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BT_Wandern

August 2018

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Büttenwarder

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BT_Arm

Ein Mann rennt

>> Crossover-Masterpost

Sommer-Challenge: Suspense – allein im Wald– für mich
Team: Thalia
Fandom: Tatort Stuttgart (auf dem Weg zum Münster/Hamburg/Stuttgart-Crossover)
Rating: ab 12
Genre: Gen, Krimi, Suspense
Personen: Thorsten Lannert (POV), Sebastian Bootz
Handlung: siehe Titel ;)
Länge: ~ 900 Wörter
Zeit: ~ 100 Minuten
A/N: ich weiß immer noch nicht so genau, wo ich hin will *hust* Aber yeah – mein erster Stuttgart-Text!


***


Seine eigenen, keuchenden Atemzüge dröhnen in seinen Ohren und übertönen alles andere – das Knacken der Zweige, auf die er tritt, das Rascheln der Blätter, wenn er sich durch dichtes Unterholz zwängt.

Weiter.

Seine Lungen brennen bei jedem Atemzug.

Weiter, weiter, irgendwohin wo Menschen sind.

Seine Muskeln schmerzen, er kann nicht mehr. Er stolpert, fällt, ist zu müde, um sich noch richtig abzufangen, landet auf weichem Waldboden und bleibt liegen, weil er nicht mehr auf die Beine kommt. Für einen Moment gibt er auf und versucht, wieder Luft u kriegen, aber dann hört er etwas in der Ferne. Stimmen? Sind sie das? Haben sie seine Spur immer noch nicht verloren? Panisch springt er wieder auf, stolpert vorwärts, rennt, kriecht einen Abhang hinunter – irgendwohin, wo Menschen sind – sie sind es, er kann ihre Stimmen erkennen, sie rufen sich etwas zu, aber er versteht es nicht.

Raus, raus hier, raus aus diesem Wald.

Die Stimmen kommen näher, und er kann nicht mehr, kann nicht mehr schneller, kann nur noch kriechen und stolpern. In der Ferne scheint es heller zu werden und instinktiv hält er darauf zu. Wenn es eine Lichtung ist, werden sie ihn sehen, werden ihn noch leichter finden, aber vielleicht ist es eine Straße. Er weiß, daß das seine letzte Chance ist. Irgendwann muß der Wald doch zu Ende sein, oder ist er die ganze Zeit im Kreis gelaufen? Er rennt wieder, das Unterholz wird lichter, er weiß nicht, woher er die Kraft nimmt, aber er rennt, und da vorne ist tatsächlich eine Straße.

Menschen, andere Menschen.

Er rennt.

Hilfe.

Die Sonne blendet ihn. Asphalt unter seinen Füßen, aber die Straße leer, warum ist hier niemand, warum –

Es fühlt sich an, als wäre er gegen eine Wand gelaufen. Und dann nichts mehr.


***


In Momenten wie diesen wünschte sich Thorsten, er hätte nicht aufgehört zu rauchen. Er sah auf die Uhr. Sebastian sollte längst hier sein. Stattdessen hatte er alleine einen aufgelösten Autofahrer befragen müssen, aus dem nicht viel mehr als „Er war ganz plötzlich da“ rauszubekommen gewesen war. Das allerdings in einem so heftigen schwäbisch, daß er einige Anläufe gebraucht hatte, um den Mann überhaupt zu verstehen. Da hätte er Sebastian wirklich gut gebrauchen können. Er sah noch einmal auf die Uhr und beschloß, daß er jetzt anrufen würde. Aber gerade, als er das Handy aus der Tasche geholt hatte, kam Sebastian die Stufen nach oben gehetzt.

„Tut mir leid.“

Thorsten nickte nur. Hatte keinen Sinn, länger über das Thema zu reden, sie wußten beide, warum Sebastian zu spät kam.

„In der Nähe von Botnang ist ein Mann im Wald auf eine Straße und vor ein Auto gerannt.“

„Seit wann sind wir denn für Verkehrsunfälle zuständig?“

„Conrad Fliegenschnäpper ist vor zwei Tagen von seiner Frau als vermißt gemeldet worden. Und offenbar hatte man ihn gefesselt.“ Er kreuzte die Handgelenke. „Die Spuren sind deutlich zu sehen.“

Sebastian hob die Augenbrauen. „Eine Entführung?“

„Könnte natürlich auch sein, daß der Mann Neigungen hat, von denen seine Frau nichts weiß.“

„Hast du schon mit ihm geredet?“

Torsten schüttelte den Kopf. „Zu schwer verletzt. Deshalb sind wir hier, wir haben gleich einen Termin bei seiner Ärztin.“


***


„Es waren also keine Drogen im Spiel?“

„Der toxikologische Befund ist unauffällig.“ Dr. Halbwachs warf einen Blick auf die Krankenakte. „Das mit den Fesselungsspuren hatte ich Ihnen ja schon am Telefon erzählt.“

„Sah es aus, als ob …“ Sebastian kam ins Stolpern und Thorsten unterdrückte ein Grinsen. „Ich meine, könnten die Spuren vielleicht … ähm, einvernehmlich, also …“

„Den Unterschied kann man beim Ergebnis nicht unbedingt sehen“, entgegnete Dr. Halbwachs kühl. „Aber auf jeden Fall haben die Fesseln tiefe Einschnitte hinterlassen, die darauf hindeuten, daß er versucht hat sich loszureißen. Und die Tatsache, daß er durch den Wald und auf die Straße gerannt ist, spricht meiner Meinung nach auch eher dafür, daß er auf der Flucht war.“

„Was denken Sie, wann wir mit ihm reden können?“ fragte Thorsten.

„Das sieht im Moment gar nicht gut aus.“

Während die medizinischen Details an ihm vorbeirauschten – mehr als die Information, daß der Mann im künstlichen Koma lag und es noch mehrere Tage dauern würde, bis man auch nur daran denken konnte, mit ihm zu reden, brauchte er eigentlich nicht – überlegte er, mit wem sie als nächstes reden sollten. Vielleicht mit Frau Fliegenschnäpper.


***


„Was bringt einen Notar in den besten Jahren dazu, wie ein Irrer halbnackt durch den Wald zu rennen?“ murmelte Sebastian. Thorsten hörte nur mit halbem Ohr zu. Vor sich hatte er eine Liste mit allen Informationen, die sie in diesem Fall zusammengetragen hatten. Irgendetwas kam ihm bekannt vor … Er suchte noch einmal das Protokoll der Befragung von Elvira Fliegenschnäpper heraus.

„No strings attached.“

„Was?“ Sebastian sah ihn verwirrt an.

„Die Partnervermittlung, bei der Fliegenschnäpper einen Account hat.“

„Ja?“ Sebastian war aufgestanden und sah ihm über die Schulter. „Nicht die feine Art, wo er doch verheiratet ist, aber abgesehen davon?“

„In Hamburg gab es im Frühjahr eine Mordserie. Drei Männer mittleren Alters kurz hintereinander. Alle waren verheiratet, und alle hatten Online-Kontaktbörsen genutzt.“

Sebastian Bick war schwer zu deuten.

„Das muß natürlich nichts heißen, aber –“

„Woher weißt du das?“

Er schichtete die Berichte wieder auf einen ordentlichen Stapel. „Ich telefonier manchmal. Mit alten Kollegen.“

Es sah aus, als wollte Sebastian noch mehr sagen, aber dann nickte er bloß. „Vielleicht sollten wir mal die Daten zum Abgleich schicken, ob es noch weitere Übereinstimmungen gibt.“


* tbc *

Comments

Also kennen sich Lannert, Kronau (und Thiel) von früher? Da habe ich noch nie drüber nachgedacht, aber das könnte ja wohl sein.

Noch habe ich ja keine Idee, worauf der Krimi hinausläuft. :)
Das war die Grundidee für ein Crossover, die ich von ayawinner und nessaniel hab'.

Ich bin immer noch ganz zufrieden mit mir, weil ich hier überhaupt was hingekriegt habe und vielleicht sogar fertig werde ;) Obwohl es schwierig ist, so vielen Figuren gerecht zu werden. Im Moment sieht es so aus, als würden die Stuttgarter ziemlich hinten runter fallen.

Und vom Krimi würde ich auch nicht zu viel erwarten, der ist mehr als dürftig. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Energie ich für einen vernünftigen Krimiplot aufbringe - obwohl ich Krimis mag und viele Jahre viele gute Krimis gelesen habe.

In diesem Sinne ...
Noch habe ich ja keine Idee, worauf der Krimi hinausläuft. :)
Ich auch (fast) nicht ;)