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BT_Wandern

September 2018

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Büttenwarder

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BT_Kochen

Szenen einer Ehe (Teil 3 und 4)

Rating: P 12
Genre: Humor, Slash, Est. Relationship
Länge: 328 Wörter
Tempus fugit


Manchmal hatte sie ja gedacht, ihr Chef und Professor Boerne, das war so eine Geschichte, die jeden Tag von neuem bei Null ansetzte. Immer wieder zurück auf Anfang. Wie bei den Simpsons. Egal was passiert war, die Beziehung der beiden veränderte sich nie wirklich, sondern blieb bei einem soliden Gekabbel. Bei etwas, was sie nicht wirklich verstand – zumindest ihr Chef schien Boerne ja gar nicht zu mögen. Und doch. Irgendwie war das so eine Art Hassliebe. Sie hatte sich allerdings gehütet, das jemals laut auszusprechen. Wegen dem Teil mit der Liebe, von dem Thiel, wie sie dachte, garantiert nichts hätte hören wollen.

Und dann so etwas. Sie konnte es immer noch nicht fassen. Nicht, daß es ihr etwas ausmachte, daß ihr Chef und Boerne jetzt … also, zusammenwaren. Nein, was ihr zu schaffen machte, war, daß sich tatsächlich etwas verändert hatte. Daß die beiden sich weiterentwickelt hatten nach all den Jahren. Nicht, daß das was Schlechtes war. Nur daß es eben auch etwas sehr beruhigendes gehabt hatte, ganz genau vorhersagen zu können, wie die Interaktion zwischen den beiden ablief. Da gab es keine überraschenden Zwischenfälle wie diesen Kuß heute morgen. Und sie hatte nicht schon am frühen Morgen überlegen müssen, ob sie sich jetzt räuspern oder lieber unauffällig wieder rückwärts aus dem Büro gehen sollte.

Es würde wohl doch noch eine Weile dauern, bis sie sich an den neuen Zustand gewöhnt hatte. Und wieder so was wie Routine in ihr Leben einzog. Nadeshda seufzte und konzentrierte sich wieder auf den Obduktionsbericht, den der Professor gerade zusammenfasste. Oder eher ausschmückte. Ihr Chef versuchte derweil mit etwas gequältem Gesichtsausdruck, nicht so genau hinzusehen. Das Opfer war aber auch übel zugerichtet. Und dann registrierte sie erst so richtig, was sie hörte: die knappen Zwischenfragen, die spitzen Bemerkungen, die dummen Witze. Und mußte ziemlich kämpfen, um sich ein Lächeln zu verkneifen, das hier an diesem Ort doch ziemlich unpassend gewesen wäre. Trotzdem … schön zu sehen, daß manches eben auch gleich blieb.

(Das Prompt war: Die Simpsons)


~ oOo ~



Rating: P 12
Gerne: Slash, Est. relationship
Länge: 480 Wörter


Ästhetik


„Noch ein bißchen weiter nach rechts … halt! Und wenn du dich jetzt noch ein bißchen drehen … ja, genau so. Und –“

„Dauert das noch lange?“

„Ich muß nur den richtigen Winkel und Bildausschnitt … ja, so ist das perfekt.“



„Ja was jetzt?“

„Die Sonne ist weg.“

Thiel seufzte. Übertrieben theatralisch, wie er fand. Nur weil er einmal ein schönes Foto machen wollte. Das war doch wohl nicht zu viel verlangt? Bislang hatte er: Hinterköpfe, weil sein Freund sich im entscheidenden Moment weggedreht hatte, beim Essen (erstaunlich oft) und genervter Gesichtsausdruck (in Variationen). Oder aus großer Entfernung gezoomt (weil Thiel dann nicht bemerkte, daß er fotografiert wurde), aber die Bilder waren alle nicht wirklich scharf.

„Jetzt! Die Sonne ist wieder da, jetzt mach endlich!“

„Immer mit der Ruhe.“ Er prüfte den Bildausschnitt noch einmal. „Wir haben doch Zeit.“

„Und wenn uns jemand hier sieht?“

Boerne rollte mit den Augen. Diese Aversion gegens Fotografiert-Werden war ja fast schon pathologisch. „Jetzt stell dich nicht so an. Wir machen hier ja schließlich keine Nacktfotos.“ Obwohl das eigentlich auch eine nette Idee -

„Aber ich steh mitten im Feld. Der Bauer, dem das gehört, findet das bestimmt nicht toll.“ Thiel sah sich unruhig um, genau in dem Moment, als er auf den Auslöser drücken wollte. Natürlich. Boerne seufzte. „Was ist das hier überhaupt?“

„Raps.“ Er hob die Kamera wieder. „Wird zur Ölgewinnung angepflanzt. Und ich glaube, das kann man durchaus verschmerzen, wenn da drei Pflänzchen niedergetrampelt werden.“

„Also bitte. Getrampelt ist ja wohl etwas übertrieben. Ich war extra vorsichtig.“

„So.“ Er hob wieder die Kamera, denn jetzt war das Licht endlich perfekt. „Jetzt mußt du nur noch lächeln.“

Thiel verzog gequält das Gesicht.

„Oder du guckst einfach nur zu mir her. Ganz normal. Nicht lachen.“

„Was jetzt?“

„Na einfach … ganz entspannt. Denk an was Schönes.“

Thiel rollte die Augen. Aber dann änderte sich sein Gesichtsausdruck. „Ist das da hinten Frau Hallers Wagen? Hast du ihr etwa –“



„Boerne?“

Als er wieder aufsah, stand Thiel genau vor ihm. „Sind wir jetzt fertig?“

Er sah nocheinmal aufs Display. Perfekt. Kein Lächeln, sondern ein konzentrierter Gesichtsausdruck, genauso, wie Thiel eben wirklich aussah, wenn er mit etwas anderem als sich selbst beschäftigt war. Und drumherum das Gelb des Rapsfeldes und darüber der leuchtend blaue Frühsommerhimmel.

„Ja.“ Er hielt Thiel die Kamera hin, und der zuckte unentschlossen mit den Schultern. „Mja …. geht doch einigermaßen. Bist du endlich zufrieden?

Boerne nickte, und sie gingen zurück zum Wagen.

Vielleicht würde er Thiel eines Tages erzählen, daß er dieses Bild schon vor Jahren hatte machen wollen. Damals, als sie wegen eines Falls hier in der Gegend gewesen waren und er Thiel schon einmal in einem Rapsfeld gesehen hatte. Oder vielmehr aus einem Rapsfeld auftauchen. Was für ein tolles Foto das wäre, hatte er damals gedacht. Die Farben. Das Blau des Himmels. Das Gelb des Rapsfelds. Und Thiel.


(Das Prompt war: Rapsfeld)

Guckst du hier für wunderschöne Fanart auf boernepedia!

~ oOo ~

Comments

Ah, Nadeschda! Ich mag ja POVs von außen immer sehr gerne. (Das sag ich bestimmt nicht zum ersten mal...) Das ist sehr schön geworden, das Ende vor allem.

Und ja, Raps ist wirklich schön, nicht wahr? Und dass Thiel nicht gerne fotografieren lässt, glaube ich sofort. *g*
Du hast es vielleicht schon mal erwähnt ;) Ich mag den Outsider POV auch, finde ihn allerdings meistens nicht so einfach zu schreiben.

Und dass Thiel nicht gerne fotografieren lässt, glaube ich sofort. *g*
Das war nach langer Zeit mal wieder etwas, was beim Schreiben selbst plötzlich aufgetaucht ist. Ein Wesenszug von Thiel, den ich wahrscheinlich immer schon kannte, der aber noch nie an die Oberfläche gekommen ist.
Das war nach langer Zeit mal wieder etwas, was beim Schreiben selbst plötzlich aufgetaucht ist. Ein Wesenszug von Thiel, den ich wahrscheinlich immer schon kannte, der aber noch nie an die Oberfläche gekommen ist.
Ich liebe es, wenn einem so etwas beim Schreiben passiert. Eins der Dinge, die mich so am Schreiben faszinieren. Wenn man sich leiten lässt und die Charaktere sich einfach irgendwie formen. Klar, bei Fanfictions ist das noch mal ein bisschen was anderes, weil man ja schon eine Vorlage hat, aber dennoch entdeckt man die Figuren immer wieder aufs Neue, das finde ich fabelhaft.
Übrigens kann ich mir das mit Thiel und der Abneigung zum fotografiert werden auch total gut vorstellen.
Ich lese gerne ein Outsider POV auf die beiden.

Und die Sache mit dem perfekten Photo kenne ich gut!
(Geh noch mal ein Stück zuück ... und ja, noch etwas mehr in die Sone... *g*)
Die Geschichte mit dem Fotografieren kennt wohl jede/r in einer Beziehung ;)Mir hat das schreiben hier jedenfalls sehr viel Spaß gemacht. Outsider POV fällt mir dagegen meistens etwas schwerer. (Leider)

Ich hoffe, Du bist im Urlaub irgendwie zum Tatort-Schauen gekommen - oder hast ihn aufgenommen. Sonst hättest Du was verpaßt mit dieser Episode!
Leider nein! Ich habe schon mal in die Mediathek geschaut und dort gibt es ihn noch bis Sonntag - vielleicht schaffe ich das irgendwie. *hofft mal sehr drauf*


(Müssen die den gerade senden, wenn ich ihn nicht schauen kann?? *lol*)
Ich drück die Daumen! Der war wirklich sehr schön, vor allem natürlich für T/B-Shipperinnen, aber auch ansonsten.

Mit "Mediathekview" kann man ganz einfach Filme aus der Mediathek runterladen, wenn Du es vorher nicht schaffst: http://www.chip.de/downloads/MediathekView_34031575.html
Danke für den Link! Ich habe ihn jetzt so gesehen - aber man weiß ja nie, wofür man so einen link mal brauchen kann. *g*
Zu "Tempus fugit":

Immer wieder zurück auf Anfang.
Ja, das haben die drauf im Münsteraner Tatort ... *husthustLukasderimmerzwölfbleibthusthust*

Ich mag Nadeshdas Gedanken zu all dem sehr. Ich kann mir gut vorstellen, dass es plötzlich etwas irreführend, irritierend oder sogar unangenehm sein kann, wenn sich etwas, das so lange eine Konstante war, plötzlich ändert. Obwohl ich grundsätzlich ja schon denke, dass sie weiß was da läuft, hihi. Und besonders das Ende ist mal wieder toll.

Zu "Ästhetik":

Ich hatte da ja schon mal im AO3 kommentiert, habe die Story jetzt noch mal gelesen und kann nur betonen, was ich eh schon geschrieben oder wenigstens gedacht habe: Es ist perfekt. Ein wunderschönes Gesamtkunstwerk. Alles passt. Es gibt für mich nichts daran auszusetzen. Ich will dich knuddeln für diese schöne Geschichte, die mich jedes Mal aufs Neue begeistert und berührt. Wie kann man nur so schön schreiben??

Edited at 2015-08-18 12:13 pm (UTC)