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BT_Wandern

October 2018

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Büttenwarder

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BT_Kochen

In memoriam

120-Minuten-Prompt: Reverse / Beerdigung – fürs Team
Team: Hufflepuff
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 6
Genre: Freundschaft, Fluff, Humor
Handlung: Thiel steht Boerne bei einem Trauerfall bei. Spielt relativ kurz nach Thiels Ankunft in Münster. Alternate Canon, da Boernes Nichte jünger ist, als sie es im Canon zu dem Zeitpunkt wäre.
A/N: Das Ende schwächelt mal wieder …
Länge: ca. 1.000 Wörter
Zeit: ca. 90 Minuten


***


Gott, er hatte bei solchen Gelegenheiten noch nie gewußt wohin mit seinen Händen. Am liebsten hätte er sie in die Hosentaschen gesteckt, aber das wäre vermutlich nicht gut angekommen. Er faltete sie stattdessen vor dem Bauch zusammen und versuchte, möglichst mitfühlend auszusehen. Wie war er bloß schon wieder in so eine unbehagliche Situation geraten! Die Frage war eher rhetorisch … wie in den meisten Fällen, wenn er sich bescheuert vorkam, war sein neuer Kollege nicht weit. Wobei Boerne diesmal Unterstützung gehabt hatte – und zwar durch die traurigen Augen seiner siebenjährigen Nichte Betty, die gerade einige Tage bei ihrem Onkel in Ferien war.

„Er war eine Ratte, wie es heutzutage nur noch wenige gibt.“ Boerne räusperte sich. „Aus der Mitte des Lebens gerissen, ohne –“

Betty zupfte ihren Onkel am Ärmel und flüsterte ihm etwas ins Ohr. „Ich wollte sagen, nach einem langen, erfüllten Leben dahingeschieden im Kreise seiner Lieben.“ Boerne sah zur Seite. „Quieker wird vermißt werden. Aber wie jedes Leben mußte auch dieses irgendwann zuende gehen.“ Betty schniefte. „So betten wir den Verblichenen nun also zur Ruhe.“ Boerne schubste Betty leicht an, die daraufhin die Schaufel ergriff und anfing, das kleine Loch zuzuschütten. „Und wir hoffen, daß er … ähm …“ Ihre Blicke trafen sich über Bettys Kopf hinweg, und Boerne beschloß offenbar, daß das jetzt doch zuviel des Guten werden würde. „Wir werden ihn jedenfalls in Erinnerung behalten.“ Betty nickte. „Wollen Sie nicht auch ein paar Worte sagen, Herr Thiel?“

„Was?“ Thiel sah verwirrt auf. „Aber ich kannte die … den Verblichenen doch gar nicht.“

„Vorgestern haben Sie noch einen Schuh nach ihm geworfen“, sagte Betty und sah ihn vorwurfsvoll an. „Dabei hat Quieker nie jemandem was getan.“

„Äh …“ Er erinnerte sich dunkel, eine Ratte durch den Hausflur huschen gesehen zu haben. „Da wußte ich ja nicht, daß das … also daß das deine Ratte war.“

„Er war eine gute Ratte.“ Betty wischte sich über die Augen.

„Na, na …“ Thiel warf einen hilfesuchenden Blick zu Boerne, der aber nur ratlos die Schultern hob. „Es tut mir wirklich leid, daß … Quieker gestorben ist.“ Er ging in die Hocke, um auf Augenhöhe mit Boernes Nichte zu kommen. „Du hast dich bestimmt immer gut um ihn gekümmert.“

Betty nickte und schniefte noch einmal.

„Aber jetzt ist die Beerdigung vorbei, und wir sollten …“ noch ein Blick zu Boerne, der plötzlich einen Geistesblitz zu haben schien und ihm ins Wort fiel. „… zum Beerdigungskaffee übergehen.“

„Und was macht man da?“ Betty schien fürs erste von ihrem Verlust abgelenkt zu sein und sah ihren Onkel neugierig an.

„Naja … man trinkt Kaffee … oder Kakao, ißt Kuchen, und redet über den Verstorbenen.“

Bettys Gesicht hellte sich auf. „Können wir das machen?“

„Selbstverständlich.“ Boerne schien erleichtert, daß die Tränen aufgehört hatten zu fließen. Und er konnte dann hoffentlich auch unauffällig –

„Sie kommen doch mit, Herr Thiel? Als Trauergast.“

Die Hand um sein Handgelenk ließ ihm kaum eine andere Wahl. Thiel seufzte innerlich, während er hinter Onkel und Nichte hertrottete. Betty hatte schon angefangen davon zu erzählen, wie sie Quieker als junge Ratte bekommen hatte, und wie sein Schwanz noch ganz kurz gewesen war. Thiel schauderte. Zum Glück kriegte die Kleine davon nichts mit, aber der warnende Blick, den Boerne ihm zuwarf, zeigte ihm, daß er durchschaut worden war.

„Ich mag nunmal keine Ratten“, flüsterte er Boerne zu, als Betty ins Bad rannte, um sich die Hände zu waschen. Was beinahe zu einem abendfüllenden Vortrag über die Vorzüge von Rattus norvegicus (forma domestica), der zahmen Form der Wanderratte, geführt hätte – der dann aber zum Glück durch Bettys Rückkehr und die Notwendigkeit, Kakao zu kochen und Kekse (als Kuchenersatz) zu suchen unterbrochen wurde.

Am Ende des Tages kannte er die Lebensgeschichte dieser Ratte besser, als er es je zu träumen gewagt hätte. Außerdem hatte er zu viel Kaffee getrunken und vermutlich auch zu viele Kekse gegessen. Aber Betty weinte nicht mehr, sondern war nach drei Tassen Kakao auf dem Schoß ihres Onkels eingeschlafen.

„Können Sie mir mal eben mit den Schuhen helfen?“ flüsterte Boerne. „Dann kann ich sie vielleicht ins Bett legen, ohne daß sie nochmal wach wird.“

Thiel nickte und ging vor Betty in die Hocke. Diese Mädchensandalen waren ein bißchen komplizierter, als er das in Erinnerung hatte – aber schließlich schaffte er es doch noch, sie auszuziehen ohne das Kind zu wecken. Die Kleine rührte sich erst, als Boerne aufstand und wohl oder übel umgreifen mußte. Aber sie wurde zum Glück nicht richtig wach, und Boerne trug sie mit ein paar gemurmelten Worten aus dem Wohnzimmer. Einen Moment lang sah er den beiden nach, versunken in Erinnerungen. Aber dann riß er sich zusammen und räumte den Tisch ab. Die Zeit für Kakao und Kaffee war inzwischen lange vorbei, es wurde schon dunkel. Er stellte gerade die Tassen in die Spüle, als Boerne sich hinter ihm räusperte.

„Schläft sie?“

„Ja.“

„Ich denke, ich sollte dann mal …“ Er drehte sich um und sah Boerne an, der in die Luft starrte und mit den Gedanken irgendwo anders zu sein schien.

„Boerne?“

„Anneliese ist zu ihr ins Bett geklettert. Ich glaube, sie trauert auch.“

„Anneliese?“

„Die zweite Ratte.“ Boerne gab sich einen Ruck und sah ihn an. „Wußten Sie nicht, daß man Ratten nicht alleine halten soll? Das sind sehr soziale Tiere. Und das heißt, jetzt muß meine Schwester eigentlich Ersatz für Quieker beschaffen. Das wird dann aber vermutlich eine jüngere Ratte sein, und wenn Anneliese dann stirbt, dann … ich weiß nicht, ob Hanne das so ganz zu Ende gedacht hat, als sie Betty die ersten beiden Ratten erlaubt hat.“

Thiel mußte lächeln. Auf die Art und Weise hatten sie während seiner Kindheit praktisch durchgehend Zebrafinken gehalten.

„Wollen Sie noch auf ein Glas Wein bleiben?“

„Äh …“

„Wir könnte Pizza bestellen.“

Das war ein Wort. Nach der ganzen Aufregung und den vielen Keksen brauchte er ganz eindeutig was Richtiges im Magen. Thiel nickte.

Eine halbe Stunde später stießen sie an. Auf Quieker.

* Fin *


A/N: Das wäre natürlich überhaupt nicht fluffig geworden, hätte ich es aus Bettys Sicht geschrieben. Weshalb es, aus Gründen der Prompt-Erfüllung, Thiels Sicht geworden ist.
 

Comments

...wie in den meisten Fällen, wenn er sich bescheuert vorkam, war sein neuer Kollege nicht weit
*brüll*

Och Gott nee, dass ist so... zum Lachen zu Anfang (auch wenn ich mir in Anbetracht von Quiekers Tod etwas schäbig vorkam mit meinem Gekichere)... und gegen Ende, wenn es dann plötzlich erst mal um das schlafende Kind geht und um Thiel in Gedanken versunken, da ist es dann so niedlich... und Pizza und Wein so versönlich. Ich find's total schön. Und das Ende schwächelt nicht. Das nur so am Rande.
Danke! :) Das freut mich sehr, daß es mit dem Humor geklappt hat. Boernes salbungsvolle Grabrede hat mir auch viel Spaß gemacht ;) Auch wenn ich deswegen selbst ein wenig ein schlechtes Gewissen hatte, wie man an der Anmerkung am Ende merkt.

Und das der + Kind Faktor am Ende funktioniert hat, freut mich natürlich auch sehr! Kid Fic läuft für mich immer ein wenig Gefahr zu kitschig zu werden.

Und das Ende schwächelt nicht.
Das ist beruhigend. Mir fehlte wohl der "Schlußgag" am Ende. Aber vielleicht muß es den gar nicht immer geben.
Oh Gott, das ist so niedlich und lustig! <3<3<3

Ich war noch nie so froh, eine BeerdigungsFic angeklickt zu haben!
Aw, danke!

Ich freue mich sehr, daß Dir die Geschichte gefallen hat. <3
Das mit den Tieren, die mindestens zu zweit sein müssen, ich glaube das kennt jeder, das es da ganz schwierig wird ein Ende zu finden. :)

Sehr niedlich und nett geschrieben - und leider werden Beerdigungen von Haustieren auch kaum besser je älter man wird. *schnief*

Aber mit Boerne und Thiel machte sogar diese Beerdigung Freude (<---was für ein seltsamer Satz! *g*)
Wir hatten nur eine Katze, und da gibt es das Problem zum Glück nicht. Und die Lebenserwartung ist länger. Ich hätte als Kind gerne Mäuse (oder Ratten) gehabt, aber der Gedanke, daß die nur so kurz leben, hat mich davon abgehalten. (Außerdem gab es ja noch die Katze ... was die Lebenserwartung vermutlich noch stärker verkürzt hätte *räusper* Sie war ein großer Jäger.)

und leider werden Beerdigungen von Haustieren auch kaum besser je älter man wird
Nein, allerdings nicht :( Als unsere letzte Katze gestorben ist, habe ich zwei Tage geweint, glaube ich. Die Beerdigung war merkwürdigerweise dann schon wieder eher tröstlich. Auf Grabreden haben wir dann aber doch verzichtet ;)

Fluffig und lustig konnte die Geschichte nur werden, weil Thiel gar keine und Boerne kaum eine Beziehung zu der Ratte hatten. Und aus der Warte und von außen betrachtet ist es dann wieder ziemlich niedlich, den beiden bei dem Versuch zuzusehen, für das Kind eine ordentliche Beerdigung zu organisieren.

Danke für die Rückmeldung!
Aww, sehr süß und sehr fluffig, trotz des Themas. Und ich finde überhaupt nicht, dass das Ende schächelt.
Danke!
Vor allem auch wegen der Rückmeldung zum Ende. Vermutlich bin ich bloß immer enttäuscht, wenn es nicht mit einem Kuß endet ;)

Das Thema war, das Prompt "Beerdigung" fluffig zu schreiben, das hätte ich vielleicht noch dazu schreiben sollen. Bzw. ich sollte mal die Tabellen posten. das tückische ist nur, daß man bei der anderen Hälfte der Tabelle fluffige Prompts als angst schreiben soll. Und angst schreibe ich ja nun mal gar nicht so gerne ...
Das ist wirklich herzerwärmend geworden. So schön und ruhig und trotzdem lustig. Es ist sehr niedlich, wie sie versuchen, das Ganze möglichst ernst zu behandeln :D Was tut man nicht alles für ein kleines Kind.

Die Frage war eher rhetorisch … wie in den meisten Fällen, wenn er sich bescheuert vorkam, war sein neuer Kollege nicht weit.
Tja und das wird sich auch die folgenden Jahre nicht ändern :D

„Er war eine Ratte, wie es heutzutage nur noch wenige gibt.“ Boerne räusperte sich.
:D

Aber Betty weinte nicht mehr, sondern war nach drei Tassen Kakao auf dem Schoß ihres Onkels eingeschlafen.
Das ist ein so schönes Bild <3

Eine halbe Stunde später stießen sie an. Auf Quieker.
<3 <3 <3
Ein wunderbares Ende. Das btw kein bisschen schwächelt.
Hach, danke! Vor allem auch für die Beruhigung bezüglich des Endes! Enden sind schwierig *seufz*

Aber eigentlich mag ich die Geschichte auch recht gerne. Ich kann mir Boerne sehr gut todernst bei der Trauerrede vorstellen ;) Und es ist ja auch irgendwie niedlich, daß sie sich so viel Mühe geben ...
Das ist so unfassbar niedlich und fluffig, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, ich liebe die beiden - wenn du sie schreibst. XDDD

Es ist SO DOMESTIC und Betty ist so ein niedliches Kind und QUIEKER UND ANNELIESE XDDDDDD sind die besten Rattennamen jemals, OMGGG. Der ruhige, fast schon sehnsüchtige Teil am Ende gefällt mir auch so gut, GOTT DIE BEIDEN SIND SO NIEDLICH UND DOMESTIC, HACH!!

„Was?“ Thiel sah verwirrt auf. „Aber ich kannte die … den Verblichenen doch gar nicht.“
DAS IST SO SÜSS ICH KANN NICHT MEHR, ich kann mir Thiel richtig vorstellen, wie er zusammenzuckt und dann einfach Boernes Worte nachplappert AWWW DAS IST SO LIEBEVOLL <333

Danke! <3

Ich mach ja meistens eher einen Bogen um Geschichten mit Kindern (also, beim selbst schreiben), aber manchmal muß das auch mal sein. Inklusive hemmungslosem feel good Fluff.

ich kann mir Thiel richtig vorstellen, wie er zusammenzuckt und dann einfach Boernes Worte nachplappert
Es war mir beim Schreiben gar nicht so bewußt, daß er hier in der Not einfach Boernes Wortwahl benutzt, das ist wirklich sehr süß! ♥
Die Szene könnte ich mir auch super in einem Film vorstellen ...