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Heldenreise - Teil 2

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(Sommer)Challenge: Tabelle Heldenreise: Die Welt gerät aus den Fugen – Einführung des Konflikts
Rating: P 12
Genre: Slash, Humor
Länge: ~ 700 Wörter
Zeit: 75 Minuten


***


Einige Tage später ...

Ein unbarmherziges Geräusch weckte ihn. Es brauchte einige Zeit bis ihm klar wurde, daß das nicht sein Wecker war, sondern das lautstarke Schimpfen eines Vogels, der vermutlich die Katze der Nachbarn im Garten erspäht hatte. Thiel seufzte und warf einen Blick auf den Wecker. Kurz nach sieben. Da hatte man schonmal Urlaub, und dann sowas. Er drehte sich auf die andere Seite, was nicht ganz einfach war, weil er festgehalten wurde, und versuchte das Geschrei zu ignorieren, um wieder einzuschlafen. Aber das war einfacher gedacht als getan. Er war wach. Hellwach. Die Amsel steigerte die Lautstärke noch um einige Dezibel, und ihm war zu warm. Er versuchte, vorsichtig ein paar Zentimeter von dem warmen Körper neben ihm abzurücken, mit dem Erfolg, daß er noch näher gezogen wurde.

  "Wieso schläfst du nicht?" murmelte Boerne verschlafen.

  "Tschuldigung." Er drehte sich wieder um. "Ich wollte dich nicht wecken."

  "Zu spät." Boerne gähnte, aber er sah nicht unglücklich aus. Und wenn er länger darüber nachdachte, war ihm eigentlich doch nicht zu warm. Wie er das all die Jahre ausgehalten hatte, alleine zu schlafen, war ihm unbegreiflich. Jedenfalls schlief er sehr viel besser, seit er nicht mehr alleine schlief. Boernes Finger wanderten ziellos über seine Haut, und er mußte lachen. "Das kitzelt."

  "Mhm", sagte Boerne und ließ die Hand in seinen Nacken gleiten. "Besser?"

...

  "Hast du auch Hunger?"

  "Du denkst jetzt ans Essen?" fragte Boerne entsetzt und schaute ihn aus großen Augen an.

  "Ich frühstücke immer um die Zeit ... mir knurrt der Magen ..."

Boerne seufzte theatralisch.

  "Wir können doch auch nach dem Frühstück ..."

  "Sehr romantisch."

  "Ich meine -"

Boerne lachte. "In Ordnung. Nicht, daß du mir hier noch einen Schwächeanfall erleidest."

  "Idiot." Er tat sein bestes, beleidigt zu klingen, aber es wollte ihm nicht so richtig gelingen. Boerne zog ihn wieder näher und murmelte "nur noch fünf Minuten", und er wäre in dieser losen Umarmung fast wieder eingedöst, als Boerne plötzlich sagte: "Nächstes Wochenende habe ich Geburtstag. Wollen wir da vielleicht essen gehen?"

  "Wann?" fragte Thiel und hatte im gleichen Moment ein schlechtes Gewissen, daß er das nicht wußte. Irgendwie war Boernes Geburtstag noch nie ein Thema gewesen.

  "Sonntag."

Auswärts essen  - wenn Boerne Lust dazu hatte, so seinen Geburtstag zu feiern, warum nicht. Also nickte er und sagte: "Klar, paßt doch, an dem Wochenende habe ich auch keinen Dienst", als ihm schlagartig etwas anderes klar wurde. Bisher waren auch Geburtstagsgeschenke kein Thema gewesen. Aber angesichts ihrer veränderten Beziehung ... verdammt. Er mußte ein Geschenk besorgen. Und heute war Dienstag. Er rechnete nach - innerhalb von 13 Tagen.


***


Beim Frühstück versuchte er, aus Boerne herauszubekommen, was der an seinem Geburtstag gerne machte. Er hatte eine Weile gegrübelt, wie er das Thema unauffällig ansprechen konnte, und hatte Boerne dann kurzerhand erzählt, woran er sich aus seiner eigenen Kindheit erinnerte. Kindheitserinnerungen waren ein guter Einstieg, dachte er, während er von Topfschlagen und Apfelessen erzählte, und wenn Boerne erst einmal ins Reden gekommen war, würde er sicher das ein oder andere nützliche erfahren.

Aber Boerne kam nicht ins Reden. Offenbar hatte er das eine Thema erwischt, bei dem Boerne zur Einsilbigkeit neigte. Thiel stockte mitten in der Geschichte darüber, wie seine Freunde zu seinem zehnten Geburtstag alle bei ihm übernachtet und wie sie ein riesiges Matratzen und Deckenlager im Wohnzimmer aufgeschlagen hatten, und fragte: "Und wie hast du als Kind gefeiert?"

  "So weit zurück erinnere ich mich gar nicht", sagte Boerne. "Und später, da habe ich eigentlich kaum noch Geburtstage gefeiert. Es war ja immer Ferienzeit, da waren sowieso immer alle in Urlaub." Er griff nach dem Brötchenkorb. "Willst du noch eins?"

Boernes Stimme hatte völlig normal geklungen, aber er hatte den Blickkontakt vermieden, während er geredet hatte. Und mit einem Mal erinnerte er sich an eine Bemerkung, die der andere vor langer Zeit gemacht hatte, darüber, daß er zu genial für seine Mitschüler gewesen sei. Damals hatte er das als typische Überheblichkeit abgetan, aber jetzt stellte er sich vor, wie andere Kinder wohl auf Boerne reagiert haben mochten, und hätte sich beinahe auf die Zunge gebissen, daß er das Thema überhaupt angeschnitten hatte. Natürlich hatte Boerne keine Kindergeburtstage gefeiert. Wer wäre denn gekommen? Seine Cousine?

  "Ja, danke." Er nahm ein Brötchen.

13 Tage.

Boerne haßte Geburtstage.

Und er hatte nicht den Hauch einer Idee, was er ihm schenken könnte.


* tbc *


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Comments

Oha, da konfrontierst Du Thiel ja tatsächlich mit einem ordentlichen Problem, und das meine ich jetzt ganz ernst. Schöne Geschenke zu finden ist ja eh nicht einfach, aber wenn Boerne mit seinem Geburtstag kaum positive Assoziationen verbindet, sicherlich ungleich schwerer. Ich bin gespannt, wie Thiel das löst ...

"Hast du auch Hunger?"

"Du denkst jetzt ans Essen?" fragte Boerne entsetzt und schaute ihn aus großen Augen an.


Armer Boerne. Heute meinst Du es aber wirklich nicht gut mit ihm. ;)
Oha, da konfrontierst Du Thiel ja tatsächlich mit einem ordentlichen Problem, und das meine ich jetzt ganz ernst.
Es ist auch halb ernst ;) Ich hatte erst daran gedacht, das ganze "eine Heldenreise-Parodie" zu nennen, aber das hätte in die Irre geführt. Eine Parodie wird es nur insofern, daß sich das ganze Drama hier um das Geburtstagsgeschenk und damit ein ganz alltägliches Problem drehen wird. Deshalb ist es aber trotzdem ein Problem, das von Thiel heldenhafte Anstrengungen verlangt ...

Armer Boerne. Heute meinst Du es aber wirklich nicht gut mit ihm. ;)
Och ... nach dem Frühstück ist doch auch noch Zeit. Zumindest wenn man Urlaub hat ;)

Edited at 2013-08-07 02:33 pm (UTC)
Ich würde zwar nicht darauf drängen wollen, aber ich hätte mir grundätzlich auch etwas Ernsteres vorstellen können. Es wäre sicherlich nicht das erste Mal, dass ein scheinbar kleines Problem zu einer echten Krise führt. Aber wenn das bei Thiel und Boerne nicht so sein wird, freue ich mich natürlich für die beiden. :)
Eine ernstere Krise wäre sicher auch denkbar gewesen, aber ich fühle mich danach im Moment so gar nicht :)

Stattdessen fand ich die Idee ganz nett, dieses eher dramatische Erzählmuster so umzusetzen.

Aber die Tabelle kann ja auch von anderen genutze werden ... *hint, hint*
:D

Ich versuche, die Urlaubs-End-Depression klein zu halten ...
Aber die Tabelle kann ja auch von anderen genutze werden ... *hint, hint*

Das habe ich gar nicht gelesen. :)
Das ist ja sehr schmeichelhaft. Danke. :)

Im Moment werde ich dazu aber sicherlich nichts schreiben, auch wenn ich die Tabelle wirklich gut finde. Erst einmal muss auf jeden Fall etwas anderes fertig werden, sonst kriege ich das nie fertig.
Erst einmal muss auf jeden Fall etwas anderes fertig werden, sonst kriege ich das nie fertig.
*spitzt die Ohren*
Das klingt vielversprechend!
Das klingt vielversprechend!.

Abwarten. ;) Ich gebe zu, dass mir meine Idee auch gefällt, aber das Hintergrundthema fällt mir sehr schwer, weil es so gar nicht meinen Interessen entspricht. Aber wenn es die Charaktere glücklich macht, muss man da wohl durch. :)
Ich hatte ja bei der Aufgabe Sorge, was du den beiden Frischverliebten wohl antun könntest... ich meine, bei den Prompts sind ja regelrechte Schreckenszenarien vorstellbar und grausamsten Fantasien weiß Gott keine Grenzen gesetzt. (Ich fürchte, mein BigBang läuft in die Richtung, wenn auch nicht unbedingt bei Punkt 7 und 8... *hust* Nun, sicher verdammt anders, als deine Geschichte; zumindest gehe ich mal davon aus. *hüstel*)

Eigentlich spekuliere ich darauf, dass sich diese ganze, süße Geschichte weiter um Thiels Kampf dreht, Boerne endlich mal positive Assoziationen zum Thema Geburtstag zu bescheren.
Jedenfalls hoffe ich sehr, dass du kein Beziehungsdrama draus machst, danach steht mir nämlich so gerade gar nicht der Sinn, bin noch so in fröhlicher Ferienstimmung... (und generell möchte ich bei Slash immer, dass sie glücklich sind und sich kriegen, falls sie sich noch nicht haben. Eifersucht, Liebes-Dramen etc. mag ich gar nicht.
Jau. Das nur so am Rande. *abwander*)
Nein, Nein, keine Angst - siehe oben den Kommentar zu Vera & die Anmerkung beim ersten Teil ("humorvoller Ansatz"). Mir steht der Sinn auch gerade nicht nach Dramen :) Hier hätte ich wohl allenfalls eine Fluff-Warnung drüberschreiben sollen ...
Mit Fluff-Warnungen kann ich gut leben. ^^
Ich freue mich auf Baggis Geschichte, aber die Andeutungen klingen wahrlich düster. (Lesen werde ich sie trotzdem gerne!) Aber ich kann mir vorstellen, daß Dir als Ausgleich die Suche nach einem Geburtstagsgeschenk guttut :)

besonders bei meinem Liebsten
Da sagst Du was. *seufz* Ich sag nur so viel - die Idee kommt natürlich nicht von ungefähr ...

Ich habe da ja so eine Idee
pscht ... ;)