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BT_Wandern

November 2018

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Büttenwarder

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BT_Kiesgrube

Im richtigen Moment

Team: Morpheus
Sommer-Challenge: h/c – Mißbrauch/Nötigung – fürs Team
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Freundschaft, h/c
Zusammenfassung: Die Kollegen kommen im richtigen Moment, im letzten Moment.
Länge: ~ 500 Wörter
Zeit: ~ 45 Minuten.
A/N: Sehr introspektiv mal wieder. Und nichts explizites, keine Angst.


***


Er findet nicht mehr heraus, wie ernst die Drohung gemeint ist. Die Kollegen kommen im richtigen Moment, im letzten Moment. Es ist nichts passiert. Nur ein paar blaue Flecken und eine Platzwunde an der Augenbraue. Es ist nichts passiert. Und trotzdem rasen die Gedanken in seinem Kopf. Was hat er getan, um ausgerechnet das zu provozieren? Und im gleichen Moment Was für ein Unsinn. Wie oft hat er das schon Opfern von sexueller Gewalt gesagt – sie sind nicht schuld. Sie sind nie Schuld. Es liegt nicht an irgendetwas, was man getan oder gesagt hat oder welche Kleidung man getragen hat. Und es gibt auch nichts, was man anders hätte tun können. Außer natürlich, daß er diesem Kerl nie im Leben alleine hätte folgen dürfen, ohne Rückendeckung. Und sich dann auch noch dermaßen dämlich übertölpeln und überwältigen lassen. Aber das sind genau die Gedanken, die sich andere Opfer dann wahrscheinlich auch machen. Opfer. Der Begriff will irgendwie nicht in seinen Kopf, paßt nicht. Es ist ja auch nicht wirklich etwas Schlimmes passiert. Nur ein paar blaue Flecken. Und eine Platzwunde.

Er duckt sich unter Nadeshdas Hand weg, bevor sie seine Schulter berühren kann.

Es wäre lächerlich, sich mit anderen zu vergleichen, die wirklich Opfer geworden sind. „Nur eine Platzwunde“, sagt er zu Nadeshda. Und Nadeshda sagt nichts weiter, obwohl er am ganzen Körper zittert und sie sich vermutlich denken kann, daß noch mehr passiert ist. Sie dirigiert ihn an den Rand des Raums und sagt ihm, daß er sich hinsetzen soll. Daß der Arzt sich sein Gesicht ansehen wird.

Erst als er sitzt merkt er, wieviel Kraft es ihn gekostet hat zu stehen. Er lehnt sich an die Wand. Er braucht nicht wirklich einen Arzt, aber natürlich ist einer vor Ort. Standardprozedur bei einer bewaffneten Geiselnahme.

Und dann ist Boerne da und sagt, daß er sich das ansehen wird, und daß der Notarzt sich noch um den anderen kümmert, der beim Zugriff schwer verletzt wurde, und er fragt, was zum Teufel Boerne hier zu suchen hat, bei einer Geiselnahme, wo verdammt noch mal niemand etwas zu suchen hat außer den Polizisten, die dafür ausgebildet wurden. Und daß gar nichts passiert ist. Nur ein paar blaue Flecken. Und eine Platzwunde.

Er muß das mehr als einmal gesagt haben, denn Boerne sieht ihn sehr merkwürdig an. Boerne weiß auch, daß da mehr passiert ist. Boerne kann ihm ansehen, daß da noch etwas ist, und das letzte, was er will, ist daß Boerne davon weiß.

„Lassen Sie mich erst mal die Platzwunde ansehen“, sagt Boerne, und er läßt zu, daß der andere das Blut aus seinem Gesicht wischt und ein Pflaster übers Auge klebt. Ruhige, effiziente Berührungen und anders als bei Nadeshda ist das O.K.

Boerne sagt nichts weiter, aber er setzt sich neben ihn an die Wand, so nahe, daß er sich anlehnen kann.

„Wenn die Absperrungen geräumt sind, bringe ich Sie nach Hause“, sagt Boerne.

Vielleicht ist Boerne doch nicht der letzte, dem er erzählen wird, was nicht passiert ist.


* Fin *

Comments

Der letzte Satz ist ja ganz klasse! Selbst wenn noch ein 'vielleicht' drin steht, ist ja klar, dass Boerne die Person ist, zu der er am ehesten ehrlich sein wird.

Sehr nett!
Danke für die liebe Rückmeldung!

Die Kombination aus Prompts und (selbstgemachtem) Zeitdruck führt manchmal zu ganz überraschenden Ergebnissen. Ich meine, klar, h/c schreibe ich immer auch ohne äußeren Antrieb, aber das Thema hätte ich an sich gemieden.

Selbst wenn noch ein 'vielleicht' drin steht, ist ja klar, dass Boerne die Person ist, zu der er am ehesten ehrlich sein wird.
Ich glaube ganz fest, daß Thiel, wenn er echt was auf dem Herzen hat, wenn überhaupt dann am ehesten Boerne davon erzählen wird. (Alleine schon, weil Boerne der einzige ist, der im Zweifelsfall beharrlich nachfragt ...)
Ich kann es ja immer gar nicht glauben, aber dein wunderschöner Stil kriegt mich immer, auch zu Tatort Münster!

Du hast Thiels Stimme so wundervoll eingefangen, seine Sturheit und seine Hilflosigkeit, weil er sich selbst so partout nicht als Opfer sehen kann, gehen einem richtig nah!

Und dann das hier!
Er muß das mehr als einmal gesagt haben, denn Boerne sieht ihn sehr merkwürdig an. und

Vielleicht ist Boerne doch nicht der letzte, dem er erzählen wird, was nicht passiert ist.


Wie viel hinter diesen Andeutungen steckt OH WOW, das ist wundervoll (und natürlich ist es schrecklich, aber Thiel schafft das schon, ER HAT BOERNE, DIE KRIEGEN DAS HIN! Q__Q)
Erwischt ;)

Und danke! Ich freu mich immer, wenn mir Thiel überzeugend gelingt. (Was er nun wirklich sollte, immerhin lebe ich seit einigen Jahren in seinem Kopf, obwohl wir eigentlich herzlich wenig gemeinsam haben ... aber es ist trotzdem immer wieder eine Gratwanderung.)

Thiel schafft das sicher, da bin ich zuversichtlich. Ich hab' ihm ja nicht wirklich weh getan ... Das könnte ich gar nicht, glaube ich. An sich ist das ein Thema, über das ich ohne Prompt wohl nicht schreiben würde - schlimm genug, daß es in der Realität existiert. Aber daß ist dann auch wieder schön an den Challenges, daß sie einen an die grenzen dessen bringen, was man schreiben kann. Manchmal auch drüber raus, aber auch dann ist es schön, es mal u versuchen ;)

Danke auch für den "wunderschönen Stil" *blushes*
Mir selbst fällt da immer gar nix auf, ehrlich gesagt - meine eigenen Texte kommen mir sehr nüchtern vor, Worte und Sätze eben. Meistens ziemlich banal. Aber vielleicht sieht man das, was man selbst tut, nicht so wie das, was jemand anderes macht.
Aber daß ist dann auch wieder schön an den Challenges, daß sie einen an die grenzen dessen bringen, was man schreiben kann. Manchmal auch drüber raus, aber auch dann ist es schön, es mal u versuchen ;)

Ohh auf jeden Fall! Das mag ich so besonders gern an den Sommerchallenges und vor allem am Endspurt, dass man sich an Sachen versuchen kann, die einem sonst nie in den Sinn gekommen wären!