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BT_Wandern

February 2018

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Büttenwarder

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BT_Winter

Raureif

Rating: P 12
Beta: ... mit Beta wär' das nicht passiert ...
Genre: Angst, Humor, h/c, Freundschaft oder Pre-Slash
Länge: ~ 2.000 / 2.450 Wörter
Weihnachtsbingoprompt: Advent


*~*~*

Auf den Bäumen glitzerte der Raureif im ersten Licht dieses Tages, und alles, was bis gestern noch trüb und trostlos gewesen war, sah plötzlich klar und schön aus. Es erstaunte ihn immer wieder, daß winzige Veränderungen der Kombination von Feuchtigkeit und Temperatur so etwas hervorbringen konnten. Boerne hätte bestimmt ganz genau erklären können, wie Raureif entstand. Er blinzelte. Wenn Boerne hier wäre. Aber Boerne war an einem dieser grauen und trüben -

  "Herr Thiel?"

Er sah auf in das besorgte Gesicht von Frau Haller.

  "Moin."

  "Es ist doch viel zu kalt, um hier zu sitzen", sagte sie, setzte sich aber trotzdem neben ihn auf die Bank. "Wollen Sie nicht reingehen?"

  "Ich ... muß gleich weiter ins Büro. Ich bin nur vorbeigekommen, um ... nur so." Er wußte, daß sie seine Ausreden durchschauen würde, aber er wußte auch, daß sie ihm das nicht vorhalten würde. Nicht jetzt. Außerdem mußte er wirklich weiter. Er war hier nur einen Moment sitzen geblieben, um über ... Raureif nachzudenken. Er räusperte sich, um noch etwas zu sagen, und zuckte zusammen, als sich eine warme Hand auf seine legte.

  "Es ist gar nicht so schlimm", sagte Frau Haller leise. "Er sieht aus, als ob er schläft."

Thiel nickte stumm und sah starr nach vorne.

  "Und die Aussichten sind gut. Ich will Sie nicht lange mit medizinischen Details langweilen, aber die Ärzte gehen davon aus, daß er bald wieder zu sich kommt."

Thiel blinzelte. "Gut."

  "Sie können ihn besuchen, wenn Sie wollen. Er ist runter von der Intensivstation."

Er nickte und sie drückte noch einmal seine Hand. "Ich muß jetzt auch los - die Arbeit macht sich nicht alleine. Und ich will nicht, daß sich das alles aufstaut, sonst hat er am Ende noch mehr Argumente, um wieder zu früh zur Arbeit zu kommen." Frau Haller lächelte ihn an, und er lächelte schwach zurück, obwohl er sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, daß Boerne schon bald wieder die Räume des rechtsmedizinischen Instituts unsicher machen würde.

Er sah zu, wie sie in ihren roten Mini stieg und - deutlich zu schnell, Boerne mußte abfärben - um die Ecke bog. Dann drehte er sich um und sah zum Eingang der Uniklinik. Vielleicht morgen.


*~*~*


Es hatte dann doch bis übermorgen gedauert, bis er sich überwinden konnte, das Krankenhaus zu betreten. In diesem Punkt war er mit Boerne ausnahmsweise ganz einer Meinung - je weniger Krankenhäuser man von innen sah, desto besser. Krankenbesuche waren ihm schon immer schwer gefallen. Er wußte nie, was er sagen sollte. Vor allem, wenn es etwas Ernstes war. Und das war ernst, auch wenn Frau Haller zuletzt optimistisch gewesen war. Sie hatte mit Boernes Schwester geredet und deshalb mehr Informationen bekommen. Er war zwar mit ins Krankenhaus gefahren, nach dem Unfall, aber ihm hatte niemand etwas sagen wollen. Kein Familienmitglied. Während Boerne im OP war, war er nach Hause gefahren, er hatte das Warten nicht mehr ertragen können. Das Nichtstun und das Nichts-tun-können.

Jetzt konnte er immer noch nichts tun, aber vielleicht stimmte es ja, was man über Komapatienten sagte. Daß sie ihre Umgebung wahrnahmen. Deshalb hatte er auf dem Weihnachtsmarkt kurzentschlossen ein Mitbringsel gekauft und war durch einen trüben Sonntagnachmittag zur Uniklinik geradelt. Boerne haßte Krankenhäuser, und Boerne hatte eine absolut ungesunde Neigung zu weihnachtlichem Kitsch - ein ziemlich unerwarteter Wesenszug, der ihn seit seinem ersten Winter in Münster schier zur Verzweiflung trieb. Weil er nicht an Boernes Wohnungstür haltmachte, sondern sich ins Treppenhaus (Girlanden am Treppengeländer!), den Vorgarten (leuchtende Rentiere!) und manchmal sogar bis in seine eigene Wohnung ausbreitete. Die Schneekugel mit Weihnachtsmann, Rentieren und Schlitten aus dem letzten Jahr versteckte er immer noch in seinem Nachttisch. Also hatte er nach kurzer Überlegung einen Adventskranz gekauft - das war etwas, womit er noch einigermaßen leben konnte und was Boerne vermutlich gefreut hätte, wenn er wach gewesen wäre. Noch mehr hätte er sich sicher über den quietschbunten Mini-Weihnachtsbaum gefreut, der "Morgen Kinder wird's was geben" erklingen ließ, wenn man sich in seiner Nähe unvorsichtigerweise bewegte, aber das brachte er einfach nicht über sich.

Die Auswahl des richtigen Geschenks und die Erinnerung an Dekosünden der vergangenen Winter hatten ihn abgelenkt, aber als er dann endlich vor der Tür zu Boernes Krankenzimmer stand, wurde ihm wieder flau zumute. Er überlegte kurz zu klopfen, aber dann kam ihm das doch zu albern vor, da Boerne ihn ja nicht hören konnte. Also atmete er tief ein und drückte die Klinke hinunter.

  "Hallo Boerne."

Mit jemandem zu reden, der einen nicht hörte, war auch merkwürdig. Er schloß die Tür schnell hinter sich; wenn er sich hier schon zum Idioten machte, wollte er das wenigstens alleine tun.

  "Ich dachte, ich komme mal vorbei."

Frau Haller hatte recht, Boerne sah wirklich aus, als ob er schlafen würde.

  "Ich hatte viel zu tun, die Arbeit, Sie kennen das ja. Aber jetzt ist Sonntag."

Schneewittchen schoß ihm durch den Kopf. Weil Boerne so blaß aussah in diesem weißen Bett. Oder Dornröschen? Welche war das nochmal, die wachgeküßt werden mußte?

  "Sie sehen gut aus."

Jedenfalls besser als beim letzten Mal, als er ihn gesehen hatte. Trotzdem hoffte er fast, daß Komapatienten doch nichts von ihrer Umgebung mitbekamen. Wenn Boerne ihn hören könnte, würde er darüber vermutlich noch die nächsten Jahre Witze machen. Zum Glück hatte er Schneewittchen nur gedacht und nicht gesagt. Er räusperte sich.

  "Ich habe Ihnen was mitgebracht. Heute ist der erste Advent. Und ich habe gedacht, daß es hier sicher ziemlich ...", er sah sich um in dem kahlen Raum "... trostlos ist." Neben dem Bett standen Blumen, vielleicht von Frau Haller. Aber ansonsten war das Zimmer genau so freundlich, wie man sich Krankenzimmer vorstellte. Thiel kramte den Adventskranz aus seinem Rucksack. "Ich fürchte, der ist ein bißchen gequetscht worden ..." Er rückte die Kerzen gerade und sah sich suchend um. "Aber eigentlich ist er noch ganz." Wo war denn dieses Orangenscheibendingsbums hin - "Au, verdammte Kacke!" Er steckte den Finger in den Mund und mit der anderen Hand die getrocknete Orangenscheibe wieder in den Kranz, der inzwischen einen Platz auf der Fensterbank gefunden hatte. "Sieht doch nett aus hier, oder?" Er besah sich seinen Finger, der zum Glück schon nicht mehr blutete. "Wissen Sie was, ich mache dann mal die erste Kerze an, für den ersten Advent. Dann wird es hier drin auch ein bißchen gemütlicher." Er kramte noch einmal nach den Streichhölzern, diesmal aber vorsichtiger, falls noch mehr abgefallene Adventskranzdekoration in den Tiefen seines Rucksacks auf ihn lauerte.

  "So."

Die Kerze flackerte leicht in der Luft, die vom Heizkörper aufstieg, und tauchte das Zimmer in ein warmes Licht.

  "Wenn Sie nicht die ganze Klinik abfackeln wollen, sollten Sie die Vorhänge zur Seite schieben."

Er ließ vor Schreck das glimmende Streichholz fallen und fuhr herum. Die Stimme war heiser, aber deutlich zu erkennen gewesen.

  "Boerne?"

  "Das Streichholz, Thiel." Er starrte Boerne fassungslos an. "Thiel! Das Streichholz brennt noch, das ist kein -"

Er trat die kleine Flamme hastig aus, bevor sie größeren Schaden im Linoleum hinterlassen konnte.

  "Das gibt einen Brandfleck", krächzte Boerne. "Hoffentlich gehen Sie mit Ihrer Wohnung pfleglicher um, sonst -"

  "Sie sind wieder wach!" Er sah sich suchend um "Ich rufe sofort -"

  "War schon da", unterbrach Boerne ihn. "Ich habe bereits heute Morgen das Bewußtsein wiedererlangt."

  "Warum sagt mir denn niemand etwas!" Er brauchte eine Weile, um zu registrieren, daß Boerne wirklich nicht nur wieder bei sich war, sondern offensichtlich auch noch ... er selbst. "Wieso ... Was ..." Seine Beine fühlten sich vor lauter Erleichterung an wie aus Gummi, und er ließ sich auf den Stuhl neben Boernes Bett fallen. "Tut Ihnen was weh?"

Boerne schüttelte den Kopf und blinzelte ihn an. "Morphiumbasierte Schmerzmittel. Mir geht es hervorragend. Besser als gut."

  "Seit wann sind Sie wach?"

  "Seit heute Morgen ... habe ich mich am Kopf verletzt oder Sie?"

  "Nein, ich meine jetzt. Eben."

  "Seit Sie mich mit Ihrem wenig festlichen Fluchen aus dem Schlaf gerissen haben", sagte Boerne, und Thiel atmete erleichtert auf. Dann hatte er wenigstens nicht alles gehört. Und Schneewittchen hatte er sowieso nur gedacht.

  "Nehmen Sie mich mit nach Hause?"

  "Was?"

  "Nach Hause", murmelte Boerne. "Ich will hier nicht bleiben."

  "Sind Sie wahnsinnig geworden?"

  "Bitte ..."

  "Nein!" Er wollte gerade zu einer längeren Tirade ansetzen, als er sah, daß Boernes Augen wieder zugefallen waren und ihm plötzlich klar wurde, daß der andere entweder noch nicht ganz bei sich war, oder von den Schmerzmitteln benebelt.

  "Wenn es Ihnen wieder gut geht."

  "Mir geht es gut ..."

  "In ein paar Tagen, wenn Sie wieder auf dem Damm sind, O.K.?"

  "Versprochen?"

  "Versprochen."

...

  "Hat jemand Frau Haller angerufen?"

  "Boerne?"

  "Hm?"

  "Weiß Frau Haller Bescheid?"

  "Alberich war hier und hat meine Hand gehalten", murmelte Boerne. "Sie hat gesagt, daß Sie vor der Klinik sitzen und frieren."

  "Ähm ..." Hieß das jetzt ja oder nein? "Wann hat sie das erzählt?"

  "Irgendwann", murmelte Boerne. "Es war dunkel."

Er wollte nachhaken, aber dann fiel ihm auf, daß nicht nur Boernes Augen zugefallen waren, sondern auch, wie ruhig und langsam sein Atem inzwischen ging. Eingeschlafen. Das war vermutlich das Beste. Dann mußte er das mit dem nach hause bringen auch nicht mehr weiter diskutieren.

Er löschte nach kurzem Zögern die Kerze, sicher war sicher, und zog die Tür leise hinter sich zu. Frau Haller konnte er ja einfach selbst anrufen. Und sicherheitshalber sollte er jemandem Bescheid sagen, daß Boerne nicht nur wach war, sondern auch bereits seine Entlassung plante.


*~*~*


  "Sie haben es versprochen!"

Ausgerechnet daran mußte er sich natürlich erinnern ... Thiel seufzte.  "Sie können doch noch nicht einmal richtig stehen ... Boerne, seien Sie doch vernünftig!"

  "Ich bleibe garantiert nicht über die Feiertage hier." Boerne sah ihn finster an. "Entweder Sie helfen mir, oder ich rufe ein Taxi."


*~*~*


  "Der Adventskranz! Wir haben den Adventskranz vergessen!"

Thiel ächzte. "Muß das sein? Ich habe schon alle Hände voll mit Ihnen und Ihrem Gepäck ... außerdem ist der doch schon fast abgelaufen."

  "Ich wollte die vierte Kerze zuhause anzünden", sagte Boerne und sah ihn mit diesem Welpenblick an, der seinen Widerstand regelmäßig zum Erliegen brachte.

  "Meinetwegen ..."

  "Rechts rum", flüsterte Boerne, als er wieder zurück an der Tür war und den Arm des anderen über seine Schultern gelegt hatte.

  "Zum Aufzug geht's doch links rum."

  "Notausgang."

  "Sie haben doch gesagt ..." Boerne zerrte ihn nach rechts, und er folgte widerwillig. Die Aussicht auf drei Stockwerke Treppen mit Gepäck und einem humpelnden Boerne gefiel ihm ganz und gar nicht. "Sie haben doch gesagt, Sie sind auf eigenes Risiko entlassen worden."

  "Sozusagen ...", Boerne drückte sich an die Flurwand und ihn mit, als sich Schritte näherten. "Wir müssen das hier wohl nicht vertiefen. Es wäre jedenfalls besser, wenn uns niemand sehen würde, während wir das Gebäude verlassen."

  "Uns?! Ich habe mit dieser Sache überhaupt nichts zu tun!"

  "Pscht! Nicht so laut! Und laufen Sie ein bißchen schneller!"


*~*~*


  "Machen Sie die Kerzen an?" fragte Boerne, als er endlich auf seiner Couch lag und Thiel erleichtert aufatmete. Vierter Advent. Vor drei Wochen hatte er noch gedacht, daß Boerne vielleicht nie wieder ... und jetzt nervte er schon wieder wie immer.

  "Soll ich Licht anmachen?"

  "Ist doch schön so", sagte Boerne und zog die Decke höher.

  "Und wie haben Sie sich das jetzt vorgestellt?"

  "Ich habe Frau Ellinghaus gefragt, ob sie mir noch einmal ein paar Tage im Haushalt helfen kann."

  "Ah." Und er hatte schon befürchtet, sie würden wieder die gleiche Diskussion führen müssen wie letztes Jahr, als Boerne sich die Arme gebrochen hatte.

  "Nur über die Weihnachtsfeiertage ... da müßten Sie einspringen. Sie haben doch frei."

Thiel seufzte. Zu früh gefreut. Aber die drei Tage würde er wohl schaffen. Es war ja nicht so, als hätte er viel vor. "Waschen können Sie sich doch hoffentlich selbst?"

Boerne warf ihm einen amüsierten Blick zu. "Jetzt seien Sie nicht so kleinlich, Thiel, als ob das -"

  "Vergessen Sie's! Notfalls bleiben Sie ungewaschen, bis Frau Ellinghaus den Dienst antritt! Ein bißchen Dreck hat noch niemandem geschadet."

Boerne zog die Augenbrauen zusammen. "Ich brauche nur jemanden, der aufpaßt, daß ich im Bad nicht umkippe. Den Rest schaffe ich schon alleine, keine Sorge."

  "Meinetwegen ..." Er sah sich suchend um und ließ sich schließlich einfach auf den Boden vor Boernes Couch fallen. "Ich brauch mal 'ne Pause. Sie sind ganz schön schwer, wissen Sie das?"

  "Sie können sich auch den Sessel freiräumen."

  "Geht schon." Er lehnte sich mit dem Rücken gegen die Couch und sah den Adventskranz an. Es war schon fast wieder dunkel draußen, aber vier Kerzen erhellten einen Raum ganz schön.

  "Boerne?"

  "Hm?"

  "Können Sie mir erklären, wie Raureif entsteht?"


*~*~* Ende (für alle, für die es gerne bei Freundschaft bleiben kann) *~*~*



[* Sappy End, read if you like (für die, für die es auch Pre-Slash werden kann)]Sappy End, read if you like (für die, für die es auch Pre-Slash werden kann)

Thiel legte den Kopf nach vorne, auf die verschränkten Arme, und versuchte zuzuhören, was Boerne zum Thema Raureif zu sagen hatte, und nicht daran zu denken, was hätte passieren können. Was passiert wäre, wenn Boerne nicht unglaubliches Glück gehabt hätte. Was er im ersten Moment gedacht hatte, als er das Auto gesehen hatte - so zusammengequetscht, daß es kaum vorstellbar war, daß darin jemand überlebt hatte.

Thiel hielt die Luft an und versuchte krampfhaft, seine Atmung unter Kontrolle zu bringen, als Boerne mitten im Reden stoppte. Wenn er nur nicht ... und da redete Boerne schon wieder weiter, zum Glück, so als hätte er nichts bemerkt. Von den Auswirkungen, die Wind auf die Form der Kristallbildung bei Raureif hatte, und unter welchen Bedingungen die Kristalle am gößten wurden, und ... eine warme Hand berührte seinen Nacken und blieb dort liegen, während Boerne redete, inzwischen über Wasser und seine Aggregatzustände im Allgemeinen, so lange, bis Thiel sich wieder beruhigt hatte.

Es war ganz dunkel mittlerweile, nur das Kerzenlicht tauchte den Raum noch in einen warmen Schein.

Boerne redete nicht mehr, aber er hatte seine Hand auch nicht zurückgezogen. Thiel wischte sich mit dem Ärmel über die Augen und entspannte sich. Alles war wieder gut. Wie immer, bis auf die Hand in seinem Nacken und den Daumen, der sich sanft auf und ab bewegte. Im Moment war es ihm egal, daß Boerne wußte, daß er Angst gehabt hatte. Das war nicht wichtig im Vergleich dazu, was hätte passieren können. Es war auch egal, daß das irgendwie nicht richtig war. Daß Boernes Hand da nicht hingehörte. Boerne, der ein Kollege, aber nicht einmal richtig ein Freund war. Sondern irgendetwas anderes. Er war zu müde, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Oder Angst zu haben, daß Boerne das falsch verstehen könnte. Boerne verstand sowieso nur das, was er wollte. Und Thiel war sich fast sicher, daß er über diesen Moment nicht reden würde.

  "Haben Sie Lust, eine Pizza zu bestellen?" fragte Boerne schließlich und ließ ihn los.

  "Pizza?" Seine eigene Stimme klang  zum Glück wieder ganz fest. "Ist das Ihr Ernst?"

  "Ich bin drei Wochen lang von der Krankenhauskantine verköstigt worden - dagegen ist eine Pizza ein kulinarischer Hochgenuß."

  "In Ordnung. Mir ist jetzt eh nicht mehr nach kochen." Er stand etwas schwerfällig auf und drehte sich um. "Was soll denn drauf?"

  "Mir egal", murmelte Boerne. "Suchen Sie was aus."

  "Geht es Ihnen gut?" Er trat wieder einen Schritt näher an das Sofa und sah Boerne besorgt an.

  "Nur müde." Boerne blinzelte ihn an. "Ich bin froh, daß ich wieder zuhause bin."

Darauf gab es eigentlich nur eine Antwort.

  "Ja."

 *~*~* Fin *~*~*



>> alle 24 Türchen im Adventskalenderpost

Comments

Awwwwwwwwwwwww...
Wie hat Gabi das mal geschrieben? Ich geh' mich jetzt mal vom Boden aufwischen.

Ich kann jetzt hier gar nicht alles hinkopieren, das würde den Kommentar sprengen.
Zu süß! Mir gefällt das Anfangsbild vielleicht mit am Besten, wie hilflos Thiel da in der Kälte hockt und grübelt. So etwas könnte ich mir tatsächlich gut vorstellen.
(Und das Frau Haller es einem komatösen?/wachen? wahrscheinlich ersteres, oder, sonst hätte sie seine Hand nicht gehalten? Boerne erzählt. Das finde ich absolut schön und passend.)

Die ganze Geschichte fließt so ruhig und friedlich, so sollte ein Adventssonntag sein. Ich wiederhole mich, einfach schön.
Und das sappy *kicher* End finde ich absolut ok und du hättest das ruhig einfach so stehen lassen können, ohne es zu verstecken. Ich sehe da keinen Slash, weigere mich standhaft. (Boerne braucht doch nie einen Grund, Thiel anzufassen, und wenn der Arme dann noch so aufgewühlt ist, würde Boerne erst recht trösten...)

Hach, dieser Adventskalender macht Spaß!
Danke :)

Ich hab' ja schon geschrieben, daß bei diesem Text eindeutig die Lektüre zahlreicher Deiner Texte durchscheint ... nimm es als Hommage, nicht als geistigen Diebstahl ;)

H/c geht bei mir immer, und ich war im November, als ich das gescrieben habe, selbst ein wenig deprimierter. Wobei ja alles gut ausgeht, ist ja meine heile Tatortwelt ...

Ich denke, daß Boerne noch nicht wach war, als Frau Haller ihm erzählt hat, daß Thiel vorm Krankenhaus gesessen hat, deshalb weiß er auch nicht, wann das war, und deshalb war es dunkel. Daß Thiel drei Tage braucht, bis er sich zu einem Besuch aufraffen kann, kommt mir sehr IC vor - vielleicht bin das aber auch nur ich, die da durchkommt ;) Mir geht es mit Krankenhäusern nämlich genauso ...

Und was Ende Nr. 2 angeht ...
Boerne braucht doch nie einen Grund, Thiel anzufassen
Stimmt. Grenzwertig sind auch eher Thiels Gedanken. Und erst war das Ende noch fluffiger ... aber jetzt sieht es doch ganz passabel aus.

Ich sehe da keinen Slash
*snicker*
Das liegt im Auge der Betrachterin ...
Oh mein Gott, für einen Moment war ich mir bei 'Wenn Boerne hier wäre. Aber Boerne war an einem dieser grauen und trüben -' sicher, dass du Boerne um die Ecke gebracht hast :-o
Wobei das bestimmt auch noch Absicht war *schimpf* ;-)

Jedenfalls eine sehr bewegende Geschichte! Über Boernes Faible für kitschige Rentiere etc. und den singenden Weihnachtsbaum musste ich dann sehr lachen - ich stelle mir Boernes Deko-Geschmack ja ähnlich vor.

Schneewittchen [...] Oder Dornröschen? Welche war das nochmal, die wachgeküßt werden mußte?
Das ist so typisch Thiel, sowas nicht mehr genau zu wissen^^ und ich wäre ja für eine alternative Szene, wo Thiel das laut sagt und Boerne es hört... *g*

Und zum Schluss ein wunderschönes Ende - beide davon. Kann gar nicht sagen, welches ich lieber mag... Aber toll, dass du den Raureif vom Anfang nochmal aufgegriffen hast!
Oh mein Gott, für einen Moment war ich mir bei 'Wenn Boerne hier wäre. Aber Boerne war an einem dieser grauen und trüben -' sicher, dass du Boerne um die Ecke gebracht hast :-o
Da stimme ich dir zu califor_nia, aber der hier war doch noch schlimmer:
"Es ist gar nicht so schlimm", sagte Frau Haller leise. "Er sieht aus, als ob er schläft."

Bei Farfie hätte ich an der Stelle wahrscheinlich gar nicht mehr weitergelesen aus lauter Verzweiflung, aber bei cricri war mir klar, das Boerne nicht tot sein kann. Das würde sie doch nicht übers Herz bringen, oder? (Cricri, ich hoffe, du belehrst mich nie eines besseren!!)
Wobei das bestimmt auch noch Absicht war *schimpf* ;-)
*evilgrin*
Selbstverständlich ;) Ich weiß auch nicht so genau, was mich da geritten hat. Dieser Text hat sich selbständig, ohne großes Zutun meinerseits geschrieben.

Manches hab ich ja von baggi geklaut - auch das Aufgreifen der Anfangsidee am Ende, weil es hier gerade so schön gepaßt hat. (Finde ich) Freut mich aber trotzdem sehr, daß es Dir gefallen hat!

ich stelle mir Boernes Deko-Geschmack ja ähnlich vor
*snicker*
Ich glaube, das haben wir Boerne im letzten Adventskalender angedichtet, oder? Im Original sieht man nichts davon ... *grübel* Andererseits, wer karierte Gummistiefel zu karierten Jacken trägt, der mag auch singende Weihnachtsbäume ;) Ich finde, es paßt gut. Jedenfalls sind wir uns wohl alle sehr sicher, daß Thiel kein Talent für Weihnachtsdekoration hat ...

Einen schönen 1. Advent!
*Tränchenwegwisch* Was war das schön. Oh man... ehrlich, cricri, könntest du da bitte mehr draus machen... hach... ich liebe dein h/c und überhaupt... ein tieftrauriger Thiel und ein mal nicht arroganter Boerne, sondern beide so zerbrechlich... wow... das war wirklich toll und irgendwie passend, also für meine Stimmung zumindest. :D

Ich schaue natürlich gern herein und lese ab und zu die FFs, nur selbst schreiben geht grade nicht. Bin unimäßig zu gestresst und mir fehlen auch die Ideen.´Aber ich freue mich schon auf deinen BigBang-Text. Wann kommt der denn?
Was ein schöner Text... da bekomme ich gleich Lust, Grenzen oder Schicksalsgemeinschaft zu lesen ... *seufz*
Na, wenn Dir das gefallen hat, gefällt Dir der BigBang-Text sicherlich auch :) Der hat auch das ein oder andere h/c-Element *hust* Nach längerem Verschieben ist der Postingtermin jetzt der 21. Dezember, wobei ich damit anfangen wrde die Kapitel zu veröffentlichen, sobald das zulässig ist (also am 16. oder am 17. Dezember).

Ich freu mich jedenfalls immer, wenn Du vorbeischaust und das mit dem selbst schreiben, das ändert sich ja vielleicht auch mal wieder. Sowas kommt und geht. Apropos - Movie Star ("Schlaflose Nächte" auf ff.de) schreibt vermutlich doch weiter, nach über einem Jahr - man soll doch nie die Hoffnung aufgeben :)

Liebe Grüße & einen schönen 1. Advent!
Der Anfang war ein kleiner Schock, aber dann konnte man ja erleichtert aufatmen. :)

Ich mag beide Enden sehr gern. Die Frage nach dem Raureif ist sehr anrührend, aber ich finde auch das zweite Ende weder besonders kitschig noch besonders slashig. Thiels vage Gedanken könnten ja auch auf Stress und Sorge zurückzuführen sein.

Viel "slashiger" ist es doch eigentlich, dass Boerne unbedingt den Kranz mitnehmen will. Da würde ich mir an Thiels Stelle Gedanken drüber machen. ;)

Besonders gut hat mir irgendwie die Stelle mit dem Adventskranz gefallen. Thiel macht sich zwar die Mühe, einen für Boerne zu besorgen, behandelt ihn dann aber nicht allzu pfleglich. Diesen Widerspruch finde ich sehr, sehr stimmig für Thiel.
aber ich finde auch das zweite Ende weder besonders kitschig noch besonders slashig
Das beruhigt mich ;) Ich fand es ein wenig grenzwertig, vielleicht auch, weil das ganze in meinem Kopf noch ein paar Nummern weiter gedreht war.

Thiel macht sich zwar die Mühe, einen für Boerne zu besorgen, behandelt ihn dann aber nicht allzu pfleglich. Diesen Widerspruch finde ich sehr, sehr stimmig für Thiel.
Stimmt. Wenn man drüber nachdenkt. Der Wille ist da, aber die Ausführung ... nunja.

Freut mich, daß es Dir gefällt! Morgen habe ich dann ja erstmal Pause *schweißabwisch*
Eine sehr schöne Geschichte, sehr IC! Dass Thiel Krankenhäuser und besonders solche mit Boerne drin meidet, finde ich total nachvollziehbar (und dass Boerne das überlebt, war bei dir zum Glück ja klar). Ich finde übrigens sehr gut, dass es mal ein Autounfall war, der ihn ins Krankenhaus gebracht hat, was ja bei Boerne nicht soooo unwahrscheinlich ist. Aber es ist gut für die Geschichte, dass Thiel in keiner Weise "mitschuldig" ist. Dass Thiel Boerne bei der "Flucht" hilft und sie sich sofort wieder kabbeln, gehört einfach dazu. Und das Ende ist zwar fluffig, aber passt zur Situation. Bei mir läuft der slash-Film natürlich auch weiter :-)

und ich hoffe dennoch, dass es auch noch eine fröhliche Adventsgeschichte von dir gibt ;-)


Hm, hier habe ich Arbeitsstreß ja gar nicht geantwortet. ;) Aber gelesen und mich gefreut habe ich schon!

und dass Boerne das überlebt, war bei dir zum Glück ja klar
Korrekt erkannt. Ich glaue nicht, daß ich es je übers Herz bringen werde, einen von beiden sterben zu lassen ...

Ja, der Autounfall war naheliegend. Da es mir um die Adventsgeschichte und das drumherum ging, habe ich gar keine Zeit darauf verschwendet, irgendetwas näheres dazu zu schreiben - man kann sich ja auch so vorstellen, daß Boernes riskanter Fahrstil mal ins Auge gehen könnte ;) Bei den Krankenhausszenen hatte ich ein wenig Thiel bei Herbert im Krankenhaus vor Augen. Außerdem teilt er ja die ein oder andere Eigenheit mit mir - so auch die Abneigung gegen Krankenhäuser und Krankenbesuche ... Es fällt mir immer leicht, ihm etwas zuzuschreiben, was ich selbst kenne.

und ich hoffe dennoch, dass es auch noch eine fröhliche Adventsgeschichte von dir gibt ;-)
Ich hoffe, das habe ich inzwischen eingelöst!
Hör mal, hierzu will ich dich schon von Anfang an etwas fragen: du hattest mal vorne dran geschrieben, du hättest dir bei ncb und mir Ideen zu diesem Text geholt.
Bei mir weiß ich, worauf du dich beziehst, klar. Aber welche Geschichte von ncb meinst du denn? Ich bin da neulich mal so quer durch ihre Werke geflogen, aber ich habe nichts gefunden. Hatte sie auch was mit frieren irgendwo? Oder mit Klamottentausch? Das würde ich mir gerne auch noch zu Gemüte führen. Hast du einen Link für mich?
Nein, bei ncb war das weder Frieren noch Klamottentausch.

Mir ist beim / nach dem Schreiben aufgefallen, daß die Ausgangssituation sher dem Anfang von ncbs "Scherben" ähnelt: Die zwei haben mehrere Verdächtige in ein (leerstehendes) Gebäude verfolgt und lauschen un aus einem Nachbarraum. Und kommen irgendwie in Schwierigkeiten, weil sie keinen Lärm machen dürfen und nicht weg können (in meinem Fall friert Boerne, bei ncb bleibt er hängen und kommt nicht weiter, und Thiel verletzt sich noch dazu beim Versuch, über ihn weg zu klettern).

Wenn das nicht gleich aufgefallen ist, ist es ja nicht so schlimm :)
Okay, ich bin ein Whumper - aber ab und an auch mal gern ein kleiner H/C-fan - und das war süüüß! Knuffig!
Mh, an irgendjemanden erinnert Boerne mich, weiß nur nicht so genau ... so ne krude Mischung aus Gil Grissom und Sherlock fürchte ich, entsteht da gerade in meinem Kopf :eek:.
War auf jeden Fall schön zu lesen :)
Was h/c und whumping angeht - davon gibt's bei baggeli noch viel mehr ;) Aber ich gestehe, ich bin da auch anfällig für.

Mh, an irgendjemanden erinnert Boerne mich, weiß nur nicht so genau ... so ne krude Mischung aus Gil Grissom und Sherlock fürchte ich, entsteht da gerade in meinem Kopf :eek:
Boerne ist von den beiden der Charakter, den man fiktional zwar sehr reizvoll findet, der einen aber im echten leben in den Wahnsinn treiben würde. Bei Holmes und Watson (bzw. Sherlock und John) ist er Sherlock, bei House und Wilson House ... usw.
CSI schaue ich nicht, deshalb habe ich Grissom mal gegoogelt. Wikipedia nennt ihn "whimsical science nerd", und auch der Rest der Beschreibung paßt ganz gut.
Im Unterschied zu den vergleichbaren Charakteren gehört zu Boerne noch die Eigenschaft, leicht mal richtig peinlich werden zu können.

und das war süüüß
:D