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BT_Wandern

February 2018

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Büttenwarder

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BT_Anziehen

Erleuchtung (Thiel & Boerne)

Rating: P 12
Genre: Slash. est. rel., Humor
Beta: ohne
Bingo-Prompt:[Spoiler (click to open)]Glitter
Länge: ~ 900 Wörter
A/N: Ein Geburtstagsgeschenk für Read. :)

***


Sonntagabend. Schon lange hatte er sich nicht mehr so sehr über das Ende eines Wochenendes gefreut. Boerne war die ganze Woche weggewesen, weil er einen Vortrag auf einer Fachtagung mit einem Besuch bei Betty verbunden hatte, die gerade für ein Auslandssemester in Cambridge war. Dagegen war natürlich nichts einzuwenden, außer daß Boerne eben lange weggewesen war. Als es endlich an seiner Tür klopfte, hatte er schon dreimal nachgesehen, ob der Weißwein auch wirklich kalt genug stand.

  "Na endlich! War dein Flieger verspätet?"

  "Ich freue mich auch, dich zu sehen", sagte Boerne und lächelte. "Und nein, ich bin nur zuerst bei mir vorbei."

Thiel spürte einen Anflug von Verlegenheit, aber zum Glück machte Boerne keine Witze über seine Ungeduld. Immerhin war es das erste Mal, daß sie sich mehrere Tage nicht gesehen hatten, seit sie ... seit sie zusammen waren. Noch vor einem halben Jahr hätte er sicher herzlich gelacht, wenn ihm jemand gesagt hätte, daß er Boerne vermissen würde.

Er musterte den anderen aufmerksam. Boerne wirkte gut gelaunt und erholt - keine Spur des Lampenfiebers mehr, mit dem er aufgebrochen war. Er ... strahlte regelrecht.

Thiel trat einen Schritt näher und kniff die Augen zusammen.

  "Ist das ... Glitter?"


***


Fünf Minuten später war Boerne immer noch dabei, ihm wortreich zu erklären, was passiert war. Wie sehr sich Betty auf ihren Auftritt gefreut hatte, und wie eine der Hauptrollen samt Zweitbesetzung durch das Pfeiffer'sche Drüsenfieber außer Gefecht gesetzt worden war - die beiden standen sich anscheinend näher, als der Rest der Truppe ahnte - und wie verzweifelt Betty gewesen war, weil die Vorstellung auszufallen drohte - sie hat geweint. Geweint, Frank - und daß er ja den gesamten Text noch auswendig konnte, wegen seines ausgezeichneten Gedächtnisses, und weil er eben jene Rolle während seiner Zeit als Fellow am King's College selbst einmal gegeben hatte, mit großem Erfolg - kurzfristig habe ich überlegt, ob ich eine Karriere beim Theater einschlagen sollte, aber mein Vater wäre davon sicher wenig erbaut gewesen - und wie er deshalb also -

  "Du hast was getan?"

Statt ihm zu antworten, warf sich Boerne in die Brust und begann zu deklamieren.

  "I am that merry wanderer of the night.
I jest to Oberon and make him smile
When -
"

  "Jaja ... schon gut." Thiel seufzte und versuchte, die losen Enden zu verbinden. "Puck also. Aber was genau hat das jetzt mit den Überresten von Glitter-Makeup in deinem Gesicht und weiß der Himmel wo noch zu tun?"

  "Ja, nun ..." Boerne wirkte kurz ein wenig verlegen, um dann zum Angriff überzugehen. "In dieser mehr als mediokren Inszinierung - gut, es handelte sich überwiegend um Erstsemester, aber trotzdem - wurde eben eindeutig mehr Wert auf special effects als auf eine präzise dramaturgische Zeichnung gelegt."

  "Und jetzt das ganze nochmal so, daß ich es auch verstehe", sagte Thiel.

  "Die ... Regisseurin hatte die ... künstlerische Vision, Puck als Wesen der Traumwelt optisch deutlich hervorzuheben, durch ein sozusagen überirdisches Leuchten, und Betty hatte ... Glitter."

Thiel gratulierte sich zu seiner eisernen Selbstbeherrschung, ohne die er schon längst in lautes Lachen ausgebrochen wäre. Vor allem, weil er sich gerade dunkel an eine Shakespeare-Verfilmung erinnerte, die er vor Jahren einmal im Fernsehen gesehen hatte.

  "Du bist also mit nacktem Oberkörper und Glitter-Makeup über eine Cambridger Bühne gehüpft", preßte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch.

  "Du brauchst dir gar keine Mühe zu geben so zu tun, als würdest du nicht lachen", entgegnete Boerne bissig. "Deine schauspielerischen Qualitäten sind nämlich praktisch nicht vorhanden, und -"

Das war endgültig zu viel. Thiel lachte, bis ihm die Tränen kamen.

Vor allem, als Boerne noch "ich war ein hervoragender Puck. Drei Vorhänge" ergänzte.

  "Glaubst du mir nicht?"

  "Auf jeden Fall bist du ein guter Onkel", antwortete er, als er wieder Luft bekam. Wobei ihm eine innere Stimme sagte, daß Boerne vermutlich Spaß an der Sache gehabt hatte und Bettys Überredungskünste eindeutig dramatisiert worden waren.

  "Mhm ..." Boerne wirkte wieder besänftigt, aber auch ein wenig beunruhigt. "Aber jetzt habe ich das verdammte Zeug auf der Haut, und es ist einfach nicht loszuwerden! Außerdem färbt es überall ab!"

  "Du hast bestimmt nur noch nicht ordentlich geschrubbt", sagte Thiel und unterdrückte ein Grinsen.

  "Ich habe schon geduscht", erklärte Boerne sofort, "aber es ist immer noch nicht alles -"

  "Vielleicht brauchst du ja Hilfe", unterbrach er und sah zu, wie Boerne ein Licht aufging.

***


Das war doch wirklich ein nettes Wiedersehen nach Boernes Reise gewesen, dachte Thiel bei sich, als er am nächsten Morgen gutgelaunt zur Arbeit radelte. Vielleicht sollte er seine Nichte öfter besuchen.

Er schloß sein Rad an und eilte beschwingten Schritts ins Büro.

  "Moin Nadeshda! Und, heute schon jemand gestorben?"

Seine Kollegin sah vom Schreibtisch auf und lächelte. "Nein, alles ruhig. Sie sind heute aber gut aufgelegt, hat St. Pauli gewonnen?"

Thiel nickte. "Eins zu Null". Das hatte er ja schon fast wieder vergessen - wirklich ein gelungenes Wochenende. Und Boerne war nicht dagewesen, um ihn während des Spiels zu nerven. Er sollte wirklich öfter seine Nichte besuchen ...

Er schaltete seinen Rechner ein und öffnete gerade seine Mails, als ihn ein überraschter Laut von Nadeshda aufblicken ließ.

"Was haben Sie denn da, Chef?" Nadeshda kniff die Augen zusammen, um ihn näher in Augenschein zu nehmen.  "Ist das ... Glitter?"

*** Fin ***

Comments

Wie niedlich, dass Thiel Boerne so ungeduldig erwartet. Und es ist wirklich nett von Boerne, dass er ihm das nicht vorhält. :)

Drei Vorhänge

Da spricht ja wohl reines Wunschdenken aus Boerne. Das klappt vielleicht in Deutschland, aber doch nicht in Großbritannien. ;)

Was den Glitter angeht, glaube ich gern, dass Boerne da leidet. Als "Schauspieler" muss man da, glaube ich, hart im Nehmen sein. Die Farbe, die mir mal mit den Worten "Die kann man leicht wieder abduschen" angekündigt wurde, war auch nach zweimaligem Duschen nicht ganz weg. Leider hatte ich keinen Thiel zum Helfen. :(

"Was haben Sie denn da, Chef?" Nadeshda kniff die Augen zusammen, um ihn näher in Augenschein zu nehmen. "Ist das ... Glitter?"

Und Du glaubt gar nicht, wie froh ich bin, dass Nadeshda Thiel nicht das Angebot macht, das er Boerne gemacht hat. ;)
:D

Schön, daß es Dir gefallen hat. Ich bin ehrlich gesagt auch ganz stolz, daß mir für "Glitter" was eingefallen ist ... Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, daß ich mit sowas keinerlei Erfahrung habe. Aber etwas googeln hat mich darüber belehrt, daß das Zeug wohl wirklich nicht so leicht loszuwerden ist. Sch den halben Körper damit einzuschmieren erscheint nicht ratsam ...

Die Farbe, die mir mal mit den Worten "Die kann man leicht wieder abduschen" angekündigt wurde, war auch nach zweimaligem Duschen nicht ganz weg.
Die Geschichte dahinter wüßte ich ja jetzt auch gerne ;)

Daß Thiel so ungeduldig wartet, erklärt sich hoffentlich durch die Kürze der Besziehung ... und die drei Vorhänge im steifen Großbritannien durch Boernes überragende Schauspielkünste *hust* (oder doch durch den special effect ...)

Und Du glaubt gar nicht, wie froh ich bin, dass Nadeshda Thiel nicht das Angebot macht, das er Boerne gemacht hat. ;)
*snicker*
... nicht doch, das wäre ja sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ... ;)
Die Geschichte dahinter wüßte ich ja jetzt auch gerne ;)

Bitte schön, ist aber schon (fast) drei Jahre her.

http://veradee.livejournal.com/78498.html

http://veradee.livejournal.com/78792.html

Daß Thiel so ungeduldig wartet, erklärt sich hoffentlich durch die Kürze der Besziehung

Ich würde den beiden ja wünschen, dass es auch nach einer langen Beziehung noch so ist. :)

Spannende Sache - ich habe noch nie irgendwas in der Richtung gemacht. Nicht mal Statistin beim Schultheater. Dabei wäre ich schon neugierig - ich habe keine Ahnung, ob ich underirdisch schlecht wäre (um Morrissey zu zitieren "I couldn't play a corpse convincingly if I were dead")oder am Ende verborgene Talente hätte. Naja, vermutlich ersteres ;)

Jedenfalls kann ich mir jetzt vorstellen, was ein Elend die nicht bzw. schlecht abwaschbare Farbe war ... ganzkörpergefärbt ;)
Spannend war's. Es war mein erstes und einziges Mal. Spielen mussten wir ja eigentlich nicht. Aber wir durften auch nicht stolpern und von der Bühne fallen. ;)
Sehr amüsant!
Dass Boerne spontan einspringen kann, scheint mir sehr realistisch, so viel Kram der immer und überall zitiert, kann der auch eine ganze Rolle auswendig. *lol* Und arrogant genug, sich das selbst zuzutrauen ist er auch. Also, perfekte Voraussetzungen!

Sehr schön Nadeshdas Schlusssatz. Thiel in Erklärungsnöten. *kicher* Du bringst ihn wirklich gern in Schwierigkeiten!
Boerne kann eben alles! ;)

Und Du glaubst nicht, wie schwierig es war, ein halbwegs realistisches Szenario zu finden, in dem "Glitter" zwischen den beiden eine Rolle spielt ...

Sehr schön Nadeshdas Schlusssatz.
Finde ich auch ... ich habe da auf Dein Mittel zurückgegriffen (den Anfang wieder aufgreifen), das hatte ich ursprünglich gar nicht vor, aber beim Schreiben fiel mir auf, daß das recht lustig werden könnte.

Du bringst ihn wirklich gern in Schwierigkeiten!
Ach woher denn ... *evil grin* Er kann ja die Wahrheit sagen ;)


Edited at 2013-01-05 07:44 am (UTC)
Und Du glaubst nicht, wie schwierig es war, ein halbwegs realistisches Szenario zu finden, in dem "Glitter" zwischen den beiden eine Rolle spielt ...
Oh doch, das glaube ich dir!
Meine neue Bingokarte treibt mich auch an ihre Grenzen. Ich finde, das ist die reine Slasher-Karte, echt. *grummel* Erst diese "Man lebt schon zusammen..."-Schote und dazu noch "Man muss nicht immer gleich heiraten"; "Singen unter der Dusche"... da hab' ich mir was ans Bein gebunden, ich kann die beiden wirklich zusammenziehen lassen, mit bestem Gewissen...
Naja, die Bingo-Karte läuft ja bald ab. Aber ich werde sie trotzdem noch ein wenig weiter benutzen, man hat einfach mehr Ideen. :D


*evil grin* Er kann ja die Wahrheit sagen ;)
Ach cricri, manchmal bist du so ein Schelm!! :D :D
Und Du glaubst nicht, wie schwierig es war, ein halbwegs realistisches Szenario zu finden, in dem "Glitter" zwischen den beiden eine Rolle spielt ...
Glaub ich sofort. Theater ist dann ja recht naheliegend (wenn du keinen von beiden als Crossdresser sehen willst), aber daraus etwas zu machen ... dir ist das jedenfalls toll gelungen! Sehr süß, wie sehnlich Thiel Boerne erwartet, obwohl es ihm selbst etwas peinlich ist.

Er kann ja die Wahrheit sagen
Ich glaube, dafür fühlt sich die Beziehung noch zu frisch an. Wäre aber ein interessantes Gespräch: "Och, ich hab Boerne nur geholfen, den Glitter wieder loszuwerden."
wenn du keinen von beiden als Crossdresser sehen willst
Interessanter Ansatz ... aber Boerne müßte dafür den Bart opfern, was er sicher nicht tun würde. Und Thiel ist irgendwie zu klein und rund ... wobei es ja genügend kleine, runde Frauen gibt, ich weiß auch nicht, warum ich bei der Vorstellung eher grinsen muß. Vermutlich, weil dann Glitter wiederum nicht paßt.

Wie dem auch sei, ich freue mich jedenfalls, daß Du Spaß dran hattest!

Wäre aber ein interessantes Gespräch: "Och, ich hab Boerne nur geholfen, den Glitter wieder loszuwerden."
*snicker*
In der Tat. Das ist eine dieser Antworten, die mehr neue Fragen aufwirft als alte beantwortet ;)