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BT_Wandern

April 2018

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Büttenwarder

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Ausnahmezustand

Team: Thalia
Challenge: h/c - Stimmlos (für mich)
Fandom: Tatort Münster
Genre: Freundschaft, ein klein wenig h/c
Personen: Thiel, Boerne, Silke Haller (in einer Nebenrolle)
Wörter: ~1.200
Zeit: gut und gerne 120 Minuten *hust*
A/N: Das ganze ist ein bißchen ausgefranst, und weder so lustig noch so h/c geworden wie es sollte, aber he, ich hab‘ endlich mal wieder was geschrieben :)

***


"Natürlich kann er arbeiten. Daß er die Stimme verloren hat, beeinträchtigt ja schließlich nicht seine überragenden geistigen Fähigkeiten", erklärte Thiel. Erst als ihn Frau Haller verdutzt ansah, schob er ein verspätetes "meint er" hinterher.

"Das ist doch kein Zustand!" Frau Haller sah Boerne empört an. "Bleiben Sie zuhause und kurieren Sie sich aus wie jeder normale Mensch!"

Boernes Blick sprach Bände. Zumindest für Thiel. "Er ist nicht krank. Er ist nur heiser, und kann selbstverständlich -" Frau Haller funkelte ihn böse an und wendete sich dann wieder Boerne zu. "Ich kann so jedenfalls nicht arbeiten! Wollen Sie mir den ganzen Tag Zettel schreiben?"

Boernes schaute wieder zu ihm, und Thiel spürte unwillkürlich einen Fluchtimpuls in sich aufsteigen. "Vergessen Sie's! Ich bleibe garantiert nicht hier und springe als Ihre Stimme ein! Ich muß selbst arbeiten!" Boernes Blick wurde noch ein bißchen flehentlicher, und Thiel seufzte. "Jetzt seien Sie doch nicht so verdammt stur! Ich hab' Ihnen schon heute Morgen gesagt, daß das keinen Sinn hat, so zur Arbeit zu fahren!" Natürlich hatte Boerne das nicht die Bohne interessiert, und nachdem Thiel aufgefallen war, daß er gerade dabei war, eine Diskussion mit sich selbst zu führen - weil er Boernes fehlenden Part mitübernommen hatte - hatte er aufgegeben zu protestieren.

"Und eigentlich wollte ich auch nur wissen, ob die Untersuchung der Probe neue Ergebnisse geliefert hat." Boerne öffnete den Mund, aber Thiel schüttelte resigniert den Kopf. "Ich hab' Frau Haller gefragt. Soweit reichen meine telepathischen Fähigkeiten jetzt auch nicht."

Boerne schloß den Mund wieder mit einem so verletzten Gesichtsausdruck, daß er Thiel fast leid tat, aber - Herrgott, was war bloß so schlimm daran, mal einen oder zwei Tage nicht arbeiten zu können? Während Frau Haller sich neben ihm taktvoll räusperte und ihn dann in ihr Büro lotste, um ihm die Ergebnisse zu erklären, sah er aus dem Augenwinkel, wie Boerne in Richtung seines Büros verschwand.


***


Zehn Minuten später war er schlauer, was seinen aktuellen Fall betraf, und verabschiedete sich von Frau Haller. "Sie kommen doch zurecht?" Das mit ihm schwang mit, ohne daß er es laut ausgesprochen hätte, aber Frau Haller verstand ihn auch so und nickte, inzwischen eher amüsiert. Im Gehen klopfte er noch einmal bei Boerne und steckte den Kopf ins Zimmer. "Ich bin dann weg."

"Und?" fragte Frau Haller, als er die Tür wieder geschlossen hatte.

"Er macht irgendwelchen Papierkram und sagt, das kann er sehr wohl auch ohne Stimme erledigen."

Frau Haller grinste. "Sie sollten wirklich unter die Gedankenleser gehen."


***


Als er das nächste Mal an Boernes Tür klopfte, war es schon spät am Abend. Und die Tür war die Wohnungstür, was Boerne nicht daran hinderte, ihn genauso gekränkt anzusehen wie am Morgen. Als ob das ganze seine Schuld wäre.

"Hier." Er hob die Tasse an, so daß sie in Boernes Blickfeld landen mußte. "Salbeitee mit Honig. Ist ein altes Hausmittel von meiner Mutter."

Boerne verzog das Gesicht.

"Ja ... ich weiß, was Sie von Hausmitteln halten, und daß Sie Arzt sind, und sowieso selbst am besten -" Ein Krächzen unterbrach ihn und Boerne griff nach der Tasse.

"Kommt die Stimme wieder?"

Boerne schüttelte deprimiert den Kopf und nahm vorsichtig einen Schluck Tee.

"Na also", sagte Thiel zufrieden. "Tut gut, oder?"

Boerne verdrehte die Augen, aber er nippte auch ein zweites Mal am Tee, was Thiel als widerwilliges Ja interpretierte. Und dann ließ Boerne die Tasse wieder sinken und sah ihn fragend an, und Thiel starrte zurück, weil ihm plötzlich nichts mehr zu sagen einfiel. Normalerweise redete Boerne. Normalerweise war es auch Boerne, der ihn aus der Wohnung klingelte, vor allem dann, wenn sie sich gestritten hatten. Außerdem hatten sie sich gar nicht gestritten, Boerne war nur mies drauf, weil er nicht reden konnte, aber dafür konnte Thiel schließlich nichts. Er hätte wirklich nicht den ganzen Tag den Übersetzer machen können. Auch wenn es erstaunlich einfach gewesen war zu erraten, was Boerne gerade sagen wollte.

"Na dann ... Gute Besserung, ich geh dann -" Boerne sah ihn immer noch an und Thiel seufzte. "Also gut, meinetwegen ... Aber nur kurz." Er wollte gerade einen Schritt nach vorne machen, als ihn Boernes überraschter Gesichtsausdruck stoppte. Und er war sich ganz sicher gewesen ... hatte er das jetzt falsch verstanden? Er wollte schon zurückrudern, als er die Verlegenheit merkte, die sich in Boernes Überraschung mischte, und ihm klar wurde, daß er wohl schon richtig verstanden hatte, allerdings etwas, was Boerne ansonsten nicht laut gesagt hätte. Entschlossen ging er weiter, bevor das Ganze noch peinlicher wurde. Boerne war eh nicht in der Lage, ihm zu widersprechen.

Bis sie im Wohnzimmer angekommen waren, hatte Boerne sich wieder gefaßt und deutete mit einer einladenden Handbewegung auf die Couch und zog gleichzeitig fragend eine Augenbraue hoch.

"Ich hol' mir schon selbst was. Setzen Sie sich und trinken Sie den Tee, bevor er kalt wird."

Tatsächlich fand er im Kühlschrank ein Bier - komisch, früher hatte Boerne nie Bier zuhause gehabt - und als er zurück ins Wohnzimmer kam, saß Boerne mit Wolldecke und Tee auf der Couch.

"Doch erkältet, hm?"

Boerne zuckte mit den Schultern, was Thiel als Ein bißchen. Vielleicht. Aber eigentlich bin ich nicht krank. interpretierte. Er war schlau genug, das Thema nicht weiter zu vertiefen - das war vermutlich das äußerste an Zugeständnis, was er von Boerne hören würde. Er sparte sich auch den Hinweis, daß das doch alles nicht so schlimm war, weil er dunkel ahnte, daß nicht sprechen zu können für Boerne sicherlich schlimmer war als für ihn. Stattdessen schaltete er den Fernseher an und suchte eine Weile, bis er auf einem der öffentlich rechtlichen Sender einen mittelmäßigen Krimi fand, der leichte Unterhaltung versprach. Und unfreiwillige Komik, wie er nach wenigen Minuten feststellte. Er kommentierte das absolut unprofessionelle Vorgehen des TV-Kollegen und erntete ein amüsiertes Schnauben von Boernes Seite. In die Handlung kam er nicht mehr so richtig, aber das war ja auch nicht wichtig.


***


Thiel war schon halb eingedöst, als Boerne an seinem Ärmel zupfte und ihn aufschrecken ließ. Boerne warf ihm einen entschuldigenden Blick zu und deutete auf seine Armbanduhr. Schon nach elf … er war wohl doch richtig eingeschlafen. Er stand auf und rieb sich den steifen Nacken. Boerne hustete.

"Sie sollten ins Bett." Das konnte Boerne sich eigentlich selbst denken, aber irgendwie fühlte er sich heute genötigt, mehr zu reden als sonst. "Morgen ist vielleicht alles schon wieder besser."

Boerne sah skeptisch aus, stand aber auch auf und machte Anstalten, ihn zur Tür zu begleiten. Das war auch anders als sonst, aber vielleicht ein Ausgleich dafür, daß er nicht reden konnte.

"Gute Nacht."

Boerne nickte. Aber als Thiel sich umdrehte und gehen wollte, griff eine Hand nach seinem Handgelenk und hielt ihn fest. Er drehte sich wieder zurück und sagte "Ist noch was?", was ziemlich albern war, weil Boerne ja schließlich nicht antworten konnte und ihn erwartungsgemäß nur stumm ansah. Aber seine Übersetzungsfähigkeit für Boernes Blicke, die den ganzen Tag so unerwartet gut funktioniert hatte, schien ausgesetzt zu haben.

Er konnte diesen Gesichtsausdruck einfach nicht zuordnen. "Brauchen Sie noch was?"

Boerne schüttelte den Kopf, ließ ihn aber nicht los.

Er war kurz davor, zum ersten Mal an diesem Tag Stift und Papier zu holen, als der Groschen fiel.

"Da nich' für."


* Fin *

Comments

Ich interpretiere diesen Text natürlich rein als Freundschaft, ist klar. ;)
Das Werk hat so viele niedliche Stellen, die kann ich aus Zeitgründen jetzt grad gar nicht aufzählen. Am schönsten ist wohl, wie Thiel genau versteht, was Boerne ihm an der Tür ohne Worte deutlich gesagt hat, was er im Leben wohl nie ausgesprochen hätte. So schön! :D Dass Boerne ihm grad eh nicht widersprechen kann, hat mich nach meinem gedachten awwww laut lachen lassen. ^^

Und das Bier im Kühlschrank... :D

Muss weg. Vielleicht später noch mal mehr!

Edited at 2014-07-05 12:39 pm (UTC)
Das ist diesmal auch rein als Freundschaft gemeint :) Wobei ich zugeben muß, daß ich nach 2/3 gedacht habe, daß es verdammt danach klingt, als wären die beiden schon ein Paar ...

Schön, daß es Dir gefallen hat! Mir hat es auch Spaß gemacht zu schreiben, ich vermisse die zwei so sehr.
Das hat irgendwie was ausgesprochen Süßes XD
Ich kuck zwar kein Tatort (weil auch kein Fernseher), aber mir ist jetzt schon ein paar Mal aufgefallen, dass du die Charaktere schön beschreibst.
(ja, ich lese in der Com insgeheim so einiges ^^***)

Und ein toller erster Punkt für dich! Mach weiter so.
Danke :)

Das freut mich sehr, daß Dir die zwei bei mir gefallen, obwohl Du die Vorlage gar nicht kennst. Ich liebe sie sehr, wie man an den vielen Beiträgen sehen kann ...

Wenn Du eine ganz kurze Vorstellung vom Personal bekommen willst, hier hat die ARD ein ganz hübsches best-of Video geschnitten (8 Minuten)

Und ein toller erster Punkt für dich! Mach weiter so.
Ich geb' mir Mühe ;) So schreibfreudig wie im letzten Jahr bin ich momentan leider nicht, aber die Prompts wirken doch immer wieder!
Ich wollte auch noch erwähnen: *.* alte Rechtschreibung!
Schreibfreudig bin ich auch nicht (auch wenn es anders aussieht). Ich hab im Moment auch so meine Probleme, die Motivation und die Plots zu finden, die sich schreiben lassen.
Lass dich nicht entmutigen und wenn du mal einen Motivationsboost brauchst, können wir ja über irgendein Medium chatten, das du ansprechend findest XD

(danke für den Info-link)
Oh, wie schön!

Besonders mag ich den Moment, wenn Thiel sich ein bisschen hilflos fühlt, weil es ja sonst meist Boerne ist, der ihre Konversationen am Laufen hält.

Gleichzeitig gefällt mir, dass Thiel Boerne auch ohne Worte versteht. Das spricht ja für eine enge Verbindung und ist fast schon romantisch. :)

Es ist ja nicht so, als ob Boerne nie "Danke" sagen würde, aber dass Thiel den Gesichtsausdruck nicht gleich erkennt, kann ich verstehen. ;)
:)

Das spricht ja für eine enge Verbindung und ist fast schon romantisch. :)
Ich habe auch mal wieder sehr geschwankt, was die Beziehung der beiden hier angeht, aber letztendlich habe ich sie mir rein platonisch vorgestellt, weil die Tatsache, daß Thiel Boernes Text sprechen kann, noch schwerer wiegt. Eigentlich hatte ich mir die Situation noch witziger vorgestellt, aber dafür haben Ideen und Zeit dann noch nicht gereicht.

Es ist ja nicht so, als ob Boerne nie "Danke" sagen würde, aber dass Thiel den Gesichtsausdruck nicht gleich erkennt, kann ich verstehen. ;)
In der Tat ;)
Awww, da wird einem so richtig warm ums Herz!

Boerne sprachlos zu machen, ist ja schon eine sehr interessante Situation. *g* Schön, dass Thiel Boerne auch so versteht.

Er wollte schon zurückrudern, als er die Verlegenheit merkte, die sich in Boernes Überraschung mischte, und ihm klar wurde, daß er wohl schon richtig verstanden hatte, allerdings etwas, was Boerne ansonsten nicht laut gesagt hätte.

<3
So soll es sein :)

Boerne sprachlos zu machen, ist ja schon eine sehr interessante Situation.
Ja, das ist recht reizvoll ... Da ließe sich vielleicht auch noch mehr draus machen. Für Boerne muß das ein echtes Drama sein. (Wobei das tatsächlich sehr unangenehm ist; ich habe das mal bei einem Freund erlebt, der zweit Tage so heiser war, daß er absolut nicht sprechen konnte. Nicht kommunizieren zu können ist hart.)

Ich bin froh, daß der Moment an der Tür, als Thiel denkt, daß Boerne ihn bittet noch zu bleiben, während der sich das zwar wünscht, Thiel aber nicht fragen würde, verständlich ist. Da habe ich ganz schön rumgeeiert ;)
*butts-in*
Da ließe sich vielleicht auch noch mehr draus machen.

Ich habe beim ersten Lesen schon gedacht, dass das nach einer Fortsetzung schreit! Denn sowas ist nicht nach einer Nacht wieder weg. Zumindest nicht, wenn es von einer Erkältung/Kehlkopfentzündung kommt, wie du es hier andeutest. Wenn man sich auf einem Rockkonzert heiser schreit, ist das was anderes. Kann ich mir bei Boerne aber grad schwer vorstellen. ^^
Wenn man sich auf einem Rockkonzert heiser schreit, ist das was anderes. Kann ich mir bei Boerne aber grad schwer vorstellen.

Vielleicht hat ihn jemand* mitgeschleift und die Stimmung hat ihn mitgerissen. ;-) Aber das würde er natürlich niemals zugeben.

* Erst dachte ich an Boernes Nichte, aber Thiel würde ja auch passen. Aber das wäre dann eine andere Geschichte. *g*
Vielleicht hat ihn jemand* mitgeschleift und die Stimmung hat ihn mitgerissen. ;-)... Erst dachte ich an Boernes Nichte
Klar, mit Betty war er doch schon vor Jahren unterwegs! Der arme Mann musste doch mit ihr auf ein Tokio Hotel-Konzert. *lachflash*
http://baggeli.livejournal.com/7070.html
Ich weiß aber aus zuverlässiger Quelle, dass er wenig begeistert war und sich garantiert nicht heiser geschrien hat. *gacker*

Edited at 2014-07-05 09:01 pm (UTC)
den Bericht vom Konzert bist Du uns noch schuldig :-)

*lol*
Ich fürchte, die Story musst du dir selbst ausmalen...
Stell' dir einfach vor, wie Thiel verwundert vor die Tür tritt, weil im Treppenhaus seltsames Geheule zu hören ist. Dort trifft er auf einen völlig zerrupften Boerne, der mit einer schluchzenden Betty im Arm die Treppe raufgeschlichen gekommen ist und ihm völlig unaufgefordert die Ohren davon vollsört, dass er ein halbes Konzert lang damit beschäftigt war, den unfähigen Ordnern dabei zu helfen, alle möglichen kollabierten Teenies aus der Menge zu fischen - inklusive seiner eigenen Nichte. Die Stimmung ist dementsprechend spektakulär. ^^


Edited at 2014-07-07 08:48 pm (UTC)
ach je, mit wem soll ich da Mitleid haben? mit Boerne, Betty oder Thiel?

*lol*

you made my dream for tonight :-)
Eine ganz wunderbare Geschichte. Was Boerne nicht alles auch ohne Worte sagen kann und wie schön, dass Thiel ihn versteht.

""Also gut, meinetwegen ... Aber nur kurz." Er wollte gerade einen Schritt nach vorne machen, als ihn Boernes überraschter Gesichtsausdruck stoppte. Und er war sich ganz sicher gewesen ... hatte er das jetzt falsch verstanden? Er wollte schon zurückrudern, als er die Verlegenheit merkte, die sich in Boernes Überraschung mischte, und ihm klar wurde, daß er wohl schon richtig verstanden hatte, ..."
--> definitiv meine persönliche Lieblingsstelle :-)

Danke :)

Was Boerne nicht alles auch ohne Worte sagen kann und wie schön, dass Thiel ihn versteht.
Die zwei kennen sich jetzt schon lange, da sollte das ja langsam funktionieren ;)

Ich freue mich über Deine Lieblingsstelle! Die fand ich nämlich ziemlich schwierig zu schreiben und hatte Angst, daß ich vielleicht gar nicht das rüberbringe, was ich wollte.