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BT_Wandern

December 2017

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Büttenwarder

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BT_Bingo_Mauer

Gespräche unter Kollegen (Stuttgart/Münster Crossover)

Rating: P 12
Genre: Humor, Pre-Slash?, Crossover
Handlung: Der Stuttgarter Rechtsmediziner Daniel Vogt ist zu einer Fortbildung in Münster.
Bezug: "Grabenkämpfe" (Tatort Stuttgart)
Länge: ca. 500 Wörter
A/N: Ich habe gestern die Wiederholung gesehen und konnte mir das nicht verkneifen. Die Inspiration hierfür lieferten - nichtsahnend - joslj und megchen(-> mehr Infos am Ende des Textes). Schuld am Ergebnis bin aber ich allein ;)


***


"Eigentlich wollt' ich schon längschtens -"

Seine Proteste verhalten ungehört. Vogt seufzte innerlich und schenkte sich nach. Eigentlich war er kein großer Freund von Dienstreisen, aber für die fachliche Fortbildung war es nunmal unvermeidlich. Trotzdem war es immer eher eine Tortur als ein Vergnügen. In Hotelbetten schlief er miserabel bis gar nicht, nirgends bekam man anständige Spätzle oder eine frische Seele zum Frühstück, und vom Wein wollte er gar nicht erst reden.

Der werte Kollege redete derweil unbeirrt weiter, während ihm schon der Kopf schwirrte. Ob's am Alkohol lag oder an der Angewohnheit seines Gesprächspartners, unvermittelt von einem Thema zum nächsten zu springen und generell viel zu schnell zu reden, er wußte es nicht. Wenn wenigstens Nika mitgekommen wäre ...

"Kosten Sie den mal, ein wirklich gutes Tröpfchen. Also, wo war ich ... ach ja, die gefälschten zahnärztlichen Unterlagen ..."

Vogt schielte unauffällig auf seine Uhr. Schon halb zwei. Und der Kollege redete und redete und redete. Die Zusammenarbeit zwischen Rechtsmedizin und Polizei schien in Münster irgendwie enger zu sein, als er das gewohnt war. Er selbst war zum Glück noch nie in die Verlegenheit gekommen, flüchtige Verbrecher verfolgen zu müssen. Oder Zeugen zu befragen. Oder bedroht, niedergeschlagen oder gar in eines seiner eigenen Kühlfächer gesperrt zu werden. Wirklich neidisch war er auf die Erlebnisse des Kollegen allerdings nicht, mußte er zugeben. Wenn das überhaupt alles so stimmte, so ganz konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der geschätzte Kollege ein wenig zum Übertreiben neigte.

Ja, man hätte fast meinen können, daß die Münsteraner Rechtsmedizin ihre Fälle ganz alleine löste. Vogt mußte grinsen, als er seinen Kollegen vor seinem inneren Auge im James-Bond-Outfit in einen Raum voller Verbrecher stürmen sah. Andererseits, wenn man den Kollegen so über *seinen* Kommissar reden hörte, mußte der auch ein echter Teufelskerl sein. Zumindest, wenn sein Gegenüber sich normalerweise an die schwäbische Maxime Ned g'schempfd isch gnug g'lobd hielt, was er doch stark annahm.

Jetzt war er bestimmt schon eine halbe Stunde nicht mehr zu Wort gekommen. Nicht, daß es darum schade war - er war viel zu müde und viel zu betrunken, um noch einen vernünftigen Satz zu formulieren. Sein Kollege war erstaunlicherweise immer noch in der Lage, ganze Sätze zu formulieren, schien sich jetzt aber an einem Thema festgebissen zu haben: Thiel. Mußte ein merkwürdiges Exemplar eines Hauptkommissars sein, wenn er seinem Rechtsmediziner solche Kapriolen erlaubte. Wobei der besagte Rechtsmediziner recht beharrlich sein konnte, sonst würde er nicht - er sah auf seine Uhr - nachts um zwei noch hier sitzen und sich Geschichten über einen Kommissar anhören, den er nicht einmal kannte.

Er wollte sich gerade wirklich aufraffen und verabschieden, um in dieser Nacht wenigstens noch ein bißchen Schlaf zu finden, als der Groschen fiel. Es war gar nichts von dem, was dieser Boerne sagte, es war sein Gesichtsausdruck und die Art, wie er geistesabwesend sein Weinglas zwischen den Fingern drehte. Vogt hatte plötzlich das unangenehme Gefühl, daß er vermutlich ganz ähnlich aussah, wenn er über Nika redete.

Weshalb er in einem unerwarteten Anfall von Mitgefühl sitzen blieb.

Die Nacht war ja sowieso gelaufen.


* Fin *

A/N: Aus dem Diskussionspost zur Erstausstrahlung von "Grabenkämpfe"
megchen: Aber ich habe jetzt Bilder von Vogt und Boerne im Kopf, wie sie an der Bar sitzen und Boerne schwadroniert und Vogt so verzweifelt ist, dass er sich betrinken muss.
joslj: Naja, wer möchte auch den ganzen Abend von Thiel vorgeschwärmt bekommen @v@
 

Comments

Tolle Idee und tolle Umsetzung! Diese Outsider-POVs haben immer wieder einen besonderen Reiz, weil man die Eigenschaften der bekannten Figuren noch einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel sieht.

Die Zusammenarbeit zwischen Rechtsmedizin und Polizei schien in Münster irgendwie enger zu sein, als er das gewohnt war.

Sehr treffend beobachtet. Aber Dr. Vogt weiß gar nicht, was ihm da entgeht. :)

Und dieser Gedanke der Schicksalsgenossen, auch wenn Boerne sich dessen ja vielleicht gar nicht bewusst ist, gefällt mir noch einmal besonders gut.

Wenn ich die Stuttgarter gucke, tut mir der Rechtsmediziner immer sehr leid. Ich befürchte, dass wird wohl nie etwas mit ihm und Nika.

Der Schauspieler ist hier am Theater. Ich warte immer darauf, dass er mal Schwäbisch sprechen darf, aber bisher ergab sich wohl noch keine Gelegenheit. ;)
Danke!

Ich habe das Gefühl, ewig nix mehr geschrieben zu haben - da war es richtig nett, mal wieder eine kleine Idee zu haben. Den Outsider POV finde ich auch immer wieder hübsch.

Und dieser Gedanke der Schicksalsgenossen, auch wenn Boerne sich dessen ja vielleicht gar nicht bewusst ist, gefällt mir noch einmal besonders gut.
Die Parallele ist mir erst in den Sinn gekommen, als ich schon zu schreiben angefangen hatte. Paßt aber in der Tat sehr gut :)

Wenn ich die Stuttgarter gucke, tut mir der Rechtsmediziner immer sehr leid. Ich befürchte, dass wird wohl nie etwas mit ihm und Nika.
Das fürchte ich allerdings auch. Aber ich mag diesen kleinen Strang, der sich mal mehr, mal weniger durch die Folgen zieht.

"Grabenkämpfe" ist von Hinter und Cantz, was ich beim ersten Anschauen nicht wußte. Gestern ist es mir im Vorspann ins Auge gefallen und danach kam mir die Episode ein bißchen so vor, als wäre es ein Münsteraner Krimi, der in Stuttgart spielt ...
Leider keiner der guten, er ist zwar streckenweise recht unterhaltsam und hat auch einige sehr schöne Momente (u.a. Vogts Kommentar zu seiner Tagung in Münster), aber das Ende und die Auflösung des Falls ist ziemlich unsäglich.

Der Schauspieler ist hier am Theater. Ich warte immer darauf, dass er mal Schwäbisch sprechen darf
Dann gehört er wohl zur "mir kennet auch Hochdeutsch"-Fraktion ;)


Edited at 2013-10-19 01:24 pm (UTC)
Ich werde "Grabenkämpfe" sicherlich gesehen haben, aber ich kann mich an keine Details mehr erinnern. Ich wusste gar nicht, dass Cantz / Hinter überhaupt andere Tatorte schreiben.

Dann gehört er wohl zur "mir kennet auch Hochdeutsch"-Fraktion ;)

Das trifft wohl so gut wie auf alle Bühnenschauspieler zu.


Edited at 2013-10-19 05:15 pm (UTC)
Ich kann dir nur in allem zustimmen: schöne Idee, schöne Umsetzung, mein vollstes Mitgefühl den beiden (aber besonders Vogt). Und dass ich den Outsider POV sehr reizvoll finde, wisst ihr ja sowieso :-)
mein vollstes Mitgefühl den beiden (aber besonders Vogt)
Weil Vogt keine Chance hat, während wir alle wissen, daß das mit Thiel und Boerne nur eine Frage der Zeit ist? ;)

Mir tut Vogt auch immer leid, besonders hart fand ich in der Hinsicht "Das Mädchen Galina".

Schön, daß Dir die kleine Szene gefallen hat, sie war ja auch v.a. Deiner Anmerkung zu verdanken! ;)
Weil Vogt keine Chance hat, während wir alle wissen, daß das mit Thiel und Boerne nur eine Frage der Zeit ist? ;)
Das auch :-) Ich dachte zwar eher an den akuten Zustand, in Boernes Klauen gefangen zu sein, aber da hast du natürlich den wichtigeren Punkt angesprochen. Irgendwann ist ja auch die längste Nacht zu Ende ...
Jetzt will ich eine weitere Tagung, von mir aus in Stuttgart, wo Vogt realisieren muss, das Boerne erfolgreich war, ...
*kicher*
Freut mich :)