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BT_Wandern

September 2018

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Büttenwarder

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BT_Kochen

Ohne Worte

Regenbogen-Prompt: Gelb[Spoiler (click to open)](Pommes)
Rating: P 12
Genre: Slash, established relationship, mild h/c
Handlung: Thiel hat verdammtes Glück, und er weiß es. Vielleicht schafft er es auch noch irgendwann, es zu sagen.
Länge: ~ 650 Wörter

***


„Ich hätte das wirklich auch noch alleine nach Hause geschafft“, murrte Thiel, als er ins Auto stieg. Wenn Nadeshda nicht eben im Büro dabei gewesen wäre, hätte er Boerne deutlich gesagt, was er davon hielt, wie ein Kind eingesammelt und nach Hause gebracht zu werden. Aber so war die ganze Szene schon irritierend genug gewesen. Er schubste Boernes Hand beiseite, die nach seinem Sicherheitsgurt griff.

„Sag mal, geht’s dir noch gut? Ich kann mich selbst … wo ist denn das verdammte Ding schon wieder?! … anschnallen!“ Thiel saugte wütend an seinem Finger, den er sich an diesem Mistding eingeklemmt hatte. Warum mußte Boerne auch so eine schicke Karre fahren, in die man kaum ein- oder aussteigen konnte!

„Hast du heute eigentlich was gegessen?“ Boerne starrte konzentriert in den Seitenspiegel und schoß dann in eine Lücke im Verkehr. So abrupt, daß es ihn in den Sitz zurückdrückte, was seine Stimmung auch nicht hob.

„Denkst du vielleicht, ich hatte heute Zeit zu essen!“ Boerne sah zu ihm herüber und er fühlte sich noch schlechter als sowieso schon. Natürlich wußte Boerne das. Boerne war schließlich mit dem gleichen Fall beschäftigt, und ihm ging es bestimmt nicht viel besser. Und er benahm sich gerade unmöglich, aber der Anfall von Schuldgefühlen machte das alles auch nicht besser. Eher schlimmer.

„Vielleicht solltest du –“

„Herrgott Boerne, jetzt hör endlich auf mich zu betütteln!“



„Was wird das denn?“ Sie waren eine Weile schweigend gefahren, als Boerne plötzlich anhielt. Ihm war gar nicht aufgefallen, daß sie eine andere Strecke gefahren waren als sonst. Aber bevor er noch einmal fragen konnte, wieso Boerne jetzt hier stoppte, war der andere schon ausgestiegen. Wortlos. Die Tür knallte mit einer gewissen Endgültigkeit ins Schloß und hurra, da waren sie wieder, die Schuldgefühle. Nicht nur, daß er bei diesem Fall kein Stück weiter kam und die Chancen, den Täter zu ermitteln, von Tag zu Tag geringer wurden – jetzt hatte er sich auch noch mit Boerne gestritten. Die meisten dachten ja, daß sie sich sowieso die ganze Zeit in den Haaren hatten, aber das war was anderes. Das war nicht wirklich streiten. Streiten, das war sowas wie jetzt. Und bloß weil er mit den Nerven runter war, Boerne hatte ja eigentlich gar nix getan außer zu versuchen, nett zu sein. Es würde ihn nicht wundern, wenn der andere ihn hier einfach sitzen ließ, er hatte echt nichts besseres –

Thiel schreckte hoch, als die Beifahrertür geöffnet wurde.

„Hier.“

Er starrte ungläubig auf den Pappteller, den Boerne ihm unter die Nase hielt.

„Pommes?“

„Jetzt iß erst mal, und dann fahren wir weiter.“

Er wollte protestieren, wollte sagen, daß er nun wirklich auch einmal einen Tag ohne Mittagessen überleben konnte, und seit wann war es überhaupt O.K., daß er in Boernes Auto Pommes mit Majo aß? Aber dann stieg ihm der Geruch in die Nase und ehe er sich versah, schaufelte er das Essen in sich hinein als gäbe es kein Morgen. Erst beim Essen merkte er, wie hungrig er wirklich war – kein Wunder, heute Morgen hatte er auch nur eine schnelle Tasse Kaffee getrunken, und gestern Abend … er erinnerte sich dunkel, wie er nach Hause gekommen war, zu müde, um noch bei Boerne zu klingeln, und einfach nur ins Bett gefallen. Er wischte mit der letzten Pommes einen Rest Majo auf und ließ sich erschöpft zurück in den Sitz sinken. Als er eine Berührung spürte, blinzelte er. Boerne hatte ihm den leeren Teller aus der Hand genommen und lächelte leicht.

Danke. Danke wäre das richtige gewesen, oder Entschuldigung. Aber alles was er über die Lippen brachte, war „Wollen wir dann nach Hause fahren?“, aber Boerne schien den Rest trotzdem zu hören, denn das Lächeln wurde noch ein wenig breiter.

Diese Nacht schlief er bei Boerne, und auch wenn nichts wirklich besser geworden war, der Fall immer noch so hoffnungslos wie zuvor, fühlte sich das Leben plötzlich wieder ein wenig leichter an.

* Fin *

Comments

awww
Jeder Mensch verdient einen, der sich kümmert. Definitiv. :)
Finde ich auch :) Schön, daß das so rüber kommt, obwohl Thiel ja schon sehr übellaunig ist.
Sorry, leicht verspätet, weil es mich ins Krankenhaus verschlagen hatte.
Ja gut, Thiel ist übellaunig. Aber nicht ohne Grund (wie leider so oft im Tatort) und er weiß es selber und es setzt ihm zu. Von daher kann ich mit dieser fast unglücklichen Übellaunigkeit gut leben in der Geschichte.
Und Boerne ist ein Schatz, ganz einfach. Hatte ich zum Glück auch in den letzten Tagen, Frust zum Trotz. Kann man nur jedem wünschen. :D
Oh, klingt nicht gut. Hoffentlich ist jetzt alles wieder besser!

Thiel ist übellaunig. Aber nicht ohne Grund (wie leider so oft im Tatort) und er weiß es selber und es setzt ihm zu
Genau dieses. Ich weiß natürlich, sowas sollte nicht zu oft vorkommen - aber ab und zu kann es eben passieren und dann ist es sehr schön, wenn man jemanden hat, der mal nachsichtig ist.
Hoffentlich ist jetzt alles wieder besser!
Ja, fast wieder normal. Der Daumen ist wieder mehr oder weniger auf Normalmaß, die 'Blutvergiftung' hat sich von den Antibiotika angemessen beeindrucken lassen. Zumindest sieht es im Moment so aus und ich bin wieder daheim.

Ich weiß natürlich, sowas sollte nicht zu oft vorkommen - aber ab und zu kann es eben passieren
Ja, so ist es. So wie du ihn beschreibst, ist das einfach nur menschlich und trotz der Maulerei liebenswert.
Im "Hammer" dagegen war er so supermotzig ohne wirklichen Grund und das finde ich dann so schade.
Dagegen würde ich Frust wie in "Wolfstunde", wo er recht hat und sich reinsteigert, immer verzeihen.
Und auch Frust wie in dieser Geschichte. :D
Oh, wie schön!:)

Eine tolle Überraschung heute mittag :)
Das freut mich sehr :) Es ist gar nicht so einfach, die beiden in einer Beziehung zu schreiben ... um so schöner, wenn es dann doch gelingt.
Hach, ich liebe es ja total, wenn Boerne Thiel betüttelt, nech :D

Sehr schön geworden ... und ich muss ja sagen, dass ich denke - obwohl ich eigentlich kein Fan von est. relationship bin - dass es bei den zwei ja mittlerweile eigentlich gar nicht mehr anders geht, weil sie halt soooooo verheiratet sind :)

<3<3<3<3<3
Danke :D

obwohl ich eigentlich kein Fan von est. relationship bin
Lustig, das geht es mir genauso. Ich lese fast nie est. relationship (also, außer bei Thiel/Boerne, da lese ich alles). Aber mittlerweile kenne ich die zwei so lange und habe ihnen so viele First Time Stories geschrieben (jedenfalls gefühlt), daß sie einfach nicht mehr um die Beziehung drumrum kommen ;)

dass es bei den zwei ja mittlerweile eigentlich gar nicht mehr anders geht, weil sie halt soooooo verheiratet sind :)
Genau das <3
Ich musste irgendwie die ganze Zeit an diese Snickers Werbung denken: 'Du bist nicht du selbst, wenn du hungrig bist' :D

Schön geworden!
Ich muß zugeben, daran habe ich beim Schreiben auch denken müssen ;)

Die Werbung finde ich aber auch sehr lebensecht ... also ich kenne den Zustand jedenfalls total, und Thiel garantiert auch.

Danke!
Ich mag diese Momente, wenn der eine dem anderen wortlos zeigt, dass er ihn versteht und ihm auch mal den ein oder anderen verbalen Ausfall verzeiht. :)
Das war mir sehr wichtig, daß das so rüber kommt. Ich glaube, bis zu einem gewissen Grad sollte man das in einer Beziehung erwarten können. Also, das "mal verzeihen", wenn der andere so gestreßt oder genervt oder unglücklich ist, daß er das an einem ausläßt. Das ist natürlich sicher nicht schön, aber manchmal passiert es eben, weil der Partner eben die einzige Person ist, bei der man seinen Frust so abladen kann.
Ich mag die Szene :) Wenn sie sich nicht duzen würden, würde das auch als friendship-Story funktionieren, finde ich. Neulich war ich mit einem Kumpel unterwegs, hatte ziemlichen Durst und es war natürlich weit und breit kein Laden in Sicht, in dem man was zu trinken hätte kaufen können. Er hat mir wortlos seine Wasserflasche hingehalten - wohlgemerkt obwohl wir uns kurz davor wegen einer Banalität gestritten hatten und er eigentlich immer noch sauer war! So was finde ich toll und daran hat mich dein Oneshot gerade erinnert. :)
Danke :D

Und lustigerweise ist mir im Nachhinein auch aufgefallen, daß die Geschichte, wenn die beiden sich siezen würden, genausogut funktionieren würde (also, bis auf den letzten Satz). Wobei ich das als Hinweis darauf genommen habe, daß die zwei im Canon wirklich so gut wie verheiratet sind ;)

Nein, ernsthaft - ich denke auch, daß eine solche Szene ebensogut zu Freundschaft wie zu Liebe paßt.
Hach, wie schön! <3

Ich mag es sehr, wenn Boerne genau weiß, was Thiel grade braucht und total rücksichtsvoll und fürsorglich mit ihm umgeht. Es wird ihm ja auch oft unterstellt, er könne so etwas nicht, aber das denke ich nicht. Und in dieser Geschichte ist das ganz besonders schön geworden. Und dass sie sich ohne Worte verstehen, das ist ja eh eins der ungeschrieben Gesetze zwischen den beiden ... :)
Es wird ihm ja auch oft unterstellt, er könne so etwas nicht, aber das denke ich nicht.
Ich denke ja, er will meistens nicht. Weil ihm die meisten Menschen nicht wirklich wichtig sind. Aber er *kann* schon. Wenn ihm jemand wichtig ist. Also Thiel :)

Ich freu' mich, daß es Dir gefallen hat!
Ich finde es so toll, dass Thiel mitbekommt, dass er sich gerade ziemlich zickig benimmt - und trotzdem nichts dagegen tun kann! Das kenne ich manchmal auch durchaus von mir. *g*
Schön, dass Boerne hinter die Fassade schaut, eine Unterzuckerunge erkennt und genau das richtige Mittel dagegen hat.
Denn ich wette, mit den Pommes im Bauch hat Thiel nicht mehr gemeckert.

Sehr nett - und absolut aus dem Leben gegriffen.
Du hast mich durchschaut - ich kenne Thiels Zustand auch aus eigener Anschauung ;) Leider ...

Schön, dass Boerne hinter die Fassade schaut, eine Unterzuckerunge erkennt und genau das richtige Mittel dagegen hat.
Boerne kann eben alles - wenn er will :)

Mir fallen die Beziehungsgeschichten ja irgendwie ziemlich schwer - obwohl ich da auf langjährige Erfahrung zurückblicken kann. Umso mehr freue ich mich, wenn dann doch mal was passables rauskommt!

Danke für die liebe Rückmeldung!