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Heldenreise - Teil 6

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(Sommer)Challenge: Tabelle Heldenreise: Herber Rückschlag, der alles zu vernichten droht
Rating: P 12
Genre: Slash, Humor
Länge: ~  900 Wörter
Zeit: ~ 100 Minuten


***


Während Boerne duschte und dabei eine Arie sang, die nicht wirklich für seine Stimmlage vorgesehen, aber erstaunlicherweise trotzdem wiederzuerkennen war - die Dauerbeschallung mit Boernes Plattensammlung hatte auch bei Thiel inzwischen ihre Spuren hinterlassen - überlegte er, wohin ihn seine bisherigen Bemühungen gebracht hatten. Wein und Krawatten hatte er bereits ausgeschlossen. Noch mehr Musik zur Auswahl - das würde er sich selbst nicht antun. Alles, was je über Käfer und sonstige Insekten geschrieben worden war, schien Boerne bereits zu besitzen. Seine Zauberausrüstung hatte er vor einem halben Jahr für einen wohltätigen Zweck gestiftet. Blieb Golf, ein Hobby, das Boerne Spaß machte und ihn nicht belastete. Bestimmt gab es da irgendetwas schickes, was er noch brauchen könnte. Eine kurze Internetrecherche, während Boerne noch geschlafen hatte, hatte ihn allerdings nicht weitergebracht. Mit den meisten Begriffen konnte er nichts anfangen, und außerdem hatte er keinen Überblick über Boernes Golfausrüstung und keine Ahnung, was er alles schon hatte.

Da blieb nur eins. Er suchte eine Weile in Boernes Handy nach der richtigen Nummer, rief Richtung Bad "Ich geh' schon mal Brötchen holen" und griff sich sein eigenes Handy. Wenn dieser Bollinger in Boernes Augen ein würdiger Gegner auf dem Golfplatz war, dann mußte er sich ja wohl auskennen.

Das Gespräch gestaltete sich nicht ganz so schwierig wie das mit Boernes Schwester, weil Bollinger ihn einerseits schon kannte - und ihm noch etwas schuldig war, immerhin hatte er ihnen beiden sein Leben zu verdanken - und weil er sich andererseits diesmal eine einigermaßen plausible Geschichte hatte einfallen lassen.

  "Die Sache ist die", sagte er, nachdem er sich vorgestellt hatte, "die Kollegen und ich, wir wollen Boerne was zum Geburtstag schenken. Und mich hat's diesmal erwischt, ich muß mir was ausdenken. Und da dachte ich, für's Golfspielen braucht man doch sicher das ein oder andere, was ihm noch fehlt."

Bollinger wirkte etwas überrascht, schien ihm seine Geschichte jedoch zu glauben. Die kreative Auslegung der Wahrheit bereitete ihm in diesem Fall zum Glück keinerlei moralische Probleme, Boernes und sein Verhältnis mußte Bollinger ja nun wirklich nicht interessieren.

  "Was wollen Sie denn anlegen?"

  "Kann schon etwas mehr sein, wir sind einige, und es ist ja immerhin der 45.", sagte Thiel und hoffte, daß Boerne nie erfahren würde, daß er ihn gerade ein Jahr älter gemacht hatte.

  "Hm ..." Bollinger schien zu überlegen und ging dann eine Reihe von Gegenständen durch, die Thiel trotz seiner Recherchen so gut wie nichts sagten, allerdings immer versehen mit dem Zusatz "hat er schon", "benutzt er nicht" oder "hält er für überflüssigen Schnickschnack" - Thiel überlegte gerade, ob er eigentlich eifersüchtig sein müßte angesichts der Tatsache, daß dieser Bollinger Boernes Ausrüstung Stück für Stück zu kennen schien, als sein Gesprächspartner plötzlich innehielt.

  "Das könnte vielleicht etwas sein."

Fünf Minuten später war er mit Namen und Bezugsquelle für das neueste Stück Technik in der Welt des Golfes versehen. Bollinger versicherte ihm, daß Boerne über die Anschaffung bereits nachgedacht, sie aber noch nicht getätigt hatte: "Das hätte er mir sofort unter die Nase gerieben."


***


  "Wo warst du so lange?" fragte Boerne, als er zurück in die Wohnung kam. Aber auch dafür war er gerüstet.

  "Die Roggenbrötchen waren aus. Ich mußte eins weiter laufen." Er stellte die Brötchentüte auf dem Tisch ab, den Boerne mittlerweile gedeckt hatte. Zu zweit frühstücken machte auch viel mehr Spaß als alleine.

  "Wollen wir heute angeln gehen? Mein Vater leiht uns sein Boot." Boerne sah ihn skeptisch an. "Du darfst was zu lesen mitnehmen." Die Miene des andern hellte sich augenblicklich auf, und Thiel grinste. Auf die Art und Weise hatten sie beide Spaß. Und er eine Chance, einen Fisch zu fangen. Und bevor sie aufbrachen, würde er noch schnell Nadeshda anrufen und sie bitten, eine Onlinebestellung für ihn zu machen. Nur mit Kreditkarte, hatte Bollinger gesagt, Lieferung innerhalb einer Woche. Und er wußte, daß Nadeshda im Gegensatz zu ihm eine Kreditkarte besaß. Außerdem kannte sie sich mit diesem ganzen Internetkram viel besser aus als er. Und wenn das Päckchen bei ihr ankam, bestand auch keine Gefahr, daß Boerne zu früh etwas merkte und die Überraschung im Eimer war. Das war, alles in allem, die perfekte Lösung für sein Geschenkproblem.


***


  "Ich hab' dann übrigens einen Tisch reserviert", sagte Boerne vom Küchentisch aus, während er schon einmal den Wein für ihr Abendessen kostete und ihm beim Braten der beiden Forellen zusah.

  "Hm?"

  "Bei Bruno. Am Sonntag. Man muß da ja nun mal was machen, wohl oder übel. Aber wir können es eigentlich auch genausogut als Abschluß unseres Urlaubs sehen."

Thiel fiel vor Schreck die Forelle, die er gerade wenden wollte, zurück in die Pfanne. "Verdammt!"

  "Ist doch nicht schlimm", sagte Boerne. "Die kann man doch auch noch essen, wenn sie auseinandergebrochen ist."

Zum Glück stand er mit dem Rücken zu Boerne. Sonntag? SONNTAG?! Die Lieferung sollte frühestens nächsten Mittwoch eintreffen.

  "Aber du hast doch gesagt ... du hast doch nächstes Wochenende gesagt."

  "Hm?" Boerne klang überrascht. "Ja natürlich. Nächstes Wochenende. Das ist doch das nächste Wochenende. Am 11."

In seiner Verzweiflung hätte er beinahe Das ist *dieses* Wochenende! *Nächstes* Wochenende ist nächstes Wochenende! gerufen, aber er konnte sich gerade noch bremsen, bevor Boerne am Ende noch Verdacht schöpfte.

  "Um acht", sagte Boerne. "Soll ich die Teller bringen, damit du den Fisch auftun kannst?"

Das war nicht fair. Das war einfach nicht fair.


* tbc *


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Comments

Oh Mann, du machst es dem armen Thiel aber echt nicht leicht! *huggles-Thiel*
Jetzt bin ich aber mal gespannt, was daraus noch wird.

(Und so als Frage nebenbei; meinst du mit 'Berninger' vielleicht 'Bollinger' aus 'Höllenfahrt'? Oder gibt es in deinem "Universum" noch einen Golfkollegen, den Thiel und Boerne gerettet haben? Wenn ja, möchte ich die Geschichte bitte gerne lesen. Gleich im Anschluss an Heldenreise! Jaaaaa? xD )
Wer ein echter Held sein will, muß leiden ;)

Und ja, ich meine Bollinger ... irgendwie verwechsle ich die beiden Namen immer, keine Ahnung warum. Sollte ich noch ändern, danke für den Hinweis :) D.h. aber auch, es gibt leider keine weitere Geschichte ...
D.h. aber auch, es gibt leider keine weitere Geschichte ...
zu schade... ich hätte die beiden gerne mal wieder bei einer dramatischen Rettungsaktion gesehen ^^
Aha, jetzt bekommt natürlich Alberichs Hinweis, dass Thiel ziemlich spät dran sei, eine ganz andere Bedeutung.

Unabhängig vom Zeitproblem hoffe ich nur, dass Boerne sich über das Geschenk wirklich freut, denn eigentlich war er ja auf seine Golfpartner nie gut zu sprechen. Nicht dass Thiel reingelegt wurde ... :)

Das war, alles in allem, die perfekte Lösung für sein Geschenkproblem.

Es ist wahrscheinlich immer ein Fehler, so etwas zu denken. ;)
Aha, jetzt bekommt natürlich Alberichs Hinweis, dass Thiel ziemlich spät dran sei, eine ganz andere Bedeutung.
Ich war gespannt, ob das jemandem auffällt!

Es ist wahrscheinlich immer ein Fehler, so etwas zu denken. ;)
Wohl wahr, damit beschwört man das Unglück herauf ;) Wobei hier vielleicht auch der Titel "Herber Rückschlag, der alles zu vernichten droht" seinen Teil zu der Entwicklung beigetragen hat ...