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BT_Wandern

December 2017

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Büttenwarder

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BT_Arm

Entladung

Rating: P 12
Genre: Friendship, vielleicht Pre-Slash, h/c
Handlung: Boerne entdeckt neue Seiten an Thiel. Boernes POV
Sommer-Bingo-Prompt: Hitzegewitter (Joker zur 1. Bingokarte)
Länge: ~ 950 Wörter
A/N: Eigentlich versuche ich hier nur Boernes POV zu üben und wieder ins Schreiben zu kommen. Es passiert nicht wirklich viel. Und zum Titel ist mir mal wieder gar nix eingefallen ;)


***


  "Sowas sieht man nun wirklich nicht alle Tage."

  "Hm?"

Er war gerade dabei, Thiel von dem faszinierenden Fall eines jungen Mannes zu erzählen, den er vor kurzem auf seinem Tisch liegen gehabt hatte, aber Thiel war irgendwie nicht richtig bei der Sache. Jetzt mußte er schon zum dritten Mal von vorne anfangen, was selbst für Thiels Aufmerksamkeitsspanne ein neuer Tiefpunkt war.

  "Todesfälle durch Blitzeinwirkung sind ja äußerst selten geworden. Ich habe so etwas bisher nur einmal erlebt, da war ich noch in der Ausbildung. Aber der Fall war nicht zu vergleichen - hier habe ich jetzt einen äußerlich fast unverletzten Körper, bis auf dieses wirklich spektakuläre Verbrennungsmuster, das sich an der einen Köperseite nach unten zieht - eine Lichtenberg-Figur wie aus dem Lehrbuch. Wenn Sie wollen ... Soll ich die Tür vielleicht zumachen?"

Thiel war heute wirklich mehr als unaufmerksam, bei jedem Donnerschlag huschte sein Blick zur offenen Balkontür. Und das Brötchen, das er sich noch draußen geschmiert hatte, bevor sie vor dem Gewitter ins Wohnzimmer geflüchtet waren, lag immer noch unangerührt auf seinem Teller. Trotzdem schüttelte er den Kopf - was Boerne einerseits erleichterte, denn die kühle Luft, die nun durch die offene Tür ins Zimmer kam, war eine Wohltat an diesem Tag, der schon mit schwüler Hitze begonnen hatte. Andererseits hätte eine Minimierung der akustischen Ablenkung vielleicht für mehr Aufmerksamkeit bei seinem Nachbarn gesorgt.

  "Jedenfalls, was ich eigentlich sagen wollte, die Feststellung der Todesursache hat mich in diesem Fall natürlich keine fünf Minuten gekostet, aber ich habe es mir selbstverständlich nicht nehmen lassen, den Schaden, die die elektrische Entladung an den inneren Organen verursacht hat, im Detail nachzuvollziehen. Von Fall zu Fall kann das nämlich stark variieren, und hier hat beispielsweise die Milz -"

  "Boerne", unterbrach Thiel ihn mit einem leicht gequälten Tonfall. "Ich esse gerade."

Boerne unterdrückte ein Seufzen. Er vergaß regelmäßig, wie empfindlich Thiel in dieser Hinsicht war. Völlig unangemessen, vor allem für einen Hauptkommissar, der sich nun einmal von Berufs wegen mit oft genug tödlichen Verletzungen beschäftigen mußte. Aber da war wohl nichts zu machen, immerhin kannten sie sich schon einige Jahre und bisher waren alle seine Versuche, Thiel den Reiz seiner Arbeit näher zu bringen, kläglich gescheitert. Auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, wie jemand sich nicht für diesen Fall begeistern konnte.

  "Aber die Lichtenberg-Figur - haben Sie so etwas schon einmal gesehen, Thiel? Ein absolut faszinierender Anblick. Ich habe den jungen Mann noch bei mir im Institut, also wenn Sie gerne einen Blick -"

Der nächste Donnerschlag unterbrach ihn, und er bemerkte, wie Thiel zusammenzuckte.

  "Haben Sie Angst vor Gewittern?"

  "Was?" Thiel sah ihn überrascht an, und ihm fiel jetzt selbst im Halbdunkel auf, wie blaß der andere aussah. "So ein Quatsch."

  "Das ist weit verbreitet und durchaus nicht unberechtigt, wenn man sich den Fall ansieht, von dem ich Ihnen eben erzählt habe. Nicht wie die Angst vor Spinnen beispielsweise, die in Deutschland üblicherweise keine Gefahr für den Menschen -"

  "Ich habe keine Angst vor Gewittern, Boerne", knurrte Thiel und umklammerte seine Kaffeetasse so fest, daß die Knöchel seiner Hand weiß hervortraten. Keine Angst, von wegen. Aber anscheinend konnte der Herr Hauptkommissar das nicht zugeben, ohne das Gesicht zu verlieren. Boerne seufzte.

  "Noch Kaffee?"

Die Antwort ging im Lärm des Platzregens unter, der mit einem Schlag einsetzte. Und im Regen hörte man jetzt auch wieder die Vögel, die zu Beginn des Gewitters verstummt waren.  Das nächste Donnergrollen war schon viel leiser und weiter entfernt. Er überlegte, ob er Thiel erklären sollte, daß es ziemlich irrational war, sich wegen des Donners zu fürchten, der ja nur die akustische Auswirkung eines Blitzschlags und in der Regel harmlos war, entschied sich aber in letzter Sekunde dagegen. Stattdessen griff er nach der Kaffeekanne und füllte Thiels Tasse auf.

  "Das war's für heute, glaube ich. Den Rasensprenger werde ich wohl nicht mehr anwerfen müssen, so wie's aussieht."

  "Mhm", murmelte Thiel und starrte in seine Tasse.

  "So ein Gewitterregen ist wirklich erfrischend. Vor allem, wenn es so lange heiß und trocken war wie in diesem Jahr." Er lauschte einen Moment dem monotonen Geräusch des herabstürzenden Wassers und überlegte, was sich sonst noch positives über den Wetterwechsel sagen ließ. Er selbst hatte Gewitter schon als Kind gemocht. Dieses plötzliche Umschlagen der Stimmung und die gewaltige Energie, die sich auf einen Schlag entlud. Und dann das Nachlassen der Spannung, wenn es anfing zu regnen und die Welt, die nach einem Gewitter frischgewaschen neu startete. Aber irgendwie hatte er inzwischen den Verdacht, daß Thiel seine Gefühle nicht teilen würde.

  "Ich mache mal Licht an. Man sieht ja kaum noch, was auf dem Teller liegt."

Thiel nickte, und er ging zu der Stehlampe in der Ecke des Raumes.

  "Gewitter machen mich immer ein bißchen nervös." Thiel war so leise, daß er ihn fast nicht gehört hätte. Boerne lächelte und drückte auf den Schalter. "Das ist nur natürlich. Es wäre jetzt ja auch gefährlich, sich draußen aufzuhalten. Aber hier kann nichts passieren."

Er ging wieder zurück zum Tisch und sah Thiel nicken und im nächsten Moment mit einem Klirren die Kaffeetasse absetzen, als ein Blitz den Raum aufleuchten ließ.

  "Das ist nur noch ein Nachzügler." Er konnte spüren, daß Thiel alle Muskeln angespannt hatte, als er im Vorbeigehen seine Schulter berührte. Und dann wußte er auch nicht, wie das nächste fast ohne sein Zutun passieren konnte. Aber es schien das richtige zu sein, denn Thiel entspannte sich nach einem Moment und lehnte sich gegen ihn.

  "Ich vermute, Sie wollen sich die Lichtenberg-Figur nicht ansehen", sagte er nach einer Weile, weil er das Gefühl hatte, irgendetwas sagen zu müssen. Thiels Körper spannte sich wieder an, und es dauerte einen Moment bis er begriff, daß das jetzt ein Lachen war.

  "Nee ... wirklich nicht."


* Fin *


>> zur Sommer-Bingo-Karte

Comments

Süß. Besonders der letzte Teil. Kann man auch ohne pre-Slash lesen. =)
Ja, das ist schon eher Freundschaft. Wenn man natürlich unbedingt *will*, kann man es auch anders lesen ...

Danke :)

Edited at 2013-06-10 05:36 pm (UTC)
Ich weiß jetzt nicht, was Du da üben musst. Boernes POV ist doch sehr gelungen. Wenn Du zu Übungszwecken aber mehr Geschichten schreiben solltest als unter anderen Umständen, würde ich natürlich sagen, dass Du bitte fleißig weiterüben sollst. :)

Der arme Thiel! Eklige Details von der Obduktion und dann noch ein Gewitter.

Aber man leidet auch mit Boerne mit. Boerne unterdrückte ein Seufzen. Er vergaß regelmäßig, wie empfindlich Thiel in dieser Hinsicht war. [...] Aber da war wohl nichts zu machen, [...] Auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, wie jemand sich nicht für diesen Fall begeistern konnte. Er wird wohl wirklich nicht viele Leute kennen, mit denen er seine berufliche Leidenschaft diskutieren kann.

Er selbst hatte Gewitter schon als Kind gemocht. Dieses plötzliche Umschlagen der Stimmung und die gewaltige Energie, die sich auf einen Schlag entlud. Und dann das Nachlassen der Spannung, wenn es anfing zu regnen und die Welt, die nach einem Gewitter frischgewaschen neu startete.

Wenn Boerne es so beschreibt, klingt es gut. Aber eben auch nur von drinnen.

Es gefällt mir, wie Boerne Thiels Angst zwar nicht nachvollziehen kann, aber letztlich doch auf ihn eingeht und versucht, ihn zu beruhigen.
Freut mich, daß Boernes POV überzeugt :) Ich finde ihn immer ein wenig schwieriger als Thiel. Aber mein BigBang, wenn er je was wird, soll ja Boernes POV sein, also brauche ich Übung ...

Er wird wohl wirklich nicht viele Leute kennen, mit denen er seine berufliche Leidenschaft diskutieren kann.
Da hast Du wohl recht. Und ich denke, er wird kaum verstehen, warum das so ist, und es immer wieder probieren ;)

Ich selbst bin, was Gewitter angeht, übrigens mehr auf Boernes Seite. Ich weiß, daß es Menschen gibt, die Angst davor haben - ich muß mich immer eher daran erinnern, daß das durchaus etwas nicht ganz ungefährliches ist. Und man trotz großer Faszination nicht unbedingt rausgehen sollte, wenn es blitzt und donnert :)

*hüstel* Ich habe Angst vor Gewittern. So richtig. Als Kind hat bei uns zwei mal der Blitz ins Haus eingeschlagen, und das prägt irgendwie...andererseits finde ich Lichtenberg-Muster auch faszinierend... ;-)Ich kann also beide POV ganz gut nachvollziehen! Und irgendwie passt es wirklich gut, dass Thiel Gewitter nicht so mag-ich weiß auch nicht warum, aber es passt total gut!
Danke :)

Obwohl ich auch die andere Variante geschrieben habe, geht es mir genauso - eigentlich habe ich das Gefühl, daß diese Angst besser zu Thiel paßt. Vermutlich habe ich da die Nachtszene in Höllenfahrt vor Augen - das ist zwar noch vor dem Gewitter, aber Thiel wirkt ganz eindeutig ein wenig ängstlich nachts im Wald und gar nicht erbaut von der Idee, daß Boerne ihn vielleicht stehen lassen könnte ;)

Als Kind hat bei uns zwei mal der Blitz ins Haus eingeschlagen, und das prägt irgendwie
Das kann ich mir vorstellen. Ich glaube, in dem Fall hätte ich auch Angst ...
"Boerne", unterbrach Thiel ihn mit einem leicht gequälten Tonfall. "Ich esse gerade."
Oh, diese Situation kenne ich gut! Das stört Leute aus (tier)-medizinischen Berufen überhaupt nicht! *lol*

Und ich denke auch, dass es sehr großer Unterschied ist zwischen intellektuell wissen, dass die Schlange nicht giftig, die Spinne nicht tödlich oder das Gewitter im Wohnzimmer ganz harmlos ist - und der Reaktion, wenn man sich dann in der Situation befindet.
Das stört Leute aus (tier)-medizinischen Berufen überhaupt nicht! *lol*
*grins*
Ja, kann ich mir vorstellen. Obwohl ich nicht aus dem Berufsfeld bin, geht es mir auch manchmal so, daß ich mich über faszinierende medizinische Details auslasse, weil ich das sehr spannend finde. Gleichzeitig kann ich schlecht zuhören, wenn jemand anderes von Verletzungen oder OPs erzählt ... merkwürdig.

Und auch wenn ich Thiels Ängste in dem Punkt nicht teile - irgendwas in der Art hat doch jeder. Von daher kann ich auf jeden Fall mitfühlen :)
>>"Ich vermute, Sie wollen sich die Lichtenberg-Figur nicht ansehen", sagte er nach einer Weile, weil er das Gefühl hatte, irgendetwas sagen zu müssen. <<

Das ist soo Boerne, genau die Unbeholfenheit, die ihn befällt, wenn er nett sein will :D
Danke :)

Das ist schön gesagt. Und ja, ich finde auch, das paßt ...
Jetzt mußte er schon zum dritten Mal von vorne anfangen, was selbst für Thiels Aufmerksamkeitsspanne ein neuer Tiefpunkt war.
Ich weiß nicht, was du hast, du bekommst Boernes Tonfall doch klasse hin! Diese Mischung aus leicht genervter Ungeduld und Arroganz ist ja so was von typisch für ihn.

Andererseits hätte eine Minimierung der akustischen Ablenkung vielleicht für mehr Aufmerksamkeit bei seinem Nachbarn gesorgt.
Klar, nichts ist wichtiger, als dass Thiel ihm zuhört. Und sich dabei weiterbildet natürlich, wertvolle Erkenntnisse usw. Boerne hat wirklich eindeutige Prioritäten *grins*

Schön, wie Boerne dann doch mitkriegt, dass Thiel unwohl ist, und er dazu sofort einen Vortrag bereit hat, der natürlich auch sofort von Hölzken auf Stöcksken kommt, wie man hier sagt :-) Und danke, dass du die Spinnen wieder aufgegriffen hast :-)

Er überlegte, ob er Thiel erklären sollte, [...] entschied sich aber in letzter Sekunde dagegen. Stattdessen griff er nach der Kaffeekanne
Manchmal hat er ja seine klaren Momente, unser guter Boerne, selbst im canon. Aber schön, dass er zumindest gedanklich Thiel natürlich darüber aufklärt, dass das Donnern ja gar nicht gefährlich ist :-) Der Satz mit dem Rasensprenger ist ein schöner, Boerne-typischer Versuch, Thiel abzulenken und aufzuheitern. Dass Boerne Gewitter eher faszinieren als ängstigen, finde ich übrigens sehr logisch. Seine Erkenntnis, dass es Thiel nicht so geht, ist sehr schön geschrieben.

Das Ende ist wunderbar passend: dass Boerne gegen jede Vernunft Thiel beruhigt, indem er ihn festhält, sich dann aber trotzdem schweigend unwohl fühlt und den letzten Satz hinterherschickt, ist sehr IC. Und Thiels Lachen auch. Sehr schöner preslash (was denn sonst?)!


Edited at 2013-06-14 10:25 pm (UTC)
Immer, wenn ich denke, auf den Kommentar antworte ich mal in Ruhe, wenn ich etwas mehr Zeit und Konzentration habe, rutscht er mir durch die Lappen ;)

Also jetzt mit Verspätung: Danke!

Es ist sehr schön, daß Du immer noch mitliest und kommentierst - da habe ich immer das sichere Gefühl, nix falsch gemacht zu haben ;)

Ich weiß nicht, was du hast, du bekommst Boernes Tonfall doch klasse hin!
Das freut mich. Vielleicht ist das ein Unterschied, den vor allem ich beim Schreiben merke - bei Boernes POV muß ich mich mehr anstrengen, schreibe manchmal Stellen dreimal um, während Thiels POV meistens einfach so vor sich hin plätschert, ohne Mühe.

Klar, nichts ist wichtiger, als dass Thiel ihm zuhört.
Aber hallo! Das gilt natürlich generell für alle, aber für Thiel ganz besonders ;) Da sollte er mal drüber nachdenken, warum das so ist ...

Und danke, dass du die Spinnen wieder aufgegriffen hast :-)
Schön, daß DIr das aufgefallen ist. Habe ich eigentlich irgendeine Phobie ausgelassen, über die noch dringend was geschrieben werden müßte ...?

Manchmal hat er ja seine klaren Momente, unser guter Boerne, selbst im canon.
Jupp :D
Thiel weiß das gar nicht zu würdigen, der hat keine Ahnung davon, daß Boerne sich im Grunde noch die meiste Zeit zusammenreißt und zurückhält ;)

Sehr schöner preslash
hach, freut mich :)
was denn sonst?
Freundschaft, wenn man so will. Dann allerdings eine der innigeren Art, die auch ziemlich unwahrscheinlich ist ;)