?

Log in

No account? Create an account
BT_Wandern

October 2017

S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031    

Büttenwarder

Powered by LiveJournal.com
T_Haare

Klassentreffen (Münster/Hamburg/Stuttgart-Crossover)

>> zum Crossover-Masterpost

Sommer-Challenge: Suspense - Partners in Crime - für mich
Team: Thalia
Fandom: Tatort Münster, Tatort Hamburg, Tatort Stuttgart (Crossover)
Personen: Frank Thiel (POV), Uwe Kohnau, Thorsten Lannert
Rating: ab 12
Genre: Krimi, Freundschaft
Länge: ~ 1.450 Wörter
Zeit: ~ 120 Minuten
A/N: es wird immer unspannender *Haare rauf* Und das Prompt habe ich sehr strapaziert.


***


Irgendetwas war hier nicht richtig … Er brauchte ein paar Sekunden, bis ihm klar wurde, daß die Wand auf der falschen Seite war, weil er nicht in seinem Bett lag. Nicht seine Wohnung. Boerne? schoß ihm im nächsten Moment durch den Kopf, bis er sich wieder erinnerte, daß er ja gar nicht in Münster war, sondern in Hamburg. Er setzte sich auf und ließ die Beine über die Bettkante baumeln. Ein gesichtsloses Hotel in Hamburg. Ein merkwürdiges Gefühl schnürte ihm den Brustkorb zusammen. Heimweh? Ohne daß er genau sagen konnte wonach eigentlich – nach dem Hamburg, in dem er zuhause gewesen war, mit Susanne und Lukas? Nach Münster? Er sah reflexartig auf sein Handy, aber da war kein verpasster Anruf. Stattdessen fiel sein Blick auf die Uhr und er fluchte. Verschlafen. Elendes Mistding, er war sich sicher, daß er den Wecker gestellt hatte. Zumindest hatte er gedacht, er hätte den Wecker erwischt. Kein Wunder, daß er sich so matschig fühlte, er hatte viel zu lange geschlafen. Jetzt konnte er gerade noch ins Bad springen, eine Tasse Kaffee runterstürzen und zu Uwe hetzen. Das fing ja gut an.


***


„Tschuldigung, hab‘ verschlafen.“

Uwe nickte nur, als er ins Büro kam. Bei dem Anblick wurde ihm unangenehm bewußt, daß er heute Morgen nicht nur nicht geduscht hatte, in der Hektik hatte er auch noch das gleiche T-Shirt wie gestern erwischt.

„Hab‘ ich was verpaßt?“

„Erinnerst du dich an Thorsten? Thorsten Lannert?“ fragte Uwe, während er sich setzte.

Thiel überlegte. „War das nicht der, dessen Familie …“

„Ja“, antwortete Uwe knapp, was ihn daran erinnerte, daß die beiden seinerzeit zusammengearbeitet hatten.

„Schlimme Sache.“

Uwe nickte. „Thorsten ist seit ein paar Jahren in Stuttgart.“

„Stuttgart? Im Ernst?“

Das brachte dann doch die Andeutung eines Lächelns auf Uwes Gesicht. „Jedenfalls, Thorsten hat schon vor drei Wochen die Daten eines Falls in Stuttgart zum Abgleich geschickt. Verheirateter Mann, kinderlos, relativ wohlhabend, Partnervermittlung – wie in den Fällen im Frühjahr.“

„Ermordet?“

„Nein, das ist der Unterschied zu den anderen Fällen. Der Mann war anscheinend irgendwo gefangen und konnte fliehen. Dummerweise ist er dabei vor ein Auto gerannt und lag bis vor kurzem im künstlichen Koma.“ Uwe schob ihm eine Tasse über den Schreibtisch. „Willst du eigentlich einen Kaffee? Du siehst aus, als wärst du direkt aus dem Bett gefallen.“

„Kommt hin“, sagte Thiel etwas verlegen. „Danke.“

„Vorgestern haben sie ihn aus dem Koma geholt, und gestern konnten die Stuttgarter Kollegen den Mann das erste Mal vernehmen.“ Uwe drehte den Bildschirm um. „Hier, das ist das Protokoll.“

Thiel las, während er Uwes lauwarmen Kaffee trank und das Gesicht verzog. Aber egal, Koffein blieb Koffein. „Zwei Frauen?“

„Ja.“ Uwe wartete einen Moment, bis er am Ende war. „Gestern wurde per Eilbeschluss eine länderübergreifende Ermittlungsgruppe gegründet. Thorsten ist um fünf losgefahren und sollte gegen Mittag hier sein.“

„Das wird ja ein richtiges Klassentreffen“, kommentierte Thiel, während er versuchte, die neuen Informationen einzuordnen. „Wir sollten als nächstes –“ Er stockte, als er Uwes Gesichtsausdruck sah. „Alles O.K.?“

„Ich hab‘ Thorsten nicht mehr gesehen, seit das … seit er nach Stuttgart ist.“ Uwe wich seinem Blick aus.

„Du hast doch damals keinen Fehler gemacht.“ Ein Zufall, das hatte Mieke erzählt. Furchtbar, aber nicht vorhersehbar. Man konnte sich natürlich fragen, ob das Risiko eines solchen Einsatzes für einen Familienvater nicht zu groß war. Andererseits hatten Lannert und seine Frau schon getrennt gelebt, als er in die Abteilung für verdeckte Ermittlungen gewechselt war; sonst wäre das keine Option gewesen.

Uwe sah auf. Das erinnerte ihn an die Zeit, als Uwe bei ihm angefangen hatte. Ein magerer Schlacks, der ihn um einen guten Kopf überragt hatte, und so leicht zu lesen wie ein Buch. Das hatte er mit den Jahren besser in den Griff bekommen, aber in diesem Moment war für Thiel mehr als offensichtlich, was seinem Kollegen durch den Kopf ging. „Du denkst doch nicht ernsthaft, daß das deine Schuld war?“

„Ich hab‘ ihn für den Einsatz eingeteilt.“ Uwe stockte. „Wenn ich das damals nicht gemacht hätte, hätte –“

„Hätte, hätte, Fahrradkette“, unterbrach er ungeduldig. „Das ist doch Quatsch. Thorsten wußte doch, auf was er sich einläßt. Und was da passiert ist – wer hätte das denn ahnen können?“

Uwe zuckte mit den Schultern. Ganz überzeugt wirkte er nicht, aber immerhin sah er nicht mehr ganz so schuldbewußt aus.

„Hattet Ihr noch Kontakt in den letzten Jahren?“

„Telefonisch, ja. Stuttgart ist ja nicht gerade um die Ecke.“

Thiel nickte. Münster war im Verhältnis dazu um die Ecke, aber Uwe und er hatten in den letzten Jahren nicht einmal telefoniert. Erst, weil er Hamburg am liebsten vergessen wollte. Und dann war irgendwie alles schon so lange her gewesen, und er hätte auch nicht wirklich gewußt, wie er den Kontakt wieder aufnehmen sollte.

„Ich hab‘ schon mal mit einer strukturierten Übersicht über die verschiedenen Fälle angefangen“, unterbrach Uwe seine Gedanken und deutete hinter sich zur Wand.

„Analog – hast du das mir zu liebe gemacht?“

Uwe lächelte schwach. „Klar doch. Wie ich’s gelernt hab.“


***


„Ihr seid ja schon gut dabei“, war alles, was Thorsten gesagt hatte, als er knapp drei Stunden später angekommen war. Und hatte sich nach kurzer Begrüßung gleich mit in die Arbeit gestürzt und einige Details zum Stuttgarter Fall ergänzt. Thiel hatte mit Lannert außer bei einigen wenigen Großeinsätzen nie zusammengearbeitet, aber da sowohl er und Uwe als auch Lannert und Uwe sich gut kannten, lief die Arbeit so routiniert, als hätten sie nie etwas anderes getan.

„Ich glaube, jetzt haben wir alles.“

Sie traten einen Schritt zurück und betrachteten ihr Werk. Vier Tote, ein Überlebender. Alles Männer zwischen fünfundvierzig und fünfundfünfzig. Alle verheiratet und kinderlos. Alle in Berufen mit gutem bis sehr gutem Einkommen. Und am auffälligsten: die Online-Partnervermittlung. Immer eine andere, aber jeder der fünf hatte einen Account gehabt, ohne daß die jeweilige Ehefrau davon wußte. Drei Opfer waren im Zeitraum Februar bis April in Hamburg und Umgebung tot aufgefunden worden, eines vor drei Wochen in Stuttgart entkommen und der letzte vor zwei Tagen in Hamburg ermordet worden.

„Die Tötungsarten sind der größte Unterschied“, stellte Uwe nüchtern fest. „Wir haben dreimal eine Vergiftung mit einer Überdosis Barbiturate, und dann Michael Hammer, der offenbar durch mehrere Stichverletzungen ums Leben gekommen ist.“

„Was macht die Suche nach der fehlenden Leiche?“ fragte Thorsten.

„Nichts Neues.“ Er hatte im Laufe des Morgens mit Nadeshda telefoniert. „Die Stichverletzungen sind auf den Fotos der Tatortaufnahme gut zu erkennen, aber genaueres wissen wir nicht, weil es ja nicht mehr zur Obduktion gekommen ist.“

„Irgendwas ist da schief gelaufen“, sagte Thorsten nachdenklich. „Sie sind in Panik geraten. Und dann haben sie die Leiche zurückgeholt, um den Fehler zu korrigieren.“

Thiel nickte. So etwas in der Art hatte er sich auch schon gedacht.

„Mittagspause?“ fragte Uwe. „Ich glaube, wir brauchen mal ein paar Minuten Abstand.“

„Gute Idee.“ Thorsten kramte nach seinem Handy. „Ich muß nur mal kurz in Stuttgart anrufen.“

Während Uwe den Rechner sperrte und Thorsten im Hintergrund offenbar seinen Kollegen informierte, daß er gut in Hamburg angekommen war – Nein, die alte Kiste ist mir nicht unterm Hintern zusammengebrochen – zog Thiel sein eigenes Handy hervor. Kein Anruf. Langsam fragte er sich, ob er sich Sorgen machen mußte.


***


„Zwei Frauen“, sagte Thorsten, als sie in der Kantine vor ihren Tellern saßen. „Eine Anfang vierzig, blond, attraktiv, die über Partnerschaftsvermittlungen wohlhabende verheiratet Männer kennenlernt. Die zweite etwas jünger, dunkelhaarig, kommt erst ins Spiel, wenn es darum geht die Männer zu erpressen.“

„Und spioniert das Umfeld der Opfer aus“, ergänzte Uwe. Sie hatten mittlerweile die Personenbeschreibung, die Thorsten von Fliegenschnäpper bekommen hatte, mit der Beschreibung verglichen, die eine aufmerksame Nachbarin der Hammers zu der Fahrerin des braunen VW Golf geliefert hatte.

„Aber warum?“

„Hintergrundrecherche?“ schlug Thiel vor. „Um sicher zu stellen, daß es sich um ein lohnendes Opfer handelt?“

Sie betrachteten die Phantomzeichnungen, die anhand von Fliegenschnäppers Beschreibungen angefertigt worden waren. Zwei Frauen wie tausend andere. Nicht häßlich, aber auch nicht besonders hübsch. Durchschnittlich. Unauffällig.

„Ein mörderisches Duo …“, kommentierte Thorsten. „Ihr habt doch im Frühjahr sicher die Kontakte über die Partnervermittlungen überprüft. Ist da keine der beiden aufgetaucht?“

Uwe schüttelte den Kopf. „Wir hatten mit staatsanwaltschaftlicher Anordnung die Daten aller Frauen bekommen, mit denen sich die drei Opfer getroffen hatten. Und natürlich alle überprüft – das hat uns Wochen gekostet. Aber in keinem Fall ließ sich eine Tatverbindung ermitteln. Und keine der Frauen hatte Kontakt zu allen drei Opfern.“

„Wir sollten die Phantomzeichnungen trotzdem nocheinmal mit den Frauen aus den drei Fällen im Frühjahr vergleichen lassen.“

Thiel nickte zustimmend. „Hat dein Team noch Kapazitäten, Uwe? Oder brauchen wir Verstärkung?“

Uwe setzte zur Antwort an, wurde aber vom Piepsen seines Handys unterbrochen. „Moment … das ist dienstlich.“ Er sah aufs Display und sein Gesichtsausdruck verdüsterte sich. „Wir haben ein weiteres Opfer. Eine Frau aus Altona hat ihren Mann seit gestern Abend vermißt gemeldet.“

„Sieht es danach aus, als –“

„Er paßt ins Raster.“


* tbc *

Comments