecklich ist, vierzig zu werden, gut getroffen ist. Das ist wahrscheinlich seine Art damit umzugehen. Und dass er sein Leben mit einer Maus bei Kafka vergleicht, der immer mehr von ihren Entscheidungsmöglichkeiten genommen wird - das ist mit Sicherheit typisch Boerne. *g*
Nicht nur für jemanden, der sich jung, gutaussehend und agil fühlt und fühlen möchte, ist plötzlich so eine 4 vor der Altersangabe schon ein Moment für beginnende Depressionen. *g*
(Und nein, da hat Thiel nicht Recht, das ist nicht nur ein Datum, das ist ein entscheidendes Datum und es wird auch nicht besser mit der Zeit. Die 4 bleibt erhalten.*g*)

Ob Boerne es allerdings schafft, einen ganzen Tag im Bett zu bleiben? Das könnte ich mir schwer für ihn vorstellen. Aber besondere Umstände bringen halt manchmal auch besondere Reaktionen hervor.

Ich finde es ganz toll, dass Thiel hier so aktiv werden muss, um zu Boerne durchzudringen. Denn wenn der alles nur weggewischt hätte mit einer Handbewegung, was in der Nacht passiert ist, hätte Thiel gar kein Motiv gehabt, nachzuhaken und Boerne in gewisser Weise festzunageln auf die Feststellung, dass da "irgendetwas" zwischen ihnen gewesen ist. Und das ist eine sehr nette Einleidung in der letzten Zeile! *g*
Und nein, da hat Thiel nicht Recht, das ist nicht nur ein Datum, das ist ein entscheidendes Datum und es wird auch nicht besser mit der Zeit. Die 4 bleibt erhalten.*g*
*SEUFZ* ... Themen, über die ich im November nicht nachdenken sollte ;) Du hast diese unschöne Erfahrung also auch schon hinter Dir - ich hatte das letztens schon bei einer Bemerkung von Dir gedacht (Generation der Tochter) und mich gewundert, so aus dem Bauch heraus hätte ich nämlich gedacht, Du bist jünger als ich. So in der Gruppe 30-35.

40 ist in der Hinsicht das neue 30 - das Ende der Jugend. Davor kann man sich wenigstens noch der Illusion hingeben, man sei noch irgendwie jung, danach ist das echt vorbei. Und das ist gar kein schönes Gefühl :(

Ob Boerne es allerdings schafft, einen ganzen Tag im Bett zu bleiben?
Ich muß gestehen, daß ich mir da gar nicht so viele Gedanken drum gemacht habe (obwohl Vera das beim Betalesen auch kritisch angemerkt hatte), da war mir der dramatische Effekt wohl wichtiger. Wobei ich es mir vorstellen könnte - wenn er wirklich sehr deprimiert ist. Aber das Ausmaß der Depression kommt hier nicht so raus, fürchte ich.

Ich finde es ganz toll, dass Thiel hier so aktiv werden muss, um zu Boerne durchzudringen. Denn wenn der alles nur weggewischt hätte mit einer Handbewegung, was in der Nacht passiert ist, hätte Thiel gar kein Motiv gehabt, nachzuhaken und Boerne in gewisser Weise festzunageln auf die Feststellung, dass da "irgendetwas" zwischen ihnen gewesen ist.
Wohl wahr. Nicht vorzustellen, welche Möglichkeiten den beiden dann entgangen wären ;)
Hm, du hast da zwei Stränge, die etwas kollidieren meiner Meinung nach, daher auch die unterschiedlichen Rezeptionen hier, nehme ich an.

Der eine Strang ist so eine eher klassische First-Time-Geschichte. Aus irgendeinem Anlass heraus stellen die Beiden fest: "Hupps, da geht ja was, was wir nicht erwartet haben." Der endet mit dem Kuss von Boerne bzw. dem Ah.

Der zweite Strang ist der mit der "Altersdepression". Und da hat sich nach meinem Verständnis bei Boerne so eine fixe Idee festgesetzt.

Boerne, depri, weil er meint, er sei nicht mehr (ausreichend) attraktiv, jung und knackig, nimmt in seiner, in diesem Moment völlig schrägen, Sicht der Welt an, dass Thiels Handeln nur so eine Art Mitleids-/ Trostding ist. Was dann das "Ganz nett" bzw. den beleidigten Tonfall und die Flucht ins Bett erklärt.

Gehe mal einer unbelastet mit einem Menschen um, den man mag (bzw. mehr als mag, je nach Lesart) und den man in Verdacht hat, der tut sowas nur aus Mitleid. Öhm, ja, da würde ich mich auch nur noch verkriechen wollen und keine PK mit dem abhalten können, vielen Dank auch.
Dann würde ich auch aggressiv, wenn der plötzlich bei mir im Schlafzimmer steht und mir ein Gespräch aufzwingen will. Und dass dann ein Boerne eher schallend lacht, wenn er kapiert, was bei Thiel wirklich Tango ist, weil er in dem Moment mal wieder nur Thiels verbale Ungeschicktheit sieht, finde ich schon wieder irgendwie stimmig. Weil natürlich er, Boerne, im umgekehrten Fall dann so aus dem Stegreif was viiiiiiiieeeeeeeeel Romantischeres hinkriegen würde. *grins*

Edited at 2013-11-16 11:51 am (UTC)
Wie du die Geschichte zusammenfasst ist schon absolut so, wie ich sie verstanden habe.
Aber Boernes Reaktion ob seiner Erkenntnis finde ich voll daneben. Er verkriecht sich nicht ins Bett. Punkt. Klar kann er damit nicht umgehen und klar wird er Thiel niemals drauf ansprechen. Er läuft zur Hochform auf, egal ob auf der Arbeit oder im Hausflur, ignoriert ihn kalt oder wird zynisch, giftig, fies ohne Thiel anzusehen... alles ist möglich, aber ins Bett kriechen? Nein. tut mir leid, nein, never-ever.
Ich kann mir halt beides vorstellen: das aktiv-zynische "Ich zeig Dir, ich brauch' Dich nicht." und das depressiv-traurige "Das hätte es jetzt nicht auch noch gebraucht." Tendenziell würde ich auch eher die Aktivität sehen, aber der Mann überrascht mich immer wieder.

Du glaubst nicht, was der mir im Moment in meinem aktuellen Kapitel für Widerstand leistet. Dabei will ich nur das Beste für ihn. *grummel*
Zwei Stränge, die nicht so recht zusammenpassen, sind es auf jeden Fall. Deshalb wird das ja auch höchstens eine B-Seite ;) Wobei für mich das Problem daher kommt, daß es einerseits ein humoristischen Ansatz ist, der sich mit dem ernsthafteren Thema nicht wirklich harmonisch verbindet.

Wäre Boerne nur sauer und gekränkt, dann würde er sicher eher mit erhöhter Aktivität reagieren. Thiel und damit auch die Leserinnen nehmen nicht so richtig wahr, daß er *wirklich* deprimiert ist wegen dieser Geburtstagssache. Und zu einer ernsthaften depressiven Verstimmung gehört für mich dieses lähmende Gefühl schon dazu. Gehe mal einer unbelastet mit einem Menschen um, den man mag (bzw. mehr als mag, je nach Lesart) und den man in Verdacht hat, der tut sowas nur aus Mitleid. Ja, das macht die Sache dann natürlich noch schlimmer. Zumal, wenn man eh schon in so einer Grundstimmung ist.

Und dass dann ein Boerne eher schallend lacht, wenn er kapiert, was bei Thiel wirklich Tango ist, weil er in dem Moment mal wieder nur Thiels verbale Ungeschicktheit sieht, finde ich schon wieder irgendwie stimmig.
Damit war ich, bei allen sonstigen Bedenken, auch zufrieden. Zum einen stellt sich Thiel ja wirklich dämlich an, zum anderen ist die Situation ja auch ziemlich absurd, wenn einem erst mal klar wird, wie sehr beide Seiten aneinander vorbei geredet (bzw. gedacht) haben.

Weil natürlich er, Boerne, im umgekehrten Fall dann so aus dem Stegreif was viiiiiiiieeeeeeeeel Romantischeres hinkriegen würde. *grins*
Aber hundertprozentig ;)
Boerne als Drama-Queen ist zwar vielleicht nicht ganz so realistisch, aber ich mag Thiels POV sehr gerne, und das hier:

Stattdessen strahlte er wieder diese typische Mischung aus Unternehmungslust, Neugier und fehlendem Risikobewußtsein aus, die Thiel inzwischen als Warnzeichen für bevorstehenden Ärger kennengelernt hatte.

trifft Boerne wirklich hervorragend. Also ich hatte jedenfalls Spaß beim Lesen. :)

Edited at 2013-11-16 09:21 pm (UTC)
Danke, das freut mich :)

Irgendwie fand ich den dann nämlich doch zu schade, um ihn ganz auf meiner Festplatte versauern zu lassen. Und mit Thiels POV bin ich selbst auch zufrieden ;)

Mir schwirrt im Moment ziemlich viel Büttenwarder durch den Kopf, aber ich habe eine Yuletide-Verpflichtung (in noch einmal einem anderen Fandom) angenommen - hmpf. Wie schaffen es andere Menschen bloß, in mehreren Fandoms parallel zu schreiben? Mir fällt es extrem schwer, mich auf mehr als eines zu konzentrieren ...
Hehe, kann ich verstehen. Mit zwei Fandoms klappt's bei mir in der Regel noch ganz gut, aber mehr wird schwierig. Ich bin momentan auch munter am Rotieren.