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Ein neuer Anfang - Kapitel 3 - (SK Kölsch)

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***


„Acht Uhr, nicht vergessen!“ rief Jupp ihm hinterher, als er aus der Tür ging. Klaus nickte bestätigend und sah, wie Jupp die Hand von der Sprechmuschel nahm und weitertelefonierte. Fußball also. Es war nicht so, daß ihn das wirklich so brennend interessierte, aber Jupp hatte diesen Welpenblick eingesetzt und gejammert, daß Flo auf Klassenfahrt war und er keine Lust hatte, das Spiel alleine zu sehen. Ich lad‘ dich auch ein, Pizza und Bier bis zum Abwinken! Flo ist nicht da und wir müssen keine guten Vorbilder sein! Das hatte ihn dann doch zum Lachen gebracht und er hatte versprochen, pünktlich zum Anpfiff da zu sein. Mit Chips. Weshalb er jetzt hier stand und zwischen klassischer oder experimenteller Würzung schwankte. So besonders gut war die Idee ja nicht, den Abend alleine mit Jupp zu verbringen. Er wußte das natürlich ganz genau, aber wie hätte er das Jupp erklären sollen. Und außerdem … er vermißte Jupp, seit er ausgezogen war. Klaus seufzte und griff nach den Paprikachips. Jupp war mehr so fürs Bodenständige und Vertraute zu haben. Keine Experimente.

***


Wenn Jupp ehrlich war, hatte er ein ganz schön flaues Gefühl im Magen, und von dem Spiel bekam er auch nicht wirklich viel mit. Aber nach zwei, drei Kölsch ging es ihm schon besser. Und Klaus, der anfangs auch ein bißchen verkrampft gewirkt hatte, hatte sich inzwischen ebenfalls entspannt und schimpfte gerade lauthals auf den Schiedsrichter. Jupp stellte die nächsten beiden Flaschen auf den Tisch.

„Willst du mich schon vor der Halbzeit betrunken machen?“ fragte Klaus, und für einen Moment fühlte er sich ertappt, aber dann sah er das leichte Lächeln und nahm den amüsierten Tonfall wahr. „Was’n echter Kölner Jung ist, den werfen ein paar Kölsch doch nicht um“, erklärte er deshalb nur. „Und du bist jetzt lange genug hier, um als Kölner ehrenhalber durchzugehen.“

„Na denn Prost“, sagte Klaus und tippte seine Bierflasche gegen Jupps. „Das glaub‘ ich ja wohl nicht! Das war ganz klar ein Foul!“

Natürlich wollte er Klaus nicht betrunken machen. Jedenfalls nicht zu betrunken, er wußte aus leidvoller Erfahrung, daß dann gar nichts mehr ging. Nur betrunken genug, daß er nicht mehr so viel nachdachte.

Nach dem vierten Bier rückte er auf der Couch ein bißchen näher an Klaus und lehnte sich gegen ihn.

Nach dem fünften Bier ließ er seine Hand nach einem Freistoß, der beinahe ein Tor geworden wäre, wie zufällig auf Klaus‘ Bein liegen.

Nach dem sechsten Bier dachte er, daß es jetzt an der Zeit war. Jetzt oder nie, bevor sie am Ende doch zu besoffen waren. Klaus hatte eben schon drei Anläufe gebraucht, um die leere Flasche wieder auf dem Tisch abzustellen.

„Klaus …?“

„Hm?“

Als der andere den Kopf drehte und ihn ansah, ging plötzlich alles ganz schnell. Er war so nah, daß Jupp sich nur ein paar Zentimeter nach vorne beugen mußte, um die Distanz zwischen ihnen beiden zu überbrücken. Für eine Sekunde erstarrte Klaus, aber dann war da eine Hand in seinem Nacken und Klaus Zunge, die sich ohne Zögern zwischen seine Lippen schob und das fühlte sich perfekt und richtig an und im Hintergrund brüllte der Moderator „Tor! Ein Tor für die Kölner in der 89. Spielminute, und damit geht der FC Köln in letzter Sekunde –“ aber er hörte nichts weiter, weil eine Hand sich unter sein T-Shirt schob und über seinen Bauch strich, über seine Brust und dann wieder nach unten und immer tiefer und Klaus löste sich von ihm und drückte ihn nach hinten, auf die Couch und er hatte gerade noch Zeit, sich zu fragen, ob das wohl am Alkohol lag oder ob Klaus immer so war, aber eigentlich war das in diesem Fall ja auch ganz gut so, weil er nicht wirklich wußte, was zu tun war, außer daß er wollte, ohne Zweifel, er wußte nicht was genau, aber er wollte, und dann zerrte Klaus Stoff beiseite und da waren wieder Hände und Lippen auf seiner nackten Haut diesmal, und im Hintergrund jubelte immer noch der Moderator, und in seinem Kopf legte sich ein Schalter um, den schon lange niemand mehr so gründlich umgelegt hatte, aber für den Moment konnte er auf rationales Denken auch sehr gut verzichten.

***


Klaus schluckte trocken. Da war so ein pelziger Geschmack in seinem Mund … Ah ja, das Fußballspiel. Jupp hatte ihm ein Kölsch nach dem anderen vor die Nase gestellt, und er hatte eindeutig zu viel getrunken, und dann – Er schreckte ruckartig hoch, nur um von einem vorwurfsvollen „He!“ gestoppt und von kräftigen Armen wieder zurück gezogen zu werden.

„Oh Mann, mir brummt der Schädel“, murmelte Jupp.

JUPP.

Das war ganz unzweifelhaft Jupp, der hier mit ihm auf diesem viel zu schmalen Sofa lag. Jupp. Nackt. Und er. Nackt. Und dieses klebrige Gefühl … das war kein verschüttetes Bier, soviel war sicher. Klaus stöhnte, als die Erinnerungen an letzte Nacht zurückkamen – mit leichter Verzögerung, dafür in bester Bild- und Tonqualität.

„Ich mag das Geräusch“, nuschelte Jupp gegen seine Schulter. „Aber ich glaub, ich brauch erst mal ‘n Schluck Wasser.“

„Was ist … wieso …“

„Dusche wär auch nicht schlecht“, Jupp stützte sich auf einen Ellbogen und sah auf ihn herab. „Du siehst auch aus, als könntest du eine vertragen.“ Da war ein Lächeln, das er schon oft gesehen hatte, aber noch nie an ihn gerichtet. Er versuchte, etwas zu sagen, aber die Gedanken, die in seinem Kopf herumwirbelten, wollten sich nicht in Sätze fassen lassen.

„Was ist los – du tust ja gerade so, als hättest du letzte Nacht das erste Mal mit ‘nem Kerl geschlafen.“ Jupps Stimme war heiser, und er brauchte seine ganze Willenskraft, um die Erinnerungen zurückzudrängen, die dabei in ihm aufstiegen. So konnte er keinen klaren Gedanken fassen. Er setzte sich ebenfalls auf und vermied es dabei, Jupp näher anzusehen. „Ich glaub‘, ich muß erst mal duschen und einen klaren Kopf kriegen.“

„In Ordnung.“ Eine warme Hand legte sich in seinen Nacken. Jupps Fingerspitzen strichen durch seine Haare, ganz kurz, dann ließ der andere ihn wieder los. „Ich mach Frühstück, O.K.?“

***


Jupp grinste vor sich hin, während er Kaffee aufsetzte und im Hintergrund die Dusche rauschte. Die Kopfschmerzen hatten nach drei Gläsern Wasser und einem Aspirin etwas nachgelassen, und er war fürs erste einfach wieder in die Klamotten geschlüpft, die er auf dem Boden neben der Couch gefunden hatte. Ganz kurz war er versucht gewesen, Klaus nachzugehen, aber der hatte so gewirkt, als könnte er ein paar Minuten alleine brauchen. Duschen konnte er auch später. Er berührte gedankenverloren eine schmerzende Stelle an seinem Hals und sah aus den Augenwinkeln einen blutunterlaufenen Fleck. Daß das so einfach sein würde, hätte er nicht gedacht. Er hörte, wie im Bad das Wasser abgestellt wurde, und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. So einfach, da hätte er wirklich eher drauf kommen können, das zu versuchen.

Er lächelte immer noch, als Klaus in die Küche kam. Klaus starrte ihn wortlos an.

„Willst du Kaffee?“

Klaus nickte und nahm die Tasse, die er ihm hinhielt, nur um sie bei seinen nächsten Worten beinahe fallen zu lassen. Dabei war das doch eine ganz logische Schlußfolgerung. Was war denn an Wann kannst du wieder hier einziehen so eine große Überraschung? „Was denn?“

Anscheinend hatte Klaus die Sprache wiedergefunden, weshalb er sich, während er den Tisch deckte, einen ganzen Vortrag anhören mußte, in dem es im wesentlichen um Flo ging, und darum, daß es völlig unverantwortlich war, ihn, Klaus, betrunken zu machen und das derartig auszunutzen, und um Flo, und darum, daß sie Kollegen waren, und um Flo, und daß er, Jupp, ja überhaupt nicht wußte, wie schwierig das im Polizeidienst werden konnte, und daß er nicht einfach aus einer Laune heraus so etwas anfangen konnte, wenn er keine Ahnung hatte, wie lange es halten würde, sondern daß er an Flo denken müsse, der Stabilität brauchte, und Gewißheit, und -   

„Ich weiß doch schon, daß es hält“, unterbrach Jupp ungeduldig. Wieso verstand Klaus das denn nicht? Es hatte doch schon funktioniert, es hatte viel besser funktioniert als mit Ellen oder sonst jemandem. Das einzige, was gefehlt hatte, war der Sex gewesen. Und wenn das auch funktionierte – und bei Gott, hatte das funktioniert – dann war doch alles bestens. Besser als gut.

„Aber …“ Klaus schien den Faden verloren zu haben und starrte ihn an, als würde er einen Geist sehen.

„Du bist doch überhaupt nur deshalb ausgezogen, oder?“ Es war ein bißchen spät für diese Erkenntnis, aber er war sich mit einem Mal ziemlich sicher, daß es dazu gar nicht gekommen wäre, wenn sie diesen Punkt schon früher geklärt und miteinander geschlafen hätten.

Klaus klappte den Mund wieder zu, was ein bißchen dämlich, aber auch ziemlich niedlich aussah. „Aber wir sagen es Flo noch nicht sofort“, sagte er schließlich. „Wir sehen erst mal, ob das wirklich … ob das wirklich … funktioniert.“

„O.K.“ Jupp lächelte. Darüber würden sie nochmal reden, wenn Klaus sich beruhigt und an den Gedanken gewöhnt hatte. Flo war schließlich bis nächsten Samstag unterwegs.

„Ich glaub dir kein Wort.“

„Was?“ Er sah alarmiert auf und direkt in Klaus Gesicht, der inzwischen unbemerkt näher gekommen war.

„In Wirklichkeit planst du doch schon, das in alle Welt zu posaunen, oder?“ Da war dieses Lächeln, das ihm schon so oft ein Flattern in der Magengegend beschert hatte. Und es war gut, endlich das tun zu können, was er schon längst hätte tun sollen, und dieses Lächeln von Klaus Lippen zu küssen.

„Stimmt …“, murmelte er zwischen zwei Küssen. „Und du kannst damit anfangen, indem du zum Bäcker gehst und Brötchen für zwei kaufst.“

* Fin *
Tags: f: sk kölsch, g: fanfic, g: slash, p: klaus / jupp
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