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BT_Wandern

November 2017

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Büttenwarder

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BT_Arm

Wiedersehen in Hamburg

>> zum Crossover-Masterpost

Sommer-Challenge: Suspense - Stalking – für mich
Team: Thalia
Fandom: Tatort Hamburg (Münster/Hamburg/Stuttgart-Crossover)
Rating: ab 12
Genre: Gen, Krimi, Suspense
Personen: Thiel (POV), Uwe Kohnau (POV)
Handlung: Thiel fährt nach Hamburg.
Länge: ~ 1.400 Wörter
Zeit: ~ 120 Minuten
A/N: Puh … Spannung? Und das Prompt habe ich auch nur sehr am Rand untergebracht. Dieser Teil zeigt deutlich, daß ich noch schlechtere Drehbücher schreiben würde, als der durchschnittliche Tatort :( Sorry, aber ich mußte irgendwie hierüber weg, um weiterzukommen. Vielleicht wird es ja nochmal besser.


***


Es war der altbekannte Weg – für einen Moment fühlte er sich so, als wäre er nie weg gewesen. Nickte im Vorbeigehen dem Pförtner zu, der erst automatisch zurücknickte und ihm dann verdutzt hinterhersah. Uwe saß im dritten Stock, nicht dort, wo sie früher ihr Büro gehabt hatten. Als er vor der Tür stand, fiel ihm wieder ein, wer damals hier gesessen hatte: Mieke Steinkamp, eine der ersten Kolleginnen, die Anfang der achtziger Jahre bei der Schutzpolizei eingestellt worden waren und die zeitgleich mit ihm zur Kripo gewechselt hatte. Er klopfte und trat ein, als er Uwes Stimme hörte.

Uwe sah vom Bildschirm auf. „Hallo Frank.“

„Moin Uwe.“ Er sah sich in dem Büro um, das sich deutlich verändert hatte. „Ist Mieke schon in Pension?“

Uwe nickte. „Sie ist zwei Jahre früher gegangen. Ihr Mann ist krank.“

„Das wußte ich gar nicht.“ Er hatte nicht wirklich versucht, Kontakt zu den alten Freunden in Hamburg halten, als er nach Münster gewechselt war. Zu dem Zeitpunkt war es wichtiger gewesen, neu anzufangen. Das war damals das Richtige gewesen, trotzdem fühlte er sich jetzt merkwürdig leer.

Uwe räusperte sich und er riß sich zusammen – immerhin war er zum Arbeiten hier, und nicht, um in Nostalgie zu versinken. „Hast du die Akten schon?“

Uwe deutete auf den Bildschirm. „Der Datentransfer hat geklappt, ich hab mir eure Unterlagen gerade angesehen. Wir haben in einer halben Stunde einen Termin bei Frau Kriek-Hammer in Wandsbeck.“

„Weiß sie schon …?“

„Nein.“ Uwe warf ihm einen Blick zu. „Aber Sie weiß, daß es aufgrund des Blutverlusts unwahrscheinlich ist, daß er noch lebt.“

Insgeheim hatte er gehofft, daß Uwe die Nachricht schon überbracht hatte. Aber natürlich sagte man so etwas nicht am Telefon.

„Wo ist eigentlich dein Partner?“

„Hat die Mumps.“

Thiel schnaubte amüsiert. „Nicht im Ernst. Du hast ja gesagt, er ist jung, aber so jung …“

Uwe lächelte. „So schlimm ist es auch wieder nicht. Er hat sich bei seiner kleinen Tochter angesteckt.“


***


Uwe übernahm den größten Teil des Redens, worüber Thiel ziemlich dankbar war. Das war ein Teil seines Jobs, auf den er sehr gerne verzichtet hätte. Er konzentrierte sich darauf, Frau Kriek-Hammer zu beobachten. Sie blieb relativ gefaßt, angesichts der Umstände, aber selbst als sie sagte, daß sie mit dieser Nachricht gerechnet hatte, konnte er sehen, daß sie gehofft hatte. Man hoffte immer, egal wie irrational das war. Er hatte schon Fälle erlebt, in denen die Angehörigen den Tod noch einige Tage geleugnet hatten, obwohl die Leiche schon gefunden worden war. Uwe machte seine Sache gut. Man merkte, daß er inzwischen einige Jahre Erfahrung hatte.

„Denken Sie, Sie können uns jetzt ein paar Fragen beantworten?“

Frau Kriek-Hammer sah von dem Foto auf, das Uwe mitgebracht hatte. Sie war blaß, wirkte aber entschlossen. „Ja.“

„Wir haben mittlerweile den Laptop Ihres Mannes ausgewertet.“ Uwe stockte kurz. „Wußten Sie, daß er einen Account bei einer Partnervermittlung hatte?“

„Nein.“

„Aber Sie haben so etwas vermutet?“ sagte Thiel, der diesen Gesichtsausdruck kannte.

Frau Kriek-Hammer schüttelte den Kopf. „Nein. Aber … es wundert mich nicht besonders. Wir waren … wir standen uns schon länger nicht mehr besonders nahe.“

„Hatten Sie den Eindruck, daß er sich mit jemandem getroffen hat?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Michael hatte schon immer oft abends dienstliche Termine. Es kann schon sein, daß das nicht nur dienstlich war.“

„Und vor zwei Tagen?“ fragte Uwe.

„Ein Geschäftsessen, hat er gesagt. Und daß es spät werden kann.“ Sie sah auf ihre Hände. „Mir ist erst am nächsten Morgen aufgefallen, daß er nicht nach Hause gekommen ist.“

„Sie haben ihn sofort vermißt gemeldet.“

Frau Kriek-Hammer nickte.

„Warum?“ Sie sah ihn überrascht an. „Wenn Sie schon vermutet haben, daß er eine Affaire hat, dann wäre es doch auch möglich gewesen, daß er –“

„Sowas hätte er nicht gemacht“; unterbrach sie ihn bestimmt. „Ich meine, einfach wegzubleiben ohne Erklärung.“

„Sie hatten also sofort Angst, daß etwas passiert ist?“

Sie nickte.

„Haben sie dabei an etwas bestimmtes gedacht? Oder an jemand bestimmten?“

„Sie meinen, ob mein Mann ‚Feinde‘ hatte?“ Frau Kiek-Hammer lächelte kurz und wurde dann wieder ernst. „Entschuldigung, aber das klingt wie in einem schlechten Vorabendkrimi.“

„Jemand hat ihn getötet. Da ist die Frage recht naheliegend“, sagte Uwe ruhig. „Hatte er Streit mit jemandem? Vielleicht beruflich?“

Sie schüttelte den Kopf. „Nichts, von dem ich wüßte. Oder nichts, weswegen man jemanden umbringt.“

„Aber Sie haben an etwas Bestimmtes gedacht“, fuhr Thiel dazwischen. Er hatte das deutliche Gefühl, daß die Frau ihnen etwas verschwieg. Vielleicht nicht absichtlich – er hatte das schon öfter erlebt, daß Zeugen etwas wußten, es aber nicht erzählten, weil sie es für unwichtig hielten.

„Es klingt vielleicht albern …“

„Aber …?“

„In der letzten Zeit hatte er das Gefühl, daß ihn jemand verfolgt.“ Frau Kriek-Hammer sah sie entschuldigend an. „Also, ‚verfolgt‘ klingt jetzt sehr dramatisch. Er hatte das Gefühl, daß immer wieder derselbe fremde Wagen in unserer Straße steht. Oder daß ihn jemand beobachtet, wenn wir abends Licht anhatten und die Rollläden oben waren. Solche Sachen eben.“

„Aber Sie haben sich deswegen keine Sorgen gemacht?“

Frau Kriek-Hammer schüttelte den Kopf. „Das war nicht das erste Mal. Michael hat sowas öfter gehabt, vor allem in stressigen Zeiten. Regelrechte Zwangsvorstellungen waren das manchmal. Wenn es ihm wieder besser ging, hat er darüber gelacht.“

„Trotzdem haben Sie sofort die Polizei gerufen, als er am Morgen nicht zuhause war?“

„Als ich gesehen habe, daß das Auto nicht da ist, und daß er nicht hier geschlafen hat …“ Sie sah wieder auf. „Ich hatte plötzlich so ein schlechtes Gefühl.“

„Ist Ihnen denn auch etwas aufgefallen?“

Sie überlegte. „Also, das Auto war wirklich öfter da. Aber das heißt ja nichts, es kann ja jemand hier in der Nähe Besuch gehabt haben. Ansonsten – nein, eigentlich nicht.“

„Was für eine Auto?“

„Du lieber Himmel …“ Sie runzelte die Stirn. „Ein VW. Das Modell weiß ich leider nicht. So ein dunkler braun-grauer Farbton.“


***


Viel war das ja nicht, dachte Uwe, als sie wieder aus der Wohnung waren. Keine Schulden, kein Vermögen, wofür sich ein Mord lohnen würde – tatsächlich verdiente Frau Kriek-Hammer mehr als ihr Mann-, keine illegalen Geschäft; zumindest nichts, was ihnen bisher aufgefallen war. Eifersucht, vielleicht, aber eigentlich hatte er nicht den Eindruck, daß Frau Kriek-Hammer sie belogen hatte. Nur ein Paranoiker, der sich verfolgt gefühlt hatte.

„Das klingt ja wahnsinnig auffällig – ein VW“, sagte Frank, der anscheinend ähnlichen Gedanken nachhing.

Uwe schnaubte. „Hier schon.“ Er deute auf die parkenden Autos. „Das ist hier eher eine etwas wohlhabendere Wohngegend.“

„Kein Ahnung, was die alle an diesen Riesendingern finden“, brummte Frank.

„Wie auch immer, ich werde die Kollegen anweisen, hier und in der näheren Umgebung zu fragen, ob jemand in den letzten Wochen häufiger Besuch im dunkelgrauen VW hatte. Oder ob sonst noch jemandem der Wagen aufgefallen ist.“ Er öffnete die Autotür und sah zu Frank hinüber, der stehengeblieben war und gedankenverloren die Straße hinuntersah. Es war einfacher gewesen, als er gedacht hätte. Fühlte sich fast an wie früher, so als hätte es die Zeit dazwischen nicht gegeben. So als hätte es Franks letzte Wochen in Hamburg nicht gegeben.

„Ist was?“

Er schreckte zusammen und sagte das erstbeste, um seine Verlegenheit zu überspielen. „Kannst du dich noch erinnern, als das noch unser Job war? Von Tür zu Tür gehen und Leute befragen?“

Frank grinste. „Oh ja. Das vermisse ich wirklich nicht.“


***


Er hatte gerade angefangen, Frank von dieser Mordserie im Frühjahr zu erzählen, bei der die einzige Gemeinsamkeit der Opfer ein Account bei einer Partnervermittlung gewesen war, als sie durch das Reeperbahnlied unterbrochen wurden. Uwe grinste. Da hatte wohl doch jemand Heimweh. Frank sah aufs Display, brummte „Och nee …“ und hob ab.

„Was ist denn?“



„Natürlich bin ich gut angekommen.“



„Nee, es gibt noch nichts neues. Außerdem dürfte ich das sowieso eigentlich gar nicht –“



„Also eigentlich bin ich gerade mitten in der Arbeit.“



„Ja, bis heut‘ Abend dann.“

Frank legte auf und seufzte. „Tut mir leid. Wo warst du?“

„Hast du wieder geheiratet?“ fragte Uwe amüsiert. Der Tonfall kam ihm sehr vertraut vor. Frank sah ihn überrascht an. „Was? Nein … das war mein, äh, also, Kollege.“

Uwe runzelte die Stirn. „Ich dachte, ich hätte mit einer Frau Krusenstern gesprochen …“

„Mein Rechtsmediziner, meine ich“, brummte Frank. „Das ist der, dem die Leiche geklaut wurde.“

„Ah ….“ Er hielt den Blick standhaft nach vorne gerichtet. „Und jetzt hat er natürlich ein Interesse daran zu wissen, was aus ihr geworden ist. Verstehe.“

„Wenn’s nur das wäre …“ Frank seufzte. „Aber du wolltest mir von dieser Mordserie erzählen.“


* tbc *

Comments

Gefällt mir. :) Vor allem mag ich die Andeutungen, dass es da einige unaufgearbeitete Details in Thiels und Kohnaus (gemeinsamer) beruflicher Vergangenheit gibt. Sie verleihen dem Kapitel eine innere Spannung.
Danke!
Vor allem für die innere Spannung, denn das ist das einzige an Spannung, was ich überhaupt hinkriege ;)

Es ist echt keine gute Idee, einen Krimi als WIP zu schreiben und dann noch in jedem Kapitel Prompts unterbringen zu wollen ... Aber jetzt hab' ich den Ehrgeiz, die Geschichte bis Dienstag fertig zu bekommen. Auch wenn es dem Krimiplot sicher völlig das Genick bricht ;)