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BT_Wandern

August 2018

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Büttenwarder

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BT_Kiesgrube

Unterdessen in Münster (Teil 4 des Crossovers)

>> Crossover Masterpost

Sommer-Challenge: h/c - tut es sehr weh – für mich
Team: Thalia
Fandom: Tatort Münster (auf dem Weg zum Münster/Hamburg/Stuttgart-Crossover)
Rating: ab 12
Genre: Gen, Krimi, h/c (der Thiel & Boerne Art)
Personen: Thiel (POV), Boerne, Nadeshda
Handlung: Nadeshda bringt Licht ins Dunkel. Boerne ist hartnäckig und Thiel will sich nicht erinnern.
Länge: ~ 1.000 Wörter
Zeit: ~ 60 Minuten
A/N: Jedes Kapitel Suspense, das wird mir zu viel des Guten. Deshalb hier eine kleine Verschnaufpause. Und ich schreibe immer noch wild drauf los, irgendwann fällt mir der Krimistrang auf die Füße …


***


„So wie es aussieht, passiert hier ohne mich ja wohl gar nichts.“

„Boerne!“ Thiel drehte sich hastig um und stellte den Kaffee ab, den ihm Nadeshda gerade in die Hand gedrückt hatte. „Sie sind krankgeschrieben, was zum Teufel machen Sie hier?“

Boerne humpelte an ihm vorbei und nahm Kurs auf seinen Schreibtischstuhl, aber Thiel stoppte ihn in letzter Sekunde. Er konnte sehen, wie Boerne die Zähne zusammenbiß, als er den rechten Fuß durch den abrupten Halt stärker belastete.

„Oh, tut es sehr weh?“ fragte er. „DANN GEHEN SIE WIEDER NACH HAUSE UND SCHONEN SIE DEN VERDAMMTEN FUSS!“

Boerne warf ihm einen grimmigen Blick zu, machte sich frei und ließ sich in seinen Schreibtischstuhl fallen. „Ich komme sehr gut zurecht, danke.“

Nadeshda räusperte sich. „Eigentlich wollte ich Ihnen gerade sagen, daß wir sehr wohl eine neue Spur haben.“ Sie sah zur Seite, zu Boerne, und dann wieder zurück zu Thiel. „Soll ich …“

„Nur zu“, brummte Thiel. „Da kommt es jetzt auch nicht mehr drauf an.“ Es hatte sowieso keinen Sinn, mit Boerne über Krankschreibungen und das Konzept von „sich schonen“ zu streiten, und auf dem ein oder anderen Weg würden die Informationen am Ende doch bei ihm landen.

„Hier“, Nadeshda legte den Ausdruck einer Fahndungsmeldung auf den Schreibtisch, „haben wir eine Fahndung aus Hamburg. Kommt Ihnen der bekannt vor?“

Boerne machte einen langen Hals, während Thiel nickte. Kein Zweifel, er hatte ihre fehlende Leiche sofort wiedererkannt. „Michael Hammer“, las Nadeshda vor. „48, verheiratet, keine Kinder. Mittleres Management in einer Firma für Medizintechnik. Seine Frau hat ihn vermißt gemeldet.“

„Sieht so aus, als hätten wir ihn gefunden“, kommentierte Boerne. „Thiel?“

„Wer ist denn in Hamburg zuständig für …“, murmelte Thiel. „Ah, ja.“

„Offenbar stand Hammers Wagen auf einem Supermarkt-Parkplatz, nur wenige Meter von einer Blutlache entfernt. Hammers Blut, die Untersuchung ist schon durch.“

„Ah, Dr. Foerster. Gute Frau“, warf Boerne ein. „Wir haben uns auf einer –“

„Boerne, Sie sehen jetzt zu, daß Sie nach Hause kommen.“ Thiel schnappte sich Nadeshdas Ausdruck. „Nadeshda, rufen Sie ihm ein Taxi. Ich muß mit Frau Klemm reden.“

Er konnte Boerne im Hintergrund noch schwach protestieren hören als er loslief, aber Nadeshda würde das schon schaffen.


***


Einige Stunden später war er um einiges schlauer und hatte den ganzen Papierkram in die Wege geleitet, den ein solcher Fall unweigerlich mit sich brachte. Es war schon ziemlich spät, aber er mußte noch packen, und die Akten einiger Fälle durchsehen, die Gemeinsamkeiten zu diesem Fall aufwiesen. Aber vorher …

„Boerne?“ Er drückte noch einmal auf die Klingel. „Bleiben Sie sitzen, ich benutze Ihren Ersatzschlüssel.“ Er schloß die Tür auf.

„Eigentlich“, rief Boerne aus dem Wohnzimmer, „ist der Schlüssel für Notfälle gedacht. Und nicht dafür, daß Sie mich hier ungefragt heimsuchen!“

Thiel unterdrückte ein Grinsen, während er den Flur entlang ging. Er fand es ja nur fair, wenn er Boernes Ersatzschlüssel auch einmal für seine Zwecke ausnutzte. Außerdem war das alles nur zu Boernes Bestem.

„Was macht das Sprunggelenk?“

Boerne warf ihm einen grimmigen Blick zu. Anscheinend hatte er ihre morgendliche Begegnung noch nicht vergessen.

„Sollten Sie Alkohol trinken, wenn Sie Schmerzmittel nehmen?“ Thiel nickte in Richtung des Weinglases auf Boernes Tisch.

„Ich nehme keine Schmerzmittel“, erklärte Boerne kühl. „Und ich habe mir lediglich den Knöchel verstaucht. Ich weiß gar nicht, warum alle daraus so eine große Sache machen.“

„Immerhin sind Sie eine Woche krankgeschrieben. Und sollen die Füße stillhalten“, erklärte Thiel gut gelaunt. „Sie hätten eben nicht versuchen sollen, den Leichendieb im Dunkeln zu verfolgen.“

„Ich hätte ihn beinahe gehabt.“ Boerne warf ihm einen finsteren Blick zu, der mehr als deutlich sagte, was er von „die Füße stillhalten“ hielt.

„Beinahe.“ Thiel ließ sich in den Sessel gegenüber der Couch fallen und stellte seine Tüte auf dem Tisch ab. „Sie sollten wirklich vorsichtiger sein. Das hätte noch ganz anders ausgehen können.“

Boerne sagte ausnahmsweise einmal nichts, weshalb er hastig „Ich hab‘ Ihnen was zu essen mitgebracht. Thailändisch.“ hinterherschob.

„Seit wann so exotisch?“ fragte Boerne spöttisch. „Ich dachte, die letzte kulinarische Errungenschaft, die Sie mitgemacht haben, sei der Einzug der italienischen Küche in den sechziger Jahren gewesen.“

„Lag auf dem Weg und hatte noch offen“, knurrte Thiel. Boerne machte es einem aber auch wirklich nicht einfach.



„Haben Sie sich selbst auch was mitgebracht?“

Thiel nickte.

„Teller sind in der Küche“, informierte Boerne ihn. „Ich bin leider indisponiert. Soll die Füße stillhalten.“

Thiel mußte lächeln und sah, wie auch Boernes Mundwinkel kurz zuckten.

„O.K.“ Er ging in die Küche und kam mit Tellern, Besteck und einem zweiten Weinglas zurück. „Hier.“

„Ich habe übrigens eine Vermutung, warum die Leiche gestohlen wurde“, sagte Boerne, nachdem Thiel das Curry auf zwei Teller aufgeteilt hatte. „Alberich hat die Leiche ja in Empfang genommen, und sie ist sich ziemlich sicher, daß unter den Fingernägeln der rechten Hand Hautreste waren.“

Was für ein verdammtes Pech, daß Boerne die Obduktion nicht sofort vorgenommen hatte, dachte Thiel. Aber wer rechnete auch mit so was?

„Ich denke, der Täter hat sich die Leiche wiedergeholt, weil wir ihn ansonsten hätten identifizieren können.“

„Also jemand, dessen Genmaterial wir schon in der Datenbank haben.“

„Oder jemand, der extrem vorsichtig ist.“

„Aber auch schlampig – ich meine, die Spuren hätte er doch vorher beseitigen können. Oder denken Sie, der Täter ist so zerstreut, daß ihm erst im Nachhinein aufgefallen ist, daß er Spuren hinterlassen hat?“

Boerne zuckte mit den Schultern. „Wer weiß.“

Eine Weile aßen sie schweigend und hingen beide ihren Gedanken nach.

„Sie fahren nach Hamburg.“

Das war keine Frage, aber Thiel nickte trotzdem. „Ich hab‘ heute den Antrag auf Amtshilfe gestellt.“

„Amtshilfe ist eigentlich –“

„Ja, weiß ich. Umgangssprachlich sagt man das aber trotzdem so.“

Boerne schwieg.

„Nadeshda hält hier die Stellung, und ich werde mich mit dem Hamburger Kollegen austauschen.“

„Ich könnte doch –“

„Sie sehen erst mal zu, daß sich Ihr Fuß erholt.“

Boerne sah nicht glücklich aus, aber selbst er mußte einsehen, daß er mit einem verstauchten Gelenk und überdehnten Bändern nicht in der Weltgeschichte herumreisen konnte. Ganz zu schweigen davon, daß er bei den Ermittlungen sowieso nichts zu suchen hatte – auch wenn Thiel sich daran manchmal selbst erinnern mußte.

„Kennen Sie den Hamburger Kollegen?“

„Ja.“

Boerne fragte nicht weiter, und er erzählte nicht mehr. Nach wie vor war seine Hamburger Zeit nichts, woran er sich gerne erinnerte. Weil er sich dann auch jedes Mal daran erinnerte, was er verloren hatte. Von seinem Abgang, der alles andere als rühmlich gewesen war, ganz zu schweigen.


* tbc *

Comments

Da ist Boerne ja doch noch einmal aufgetaucht. Und mit ihm eine Erklärung für den kaputten Fuß. Hatte ich für mich in der Geschichte schon abgehakt. :)

Aber sag mal, bilde ich mir das ein, oder ist da ein hellgrauer Schatten unter deiner Schrift? Sieht aus wie markiert irgendwie... oder ich brauche dringend ne Brille. Das könnte natürlich auch sein. *seufz*
Ja, die Geschichte ist noch im Wachsen und Werden. Aber nun verlagert sie sich erstmal nach Hamburg.

Und nein, Du brauchst keine Brille ;) Ist mir auch eben erst aufgefallen, das ist auch in der Word-Datei. Da hab' ich wohl mal was reinkopiert und eine Formatierung mitgenommen :( Muß ich noch korrigieren.
Und sollen die Füße stillhalten

Das ist ja unter diesen Umständen sehr schön von Thiel formuliert. :)

„Kennen Sie den Hamburger Kollegen?“

„Ja.“


Auf das Wiedersehen bin ich gespannt. Thiel ist ja immer kurz angebunden, aber hier habe ich den Eindruck, dass das "ja" nicht nur ein einfaches "ja" ist.
Thiel ist ja immer kurz angebunden, aber hier habe ich den Eindruck, dass das "ja" nicht nur ein einfaches "ja" ist.
Es ist schon lustig, wenn man schreibt und das Ende noch nicht kennt ... Mal sehen ;)