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Büttenwarder

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Tatort Nachlese: Die Rezensionen und Boerne/Zoltan

Ich hab heute die ein oder andere Rezension zum Tatort gelesen und finde es ziemlich auffällig, daß alle davon auf Thiel und Klara Wenger (”love interest”, “hat das Zukunft” ...) angesprungen sind, aber nicht eine Boerne und Zoltan auch nur erwähnt hat. Nun neige ich zwar dazu, alles durch die Slashbrille zu sehen, aber jetzt mal ehrlich - war das zwischen Klara und Thiel nicht viel eher was fast schon Geschwisterliches? Ich hatte eher das Gefühl, daß Thiel mit der plötzlichen Vertrautheit und mangelnden Distanz überfordert war, auch weil er sich ja nicht mehr erinnert hat, Klara zu kennen. Und bei ihr hatte ich nicht wirklich das Gefühl, daß sie im romantischen Sinn an ihm interessiert war. Versteht mich nicht falsch, ich mochte Klara und hatte Spaß an der Dynamik zwischen den beiden, aber “love interest”, das sehe ich da eher nicht.

Dagegen fand ich es nicht zu übersehen, daß da was war zwischen Zoltan und Boerne. Und nicht nur im Subtext, sondern greifbar und offensichtlich. Womit ich jetzt auch nicht meine, daß die zwei nach dem ausgesprochen vorteihaft - und mit Sicherheit mit Bedacht - gesetzten Schnitt nach Zoltans kleinem Striptease zusammen auf Boernes Obduktionstisch gehüpft sind. Vielleicht ist ja auch gar nix weiter passiert als das, was wir gesehen haben. Aber das ist passiert, und es wurde zumindest damit gespielt, daß da mehr hätte sein können. Zum Beispiel durch Thiels Reaktion(en). Aber das ist eben in keiner der Rezensionen, die ich gelesen habe, auch nur erwähnt worden. Als wären alle vollkommen blind für die Möglichkeit, daß es durchaus auch zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts mal knistern könnte. 

Comments

Bei uns auf der Fanseite ist einigen die intensive Beziehung zwischen Boerne und GOD aufgefallen. Aber ja, du hast recht, die Zeitungen schreiben da wenig bis gar nichts zu. Lediglich über Jans und Aleksandars Spiel - die einen meinen, Jan wurde zum Statisten, die anderen, er habe sich durch GODs wuchtige Performance mitreißen lassen und sei richtig gut gewesen.

Das alles interessiert mich jetzt gar nicht mal so sehr. Ich sehe Klara und Thiel wie du und GOD und Boerne nicht durch die Slash-Brille und von daher sehr einseitig, nämlich nur von GOD ausgehend, was Boerne total überfordert. Klar, er betet seinen Helden an, nicht mehr und nicht weniger. Will halt groß rauskommen und hält sich vor allem für geeignet dazu.
Aber warum ist die Episode dermaßen schlecht angekommen??? Konnten die Leute genau mit der Darstellung von GOD und Boerne nicht umgehen, eben weil sie selbst zu spießig sind?
Ich verstehe es nicht. Und ich mochte die Folge sehr, genau wie Schwanensee, die durchaus Ähnlichkeiten aufweist. Alle Gäste wie frisch aus der Anstalt. :D
Aber warum ist die Episode dermaßen schlecht angekommen??? Konnten die Leute genau mit der Darstellung von GOD und Boerne nicht umgehen, eben weil sie selbst zu spießig sind?
Interessant, daran, dass das der Grund sein könnte, habe ich noch gar nicht gedacht.
Ich vermute, dass es teilweise leider tatsächlich daran liegt, dass ein Großteil der Leute die Folgen von Cantz&Hinter (Gott, ich bin echt müde, habe eben erst Hintz geschrieben ...) bevorzugt. Nach Fangschuss z.B. las ich zwar auch negative Kommentare, aber doch deutlich weniger als diesmal.

Alle Gäste wie frisch aus der Anstalt. :D
Lol. :-D
Ach Mann, ich bin gerade so müde, kommentiere das bald länger, aber du sprichst mir so ziemlich zu 100% aus der Seele.
Ich sehe das, was Thiel und Klara betrifft, so wie du, bzw. ich bin mir nicht ganz sicher, ob da von ihrer Seite aus mehr sein sollte, aber von Thiels Seite aus sah ich da definitiv keinerlei Interesse. Er kam mir, wie dir, eher überfordert und auch genervt vor.

Womit ich jetzt auch nicht meine, daß die zwei nach dem ausgesprochen vorteihaft - und mit Sicherheit mit Bedacht - gesetzten Schnitt nach Zoltans kleinem Striptease zusammen auf Boernes Obduktionstisch gehüpft sind.
Bitte nimm mir nicht meine Illusionen. :-P Die Szene, in der Zoltan vor Boerne das Hemd auszieht, ist für mich so ziemlich die heißeste Szene, die ich jemals in einem Tatort gesehen habe. *räusper*

Als wären alle vollkommen blind für die Möglichkeit, daß es durchaus auch zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts mal knistern könnte.
Ich glaube, das ist leider tatsächlich das Problem, viele SIND dafür blind, ziehen nicht ansatzweise in Erwägung, dass da was sein KÖNNTE. Für viele ist es einfach unvorstellbar, dass solche Szenen - also Knistern zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts - einfach mal so gezeigt werden. Wären ähnliche Szenen wie zwischen Boerne und Zoltan zwischen Boerne und einer Frau gezeigt worden, so bin ich mir recht sicher, wäre für die meisten Zuschauer klar gewesen, dass da „was geht” zwischen den beiden.

Zu der Kölner Tatortfolge, in der der Assistent seinen Freund küsst, schrieb irgendjemand auf Fb den dämlichen Kommnentar „Genderwerbung im Tatort?”

Es ist traurig, aber der Anteil der Leute, für die alles andere als Heterosexualität nicht normal ist, ist nach wie vor hoch, und nicht wenige fühlen sich auch richtig provoziert von dem Thema, so jedenfalls meine Beobachtung, was Kommnentare im Internet betrifft, in Foren etc. Das Thema würde glorifiziert werden und was weiß ich.

Ich finde es sehr sehr sehr schade, dass Homosexualität in Filmen und Serien in vielen Fällen entweder mit einem Drama verbunden ist oder aber es wird irgendwie veralbert dargestellt, ich würde mir einfach so sehr wünschen, dass sich das irgendwann ändert. Ich brauche nicht in jedem Film einen „Quotenhomo”, aber ich fände es schön, wenn es einfach völlig normal wäre, wenn nicht nur Heteros in Filmen/Serien zu sehen sind.







Edited at 2017-11-20 09:49 pm (UTC)
Die Szene, in der Zoltan vor Boerne das Hemd auszieht, ist für mich so ziemlich die heißeste Szene, die ich jemals in einem Tatort gesehen habe. *räusper*

Lalala... Der ganze Teil. Wie er Boerne vom Obduktionstisch ansieht, wie er ihn an sich zieht, wie er sich die Brust streichelt, wie er sich dann auf die Seite dreht, um mit Thiel zu sprechen... Ahem.
Naja, Leute. Boerne war verheiratet, hatte Katharina, die Prinzessin, und baggert hilflos auch sonst immer mal vor sich hin oder erinnert sich an Baggerversuche (Der dunkle Fleck, Die Kekserbin in das ewig Böse, die Kollegin in Ruhe sanft, Thiels Angebetete in der doppelte Lott, die Jagdtusse aus Fangschuss...)
Logisch kann das breite Publikum, das Boerne 31 Folgen lang als hetero angesehen hat, nicht damit umgehen, dass er jetzt mit einem Mal schwul sein soll. Wie ihr, durch die Slashbrille, schaut nämlich kaum einer!


Edited at 2017-11-20 10:08 pm (UTC)
Darum geht es mir bei meiner Frage aber gar nicht. Auch wenn ich die zwei garantiert ein wenig slashen werde ... Ich denke nicht, jemand muß diesen Tatort sehen und erkennen, Charakter X und Y sind schwul. Was mich wundert, ist, daß sich Zoltan ziemlich eindeutig sexuell provokativ (mir fällt gerade kein besseres Wort ein) verhält, was den anderen (v.a. Boerne und Thiel) auch eindeutig auffällt. Die Reaktionen sind dann natürlich wieder Interpretationssache, aber daß die anderen Charaktere das wahrnehmen, kann man kaum bestreiten. Damit ist noch nicht gesagt, daß da mehr dahinter stecken muß. Vielleicht ist das Zoltans Standard-Setting. Mit Frau Haller flirtet er ja auch recht aggressiv. Wenn auch ein wenig ... galanter. Ob Boerne das reizvoll findet oder Thiel eifersüchtig wird, das ist dann wieder reine Interpretation, der ich mich mit Freuden hingeben werde ;)

Ich finde es halt seltsam - oder eigentlich eher bezeichnend - daß die Interaktion zwischen Klara und Thiel sofort als erotisch/romantisch wahrgenommen wird, die zwischen Zoltan und Boerne aber grundsätzlich nicht. Obwohl Zoltan im Gegensatz zu Klara derjenige ist, der wesentlich deutlicher flirtet, Signale sendet, oder wie auch immer man das nennen will. (Auch hier mit dem Hintergrund: Ob er das ernst meint oder nicht ist damit noch gar nicht gesagt, vielleicht will er Boerne auch nur ein wenig aus der Fassung bringen.)

Edit: Auch wenn ich zwischenzeitlich noch einige Rezensionen mehr gelesen habe und die Spekulationen zu Thiel und Klara doch recht selten sind, wie ich fairerweise zugeben muß. Ich wage aber zu behaupten, hätte sie sich so vor Thiel ausgezogen wie Zoltan vor Boerne, sähe das anders aus ;) Oder, um den Versuch etwas weiter zu treiben: Wenn die Rolle des Zoltan weiblich besetzt gewesen wäre, denkst Du nicht, daß ihr Verhalten dann völlig anders wahrgenommen worden wäre?

Edited at 2017-11-21 06:53 am (UTC)
Ich sag's ja: meiner Meinung nach sind alle miteinander zu spießig und ignorieren das bei m/m vollständig weg. Kritiker wie Zuschauer öffnen sich nur Thiel und Klara, denn das ist, 'wie es sich gehört'. Alles andere wird totgeschwiegen, soll jeder für sich selbst denken, aber nicht laut sagen. Warum? Keine Ahnung. Ich slashe die beiden auch nicht, aber ich bin nicht blind. Und mein allererster Satz zu diesem Tatort war (Tjej kann es bestätigen, denn ihr habe ich es vor Wochen gschrieben): Den Tatort habe ich heute geschaut. Er ist sehr gay, aber eben nicht bei Boerne und Thiel. Vor allem GOD ist da irre. (Und sehr intensiv gespielt. Ich mag diesen Aleksandar aber, vielleicht bin ich da voreingenommen. Mag sein, dass er anderen zu übertrieben ist.)
Ich denke, anderen war es zu übertrieben.

Und klar, wäre Boerne so angeflirtet worden von einer Frau, wäre das ganz ganz ganz anders wahrgenommen worden, da bin ich sicher.


Edited at 2017-11-21 07:03 am (UTC)
Dann reden wir ja doch nicht aneinander vorbei ;)
Die Szene, in der Zoltan vor Boerne das Hemd auszieht, ist für mich so ziemlich die heißeste Szene, die ich jemals in einem Tatort gesehen habe. *räusper*
da kann ich mich doch voll anschließen :)

aber ich fände es schön, wenn es einfach völlig normal wäre, wenn nicht nur Heteros in Filmen/Serien zu sehen sind
Amen.
Und da denkt man, die Welt hätte sich weiterentwickelt, und liest dann z.B. Kommentare zum Kölner Assistenten. Das hat mich auch sehr aufgeregt. Dabei ist das doch nicht mehr oder weniger als die Realität - ich habe in meinem biederen Verwaltungszweig schon mehrere schwule Kollegen (von denen ich das weiß). Da kann man ja wohl damit rechnen, daß das auch mal in einem Kommissariat vorkommt.

Edited at 2017-11-21 09:06 pm (UTC)
Als wären alle vollkommen blind für die Möglichkeit, daß es durchaus auch zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts mal knistern könnte.

Auch umgekehrt: Mann & Frau, da muss automatisch was laufen. Auch wenn Thiel nach Boernes Hilfe ruft, wenn sie sich auszieht, und es ziemlich unangenehm zu finden scheint, als sie ihm die Schulter massieren will. Ich hab das ganze auch mehr geschwisterlich gesehen. So wie alte Kindheitsfreunde eben. Ich hatte auch überhaupt nicht das Gefühl, dass sie etwas von Thiel wollte.

Zoltan hingegen... aber Hallo. Bei Boerne kann man sich jetzt wieder streiten, aber bei den beiden war es zumindest einseitig, das ist schonmal mindestens eine Seite mehr als bei Thiel und Klara. ;) Und ja, dass Thiel ernsthaft(!) fragt, ob Zoltan mit Boerne im Hotel gewesen war, zeigt doch, dass zumindest Thiel das in Erwägung zieht. Nach den ganzen Andeutungen, die er davor gemacht hat, klang das nicht so, als würde er da allein an irgendwelche Kunstfachsimeleien denken. Während Nadschda ja doch recht entsetzt ausgesehen hat, als Klara Thiel die Massage angeboten hat, und das sah für mich nicht so aus, als hätte sie Angst, dass es da gleich vor ihrer Nase zur Sache geht oder so.
Mann & Frau, da muss automatisch was laufen.
Stimmt, so ist für mich auch erklärbar, warum einige zwischen Thiel und Klara mehr gesehen haben. Zwischen Thiel und Larissa(?) hat es geknistert, klar, aber zwischen Thiel und Klara - meiner Meinung nach - echt nicht.

Dem Rest stimme ich auch zu. :-)

PS: Ich liebe dein Benutzerbild. ;-) Abby. ♥

Edited at 2017-11-20 10:46 pm (UTC)
Zwischen Thiel und Larissa(?) hat es geknistert
Oh, ja. Das unterschreibe ich sofort. Und auch zwischen Boerne und Katahrina (3 x schwarzer Kater) und zwischen Boerne und Song Ma (wenn auch auf etwas andere Art).

In diesem Tatort war aber eben eindeutig mehr erotische Spannung zwischen Zoltan und Boerne als zwischen Klara und Thiel.
Jaaa, die anderen, da war wirklich was. Insebondere Thiel und Larissa fand ich sehr hinreißend.

In diesem Tatort war aber eben eindeutig mehr erotische Spannung zwischen Zoltan und Boerne als zwischen Klara und Thiel.

Schon allein wenn man mal vergleicht, wie Zoltan sich ausgezogen hat und wie Klara sich ausgezogen hat. Zoltans Blick klebt an Boerne und er rückt ihm ziemlich offensiv auf die Pelle, während Klara und Thiel einen großen Sicherheitsabstand haben und Klara sich nur für ihre Knöpfe interessiert und nicht dafür, was Thiel gerade macht und ob er ihr z.B. zusieht. Das war halt echt Striptease vs Umkleidekabine.

Davon abgesehen fand ich es klasse, dass es hier halt mal ein wenig Female Gaze war und kein bisschen Male Gaze. Fühlt man sich so als Mann öfter? Hmmmm... da macht es micht ja auch ein wenig neugierig, welche von deinen Rezensenten männlich waren? Vielleicht ist man es als Mann auch nicht gewöhnt, Männer als sexy zu interpretieren? Naja, spielt vielleicht alles irgendwie mit rein. :/

Edited at 2017-11-21 08:36 am (UTC)
Ob die Rezensenten männlich waren, würde mich allerdings auch interessieren... Ich glaube nämlich schon, dass das daran liegt.
Am liebsten würde ich jetzt ganz weit ausholen und damit anfangen, wie Maskulinität und Femininität in der Gesellschaft stehen und wie sich das auf die zwanghafte "no homo"-Kultur von hauptsächlich cishet-Männern auswirkt, aber darüber könnte ich auch gleich eine ganze Dissertation schreiben.
Kurz gesagt: Den (vermutlich cishet) Männern traue ich *noch* eher zu, derart offensichtliche... Dynamiken zu verschweigen, sei es, weil sie über "das Thema" (lies: Homosexualität) nicht berichten wollen (aus der irrationalen Angst heraus, dann selbst als schwul bezeichnet zu werden?) oder weil sie schlicht und einfach so überfordert sind damit. Jedenfalls würde ich mir das so erklären.

So viel zu meiner (männlichen) Perspektive. :D
Striptease vs Umkleidekabine
beschreibt es perfekt!
Deshalb hab' ich vermutlich auch gedacht, daß sie tatsächlich nur in Erinnerung an alte Zeiten Klamotten tauschen will. Auch wenn das natürlich auch schon eine vorurteilsbehaftete Interpretation ist, weil ich damit ja davon ausgehe, daß Frauen sich immer "sexy" geben müssen um zu flirten.

Vielleicht ist man es als Mann auch nicht gewöhnt, Männer als sexy zu interpretieren?
Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Gilt vermutlich sogar nicht nur für Männer, wir sind es alle zusammen nicht gewöhnt Männer in der Rolle des Sexobjekts zu sehen.

dass es hier halt mal ein wenig Female Gaze war und kein bisschen Male Gaze
Und das erklärt hervorragend, warum ich mich ausnahmsweise mal bei beiden Ausziehszenen wohlgefühlt habe ;)
Das kann man noch nicht mal ganz alleine dem Publikum anrechnen, immerhin scheinen ja viele Autoren auch oft zu denken "Mann + Frau = passt schon".
Und selbst wenn sie offener und experimentierfreudiger wären, würden ihnen die Sender vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen. Aus Angst vor den Reaktionen der Zuschauer? Ich nehme es zumindest an.
Also, dass zwischen Klara und Thiel eventuell "erotische Spannung" geherrscht haben soll, ist mir erst beim Lesen der Rezensionen aufgefallen. *lol* Ich habe es die ganze Zeit als Kindheitserinnerungen - an eine sehr verrückte Kindheit in einer Kommune mit Sachen, die heute nicht mehr so gemacht würden - gesehen. Und Thiel ist jetzt hin- und hergerissen zwischen amüsiert und peinlich berührt sein.
Also Frau Staatsanwältin nackt fand er witzig, sich selbst in Mädchenkleidern, das Bild wollte er am liebsten verstecken.
Und so denke ich, war Klara noch immer als die Person angelegt, die wesentlich draufgängerischer als er ist und diese Vergangenheit auch deutlich einfacher akzeptiert und in ihr Leben integriert hat. Thiel hat genau das behalten, was er behalten wollte, den Rest verdrängt.

Und bei der Szene zwischen Boerne und GOD auf dem Tisch in der Pathalogie - wow, da habe ich es aber deutlich knistern gesehen. Vor allem von GODs Seite aus - Boerne ist hier ähnlich wie Thiel, zwischen Faszination und Erstaunen hin- und hergerissen.

Eigentlich ist das ziemlich gleich angelegt, sowohl Thiel als auch Boerne werden mit zwei Personen konfrontiert, die zu "offen", zu draufgängerisch, zu unkonventionell für sie sind.

Und jetzt muss ich mal noch ein paar mehr Rezensionen lesen gehen.

Und den Satz "Umkleidekabine" versus "Striptease" finde ich ganz klasse! *bg*

Edited at 2017-11-21 01:05 pm (UTC)
Irgendjemand (ich glaube this_is_just_a_guest) hat auf tumblr kommentiert, daß die Figuren in diesem tatort jeweils gespiegelt werden: Thiel mit Klara, Boerne mit Zoltan und Wilhelmine Klemm mit Nika Wenger. Und bei Thiel und Boerne kommt dann noch dazu, daß beide in die Situation gebracht werden, von ihrem "Spiegel" überfordert zu werden, also auch die Situation selbst wird gespiegelt. Das finde ich zwei sehr interessante Gedanken.

wow, da habe ich es aber deutlich knistern gesehen
aber hallo ;)
Also mir ist das mit GOD und Boerne auch aufgefallen, da war meiner Meinung nacht definitiv als zwischen Thiel und Klara. Hab das auch in ein paar Kommentaren gelesen. Bin aber des meinung das das ehr wenig passt. Thiel war in der Hinsicht ja auch ehr genervt. Bei Boerne und GOD wäre es denke ich realistischer gewesen, eben weil die Reaktion anderst war. Und ich bin auch der Meinung wie einige andere hier, das wenn GOD eine Frau gewesen wäre das ganze anderst gelaufen wäre.
Warum genau der TO allerdings so polarisiert verstehen ich auch nicht, ich fand ihn sogar besser als den letzten.
Na zumindest hier sind wir uns zumindest einig und niemand hat die Spannung zwischen Boerne und Zoltan übersehen (können) :D

Ich hab' noch nicht so viele Rezensionen gelesen, aber die Polarisierung ist bei Münster ja meistens hoch. Und hier war ja nun wieder vieles sehr überzeichnet. Aber ich fand es eben unterhaltsam überzeichnet, und ... ja, was soll ich sagen, ich hatte Spaß dabei.
Das mit GOD und Boerne war mal so offensichtlich (und ich da für einen Moment echt verwirrt ob jetzt Fetisch-Porn oder Tatort) - aber Mann/Frau ist halt das übliche "der Norm entsprechende".

Persönlich hatte ich das Gefühl dass Thier Klara eher abneigend gegenüber stand, genervt war und ich denke das ganze lieber hätte ruhen lassen.
Ich glaube, Thiel war wegen der Kindheitserinnerungen peinlich berührt. Vielleicht gerade, weil er sich selbst nicht mehr erinnert hat. Zumindest am Anfang. Das zusammen Bier trinken und Fotos schauen hat ihm dann doch auch Spaß gemacht. Aber eben nix romantisches. Ich könnte mir gut vorstellen, daß die zwei die Kindheitsfreundschaft wieder auffrischen.
Dann gebe ich wohl auch mal meinen Senf dazu, was? :D

Wobei hier im Grunde ja schon alles gesagt wurde. Ich denke, wir sind uns grundsätzlich alle einig darüber, dass im Fernsehen eine (bewusste) Heteronormativität herrscht, die jegliche sexuellen Interessen, die nicht der Norm entsprechen, im Keim erstickt. Außer natürlich, sie sind von Klischees gezeichnet, dann ist das natürlich wieder völlig in Ordnung, denn so können die Zuschauer wieder in ihren Schubladen denken (man denke nur an alle zuvor im TM gezeigten, offenen schwulen Charaktere, die immer zumindest ein bisschen "tuntig" daherkamen).

Ich denke, die Neigung zum Schubladendenken wird das größte Problem in dieser Thematik sein. Das fällt mir nicht nur im Bezug auf die Sexualität auf, sondern auch in anderen Bereichen. Boerne zum Beispiel, der in den neuen Tatort-Folgen immer öfter der oberflächliche, arrogante, narzisstische Professor ist, mit irgendwelchen merkwürdigen Hobbys und starker Geltungssucht. Also genau so, wie man sich so einen Professor vorstellt. Und warum? Weil es einfacher ist zu verstehen. Weil es witziger ist. Es ist leichtere Unterhaltung. Wenn Menschen Filme schauen, insbesondere am Sonntagabend, wollen Sie sich in der Regel keinen tiefgründigen Gedanken hingeben, geschweige denn ihre Weltsicht hinterfragen. Sowas ist ja auch anstrengend. Sobald wir etwas wahrnehmen, das nicht in die in unserem Kopf vorgefertigten Schemata zu passen scheint, entstehen kognitive Konflikte, die wiederum eine Veränderung der Strukturen im Gehirn fordern (je älter man wird, desto stärker ausgeprägt ist dieses Phänomen, da die Schemata entsprechend des Alters gestärkt sind). Vielschichtige Charaktere können da durchaus ein Problem sein, denn sie zwingen uns dazu, die Figur auf eine deutlich komplexere Art zu betrachten und (im Extremfall) unser Weltbild zu hinterfragen. Da das Gehirn in der Regel aber den einfachsten Weg wählt (mit dem geringsten Kraftaufwand), wird oft zwanghaft versucht, die wahrgenommenen Informationen an die vorhandenen Schemata anzupassen, oder, falls die Diskrepanz zu groß sein sollte, als "Ausnahme der Regel" einzuordnen. Und dieser Faulheit kommen besonders Cantz und Hinter in den letzten Jahren mit ihren Drehbüchern entgegen, indem sie Boerne (auch andere, aber eben insbesondere ihn) nur noch mit den Charaktereigenschaften ausstatten, auf die er sowieso immer reduziert wird. Die Zuschauer fühlen sich dann beim Gucken bestätigt und vor allem besser unterhalten; denn natürlich war das ja "so typisch" und "hat genau gepasst." Und das hat es dann ja auch, zumindest zu ihrer Vorstellung von Boerne, die eben in vielen Fällen genauso abgeflacht ist wie der Charakter in "Fangschuss" oder "Summ, summ, summ?. Und mal im Ernst, wer kann es ihnen verübeln? Ich würde behaupten, die wenigsten Leute finden großen Spaß an Charakteranalyse, zumal der Durchschnittszuschauer sich ja auch nicht annähernd so intensiv mit den Figuren auseinandersetzt, wie wir das tun. Natürlich können sie das nicht in der Tiefe betrachten. Ich finde es zwar schade, dass oft so eine grundsätzliche Abneigung gegen Vielschichtigkeit in der Charakterzeichnung besteht, kann es aber zumindest hier auch ein Stück weit verstehen.
Wenn dann aber natürlich Leute wie Wettcke und Silber kommen, die diese Schubladen ganz bewusst thematisieren und mit ihnen spielen (und das haben sie bisher in jeder ihrer Folgen getan), dann kann das eben dazu führen, dass der Durchschnittszuschauer sich in seinem Seherlebnis beeinträchtigt fühlt, weil er eben die Charaktere nicht so einfach durchschauen kann und dazu genötigt wird, nachzudenken. Wenn man dazu keine Lust hat, tut man es als "schlecht geschrieben" ab, so ist jedenfalls meine Erfahrung, oder eben, wie oben schon erwähnt, als Ausnahme der Regel. Und natürlich kategorisieren die Leute Boerne sofort unter "hetero", weil sie das bei jedem tun, der es nicht explizit anders klarstellt oder den gängigen Klischees entspricht (was ja wieder damit zusammenhängt, dass unsere Gesellschaft Heterosexualität als die Norm versteht). Die Aufgabe, diese Kategorisierung wieder zu verändern/anzupassen, ist ja an sich schon schwierig und anstrengend genug für unser Gehirn. Wenn es dann aber noch um so ein sensibles und polarisierendes Thema wie die Sexualität geht, redet man da sehr oft gegen Wände. Ich glaube, viele können damit dann einfach nicht umgehen, der kognitive Konflikt ist zu stark, das Filmerlebnis stark beeinträchtigt. Man kann die Handlungen der Charaktere also entweder nicht verstehen, hält sie für komisch/OOC, für einfach nur witzig oder eben für total schlecht. So oder so, es kann immer dazu führen, dass Filme dadurch im Nachhinein förmlich zerrissen werden. Natürlich gibt es sowas auch berechtigterweise, manche Filme sind einfach nicht gut. Aber ich glaube, bei dieser Folge hat es vor allem etwas damit zu tun, dass viele Leute einfach überfordert damit gewesen sind, weder Boerne noch GOD noch Thiel noch Klara (und das sind viele Leute für einen einzigen Film!) richtig einordnen oder einschätzen zu können; weil keiner sich ausschließlich an seine typischen Kategorien gehalten hat. Und ich glaube, viele wollten sich damit auch nicht näher beschäftigen. Und vielleicht wird sich dann gerade deshalb an den Schubladen festgehalten, die doch noch irgendwie zu sehen waren (oder zumindest interpretiert werden können), ganz egal, ob da jetzt die erotische Spannung zwischen GOD und Boerne zehnmal so groß war wie zwischen Thiel und Klara. Und wie gesagt, viele Leute nehmen das so vermutlich auch nicht wahr, da in ihrem Schema die Kategorie "homosexuell" oder "bisexuell" im Bezug auf Boerne einfach gar nicht existiert. Oder so generell.

Jetzt habe ich schon wieder so unnormal viel geschrieben und wahrscheinlich versteht man gar nicht, was ich damit eigentlich ausdrücken wollte. :D

Jedenfalls gehe ich davon aus, dass tatsächlich viele Menschen das nicht sehen (wollen), weil es den Schubladen in ihrem Kopf widerspricht und nicht gewillt sind, diese zu verändern bzw. komplexer zu gestalten.

Übrigens bin ich im Allgemeinen extrem genervt von der heteronormativen Sichtweise unserer Gesellschaft. In jedem beknackten Rosamunde-Pilcher-Film brauchen sich der Mann und die Frau am Anfang nur anlächeln, ich betone, ANLÄCHELN, und alle wissen, dass die beiden im Laufe der nächsten 90 Minuten ins Bett steigen werden. Nicht nur das, es finden sogar alle völlig selbstverständlich und richtig so. Und das ist auch in Ordnung. Ich mag solche Filme selbst und ich habe kein Problem damit, wenn zwei Charaktere sich schnell verlieben. Aber dann kann ich doch wohl erwarten, nicht immer ein 500-Seiten-Essay an Argumenten und Charakteranalyse etc. vorlegen zu müssen, um irgendwie zu rechtfertigen, wie ich denn auf die Idee kommen könnte, zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts mehr als nur Freundschaft zu sehen - nur, um am Ende meines Vortrags sowieso wieder als "naiv" abgestempelt zu werden.

Seufz, okay, jetzt bin ich aber wirklich still. :D
Ich wünschte, man könnte Kommentare auf LJ liken, denn ehrlich, jetzt gerade würde ich nichts lieber tun. Du sprichst mir aus der Seele. Voll und ganz.