?

Log in

No account? Create an account
BT_Wandern

October 2017

S M T W T F S
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
293031    

Büttenwarder

Powered by LiveJournal.com
BT_Kiesgrube

Ich hätte nicht gedacht, daß ich das je zu Ihnen sagen würde

(Sommer)Challenge: Situative Tropes: Am Ende der Kräfte
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Freundschaft, h/c
Handlung: Missing Scene / AU zu "Zwischen den Ohren" - wenn die Schlußszene mit den beiden anders gelaufen wäre.
Länge: ~ 600 Wörter
Zeit: ~ 90 Minuten
A/N: Hmpf. In meinem Kopf sah das irgendwie anders aus. Außerdem passen Anfang und Ende stilistisch gar nicht zusammen.


***


Viel zu viel Blut, und das Mädchen - eigentlich ja noch ein halbes Kind - so bleich, daß er im ersten Moment denkt, daß sie das gar nicht überleben kann. Daß sie verblutet. Und alles nur wegen dieser Heimlichtuerei und einer Tenniskarriere. Tennis ist doch nicht das Leben.

Und Eltern, die jetzt da sitzen, in diesem gottverlassenen Krankenhausflur, fassungslos.

"Nadine hat doch gespürt, daß sie anders ist! Aber sie wußte nicht warum. Und Sie haben ihr nicht geholfen!"

Nein, sie haben nicht geholfen. Sie haben alles nur noch schlimmer gemacht. Und jetzt ist eine Frau tot und ein Kind liegt im Krankenhaus und niemand will dafür verantwortlich sein.

Er kann hier nichts mehr tun.

Im Gehen greift er nach seinem Telefon. Die Nummer wählt er fast schon automatisch.


***


Alle denkbaren Untersuchungen sind abgeschlossen. Er hat keinen Grund mehr, sie noch länger hierzubehalten.

"Wie hättest du denn geheißen, als Mann, hm?"

Und der Fall - kein Schritt weiter. Alle Spuren sind im Sand verlaufen. Wer auch immer ihr das angetan hat, sie sind wieder so ratlos wie am Anfang.

"Dem Gesetz nach hättest du dich operieren lassen müssen. Die große Lösung."

Er schaut in das Gesicht, älter, als er sie je gekannt hat. Es wird Zeit, sich zu verabschieden.

Im Gehen greift er nach seinem Handy. Auch ohne den Blick aufs Display ist er sich fast sicher, wer ihn anruft.


***


"Ich mag grad nicht alleine sein."


* Fin *



Epilog ... oder so was ähnliches

Nach der ersten erstaunten Nachfrage hatte Boerne ohne zu Zögern zugestimmt und war eine halbe Stunde später tatsächlich zum Fernsehen bei ihm vorbeigekommen. Und so saßen sie nun da - er mit einer Flasche Bier, Boerne mit einem Glas Wein - und Thiel mußte daran denken, daß dieses Spiel etwas gewesen war, worauf er sich gefreut hatte. Etwas, das er in einer ganz anderen Stimmung hatte ansehen wollen. Er nahm einen Schluck Bier und versuchte, den Kloß in seinem Hals hinunterzuspülen.

Und Boerne hatte das Spiel sicherlich überhaupt nicht sehen wollen. Er sah zur Seite, zu Boerne, der gemächlich das Weinglas zwischen den Fingern drehte und in seine eigenen Gedanken versunken zu sein schien. Als sie das letzte Mal zusammen getrunken hatten, hatte das irgendwie nicht so gut geendet, auch wenn er sich nur noch vage erinnerte.

  "Danke."

  "Mhm?"

Er fühlte sich ein wenig unbehaglich, fand aber trotzdem, daß er das sagen mußte. "Daß Sie vorbeigekommen sind."

  "Aber gewiß doch", erklärte Boerne munter. "Wozu hat man denn Freunde."

Thiel sah überrascht auf, aber Boerne wirkte völlig ernst. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, woher Boerne diese absolute Gewißheit nahm. Diese Überzeugung, daß sie Freunde waren, und die Sicherheit, daß nichts daran etwas ändern würde.

  "Soll ich das Video starten?"

Thiel nickte und ließ sich zurück gegen die Sofalehne sinken. Auf dem Bildschirm flimmerten die bekannten Bilder - den Anfang des Spiels hatte er schließlich schon dreimal gesehen. Er schloß die Augen, während Boerne weiterredete.

  "Thiel?"

  "Mhm ..."

  "Schlafen Sie etwa ein? Sie  verpassen das Spiel ja schon wieder."

  "Mhm ..."

Etwas pikste ihn in die Seite, aber er brachte nicht mehr die Energie auf, wegzurücken. "Aber das war Ihnen doch wichtig. Sie wollten das Spiel doch unbedingt sehen, jetzt kommen -"

  "Nicht ..." Er schob die Hand beiseite, die ihn schüttelte.

  "Aber ..."

...

  "Thiel?"

  "Hm?"

  "Kann ich umschalten?"

Sein Schweigen schien Boerne als Zustimmung zu werten, jedenfalls hörte er, wie der andere durch die Kanäle zappte und schließlich in einem Tierfilm hängen blieb. Und dann spürte er Boernes Arm um seine Schultern und eine Decke, die über ihn gezogen wurde. Und weil es darauf jetzt auch nicht mehr ankam, lehnte er seinen Kopf gegen Boerne. Der Kloß schien kleiner geworden zu sein. Und das Spiel konnte er irgendwann ansehen.


* Fin *

Comments

Außerdem passen Anfang und Ende stilistisch gar nicht zusammen.
Seit wann achten wir auf Stil? Wenn das so ist, darf bei mir jedenfalls niemand lesen, der muss ja vor Schreck tot umfallen. ^^


Sehr sehr süß. Ich finde auch, dass beide in dieser Folge mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hatten, Boerne auf jeden Fall, aber Thiel tatsächlich ebenso. Das alles ist nicht an ihm vorbeigegangen, und ich fand das insgesamt die beste Folge der letzten 2 Jahre. Und dein Ende dazu gefällt mir sehr. Sehr passend, dass Boerne umschalten will. Viel logischer als in der Folge, er wäre doch niemals da sitzen geblieben und hätte sich das Spiel bis zum Schluss angesehen.

Wie war das mit deiner Schreibblockade?! ;)

Und was ist los, hat's dich noch mal erwischt? Gute Besserung!!!
Wie war das mit deiner Schreibblockade?! ;)
Die ist immer noch da, die Texte schreiben sich nicht so leicht, obwohl ich gerne schreiben würde. Ich hab' im Moment bei allem, was ich schreibe, das Gefühl "da hätte man mehr drauß machen können".

Sehr sehr süß. Ich finde auch, dass beide in dieser Folge mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hatten, Boerne auf jeden Fall, aber Thiel tatsächlich ebenso.
In der Tat. Ich habe mir die Szene, bevor er Boerne anruft, nochmal angesehen, und da ist er schon ziemlich mitgenommen. Dabei ist mir auch zum ersten mal aufgefallen, daß die beiden Szenen parallel sind, Thiel im Krankenhaus und Boerne in der Rechtsmedizin mit Susanne.

Ich hab' im Moment bei allem, was ich schreibe, das Gefühl "da hätte man mehr drauß machen können".
Oh Gott, das habe ich bei mir immer. Aber bei dir eigentlich nie... und in diesem Fall auch nicht.


Dabei ist mir auch zum ersten mal aufgefallen, daß die beiden Szenen parallel sind, Thiel im Krankenhaus und Boerne in der Rechtsmedizin mit Susanne
Ich finde, die Regisseurin hat ganz toll mit den verschiedenen Szenen gespielt. Diese Sache mit Boerne zweimal vor dem Spiegel fand ich schon genial. Und das, was du da aufgegriffen hast, ebenso. Das ist gut zusammengeschnitten, die Stimmung ist bei beiden so gedrückt. Ich finde das gut umgesetzt und auch bei beiden glaubwürdig.
Boernes Gespräch mit der Toten ist in meinen Augen zwar eigenwillig, aber nicht peinlich, sondern es geht mir nahe. Ok, der Indianergruß zum Abschluss ist vielleicht Geschmackssache, aber den Rest finde ich absolut ok. Und es ist einer der wenigen Momente, in denen Boerne irgendwie ehrlich ist. Es ist gerade nicht alles egal, nach dem Motto, 'jaja jaja, ich hab sie gekannt... und jetzt frag' nicht weiter, denn ich gebe ohnehin nicht zu, wie es in mir aussieht'. Diese Szene weiter zum Anfang hin ist natürlich typisch Boerne in dem Moment, und natürlich auch sehr passend. Wobei ich mir von Alberich eine andere Reaktion erhofft hätte. Hab' ich ja schon tausendmal erzählt.

Hach, ich bin am rumlabern, bei dieser Folge gibt es einfach viel schönes insgesamt. Aber ich bin jetzt still.
Hach, ich bin am rumlabern, bei dieser Folge gibt es einfach viel schönes insgesamt.
Auf jeden Fall. Es gibt gute Folgen, die mehr "Münster" sind, aber trotzdem ist diese in vielerlei Hinsicht vielleicht meine liebste.
Also mir gefällt Deine Variante. Das hätten sie im Film ruhig auch so machen können. :)

Ich kann mich nur nicht entscheiden, was ich lieber mag: das Ende, wenn Thiel an Boernes Schuler einschläft, oder die Selbstverständlichkeit, mit der Boerne sagt: "Wozu hat man denn Freunde."
oder die Selbstverständlichkeit, mit der Boerne sagt: "Wozu hat man denn Freunde."
Ich glaube, das war der Kern der Geschichte - also diese beiden Sätze wollte ich unbedingt unterbringen. Und bei "am Ende der Kräfte" fiel mir sofort Thiel am Ende von "Zwischen den Ohren" ein. Aber so recht zusammenpassen wollte das ganze in der Umsetzung dann nicht ;)

Freut mich aber, daß es Dir trotzdem gefallen hat!

das Ende, wenn Thiel an Boernes Schuler einschläft
Habe ich gefühlte tausend Mal geschrieben, aber ich kann mir nicht helfen, es ist immer noch eine nette Vorstellung ...
Es ist ein bißchen schade, daß die Gelegenheit in der Episode verpufft. Ich finde zwar auch die Fallauflösung und den Dr.-House-Moment ("Einer für alle, alle für einen") nett, und den Schlußgag ebenso. Aber mit Thiels Anruf bei Boerne war es ja doch etwas ernsthafter geworden, und das wird dann nicht fortgeführt / offen gelassen. Aber man kann in 90 Minuten eben nicht alles haben und ich bin schon sehr froh, daß in "zwischen den Ohren" überhaupt so viele ernsthaftere Momente sind. :)

Edited at 2013-09-07 03:35 pm (UTC)