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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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BT_Kiesgrube

Zieleinlauf

>> zum Crossover Masterpost

Sommer-Challenge: Suspense – Verfolgungsjagd - für mich
Team: Thalia
Fandom: Tatort Münster, Tatort Hamburg, Tatort Stuttgart (Crossover)
Personen: Thiel (POV), Uwe Kohnau, Thorsten Lannert
Rating: ab 12
Genre: Krimi, Freundschaft
Länge: ~ 1.400 Wörter
Zeit: ~ 110 Minuten


***


Drei Tage, in denen ein mittlerweile fast hundertköpfiges Ermittlerteam verteilt auf die betroffenen Standorte nichts anderes getan hatte als Informationen zu sammeln und auszuwerten. Das Bild wurde immer dichter, aber für den Mann, der in Hamburg verschwunden war, war das alles zu spät gekommen. Am Tag, nachdem ihn seine Frau vermißt gemeldet hatte, wurde die Leiche auf einer Autobahnraststätte in der Nähe von Hamburg gefunden. Eine Überdosis Barbiturate, und keine Spuren. Frau Dr. Foerster hatte nur deprimiert den Kopf geschüttelt.

„Die zwei sind gut“, murmelte Uwe, während sie in der morgendlichen Teambesprechung noch einmal durchgingen, was sie bis jetzt wußten.

Thorsten und er sahen überrascht auf, und Uwe schob ein verlegenes „Ihr wißt schon, wie ich das meine“ hinterher.

„Sie nehmen über die Agentur – jedesmal eine andere – Kontakt zu Männern mit einem bestimmten Profil auf, das auf Geld und eine feste Beziehung schließen läßt“, faßte Thorsten zusammen. In der Tat hatte jeder der Männer in seinem Profil Floskeln benutzt, die darauf hinwiesen, daß sie hier nur ein kurzes Vergnügen suchten. Unverbindlich, keine gegenseitigen Ansprüche, diskret … „Wenn ein geeignetes Opfer angebissen hat, wird der Vorschlag gemacht, ohne Wissen der Agentur Mails auszutauschen. Das hat Schlieffinger genau so bestätigt. Man trifft sich, man findet sich nett, eins kommt zum anderen … Und dann wacht man gefesselt an einem unbekannten Ort wieder auf. Plötzlich sind es zwei Frauen, und das Ganze ist gar nicht mehr nett.“

Uwe schnaubte.

Thiel schob die Bilder der beiden Frauen hin und her. Es war schwer sich vorzustellen, daß die beiden jemanden derartig in Angst versetzen konnten, daß er sich dazu erpressen ließ, sehr viel Geld zu zahlen. Und Stillschweigen zu bewahren. Andererseits …

„Sie wissen alles über dich. Wo du wohnst. Kennen deine Frau. Und sie drohen damit, alles zu erzählen.“

„Aber Schlieffinger überlebt“, sagte Uwe. Das war ein Punkt, über den sie schon länger nachgegrübelt hatten. „Wieso?“

„Vielleicht war das anfangs ihr Vorgehen.“ Thiel legte die Fotos zurück und sah auf. „Wer weiß, wie viele Fälle es noch gibt. Und irgendwann ist ihnen die Sache zu riskant geworden – wenn einer der Männer doch Anzeige erstattet hätte? Egal, ob die Frau dann davon erfährt? Egal wie peinlich es ist zugeben zu müssen, daß man ausgenommen wurde?“

Uwe nickte. „Von der zeitlichen Abfolge würde es passen. Aber das hilft uns trotzdem alles nicht weiter – die beiden hinterlassen einfach keine Spuren. Und wir sind noch keinen Schritt weiter, was die Identifizierung angeht.“

„Lockvögel.“ Klar, daß Thorsten in die Richtung dachte. „Aber das braucht Zeit … Die beiden gehen kein Risiko ein und prüfen vorher genau, wen sie nehmen. Man bräuchte mehrere verdeckte Ermittler mit einem kompletten gefälschten Umfeld und dann viel Geduld.“

Thiel horchte auf. „Vielleicht auch nicht.“

Die anderen beiden sahen ihn überrascht an. „Wir gehen doch davon aus, daß die beiden ihre Opfer vor dem ersten Treffen ausspioniert haben“, erklärte er. „Wie sind sie da schon an die echten Namen und Adressen gekommen? Das wird doch normalerweise nicht herausgegeben.“

Thorsten sah in das Protokoll seines Kollegen. „Nein, so blöd war er anscheinend nicht, daß er seine Adresse selbst weitergegeben hat.“

„Aber er hatte einige Wochen vorher ein Verabredung mit der zweiten Frau, bei der sie aber nicht aufgetaucht ist, richtig?“

„Du denkst …“ Uwe zog Thorsten das Protokoll aus der Hand. „Du denkst, das war kein Zufall, sondern Methode? Erst eine Verabredung mit der einen, und sie kommt nicht. So halten sich beide schön in Deckung, folgen dem Mann anschließend und überprüfen ihn.“

„Wirklich genial“, murmelte Thorsten. „Und nach ein paar Wochen nimmt die zweite Kontakt auf und schlägt vor, sich ohne Wissen der Agentur zu treffen. Und weil er ja gerade erst für eine Pleite bezahlt hat, wird er da um so eher drauf eingehen.“

„Genau.“ Thiel lächelte. „Das heißt aber auch, daß sie vor diesem ersten Treffen noch nichts über den Mann wissen. Wir müßten nur die Umgebung überwachen, während die beiden den Lockvogel ins Visier nehmen.“


***


Er hatte sowas ja noch nie versucht, und jetzt wußte er auch, warum.

Wie stellen Sie sich einen romantischen Abend vor?
a) schick auswärts essen gehen
b) Filmabend mit Pizza vorm Fernseher
c) gemeinsam kochen


Die Profile waren ja nach Vorgaben aus den Profilen der Opfer erstellt worden, aber bei den persönlichen Vorlieben sollten alle eintragen, wozu sie Lust hatten. Ergeben kreuzte er c) an.

„Ich glaube ja nicht, daß das was wird.“

„Je mehr, desto besser.“ Thorsten sah ihm über die Schulter. „Erhöht die statistische Wahrscheinlichkeit. Außerdem siehst du doch nach einem guten Fang aus.“

Thiel schnaubte und drückte auf speichern.


***


Drei Tage später

Ungläubig starrte er auf die Nachricht. Da hatten sie mehr als 50 falsche Profile gestreut, und dann so was. „Ich … hab‘ da was.“

Uwe schaute auf. „Was?“

Er deutete auf den Bildschirm.


***


„Und, was meint dein Rechtsmediziner“, fragte Uwe amüsiert, als es ihm endlich gelungen war, aufzulegen.

„Er nervt“, brummte Thiel. „Ich kann schon auf mich aufpassen.“

„Naja“, Uwe zuckte mit den Schultern. „Das haben die anderen sicher auch von sich gedacht. Aber erstens werden wir alles überwachen, zweitens wurde noch kein Opfer beim ersten Kontakt ermordet, und drittens wird sie gar nicht zur Verabredung erscheinen, sondern dich nur bespitzeln.“

„Das weiß er auch.“ Thiel zog die Krawatte wieder auf und fing von vorne an. „Aber er weiß außerdem, daß mit Michael Hammer irgendetwas nicht nach Plan gelaufen ist und eine der beiden ihn niedergestochen hat.“

„Mhm …“ Uwe trat einen Schritt auf ihn zu. „Laß mich mal. Das ist ja nicht mit anzusehen.“

„Thorsten wär‘ für den Job trotzdem besser geeignet.“


***


Es war wirklich nicht besonders angenehm, in diesem Restaurant auf dem Präsentierteller zu sitzen und zu warten. Er schüttelte den Kopf, als ihn der Kellner fragte, ob er schon etwas bestellen wollte, und griff wieder nach der Speisekarte, um etwas zu tun zu haben. Jedenfalls brauchte er keine großen schauspielerischen Fähigkeiten, um so nervös und angespannt zu wirken wie ein Mann, der auf sein erstes Treffen mit einer fast Unbekannten wartete. Die zu spät war. Er sah auf die Uhr. Schon eine Viertelstunde über der Zeit. In seinem Ohr knisterte es.

„Wir haben die beiden Zielpersonen ausgemacht. Der silbergraue Toyota vor dem Friseur an der Ecke.“

Er widerstand der Versuchung, in die angegebene Richtung zu schauen.

„Gut.“ Das war Uwes Stimme. „Identifikation bestätigt. Zugriff.“

Es ging alles so schnell, daß er kaum folgen konnte. Die Kollegen in Zivil, die vorm Restaurant platziert gewesen waren, brachten die Passanten aus der Schußlinie, während das SEK den Wagen mit den beiden Verdächtigen umringte. Und dann schoß eine der beiden unter dem Arm eines Kollegen hindurch und hielt auf den Eingang des Restaurants zu. Instinktiv griff er nach seiner Waffe, aber im Restaurant waren zu viele Menschen, und bevor er auch nur „Stop“ rufen konnte, war die Frau schon durch die Tür in die Küche gestürmt. Thiel fluchte und setzte hinterher.

„Raus aus meiner Küche!“ Ein Berg von einem Mann stellte sich ihm in den Weg. „Sind hier denn alle verrückt geworden!“

Bis er dem Koch klar gemacht hatte, daß er von der Polizei war und zur Tür hinaus in den Hinterhof des Hauses kam, war die Frau schon fast außer Sichtweite. Er rannte los. Hinter sich hörte er die Kollegen. Verdammt, die Frau war schnell. Mittlerweile war sie in eine belebtere Straße eingebogen und während die meisten Fußgänger noch zu perplex waren, wenn sie an ihnen vorbeischoß, wurde er angerempelt und mehr als einmal fast gestoppt.

Der Abstand wurde immer größer. Er bog um eine Kurve und wäre fast gestürzt, als eine Frau ihren Kinderwagen in seinen Weg schob.

„Passen Sie doch auf!“

Wo blieben die anderen? Er biß die Zähne zusammen und beschleunigte noch einmal, überholte einen Jungen, der sein Fahrrad auf dem Bürgersteig schob, und – stoppte.


„Polizei! Dieses Fahrrad ist beschlagnahmt!“

Der Junge versuchte zu protestieren als er ihm das Rad aus den Händen riß. Der Sattel war zu hoch eingestellt, aber egal. Er trat in die Pedale und der Abstand verringerte sich zusehends.

„Stehen bleiben! Polizei!“

Die Frau sah über die Schulter und drehte nach links ab, Richtung Stadtpark.

„Bleiben Sie stehen!“ Er warf sich vom Rad und erwischte sie voll. Sie gingen zu Boden und für einen Moment blieb ihm die Luft weg. Neben ihnen quietschten die Bremsen eines Wagens.

„Das war’s dann wohl.“

Thorstens Stimme. Irgendwie war er doch ein wenig erleichtert, denn die Frau war ziemlich kräftig.

„Wird aber auch Zeit!“

„Einbahnstraßen“, sagte Uwe. „Im Stadtverkehr ist man mit dem Rad doch meistens am schnellsten.“


* tbc *

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