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BT_Wandern

October 2017

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Büttenwarder

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BT_Kochen

Verlust (Thiel & Boerne)

Rating: P 6
Genre: h/c, Freundschaft oder Pre-Slash
Länge: ~ 950
A/N: Ich brauchte heute einfach ein wenig h/c. Jetzt geht's mir besser :)


***


Die Sonne strahlte vom Himmel herab, an den Büschen zeigten sich Weidenkätzchen und in den Vorgärten blühten die ersten Blumen - kleine gelbe, deren Namen er nicht kannte*. Eigentlich hätte das seine Stimmung bessern sollen, aber heute wirkte das nicht. Nichts wirkte. Thiel öffnete die Haustür und schleppte sich die Treppen nach oben. Und dann war es auch noch seine eigene Schuld gewesen. Weil er in solchen Dingen einfach nicht ordentlich genug war. Er trat in seinen Flur, ließ den Rucksack fallen und warf seine Jacke über die Garderobe, von wo sie langsam zu Boden rutschte. Der Aufhänger war auch schon seit einem halben Jahr abgerissen, aber er hatte noch nicht die Energie aufgebracht, deswegen etwas zu unternehmen. Egal, knittriger konnte sie sowieso nicht mehr werden.

Wieso mußte immer ihm so etwas passieren, als wäre es nicht schlimm genug - er öffnete die Tür zum Wohnzimmer und blinzelte, weil er im ersten Moment seinen Augen nicht traute.

  "Was machen Sie denn hier?!"

Boerne sah von der Zeitung auf. "Ich freue mich auch, Sie zu sehen."

  "Wie ..." Er unterbrach sich selbst. Natürlich, Boernes Zweitschlüssel. Hatte er nicht beim letzten Mal deutlich genug gemacht, daß Boerne seine Wohnung weder in seiner An- noch in seiner Abwesenheit ungefragt zu betreten hatte!

Boerne faltete die Zeitung zusammen. "Was ist los mit Ihnen?"

  "Wie bitte? Ich komme hier nach Feierabend in meine eigene Wohnung, in die Sie widerrechtlich eingedrungen sind, und Sie fragen mich, was -"

  "Das meine ich nicht." Sein Kollege machte eine ungeduldige Handbewegung, als wollte er seine Einwände beiseitewischen. "Seit drei Tagen schleichen Sie durch die Gegend, als sei die Welt untergegangen. Heute haben Sie mir nicht einmal gesagt, daß ich bei der Befragung von Zeugen nichts zu suchen habe."

Boerne war aufgestanden und machte einen Schritt auf ihn zu, so nahe, daß er unwillkürlich zurückwich. "Was ist los? Ist jemand gestorben? Ist Ihr Fußballverein abgestiegen? Hat Sie Ihre Herzensdame abgewiesen?"

Thiel wollte lachen, aber er spürte gleichzeitig, wie ihm die Trauer die Kehle zuschnürte. Herzensdame. Fußballverein. Boerne hatte doch keine Ahnung, was wirklich -

  "Was? Jetzt erzählen Sie schon endlich, was mit Ihnen los ist. Wenn Sie noch einen Tag länger in diesem Zustand bei der Arbeit erscheinen - ist Ihnen klar, daß Frau Krusenstern bereits eine Intervention plant?"

  "Eine was ...?"

  "Thiel." Boerne streckte eine Hand aus, und für einen winzigen Moment dachte er ... befürchtete er, der andere wolle ihn in den Arm nehmen. Aber stattdessen wurde er nur am Arm gepackt und Boerne schob ihn zum Sofa. "Setzen Sie sich hin und reden Sie endlich."

Er ließ sich in die Polster drücken und fragte sich nicht zum ersten Mal, wieso er sich das immer wieder von Boerne gefallen ließ. Das Eindringen in seine Wohnung. Das Einmischen in seine Angelegenheiten. Das -

  "Thiel ..."

Vielleicht würde er sich wirklich besser fühlen, wenn er das jemandem erzählen konnte. Und anscheinend war Boerne der einzige, der sich für diese Rolle anbot. Thiel seufzte. "Es ist nichts ... nicht wirklich. Nur ..."

  "Nur was?"

   "Lukas hat mir sonst zum Geburtstag eine Mail geschrieben."

  "Oh." Boerne klang so, als wüßte er dazu ausnahmsweise mal nichts zu sagen. Aber das hielt nicht lange an. "Sowas passiert schon mal - ich meine, wenn der Junge nach Ihnen kommt, ist es kein Wunder, daß er alles mögliche vergißt, vor allem, wenn -"

  "Er hat ja noch geschrieben, zwei Tage später", beeilte sich Thiel zu sagen.

  "Aha." Boerne sah ihn forschend an. "Und wieso sind Sie dann immer noch so trübsinnig?"

Das war albern. Wirklich albern. Aber jetzt hatte er einmal damit angefangen, und Boerne würde vermutlich keine Ruhe geben, bis er alles erzählt hatte. "Ich wollte die Mail lesen, die er mir letztes Jahr zum Geburtstag geschrieben hat", murmelte Thiel. "Während ich ... gewartet habe." Zum Glück war Boerne so freundlich, nicht zu ergänzen während Sie gedacht haben, er hat Ihren Geburtstag vergessen. "Und ...," er schluckte, "... da habe ich gemerkt, daß die alten Mails alle weg sind. Mein Postfach hat wohl nur eine ... Vorhaltezeit von drei Monaten."

Es war ja gar nicht so viel gewesen. Lukas war kein großer Schreiber, und er auch nicht. Ein paar Sätze alle paar Monate. Der ein oder andere Schnappschuß, den sein Sohn ihm geschickt hatte. Und er hatte nie etwas davon ordentlich abgespeichert. Er hatte nicht einmal darauf geachtet, ob seine Mails irgendwann gelöscht wurden - wer konnte denn so etwas auch ahnen? Und jetzt war alles unwiederbringlich weg. Genaugenommen waren Lukas Mails auch vorher schon weg gewesen, und er hatte es gar nicht gemerkt. Also hätte ihn das jetzt gar nicht so sehr treffen müssen. Er konnte sich selbst nicht erklären, warum er sich jetzt so fühlte, als hätte er etwas ungemein wichtiges verloren. Thiel blinzelte und sah auf seine Hände. Eigentlich hatte er erwartet, daß Boerne weiterfragen würde. Aber da kam nichts mehr. Er fühlte sich trotzdem ein wenig erleichtert, auch wenn Boerne wohl kaum verstehen konnte, wie -

  "Wollen Sie einen heißen Kakao?"

  "Was?"

  "Etwas anderes fällt mir nicht ein." Boerne berührte ihn leicht an der Schulter. "Aber Zucker und Schokolade haben erwiesenermaßen eine tröstliche Wirkung."

Thiel schnaubte. "Ein Bier hätte vermutlich eine tröstlichere Wirkung."

  "Damit sollten Sie gar nicht erst anfangen." Boerne klang ernster als sonst. "Vertrauen Sie mir, Kakao ist in solchen Fällen das beste."

  "Kakao hilft, wenn man zu blöd war, die Mails seines Sohnes aufzubewahren?"

  "Kakao hilft, wenn man traurig ist wegen etwas, was nicht mehr zu ändern ist."

Am Ende wußte er nicht, was genau geholfen hatte. Der Kakao, den Boerne ihm in die Hand gedrückt hatte. Oder die Wiederholung einer Hollywood-Komödie aus den Fünfzigern. Oder Boerne, der ihm erklärte, was Technicolor-Filme von modernen Filmen unterschied. Oder einfach die Tatsache, daß er nicht alleine war.


* Fin *

* Winterlinge - aber sowas würde Thiel nicht wissen ;)

Comments

Verarbeitest du hier gerade die Tatsache, dass nbc ihr Journal gesperrt hat? ;o)

Sehr süß. Ich mag es, wenn Boerne so die Initiative ergreift und im Auge hat, dass es Thiel nicht gut geht.

dachte er ... befürchtete er
*snicker*
Also so schlimm wird es doch wohl nicht sein, wenn Boerne ihn mal in den Arm nimmt xD

Süß diese Kakao/Bier-Sache. :D

Das Ende ist wirklich niedlich.
Und er sollte mal Lukas anschreiben. Vielleicht hat er die alten Mails ja noch auf dem Rechner.


Edited at 2013-02-11 11:44 am (UTC)
Dass er Thiel Kakao anbietet, weil ihm nichts Besseres einfällt, ist niedlich und sehr IC.
Danke :) Ich habe kurz gezögert, ob der Kakao zu albern ist; aber dann fiel mir auch nichts anderes zum Trost ein.

Lukas anmailen, die mails von ihm einfordern und sie Thiel gesichert überreichen (er ist doch Thiels Retter in schimmernder Rüstung auf dem weißen Pferd!)
Oh, das stelle ich mir jetzt als Fotrtsetzung vor! Gute Idee von Baggi und Dir.
Ich kenne in der Realität keine (deutschen) Männer, die von sich aus auf diese Idee kommen würden
Also ... ich kenne da einen ziemlich gut *hust* Den kann man mit Kakao (noch) glücklicher machen als mich ;) Von daher habe ich gar nicht drüber nachgedacht, ob das vielleicht kein Männer-Ding ist, nur, ob es kein Thiel/Boerne-Ding ist.

weil er bzgl Thiels Verfassung hilflos ist und gerade darum nach einem Klischee sucht und das auch so sagt.
Das stimmt allerdings auf jeden Fall. Boerne weiß ja schon, daß er nicht wirklich helfen kann (außer Lukas anschreiben ...), will aber trotzdem gerne irgendetwas tun.

Das mit dem Kochen könnten sie meinethalben auch gerne mal wieder aufgreifen. Ich mag die häuslichen Szene mit den beiden :) Bei "Spargelzeit" bringt Boerne ja ein Spargelgericht vorbei - da hatte ich schon auf selbstgekocht getippt (welcher Liefersrvice liefert so was?). Aber gesehen haben wir's nicht, also können wir es auch nicht sicher wissen ;)
Also ihr Lieben,
Boerne schwingt mit Gipshand den Kochlöffel doch sowas von begeistert zur Musik, die Steffen eingelegt hat... natürlich kann er kochen! Und der Salat, den Liefers macht, als Prahl die Fische brät (da sind sie so aus der Rolle gefallen, dass ich jetzt nicht Boerne und Thiel sagen kann) sieht auch aus wie aus dem Restaurant. Also ja klar, er kann kochen! Und Kakao braucht man für exquisite Saucen, wie Jo schon sagt. Also, was macht ihr euch so viele unnütze Gedanken? ;o)
Du hast mich durchschaut ;) Da knabber ich immer noch dran. Ich brauchte einfach einen tröstlichen Text ...

Ich freue mich, daß Du mein kleines Trostpflaster niedlich findest :) Irgendjemand hat Boerne doch auch mal einen Kakao gegönnt - das war Jolli, nicht Du, oder?

dachte er ... befürchtete er
Das war der Pre-Slash Moment ;)
Ja, den Kakao hat er bei Jolli bekommen, nachdem er tagelang in dieser Grube gehockt hatte. Mehr als verdient war das Getränk damals. ;o)
Bei mir hat er irgendwie noch nie etwas Nettes bekommen... *stirnrunzel* naja, ausser vielleicht eine Freundschaft mit einem Thiel, der wesentlich besorgter um ihn ist, als er das im Canon jemals sein wird. Das ist ja auch schon mal etwas.

Dieser Satz mit dem Kakao ist übrigens mein liebster:
"Kakao hilft, wenn man zu blöd war, die Mails seines Sohnes aufzubewahren?"
"Kakao hilft, wenn man traurig ist wegen etwas, was nicht mehr zu ändern ist."

Besonders Boernes Antwort ist irgendwie schön.

Edit: geht's dir eigentlich besser?

Edited at 2013-02-11 09:56 pm (UTC)
Was nicht ist, kann ja noch werden!

Und danke der Nachfrage, ich bin wieder fit. Leider kein Grund, sich krank zu melden ...
* Winterlinge - aber sowas würde Thiel nicht wissen ;)
Es geht doch nichts über eine Autorin, die weiß, wie das mit dem POV funktioniert! :)

Schönes h/c-Stück, wirklich. Keine großen Dramen, Tote und Verletzte, sondern einfach das, was einem im Alltag so passieren kann und mitnimmt.
Und wieder ganz toll geschriebene Dialoge. :)

Ich hoffe ja, dass du nicht aus Versehen gelöschte Mails damit verarbeiten musstest. Falls doch ...*schiebt Kakao rüber*.
Danke! Ich lese zwar auch gerne die großen Dramen, aber selbst schreibe ich lieber die eher alltäglichen Katastrophen. Da braucht man ja auch oft genug Trost ;) So was wie Mails verbaseln könnte mir auch passieren. Das ist zwar aktuell nicht der Fall - aber ich habe ncbs Geschichten verloren, weil sie ihr Journal auf "privat" gesetzt hat. Und das kommt hier wohl durch. Von daher ... *nimmt Kakao gerne an*

Es geht doch nichts über eine Autorin, die weiß, wie das mit dem POV funktioniert!
*snicker*
Ich mußte ja unbedingt loswerden, daß ICH sehr wohl den Namen kenne ;)
Kleiner Spaß am Rande: jetzt hat Thiel sogar drei Geburtstage; diesen im Frühling(?), an Nikolaus und den von Das ewig Böse im Sommer. *ducks-and-hides* xD
Fanfiction darf alles! ;)
Eigentlich sollte einem Boernes Eigenmächtigkeit und Sturheit ja mächtig auf den Keks gehen, aber weil er es gut mit Thiel meint, ist es ja doch irgendwie süß. :)

Das Ende, dass Boerne es schafft, dass Thiel sich nicht allein fühlt, finde ich ganz besonders schön.
Süß sollte es werden, danke!

Ich hatte überlegt, ob ich beim Ende noch weitergehen sollte - aber eigentlich ist es gut so, wie es ist. Was auch immer sich daraus noch entwickeln mag ...
Verflixt-passend zum Thema hat offenbar lj meinen Kommentar gestern gefressen...

Ich kenne heiße Schokolade sowohl von meinen britischen wie auch amerikanischen Freunden durchaus generell als Seelentröster- ob meine deutschen Freunde (inklusive mir selber, und der besseren Hälfte) so repräsentativ sind, weiß ich da leider auch nicht - mein Bekanntenkreis ist a) nicht so groß und b) ausgesprochen anglophil (ich hab selbst in UK gelebt, ich glaube, ich zähle eh nicht wirklich...) - da dann aber NIE so Kaba-Zeugs, sondern eher die richtige heiße Schoki von Cadbury's (ich krieg gerade Lust drauf...) oder aber, und das gibt's ja auch, Gourmetkakao etwa mit Zimt o. Ä. - bei dem Zeug könnte ich mir vorstellen, dass es sich auch im Boerne'schen Küchenschrank aufhält.

Und ich hoffe doch sehr, Boerne rettet dann in der Fortsetzung die verlorenen Mails! Auf eine CD gepackt, mit einem Päckchen Becks Insomnia (Edelkakao mit ägyptischem Mokka- funktioniert besonders bei Kaffeeliebhabern...)dazu ;-)
Ist das eigentlich fanon oder canon, dass Boerne indonesischen Kopi Luwak (diese durch Katzen verdauten Kaffeebohnen) trinkt ?
Fanon, meine ich. Ich bin mit ziemlich sicher, daß wir darüber bei dieser ersten Toyota-Werbung Witze gemacht haben. Da trinkt Boerne ja auch einen besonders edlen Kaffee, und irgendjemand hat aufgeworfen, daß das bei ihm ja wahrscheinlich dieser sauteure Katzenkaffee sein müßte ;)
"Seelentröster" ist ein hübsches Wort, da muß ich Jo zustimmen! Und was den Kakao angeht - das ist vermutlich einfach Geschmacksache. Wer süß & Schokolade als Trost mag, bei dem funktioniert es. Andere ziehen als Trostessen vielleicht Pommes oder Pizza vor ... (ist mir auch nicht völlig unbekannt *hust*)

Kakao fuktioniert bei mir durchaus, von Alkohol lasse ich, wenn ich deprimiert bin, sicherheitshalber die Finger. Allerdings kommt sowas wie Kaba bei uns auch nicht vor - zuviel Zucker, zu wenig Kakao. Entweder ein selbstangerührter, bei dem man den Zucker selbst dosiert und pures Kakopulver verwendet, oder alternativ Kakaomischpulversorten (oder wie auch immer sich das nennt), die nicht so süß sind wie Kaba.

Und ich hoffe doch sehr, Boerne rettet dann in der Fortsetzung die verlorenen Mails!
Soweit habe ich (noch) gar nicht gedacht - ich wollte nur ein wenig Trost für Thiel (und mich). Wäre allerdings eine Möglichkeit ...

Edelkakao mit ägyptischem Mokka
Klingt lecker! Ich bin zwar eher Puristin, was Kaffee angeht - also auf diese ganzen Sirups stehe ich nicht. Aber die Kombination Kaffee/Kakao und gewürzter Kaffee (mit Kardamom) weiß ich durchaus zu schätzen :)