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Missing Scene zu "Der Hammer" Nr. 3 (Nach dem Ende)

Sommer-Challenge: h/c – „Wann hast du das letzte Mal geschlafen?“ – für mich
Team: Thalia
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: h/c, Freundschaft
Handlung: Boerne redet. Thiel redet nicht. Jedenfalls am Anfang. Missing Scene / Post-Ep zu „Der Hammer“ (Spoiler!).
Länge: ~ 700 Wörter
Zeit: 60 Minuten
A/N: Für mich war noch so vieles offen am Ende der Episode, was den Fall anging, aber auch was das Verhältnis der beiden betrifft. Ob außer für mich jetzt allerdings für sonst jemanden hierdurch etwas klarer wird, sei dahingestellt ;) Jedenfalls werde ich des Schlaf-Themas nie müde (was daran liegen mag, daß ich chronisch übernächtigt bin).

Hier gibt es noch weitere missings scenes für "Der Hammer": die erste und die zweite.

***


Boerne nimmt ihn mit nach Hause, was er schon fünf Minuten später bereut, denn während er jetzt eigentlich nur noch ins Bett will, ist Boerne mit dem Fall noch lange nicht fertig.

„Ist Ihnen aufgefallen, daß das noch analoge Fotos waren? Schuster hatte eine ganze Dunkelkammer eingerichtet. Sowas habe ich schon seit Jahren nicht mehr gesehen.“

„Mhm.“

„Warum hat er nun überhaupt Sie verfolgt und fotografiert? Wozu sollte das gut sein?“ Boerne wirft ihm einen forschenden Blick zu, und Thiel sieht sie beide schon im Straßengraben landen, aber die langjährige Übung macht sich bezahlt – Boerne schaut in letzter Sekunde wieder nach vorne und korrigiert die Richtung.

„Keine Ahnung.“

„Und wer bringt drei Leute um, nur weil der Verkaufswert seines Hauses gesunken ist?“

„Manche bringen sich wegen weniger um …“ brummt Thiel, was Boerne fürs erste zum Schweigen bringt.

Bis sie zuhause ankommen und aussteigen.

„Aber wieso das Kostüm und das ganze drumherum? Fragen Sie sich das denn nicht?“

„Nein.“ Heute Nacht fragt er sich gar nichts mehr. Außer vielleicht, wieso Boerne noch so verdammt wach ist. Bis Boerne auf der Treppe stolpert, weil ihn Reden und gleichzeitig Treppensteigen anscheinend überfordert und Thiel klar wird, daß der andere eigentlich auch todmüde ist und das ganze Reden nur ein Mittel, sich wach zu halten. Er kennt das Muster, auch wenn es Jahre her ist, daß er es das letzte Mal gesehen hat. Bei Lukas.

„Aber Sie können doch mit diesem Ergebnis unmöglich zufrieden sein!“ Boerne folgt ihm in seine Wohnung und das ist jetzt wohl ein Zeichen für seine eigene Erschöpfung, daß er das nicht einmal in Frage stellt. „Thiel! Hören Sie mir eigentlich zu? Immerhin sind vier Menschen tot, und –“

„Das weiß ich auch!“ Er merkt selbst, daß er zu laut geworden ist, und versucht wieder ruhiger zu werden. Aber gerade jetzt will er eigentlich nicht weiter über Schuster nachdenken, wieso versteht Boerne das denn nicht? „Manchmal bleiben eben Fragen offen. Das ist doch nicht der erste Fall, in dem das passiert.“

„Und das interessiert Sie wirklich überhaupt nicht?“ Boerne wirkt fast wütend, und Thiel verliert endgültig den Faden. Wieso streiten sie sich denn jetzt überhaupt?

„Boerne … ich bin verdammt müde und würde jetzt ehrlich gesagt gerne schlafen.“ Er versucht, das ganz ruhig zu sagen, aber es hilft nichts, Boerne regt sich eher noch mehr auf.

„Warum sind Sie ihm denn dann überhaupt hinterhergeklettert, wenn Sie am Ende doch keine dieser Fragen geklärt haben?“

„Warum?! Sie fragen ernsthaft warum?“ Natürlich muß Boerne genau den Punkt herauspicken, der ihn am meisten belastet. Er legt so viel Sarkasmus, wie er in diesem Moment noch zusammenkratzen kann, in seine Stimme. „Um ihn vom Springen abzuhalten vielleicht? Haben Sie daran vielleicht einmal einen Gedanken verschwendet?“

„Darum geht es hier doch gar nicht! Es geht darum, daß das ein völlig überflüssiges Risiko –“

„Na klar, Sie interessieren sich mal wieder nur für –“

Sie hätten abstürzen können!“

Er sieht Boerne an, richtig an, und fragt sich, wie er das die ganze Zeit übersehen konnte. Immerhin ist die Sache mit Songma noch kein halbes Jahr her, und auch wenn Boerne schon seit Monaten wieder arbeitet und oberflächlich alles wie immer zu sein scheint, ist es das noch lange nicht. Er hat gedacht, es wäre am leichtesten für Boerne, wenn sie einfach so weitermachen wie vorher – Normalität und so – aber vielleicht hat er sich da etwas vorgemacht.

„Das sah von unten sicher viel dramatischer aus, als es wirklich war.“ Er bemüht sich, seine Stimme beruhigend klingen zu lassen, möglichst ohne daß Boerne merkt, daß er sich Sorgen um ihn macht. „Na los, lassen Sie uns noch was trinken. Außerdem steht mir noch die Revanche für unser letztes Spiel aus, wenn ich mich richtig erinnere.“

Sie spielen, bis Boerne auf seinem Sofa einschläft. Die Vögel haben schon angefangen zu singen, was ihn an die Nacht erinnert, nachdem sie den Mord an Songma aufgeklärt haben. Thiel stellt das Schachbrett vorsichtig für den nächsten Abend beiseite – immerhin war er auf dem besten Weg zu gewinnen. Als er Boerne zudeckt, wird der wieder wach und murmelt etwas, das verdächtig nach meine Wohnung und rübergehen klingt. Für einen Moment überlegt er, ob sie das jetzt ausdiskutieren sollen – aber es ist schon bald fünf, und er hat in dieser Nacht noch keine Minute Schlaf gekriegt. Also sagt er nur Halt die Klappe und schlaf, was vielleicht ein bißchen grob klingt, aber es funktioniert. Und darauf kommt es schließlich an.


* Fin *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, p: thiel / boerne
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