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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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Büttenwarder Weihnachten

Büttenwarder und die Poesie

Bingo-Prompt: Poesie
Rating: P 12 (wegen der gewagten Gedichte …)
Genre: Meta (?)
A/N: Wichtelgeschenk für rebecca2525! Ich hoffe, Du hast auch daran ein bißchen Spaß – leider kann ich ja nicht dichten, sonst hätte ich die Geschichte geschrieben, in der Adsche Brakelmann mit Gedichten becirct ;)
Länge: ~ 1000 Wörter, die allerdings größtenteils von Norbert Eberlein stammen


~*~


Wer denkt, der Norddeutsche als solcher sei der Poesie nicht zugeneigt, der wird in Büttenwarder eines besseren belehrt. Hier wird gedichtet, bis sich die Balken biegen. Und jedes Gedicht, ob von Adsche, Brakelmann oder Horst Hoppenhoff, ist ein Kunstwerk für sich. Deshalb war es längstens an der Zeit, all diese Perlen der Dichtkunst einmal zusammenzustellen.
Und was sagen die Büttenwarder selbst zum Thema Poesie?

„Gedichte kann ich.“
– Adsche (Heiratsmarkt)

„Adsche … Sie sind ja ein Poet!“
– Henrike (Heiratsmarkt)

„Das reimt sich! Das kann nicht jeder.“
– Brakelmann (Goethejahr)

Und zu guter letzt die Erkenntnis:
„Dichtung und Wahrheit, die kriegt man überhaupt nicht mehr auseinander.“
– Brakelmann (Goethejahr)


adsche in goethejahr.gif

Doch lassen wir nun die Werke selbst sprechen …

Heute Abend bin ich hier,
bringe diese Blumen dir.
Möchtest du mich wiedersehn,
pflück ich frische – kein Problem!
– Adsche (Heiratsmarkt)

Ein schlichter, dennoch bewegender Vierzeiler! Wen wundert es da, daß Henrike Adsches Werben (zunächst) nachgibt.

Was kann es im Leben schöneres geben
als an einem schönen Tag
mit einem Menschen, den man mag,
im Gras zu sitzen
[und Bier und Köm zu schwitzen.]
– Adsche (Heiratsmarkt)

Hier robbt sich Adsche an ein komplexeres Versmaß heran, bleibt sich inhaltlich jedoch selbst treu. Bis auf die letzte Zeile, die stammt nämlich von Brakelmann und deutet bereits die charakterlichen Unterschiede zwischen unseren beiden Hauptprotagonisten an.
Diese werden in dem folgenden Werk – das Brakelmann Adsche unterschiebt bei dem Versuch, dessen aufkeimende Beziehung zu Henrike zu torpedieren – überdeutlich:

Schleicht ein Igel um das Haus,
ziehn wir zwei uns nackig aus.
Zirpen später dann die Grillen,
bist du mir heut Nacht zu Willen.
– Brakelmann (Heiratsmarkt)

Und was sagt Brakelmann, der hinterlistige Freundfeind, dazu?
„Deine Gedichte werden aber auch immer gewagter!“


Doch nicht nur Adsche und Brakelmann dichten in Büttenwarder. Es gibt auch andere nahmhafte Poeten – und zwar aus Klingsiehl, dem Ort, der alles das hat, was Büttenwarder fehlt:

Wenn der Kuh Geblök erschallet,
weit des Wandrers Herzen fiel.
Unter blauem Himmel strandet
er so gerne in Klingsiehl.
– Horst Hoppenhoff (Goethejahr)

Der bekannte Heimatdichter lag von 1907 bis 1910 einer Klingsiehler Witwe auf der Tasche und gehört deshalb jetzt zum dortigen Kulturerbe (und belebt die Wirtschaft). Doch trotz des kommerziellen Erfolgs, das Gedicht läßt die stille Tiefe vermissen, die Adsches Werke auszeichnet.

Was Klingsiehl kann, kann Büttenwarder nämlich schon lange! Und so legt Adsche dem großen Dichterfürsten Goethe die folgenden Verse über Büttenwarder und seine Uroma Gretchen Tönnsen in den Mund:

Oh sonnig, wonnig Büttenwarder!
Du vertreibst mir jeden Kater.
Es gibt hier ein schönes Mädchen
sie heißt Gretchen.
Drum will ich bleiben an diesem Ort
und überhaupt nicht wieder fort.
– Adsche (Goethejahr)

Wie herrlich leuchtet
mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten
aus jedem Zweig
und tausend Stimmen
aus dem Gesträuch.
Und Freud' und Wonne
aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne!
O Glück, o Lust!
– Adsche (Goethejahr)
Eigentlich von Goethe, aber wer weiß das schon so genau …


Brakelmanns Dichtkunst ist demgegenüber eher handfesterer Art. Einen ersten Vorgeschmack erhalten wir in „Karneval“, als Brakelmann diese mitreißende Büttenrede zum Besten gibt:

In Büttenwarder, das ist toll,
setzt man voll auf Alkohol.
In Büttenwarder, das ist richtig,
sind Bier und Köm ganz furchtbar wichtig,
In Büttenwarder, das ist bekannt,
trinkt man sich um den Verstand!
– Brakelmann (Karneval)

Brakelmann büttenrede.gif

So richtig poetisch wird es dann aber erst in „Haggnschuß“. Hier überschlägt sich der pflegebedürftige und entsprechend dankbare Brakelmann geradezu mit Lobgesängen auf Adsche:

Wer schreitet da durch Nacht und Wind?
Das ist einer von den Tönnsen, die immer durstig sind!
Wer läuft da wie’n Panther im Käfig umher?
Das ist Adsche, dem steckt der letzte Köm noch quer!
– Brakelmann (Haggnschuß)

Gewagter werden Reime und Versmaß dann in diesem Stück, das man sich gesungen vorstellen muß:

Adsche, Adsche, alle wollen Adsche
Überall, auf der Welt, Adsche ist der größte Held
Adsche! Adsche! Adsche!
Wer findet Adsche richtig pralle? Das sind alle, alle, alle!
Wer findet Adsche richtig klasse? Das sind die Mädchen an der Kasse!
Wer findet Adsche ist ein Supermann? Das sind die, die nicht bis drei zähl’n kann …
– Brakelmann (Haggnschuß)

Strophe 1 bis 3 sind leider verschollen. Aber dieses Werk ist dennoch die geeignete Überleitung zu einem Genre, das ja im weitesten Sinne auch zur Poesie gezählt werden kann: Der Liedtext.

Anläßlich einer größeren Ehekrise bei Schönbiehls hat die gesamte Büttenwarder Truppe in einer gemeinsamen Kraftanstrengung ein Versöhnungslied verfaßt.

Nach einigen eher zweifelhaften Arbeitsfassungen …

Ich hab‘ deine Liebe verlorn
Ich hatte zu viel um die Ohren
schubschubischubischub
Ich hab‘ deine Liebe verlegt,
und war nur noch selten erregt.
Dudeldei Carmencita …
(Schönbiehl: „So ging das nicht!“)

Ich hab‘ deine Liebe verlorn
Ich hatte zu viel um die Ohren
Ich bin so gern außer Haus
Du weißt es wohl
treibe mich rum und ich trinke
oft auch Alkohol …
doch dich vergessen, das kann ich
einfach nicht
schubidu!
Du bist der Höhepunkt in meiner Vita!
Laß mich nur in dein Herz als Untermieter.
Wir trinken Schampus dort ganz viele Liter.
Ich schenk dir meine Liebe Carmencita!
Ach schenk mir deine Liebe Carmencita …

… entstand so dieses Meisterwerk:

Ein Lied für Ingelore
Ich war im Dorfkrug so schön,
davon will ich später erzähln.
Die Liebe schmerzt manchmal
Das wissen wir genau.
Auch wenn es grad nicht so leicht ist,
bin ich mir vollends bewußt,
am allermeisten auf der Welt
brauch ich meine Frau.
- Adsches Solo -
Hier steht ein Mann,
der vor dir kniet,
weil er dich in der letzten Zeit viel zu oft traurig sieht,
Ingelore!
- Refrain -
Ich öffne dir zum Paradies die Tore
Ein Leben wie im Rausch voller Furore
Vom Abend bis zum Morgen nur Amore!
Ach schenk mir deine Liebe Ingelore!
Ach schenk mir deine Liebe, Ingelore.
– Onkel Krischan, Waldemar Schönbiehl, Schönbiehls Neffe, Adsche, Brakelmann, Kuno, Shorty und Peter (Fifty)


~*~

Comments

Ooooh, wie klasse! Da ist ja echt einiges zusammengekommen, wenn man das alles so nebeneinander sieht. Hätte ich nicht gedacht!

[Und Bier und Köm zu schwitzen.]
Eigentlich interessant: Adsche will für Henrike dichten, Brakelmann kommt mit einer Zeile, die das ganze Gedicht eher zu einem Adsche/Brakelmann-Gedicht macht. *g*

So ganz unbelesen scheint Brakelmann ja auch nicht zu sein, immerhin zitiert er in seinem Gedicht in Haggnschuss Goethe und Rilke. Hat er vielleicht eine Gedichtesammlung zu Rate gezogen? Oder musste er die beiden Gedichte einfach mal in der Schule auswendig lernen... ;)

Und hat Brakelmann nicht in einer der ganz frühen Folgen noch was gesungen als er wütend auf Adsche war, irgendwas mit Adsche und Ziegen?

Hat mich jedenfalls gefreut zu lesen, danke! Die erste Büttenwarder-Meta! <3
Ha, es ist Glücksspielhölle, wo Brakelmann über Adsche singt. Ungefähr bei 11 min.
Adsche will für Henrike dichten, Brakelmann kommt mit einer Zeile, die das ganze Gedicht eher zu einem Adsche/Brakelmann-Gedicht macht.
So habe ich das noch gar nicht gesehen ... sehr interessanter Gedanke!

Dieses anzügliche Lied über Adsche hatte ich glatt vergessen. Sobald ich wieder Zugriff auf "Glücksspielhölle" habe (DVD zuhause), ergänze ich den Text ;)