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Erinnerungsstücke

EIgentlich habe ich ja den ganzen Samstag fleißig an meinem Bigbang gearbeitet (echt wahr), aber dann mußte ich zwischendrin mal was anderes schreiben. Und die Regebogenchallenge will ja auch noch bedient werden ...

Bingo-Prompt: Joker (369. Eltern)
Regenbogenchallenge:[Spoiler (click to open)]Barbie
Genre: Slash, est. relationship, Humor & Fluff
Rating: P 12
Warnung: OOC? Keine Ahnung. Wenn die zwei erst mal zusammen sind, entwickeln sie sich irgendwie weiter weg von ihren Canon-Single-Persönlichkeiten. Aber ist ja auch ein Unterschied … wenn die ganze UST wegfällt ;)
Länge: ~ 1000 Wörter



***


Es war Boerne gewesen, der die Idee als erstes laut ausgesprochen hatte. Wozu Miete für eine zweite Wohnung zahlen, wenn wir ohnehin immer entweder bei dir oder bei mir sind? Und Thiel hatte zugeben müssen, daß da was dran war. Zumal sie nach fast einem Jahr wohl einigermaßen sicher sein konnten, daß sie keine getrennten Wohnungen brauchten. Obwohl das mit dem zweimal Miete zahlen natürlich Unsinn war, weil Boerne schließlich keine Miete zahlte und er seine Miete an Boerne zahlte. Ja, aber wenn du zu mir ziehst, kann ich deine Wohnung an jemand anderen vermieten, hatte Boerne darauf nur erwidert. Und unterm Strich sind das 600 Euro mehr, vor Steuern. Nicht, daß Boerne das Geld brauchte, hatte Thiel bei sich gedacht. Aber nicht gesagt, weil er die starke Vermutung hatte, daß es hier in Wirklichkeit gar nicht hauptsächlich um Geld ging.

So hatte das ganze also seinen Lauf genommen. Es war nicht einfach gewesen, weil einiges von Boernes Möbeln weichen mußte, um seinen Sachen Platz zu machen. Ihre Vorstellungen zum Thema Wohnungseinrichtung gingen auseinander, um es diplomatisch auszudrücken. Es wurden erbitterte Kämpfe gefochten – aber immer wieder Frieden geschlossen. Thiel seufzte, als Boerne ihn mit einem gemurmelten zu schwer beiseite schob. Also, wenn seine Auseinandersetzungen mit Susanne jemals so geendet hätten, hätte ihre Ehe vielleicht auch länger gehalten. Nicht, daß er sich das jetzt noch so dringend wünschte. Schläfrig kuschelte er sich an den Körper neben ihm.

„Jetzt haben wir endlich alles, oder?“

„Die Wohnung muß noch renoviert werden“, entgegnete Boerne nicht weniger schläfrig. „Aber das hat ja noch … Zeit.“

„Mhm …“ Boerne war noch nicht auf die Suche nach einem Nachmieter gegangen, also keine Eile.

„Und wir müssen natürlich noch die Sachen aus deinem Keller raus und in meinen räumen.“

Thiel stöhnte. Verdammt, das hatte er völlig verdrängt. „Muß das sein?“

„Na komm schon.“ Boerne zog ihn an sich und lachte. „Fast geschafft. Da gehen wir nächstes Wochenende dran.“


***


Mißmutig stand Thiel im Keller und griff nach dem ersten Karton. Die Hälfte des Gerümpels, das hier noch herumgestanden hatte, hatten sie schon für den Sperrmüll auf die Straße geschafft. Das meiste hier unten war tatsächlich Müll gewesen – warum entsorgte man das bloß nicht immer gleich, sondern stellte es erst nochmal unter?

Aber jetzt ging es ans Eingemachte. Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten, in Kartons verpackt. Und unbeschriftet. Und Boerne hatte darauf bestanden, daß er einen Blick in die Kartons warf und aussortierte, was er nicht mehr brauchte. Wenn er sie jetzt schon mal anfaßte und sie alles umräumten.

„Jetzt zieh nicht so ein Gesicht“, sagte Boerne, der gerade wieder in den Keller zurückkam und triumphierend einen Edding hochhielt. „Hier, dann kannst du diesmal auch gleich draufschreiben, was drin ist.“

Thiel seufzte.

„Und, was ist drin?“

„Unterlagen aus meiner Ausbildung. Glaube ich …“

„Laß mal sehen.“ Boerne nahm ihm den Ordner aus der Hand. „Oh, wunderbar, vergilbte Gesetzeskopien aus den 80ern! Die brauchst du natürlich dringend. Es ist ja nicht so, als ob du das nicht inzwischen online finden würdest. In der aktuellen Fassung, nebenbei bemerkt.“

Thiel mußte lachen. „Ist ja schon gut.“ Er wühlte sich noch einmal tiefer um sicherzugehen, daß hier wirklich nichts mehr von Interesse drin war. „Der kann weg.“

Gegen Mittag hatten sie sich durch die Hälfte der Kartons gearbeitet. Einiges war komplett zum Müll gewandert, bei anderen Kartons hatte er aussortiert, und manches wie der Karton mit alten Kleidungsstücken und Spielsachen, die einmal Lukas gehört hatten, hatte Boerne kommentarlos in seinen Keller hinübergetragen.

„Hier sind nochmal Spielsachen drin“, Boerne hielt eine Holzeisenbahn hoch. „Und Schulhefte, so wie’s aussieht. Sind die von dir?“

„Ja.“ Er drehte sich um. „Den will ich auch behalten, den müssen wir nicht durch –“

„Was ist das denn?“

Zu spät. „Äh … eine Puppe?“

„Du hattest eine Barbiepuppe?“ Boerne grinste übers ganze Gesicht. „Das glaubt mir kein Mensch.“

„Das ist nicht …“ Verdammt. Leugnen war sinnlos. Boerne hätte sich in so einem Fall immer noch damit rausreden können, daß was von den Sachen seiner Schwester zwischen seine geraten war, aber er? „Das war bloß, weil meine Mutter meinen Vater ärgern wollte.“

Boerne sah ihn fragend an.

„Naja … du hättest mal sein Gesicht sehen sollen.“ Thiel mußte lächeln, als er daran zurückdachte. „Eigentlich hätte er die Puppe ja in hohem Bogen aus der Wohnung werfen müssen, von wegen kapitalistischer Kommerzscheiß. Aber auf der anderen Seite war es sehr fortschrittlich, daß meine Mutter mir eine Puppe gekauft hatte, dagegen ließ sich ja nun nix sagen.“

Boerne lachte.

„Leg das wieder zurück. Die Sachen will ich auch alle behalten, die muß ich nicht nochmal durchsehen.“


***


„Du hast da überhaupt keine Barbiepuppe“, informierte ihn Boerne, als er nach dem Abendessen – eine Pizza zur Feier des abgeschlossenen Umzugs – sein Tablet zur Hand genommen hatte.

„Hm?“ Thiel wendete den Blick vom Fernseher ab, wo gerade St. Pauli spielte. „Hab‘ ich nicht?“

„Das ist eine Lilli. Die deutsche Vorgängerin der Barbiepuppe.“

„Aha.“ Er sah wieder zum Fernseher zurück. „Das hätte meinen Vater sicher beruhigt.“

„Na, ich weiß nicht. Die Puppe hieß auch Bild-Lilli, weil sie auf einer Zeichnung aus der Bildzeitung beruhte. Ich fürchte, das wäre Herbert nicht unbedingt lieber als ein amerikanisches Produkt gewesen.“

Thiel lachte. „Nee … das wäre noch schlimmer gewesen.“

Eine Weile konzentrierte er sich auf das Spiel, bis Boerne leise pfiff und er wieder zu ihm hinüber schaute. „Was ist?“

„Nicht übel … das sind inzwischen gesuchte Sammlerstücke. Für dein Püppchen aus dem Keller könntest du locker fünf- bis sechstausend Euro bekommen.“

Thiel sah wieder zurück zum Bildschirm. „Ach.“



„Aber du willst sie nicht verkaufen.“

Thiel schüttelte den Kopf. Er starrte immer noch auf den Bildschirm, obwohl er nicht mehr wirklich sah, was dort passierte.

„Du hast damit gespielt, oder?“ Boerne klang amüsiert.

„Als ob du deine Kindheitserinnerungen verkaufen würdest.“

Das Sofa knarrte, als Boerne näher rutschte.

Eine Hand auf seiner Schulter. Er ließ sich ziehen und schloß die Augen. War ja eh Halbzeitpause. Und das Spiel sowieso nicht so interessant.

„Weiß du …“ Er öffnete die Augen wieder und sah auf seine Hand. Seine und Boernes Hand, die Finger verschränkt. „Meine Mutter hat sie mir geschenkt.“

„Ich weiß.“


* Fin *

Comments

Gefällt mir sehr!

(wir haben unabhängig von einander die selbe Idee (nur die Sache ist eine andere) gehabt. Inclusive der Überschrift *hust* Aber das kannst du ja nicht wissen! Musste echt grinsen beim lesen) ;)

Edited at 2015-10-18 10:17 am (UTC)
Danke!

Und sorry ... aber Deine Geschichte ist bestimmt trotzdem was ganz eigenes! Ich bin schon gespannt drauf :D

Mir waren die Prompts in diesem Monat irgendwie nicht so wirklich was, aber heute morgen dachte ich dann plötzlich "Barbie. Warum eigentlich nicht."
aber Deine Geschichte ist bestimmt trotzdem was ganz eigenes!
-> weiß nicht *mit den Schultern zuckt*

Ich bin schon gespannt drauf :D
->Naja. Nicht zu viel erwarten, weißte doch ;)

Mir waren die Prompts in diesem Monat irgendwie nicht so wirklich was,
->ging mir ähnlich :)
Die Geschichte gefällt mir richtig gut, ER und Slash hin oder her! Den Coup von Thiels Mutter mit der Barbie bzw. Lilli kann ich mir richtig gut vorstellen – überhaupt, dass Thiels Eltern die Schlitzohrigkeit inklusive der 68er-Gesinnung geteilt haben. Bei Boernes trockenem Kommentar über den Karton mit den alten Gesetzestexten musste ich laut loslachen. :)

Edited at 2015-10-18 01:37 pm (UTC)
Das ist schön, daß sie Dir gefallen hat - danke für die Rückmeldung :)

So wie man den Canon als Liebesgeschichte lesen kann, kann man das hier im Grunde natürlich auch als Freundschaftsgeschichte lesen ;) O.K., bis auf das Zusammenziehen evtl., obwohl das natürlich auch möglich wäre.

Als ich "Barbie" bei den Prompts gelesen habe, dachte ich zuerst an Boerne - der sicher an unterschiedlichen Outfits zum Anziehen mehr Spaß gehabt haben dürfte als Thiel. Aber zu Thiels Eltern paßte das Geschenk wiederum besser (oder auch nicht). Und als ich dann beim Googeln nach der Info, ab wann es überhaupt Barbiepuppen gibt, auf die "Bild-Lilli" gestoßen bin, mußte ich das einfach schreiben ;)

Bei Boernes trockenem Kommentar über den Karton mit den alten Gesetzestexten musste ich laut loslachen. :)
*snicker*
Ja, das war direkt aus dem Leben gegriffen ;) Ich habe auch solche Ordner, aber leider keinen Boerne, der mich zum Ausmisten antreibt ...

Edited at 2015-10-18 04:53 pm (UTC)
Um ehrlich zu sein, finde ich’s ohnehin schöner, dass Thiel der Puppenbesitzer war, :) zumal es in Boernes konservativ-spießigem Elternhaus sicher keine Puppen für Jungs gegeben hätte. Du hast Recht, da ist die Idee bezogen auf Thiel einfach realistischer.

Hihi... hatte mir fast gedacht, dass die Passage mit den Kisten mit altem Behördenkram, den es längst in der aktuellen Version online gibt, leicht autobiographische Züge trägt. ;)

Edited at 2015-10-18 08:48 pm (UTC)
Ich fand es auch lustiger da unerwarteter, daß Thiel die Puppe hatte.

leicht autobiographische Züge
ertappt ;)
Aus dem Studium habe ich zwar nicht mehr so viel kram, aber aus dem Referendariat vor inzwischen auch schon wieder mehr als zehn Jahren ebendiese Kopien von Texten, die man inzwischen online findet ...
Hach cricri! So eine schöne Geschichte mal wieder! Und wir haben unabhängig voneinander mal wieder das gleiche Prompt gewählt. ;)

Du fängst in dieser Geschichte eine total schöne Stimmung ein, finde ich. Alles ist ganz ruhig irgendwie, die Beziehung zwischen den beiden warm. Das mag ich sehr.
Außerdem ist Boernes Vorwand mit der Miete echt süß und absolut IC! Und auch die Idee mit der Lilli gefällt mir wirklich gut.

Wozu Miete für eine zweite Wohnung zahlen, wenn wir ohnehin immer entweder bei dir oder bei mir sind?
Issooooo

Ihre Vorstellungen zum Thema Wohnungseinrichtung gingen auseinander, um es diplomatisch auszudrücken.
Sehr liebevoll umschrieben ;)

Nicht, daß er sich das jetzt noch so dringend wünschte.
Das finde ich einen sehr schönen Satz. Denn so ist es ja auch. Klar tut eine Trennung immer weh, aber die Erde dreht sich weiter und nach der Nacht folgt immer der Tag.

Das meiste hier unten war tatsächlich Müll gewesen – warum entsorgte man das bloß nicht immer gleich, sondern stellte es erst nochmal unter?
Tja, gute Frage ... scheint ein allgemeines Problem zu sein. Im Grunde genommen weiß ja auch jeder von uns, dass man die meisten Dinge nie wieder braucht, geschweige denn vermisst, aber diese andere kleine Stimme in unserem Kopf ist meistens lauter ...

„Hier, dann kannst du diesmal auch gleich draufschreiben, was drin ist.“
Ich mag, wie liebevoll und organisiert Boerne das alles irgendwie angeht.

„Oh, wunderbar, vergilbte Gesetzeskopien aus den 80ern! Die brauchst du natürlich dringend. Es ist ja nicht so, als ob du das nicht inzwischen online finden würdest. In der aktuellen Fassung, nebenbei bemerkt.“
Da habe ich herzlich gelacht! Schön auch, dass Boerne Thiel aufheitern kann, wo dieses Entrümpeln ja schon irgendwie bedrückend ist.

und manches wie der Karton mit alten Kleidungsstücken und Spielsachen, die einmal Lukas gehört hatten, hatte Boerne kommentarlos in seinen Keller hinübergetragen.
Einfach wunderschön. <3

„Du hattest eine Barbiepuppe?“ Boerne grinste übers ganze Gesicht. „Das glaubt mir kein Mensch.“
Hihi, das ist süß.

„Weiß du …“ Er öffnete die Augen wieder und sah auf seine Hand. Seine und Boernes Hand, die Finger verschränkt. „Meine Mutter hat sie mir geschenkt.“
„Ich weiß.“

Ein perfektes Ende.

Vielen Dank für diese schöne Geschichte!
Das mit dem gleichen Prompt fand ich auch sehr lustig, und dann haben wir auch noch unabgesprochen am selben Tag gepostet :D

Du fängst in dieser Geschichte eine total schöne Stimmung ein, finde ich. Alles ist ganz ruhig irgendwie, die Beziehung zwischen den beiden warm.
Das freut mich sehr! Ich habe ja oft das Gefühl, das Beziehungsgeschichten irgendwie langweilig sind - was soll man da schreiben? Von daher ist es sehr schön, wenn das als Stimmungsbild funktioniert.

Und schön ist es auch immer zu sehen, daß die eignen Lieblingsstellen auch so wahrgenommen werden <3 Du hast genau das zitiert, was mir selbst an der Geschichte auch gefällt.

Ein perfektes Ende.
Nur da hatte ich ein bißchen Angst, daß das Ende zu schwach ist. Sehr beruhigend!