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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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BT_Kochen

Happy End II (Epilog zum Münster/Hamburg/Stuttgart Crossover)

Team: Morpheus
Sommer-Challenge: Romantik/Intimität: Joker (Inspiration): Partners for life von nachanca (fürs Team)
Fandom: Tatort Münster
Handlung: Epilog zu „Irgendwas mit Leichen, munkelt man“ (AO3, ff.de) – meiner Suspense-Tabellengeschichte vom letzten Jahr.
Rating: P 12
Genre: Irgendwo zwischen Freundschaft und Liebe.
Länge: ~ 1.550 Wörter
Zeit: 120 Minuten
A/N: Irgendwie fehlte mir noch was in dieser Geschichte und ich hatte das Gefühl, Thiel und Boerne brauchen dringend noch einen Epilog, um sich über das ein oder andere klarzuwerden. Und irgendwie ist es nicht wirklich das geworden, was mir gefehlt hat … meh. Aber gut, Punkt ist Punkt.



***


„Jetzt setzen Sie sich erst mal hin. Haben Sie die letzten Tage eigentlich überhaupt etwas gegessen? Sie sehen ein wenig abgemagert aus.“

„Boerne …“ Er rollte mit den Augen, obwohl er eigentlich fast hätte lachen müssen. Abgemagert war er nun wirklich nicht, auch wenn die letzten Tage ganz schön hektisch und anstrengend gewesen waren. Und dann heute die Heimfahrt nach Münster, direkt zur Arbeit, der Pressetermin mit Frau Klemm, und irgendwie war es dann doch verdammt spät geworden. Und tatsächlich war er ziemlich hungrig. „Ich kann mich wirklich schon selbständig um meine Verpflegung kümmern. Allerdings …“

„Ja?“

„Also, zum Einkaufen … da bin ich heute dann doch nicht …“

Boerne hob einen Finger. „Sagen Sie nichts weiter.“ Er drehte sich um und ging Richtung Küche. „Ich habe mir schon so etwas gedacht und für zwei eingekauft. Außerdem habe ich selbst auch noch nicht gegessen.“


***


„Und wie haben Sie die beiden jetzt überführt?“

Ermittlungsinterna. Ging Boerne alles eigentlich gar nichts an. Thiel schüttelte eher amüsiert als genervt den Kopf. Das Essen duftete auch viel zu verführerisch, um sich über irgendetwas zu ärgern. Und er war viel zu froh, wieder hier – Er stockte, bevor seine Hand die Gabel berührte.

„Stimmt was nicht?“ Boerne sah ihn aufmerksam an.

Er war froh, daß er wieder hier war. Hier. Nicht in Münster. Sondern bei Boerne. Er griff hastig nach der Gabel. „Alles in Ordnung.“

Natürlich war er froh. Da war ja auch nichts dabei. Er war wieder zuhause. Und es war O.K., Boerne zu mögen. Immerhin waren sie so was ähnliches wie Freunde. Auch wenn man das nicht immer so merkte. Er piekste eine Nudel auf und ehe er sich versah, war sein Teller leer und Boerne hatte ihn über alle möglichen Details des Falls ausgequetscht, selbst über die, über die er nun wirklich nichts wußte. Was soll das heißen, Sie wissen nicht, wie die beiden es geschafft haben, daß sich die Überweisungen nicht nachverfolgen ließen? Nein, das wußte er in der Tat nicht. Noch nicht. Die Kollegen von der Wirtschaftskriminalität waren noch dran, die Wege, die die erpreßten Summen genommen hatten, aufzuklären. Und wieso die beiden Frauen dazu übergegangen waren, ihre Opfer zu töten, darüber gab es bisher auch nur Spekulationen. Die beiden waren nicht besonders aussagefreudig gewesen. Uwe würde da noch einiges zu tun haben.

„… wiederzusehen.“

„Was?“

Boerne warf ihm einen tadelnden Blick zu. „Sie haben mir schon wieder nicht zugehört, Thiel.“

„Ja.“

Boerne seufzte. „Ich habe gefragt, ob Sie sich gefreut haben, Ihre alten Kollegen wiederzusehen.“

Thiel blinzelte. „Ja.“

Boerne seufzte demonstrativ noch lauter als vorhin. „Jetzt lassen Sie sich doch nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen.“ Er schenkte ihm Wein nach. „Wie lange waren Sie nicht mehr in Hamburg?“

„Ich bin doch in der Saison jedes zweite Wochenende –“, Thiel stockte, als er Boernes Blick sah. „Elf Jahre.“

Und weil Boerne nichts sagte, sondern einfach nur wartete, erzählte er von Uwe. Von der Geschichte damals in Hamburg, und wie er nach Münster gekommen war, und warum er den Kontakt zu den Kollegen von früher verloren hatte. Abgebrochen hatte. Boerne wußte natürlich, daß da was gewesen war, er wußte ja von der Sache mit dem Führerschein. Aber von Uwe, von Uwe hatte er natürlich noch nie erzählt. Oder davon, daß Uwe richtig erwachsen geworden war in den Jahren, und daß Uwe jetzt plötzlich mit seinem Partner zusammen war. Also, seinem ehemaligen Partner. Zusammen. So wie … zusammen eben.

Boerne nickte. „Na das klingt doch nach einem echten Happy End in jeder Hinsicht.“

Thiel nickte unentschlossen. Er war wirklich sehr froh, daß er mit Uwe über die Sache damals geredet hatte. Und er freute sich auch wirklich, Uwe so glücklich zu sehen. Nur eben … „Aber die beiden sind doch nicht … ich meine, ich weiß doch, daß Uwe damals eine Freundin hatte. Und Cenk, der war doch gerade noch – deshalb ist er ja überhaupt erst angeschossen worden und hat den Dienst quittiert und all das.“

„Das Konzept nennt sich bisexuell, Thiel“, informierte Boerne ihn in mildem Tonfall. „Das sollte selbst Ihnen etwas sagen.“

„Ich bin nicht blöd“, schoß er zurück. Natürlich wußte er, daß es sowas gab. Theoretisch. Aber eben …

„Wenn die beiden festgestellt haben, daß sie füreinander die wichtigste Bezugsperson sind, ist das doch nur folgerichtig.“

Thiel runzelte die Stirn. „So einfach geht das aber nicht. Wenn es danach gehen würde, dann wären wir …“ Er stockte und stellte das Weinglas hin. Was redete er denn da zusammen?

Boerne warf ihm einen Blick zu. „Ja?“

„Nichts.“ Er griff hastig wieder nach seinem Weinglas. Wie waren sie jetzt eigentlich zu diesem Thema gekommen? Und gab es nichts anderes, worüber sie reden konnten? Immerhin hatten sie sich fast zwei Wochen nicht gesehen, da gab es doch wohl –

„Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich das auch erst reichlich spät bemerkt habe“, sagte Boerne, und er sah wieder auf. „Genaugenommen erst vor ein paar Monaten.“

„Was bemerkt?“

„Daß Sie der wichtigste Mensch in meinem Leben sind.“ Boerne sah ihn an, ohne eine Miene zu verziehen. „Aber zu meiner Entschuldigung kann ich anführen, daß ich damit nun wirklich nicht gerechnet hatte.“

Thiel schnaubte. „Jetzt hören Sie schon damit auf. Bloß weil ich das mit Uwe und Cenk ein bißchen komisch finde, müssen Sie mich jetzt nicht auf den Arm nehmen.“

Boerne schüttelte den Kopf. „Aber ich nehme Sie gar nicht auf den Arm. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß es Ihnen genauso geht.“

Thiel lachte. Er konnte einfach nicht anders, die Idee war zu absurd.

„Nein?“ Boerne wirkte nicht enttäuscht, eher angriffslustig und für einen winzigen Moment spürte Thiel so etwas wie Angst. Aber er würde sich hier bestimmt nicht in irgendwas hineinreden lassen, was –

„Und wie hat es sich für Sie so angefühlt, als ich mit Songma –“

„Da hätte ich mir ja wohl um jeden Kollegen Sorgen gemacht!“

„Sicher.“ Boerne nickte. „Aber das meinte ich nicht.“

Er starrte den anderen an. Boerne konnte das unmöglich wissen. Er hatte dem Gefühl ja nicht einmal selbst einen Namen gegeben, auch wenn es jedesmal wiederkam, wenn auch nur der Name fiel. Ein stechender Schmerz, der nichts zu tun hatte mit den Sorgen, die er sich um Boerne gemacht hatte. Der schon dagewesen war, als er an seinem Geburtstag mit Nadeshda alleine da gesessen hatte, weil Boerne etwas Besseres zu tun gehabt hatte. Der noch schlimmer geworden war, als er festgestellt hatte, daß es dabei um einiges mehr ging als um eine Vernissage. Der nur in den Hintergrund gedrängt worden war von all den Dingen, die in dem Moment wichtiger gewesen waren. Und der immer noch da war und ihn nicht losließ, jedesmal, wenn er an diese ganze Geschichte dachte. Und das war oft, viel öfter, als ihm lieb war. Er stellte das Weinglas ab und stand auf. Es war ohnehin schon viel zu spät geworden, und er mußte -

„Thiel?“ Boernes Stimme stoppte ihn, bevor er aus der Zimmertür war. „Ich wollte nicht … Wir müssen nicht darüber reden, in Ordnung? Setzen Sie sich einfach wieder hin und erzählen Sie mir, wo meine Leiche nun eigentlich hinverschwunden ist.“

Er drehte sich vorsichtig wieder um, aber Boerne sah wieder aus wie immer. Ganz normal. So als wäre gar nichts passiert, und machte eine einladende Handbewegung Richtung Sofa. Alles wie immer. Alles ganz normal. Und es waren ja wirklich noch viele Fragen offen.

„Müllverbrennungsanlage Hamm.“ Er setzte sich wieder. „Der Tod von Hammer war tatsächlich nicht geplant gewesen – also zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Die beiden wußten nichts von seiner Paranoia und daß er gemerkt hat, daß ihn jemand beobachtet. Er hat die Komplizin, die ihn vor dem ersten Treffen mit ihrer Freundin ausspioniert hat, auf diesem Parkplatz in Hamburg angegriffen. Anscheinend war es sein Messer.“

„Und hat dabei den kürzeren gezogen.“

„Mhm.“ Thiel nickte. „Der Rest war dann wohl eine Kurzschlußhandlung. Sie hat die Leiche in ihren Wagen gepackt und ist losgefahren. Hat sie an der Raststätte in Münster rausgeworfen ohne weiter nachzudenken. Ein grober Fehler, aber den haben die beiden dann ja tatsächlich wieder ausgebügelt.“

„Was nicht an mangelndem Einsatz meinerseits lag! Ich –“

„Hab‘ ich doch gar nicht behauptet.“ Thiel verdrehte die Augen. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell die Frau ist.“

Boerne lächelte, und er lächelte zurück, bevor er sich zurückhalten konnte. War aber vielleicht auch gar nicht so schlimm. Nur ein Lächeln.



„Es war ein bißchen einsam.“

„Wie meinen?“

„Weil Sie gefragt haben, wegen Hamburg. Es war schon nett, mal wieder da zu sein. Aber eben ein bißchen … einsam.“

Boerne starrte ihn an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen. Beinahe hätte er losgelacht, weil Boerne wirklich ziemlich dämlich aussah in diesem Moment. Wenn da nicht dieses Gefühl gewesen wäre, als ob jemand seinen Magen in seiner Faust zusammenquetschen würde. Was erst wieder besser wurde, als Boerne sich wieder fing und lächelte. Ein echtes Lächeln. Nicht dieses nervige ich-hab’s-ja-gewußt Lächeln. Obwohl das jetzt ja auch gestimmt hätte.

Thiel schluckte. Er hatte keine Ahnung, wie das funktionieren sollte. Aber bis jetzt hatte es ja auch funktioniert, irgendwie. Und jetzt brauchte er wenigstens nicht mehr nach Erklärungen suchen. Warum er noch nicht gehen wollte. Warum sie Zeit miteinander verbrachten. Und warum er verdammt noch mal erwarten konnte, daß sein Geburtstag für Boerne wichtiger war als alles andere.


* Fin *

Comments

Aaah, ich war Inspiration! <3 Das freut mich. Und dann auch noch für so etwas Schönes.
Immer doch gerne! Mir hat deine Geschichte damals auch sehr gefallen und ich hab' mich gefreut, daß ich sie als Inspiration verwenden konnte :)

Mit mehr Abstand bin ich auch nicht mehr ganz so unglücklich mit meinem Ergebnis. Und freue mich, daß es Dir gefallen hat!