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November 2018

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Büttenwarder

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Lügen und Geheimnisse

Sommer-Challenge: Romantik/Intimität – ein Geheimnis anvertrauen (fürs Team)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Freundschaft/Liebe, fluffiger Fluff
Handlung: Wenn man beinahe gestorben wäre, rückt das manche Dinge in die richtige Perspektive.
Zeit: ca. 100 Minuten
Länge: ~ 800 Wörter
A/N: Ich lege die Prompts diesmal ein wenig kreativ aus *räusper* Die Idee wurde im Chat mit entjej geboren, als fix-it zu der Szene aus „Erkläre Chimäre“, als Thiel versucht sich zu bedanken. Mehr oder weniger.

Boerne: „Apropos Schlitzer. Geht’s denn besser mit dem Schlucken?“
Thiel: „Oh ja, ganz wunderbar. Wie verrückt.“
Boerne: „Na, aber nicht zu gierig. Sonst muß ich wieder Hand anlegen.“
Thiel lacht sarkastisch.
Boerne: „Aus meinen Worten spricht ernstgemeinte Sorge um Sie, Thiel.“
Thiel (ernst): „Ja, also …. Danke.“
Boerne: „*Ein* ganzes Wort? Das finden Sie also angemessen.“
Thiel (genervt): „Sehr geehrter Herr Professor, ich möchte mich hiermit in aller Form dafür bedanken, daß –“
Boerne: „- daß ich Ihnen das Leben gerettet hab‘? Na, das ist ja nicht der Rede wert.“ (lacht) „Naja, lassen Sie mal. Ne Leiche hier auf meinem Tisch ist mir auch lieber als zuhause auf meinem flauschigen doppelschlaufigen Hochbauschflokati.“
Thiel (lacht): „Na, vielleicht kann ich mich ja irgendwann mal in angemessener Form revanchieren.“
Boerne: „Da sei Gott vor.“
Thiel (ernst): „Ja, jedenfalls nochmals … Danke.“ (streckt die Hand aus)
Boerne (greift nach der Hand und drückt sie knapp): „Jetzt brechen Sie sich mal keinen ab.“

Der Handschlag: GIF



*


Er weiß auch nicht so recht, warum er das tut. Boerne die Hand hinstrecken, wie eine Herausforderung. Oder ein Angriff. Oder ein Mittel, um den anderen auf Distanz zu halten. Eine Sekunde lang kommt er sich ziemlich dämlich vor, wie er so da steht mit ausgestreckter Hand, aber dann schlägt Boerne ein. Drückt seine Hand, kurz und knapp, und macht schon wieder eine dumme Bemerkung. Aber bevor er darauf reagieren kann, hat der andere schon wieder losgelassen und dreht sich von ihm weg. Das war’s dann also.

Und dabei wollte er sich wirklich bedanken.

Er schaut auf Boernes Rücken, während der ihm erzählt, was er als nächstes tun wird. Und sich dann wieder umdreht und ihn ansieht als wäre er erstaunt, immer noch jemanden in seinem Büro zu sehen.

„Ja … dann bis später.“

Boerne nickt, und er geht.

Er läuft bis zum Ausgang und die Gedanken drehen sich in seinem Kopf wie auf einem Karussell. Rund und rund und immer weiter. Alles fühlt sich so falsch an. Vielleicht hat er bei all den dummen Witzen vergessen, wie man vernünftig miteinander redet. Und Boerne erst recht. Boerne hat ihn nicht einmal angesehen, als er seine Hand gedrückt hat. Was sowieso eine blöde Idee war. Sowas hat er zuletzt gemacht, als ihm sein Schwiegervater zur Geburt von Lukas gratuliert hat. Der hatte ihm auch so militärisch die Hand hingestreckt. Und Susanne hatte hinterher mit den Augen gerollt. „Kann er nicht einmal zeigen, daß er sich wirklich freut?“ Er macht sowas eigentlich normalerweise gar nicht. Auch nicht mit andern Männern. Da klopft man sich eher auf die Schulter … oder so. Er bleibt stehen, das offene Fahrradschloß in der Hand.

Aus meinen Worten spricht ernstgemeinte Sorge um Sie

Boerne weiß auch nicht, wie das richtig geht. Sich bedanken. Gefühle. Der ganze Scheiß. Da redet er lieber über Flokatis und – warum ist das bloß so verdammt schwer?

*


Er steht schon wieder vor Boernes Bürotür als ihm klar wird, daß er ja eigentlich immer noch nicht weiß, was er tun will. Aber andererseits ist das jetzt alles schon so verfahren, daß es da auch nicht mehr drauf ankommt. Vielleicht ist das ja sowieso alles nicht mehr so wichtig – er könnte jetzt auch tot sein, wegen so einem bescheuerten Schinkenbrötchen. Und wenn man das vor Augen hat, wird alles andere irgendwie kleiner. Nicht mehr so wichtig. Warum sollte er Angst davor haben mit Boerne zu reden, wenn er jetzt genauso gut tot sein könnte?

Er stößt die Tür auf ohne zu klopfen. Boerne schreckt hoch und Thiel sieht die Sekunde, die er braucht um ein anderes Gesicht aufzusetzen. Für eine Sekunde wirkt Boerne müde. Erschöpft und irgendwie traurig. Und dann ist da wieder das normale Gesicht, das Alltagsgesicht, das an-mir-perlt-alles-ab-Gesicht.

„Haben Sie was vergessen?“

Ich habe vergessen, wie man sich richtig bedankt, denkt Thiel. Vielleicht sollte er das ja auch sagen, aber ob Boerne das verstehen würde?

Er schüttelt den Kopf.

„Ich dachte, das war’s.“

„Was?“ Boerne wirkt jetzt ziemlich verwirrt, kein Wunder.

„Als Sie mich da zu Boden gezerrt haben. Ich dachte, das ist das Ende.“

In Boernes Augen blitzt kurz etwas auf, was er nicht deuten kann. Er steht auf und kommt auf ihn zu.

„Thiel, Sie müssen nicht –“

Aber er muß. Nur daß er leider immer noch nicht genau weiß wie.

„Ich war froh, daß Sie da waren.“

Boerne nickt. „Selbstverständlich. Sie hätten kaum eine Chance -“

„Nein.“ Er schüttelt ungeduldig den Kopf, weil Boerne ihn nicht versteht. „Ich war froh, daß Sie da waren.“

Er weiß auch nicht so recht, warum er das tut. Aber auf jeden Fall fühlt es sich richtig an. Nicht so merkwürdig wie seine Hand, die in der Luft hängt. Auch wenn Boerne kurz zurückzuckt – vor Schreck ? – bevor sich seine Arme auch um Thiel schließen und ihn festhalten. Für einen kurzen, irrealen Moment wünscht er sich, sie könnten einfach so bleiben und alles andere vergessen. All die Worte und Erklärungen. Aber dann löst sich Boerne von ihm, und als Thiel blinzelt und seine Sicht wieder klarer wird, sieht er, wie der Blick des anderen durchs Zimmer huscht. Hierhin und dahin aber nie in seine Augen.

„Ich bin auch froh, daß ich da war.“ Jetzt kommt der Blick langsam zur Ruhe, in etwa an seinem linken Ohr. Das ist nicht mehr das an-mir-perlt-alles-ab-Gesicht. Und das ist auch nicht müde und traurig. Das ist ein neues Gesicht, das er noch nie gesehen hat.

Er sieht schnell wieder weg, nach unten, auf seine Schuhe. Und da sind sie doch wieder, die Worte, die sich nicht finden lassen. Deshalb nickt er nur. Und dann sieht er wieder auf, und Boerne sieht ihn an, und er weiß plötzlich, daß er gar keine Worte braucht.

* Fin *

Comments

Generell finde ich die Geschichte sehr schön. Sie brauchen halt immer bei euch, bis sie raffen, was Sache ist... 😉
Aber den Händedruck, den sehe ich anders als du. Boerne drückt kräftig und nicht knapp, er sieht Thiel auch an dabei. Das ist nicht so wischiwaschi, wie du es beschreibst. (Ich persönlich hasse schlabbrige Händedrucke ohne Blickkontakt, deshalb reagiere ich auf diese Stelle vielleicht so allergisch. Ist ihm gegenüber ungerecht. Das Drucksen ist ja echt eins zu eins wiedergeben, aber die Szene halt nicht...)
Auch wenn es aus dramaturgischen Gründen so geschrieben ist. Ich finde es unglücklich.
Naja, daß Thiel sich so einfach aufrafft, kann ich mir nicht vorstellen ;) Aber nach so einem Erlebnis, könnte ja selbst er vielleicht mal in sich gehen ...

Was die Szene im Film angeht - mit "knapp" meinte ich nicht schlabbrig, sondern eben "kurz und knapp/kräftig". Wobei der Eindruck natürlich auch durch den schnellen Schnitt kommt, ebenso wie das mit dem Blick - erst schaut Boerne, glaube ich, nach unten und dann wieder auf, aber da kommt schon der Schnitt. Für mich ist die ganze Szene vor allem sehr unbeholfen, ich glaube, die zwei fühlen sich da beide nicht so wirklich wohl. Deshalb wollte ich ihnen noch was ohne dumme Sprüche schreiben :)
Ich mag die Geschichte sehr gerne. Weil sie wenig beschreibt, aber ganz viel sagt. Macht das Sinn? Außerdem hast du wieder so viele schöne Sätze hier drin. Ein paar habe ich mir mal rausgesucht:

Und dabei wollte er sich wirklich bedanken.
Ich glaube ja auch manchmal, dass die beiden einander nicht immer sofort verstehen, wenn sie es mal *wirklich* ernst meinen, weil sie das über die ganzen Kabbeleien einfach übersehen. Weil sie sich irgendwann nicht mehr wirklich vorstellen können, dass der andere sowas auch vollkommen ernst meint.

er könnte jetzt auch tot sein, wegen so einem bescheuerten Schinkenbrötchen
In diesem Satz steckt einfach 100 % Thiel. :D
Dass das mal nicht Boerne hört ... Seine fantastischen Canapés einfach als banales Schinkenbrötchen abtun, also wirklich ... und dann auch noch der grammatikalische Fehler ... ;)

Und wenn man das vor Augen hat, wird alles andere irgendwie kleiner. Nicht mehr so wichtig.
Jep. Und allein deswegen ist diese Folge eigentlich perfekt für hunderte von Fanfictions ...

Boerne schreckt hoch und er sieht die Sekunde, die der andere braucht um ein anderes Gesicht aufzusetzen.
Das finde ich eine sehr starke Szene. Die hat mich richtig berührt.

„Nein.“ Er schüttelt ungeduldig den Kopf, weil Boerne ihn nicht versteht. „Ich war froh, daß *Sie* da waren.“
Du schaffst es immer wieder aufs Neue, so schlichten Worten eine so große Bedeutung zu geben. Das mag ich sooooo sehr. Du beweist regelmäßig, dass eine gute Geschichte nicht viele Wörter braucht - sondern die richtigen. Und bei dir ist jedes Wort irgendwie Gold.
Huch, wie kommt's, daß ich hier noch nicht geantwortet habe? Hab' den Kommentar eben eher durch Zufall wiedergesehen - und auch die Geschichte nochmal gelesen, die mir selbst mit Abstand plötzlich viel besser gefällt als kurz nach dem Schreiben. Da steckte doch ziemlich viel Herzblut drin ...

Wahrscheinlich hat mich Dein Kommentar beim ersten Lesen so verlegen gemacht, daß ich auf die Schnelle gar nix zu Antworten wußte ;)
Du schaffst es immer wieder aufs Neue, so schlichten Worten eine so große Bedeutung zu geben.
Danke! ♥

(Und ja, ich glaube auch, daß die zwei Probleme haben, von der Kabbel-Ebene runterzukommen. Selbst wenn sie gerne wollen.)