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BT_Wandern

July 2018

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Büttenwarder

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BT_Kiesgrube

Freier Fall

Sommerchallenge: Reverse – Kuscheldecke (als Angst) – fürs Team
Team: Hufflepuff
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Angst, Freundschaft/Liebe
Handlung: Boerne wartet.
Länge: ca. 500 Wörter
Zeit: ca. 80 Minuten
A/N und Warnung: Das ist wirklich angst, ohne h/c am Ende. Und vermutlich sehr frustrierend. Auch wenn man sich vorstellen kann (darf & soll!), daß es gut ausgeht, nimmt es mich trotzdem ziemlich mit. Es tut mir leid …


***


Er ist nach Hause gefahren. Es hätte ja auch nichts geändert, wenn er geblieben wäre – tun kann er sowieso nichts. Gar nichts. Frau Krusenstern ist geblieben und ruft an, wenn sich irgendetwas verändert. Auch wenn er dann genausowenig tun kann. Boerne stützt sich an der Wand im Flur ab, während die Haustür hinter ihm ins Schloß fällt. Nichts. Gar nichts. Er kann sich nicht erinnern, sich je so nutzlos gefühlt zu haben. So nutzlos und so schuldig.

Er hätte heute bei Thiel sein müssen.

Dann würden sie zwar jetzt vermutlich beide im Krankenhaus liegen, aber das wäre immer noch besser als das. Er drückt sich von der Wand weg und geht hoch, in seine Wohnung. Die Treppe ist ihm noch nie so steil vorgekommen. Und seine Wohnung so dunkel und leer. Er bleibt hinter der Wohnungstür stehen, kann sich nicht überwinden weiterzugehen. Er denkt nicht nach, während er sich umdreht und wieder nach draußen geht und quer durchs Treppenhaus. Thiel haßt es, wenn er einfach seinen Zweitschlüssel benutzt, aber Thiel ist ja nicht da. Im Flur blinkt seine Nachricht vom Morgen auf Thiels vorsintflutlichem Anrufbeantworter. Er hat sie nicht mehr gehört, und für einen Moment hat Boerne das Gefühl, daß er nicht mehr weiterkann, daß er hier und jetzt zusammenbrechen wird. Aber dann geht er doch weiter, geht durch die Wohnung ohne Licht anzumachen, geht durch bis in Thiels Wohnzimmer und läßt sich auf die Couch fallen.

Da steht noch ein benutzter Teller und eine leere Flasche. Und auf der Couch liegt diese gräßliche Decke mit dem St. Pauli Logo. Er streckt die Hand aus und versucht, die Falten glattzustreichen. Thiel ist anscheinend mal wieder auf der Couch eingeschlafen letzte Nacht. Das ist nicht gut für ihn. Boerne blinzelt. Gar nicht gut, in seinem Alter. Kein Wunder, daß er ständig über Rückenschmerzen klagt. Seine Finger vergraben sich in der Decke, ziehen sie näher. Ihm ist kalt. So kalt und so furchtbar müde, aber jedesmal, wenn er die Augen schließt, sieht er Thiel vor sich. Ohne nachzudenken zieht er die Decke an sich und merkt zu spät, was für ein Fehler das ist. Die Decke riecht nach Thiel und der Schmerz, der die ganze Zeit wie betäubt war, heult auf und zwingt ihm Tränen in die Augen. Vielleicht ist er auch deshalb gegangen. Weil er sich nicht mehr zusammenreißen kann und nicht will, daß ihm das auf einem Flur im Krankenhaus passiert. Er vergräbt sein Gesicht in der Decke und atmet tief ein. Und aus. Und wieder ein, bis er langsam etwas ruhiger wird. Bis die Bilder nicht mehr so hektisch vor seinen Augen flackern. Thiel, der ihn genervt ansieht. Thiel, der lächelt. Thiel, der reglos daliegt.

Als sein Handy mit Frau Krusensterns Ton klingelt, würde er sich am liebsten in dieser Decke vergraben und sich tot stellen. Solange er nicht abhebt, ist die Münze noch in der Luft. Sobald er abhebt, fällt sie.

Aber natürlich hebt er ab.


* Fin *

 

Comments

Mitnehmen tut es mich nicht so, dazu müssten die Positionen der Charaktere vertauscht sein, sozusagen.
Aber toll geschrieben ist es allemal!
Und das Ende - mit der Münze - diese Idee, diese Beschreibung, finde ich schlicht genial. Habe ich so noch nie gehört, wäre mir niemals nimmer nicht eingefallen, aber das Gefühl, das Boerne in dem Moment hat, kann ich extrem gut nachvollziehen!
Danke! Das mit der Münze war eine spontane Eingebung, die mir auch gut gefallen hat - aber ich war mir nicht sicher, ob man das sofort versteht. Schön, daß es klappt :D

Mitnehmen tut es mich nicht so, dazu müssten die Positionen der Charaktere vertauscht sein, sozusagen.
Ich habe schon ziemlich gelitten - wegen Thiel, aber auch mit Boerne. Weiß echt nicht, warum ich das mache *Haare rauf*
Ja klar, man leidet mit, auch mit Boerne. Aber irgendwie wird für mich (in meinem Kopf) mit diesem Anruf alles wieder gut. Und Boerne kann sich erschöpft zurücksinken lassen, in die Decke wickeln und etwas schlafen. Denn das hat er bitter nötig. ;)
Für mich geht es natürlich auch gut aus <3
Das hat mir gut gefallen, auch wenn's tatsächlich recht angsty ist. Frustrierend fand ich es nicht, es hat eben ein offenes Ende und das mag ich ab und zu recht gerne.:) In meinem Kopf geht es natürlich gut aus.
Solange er nicht abhebt, ist die Münze noch in der Luft. Sobald er abhebt, fällt sie.
Klasse beschrieben! Schrödingers Katze fällt mir dazu ein, was aber hier nicht wirklich gepasst hätte.:)

Ich hatte ein bißchen Angst, daß das Ende frustriert, weil es genau bei der Auflösung abbricht. Andererseits konnte es so angsty ohne Trost bleiben und dennoch Hoffnung lassen. Außerdem muß ich zugeben, daß mir das als Schlußpunkt irgendwie gefällt ...

Schrödingers Katze fällt mir dazu ein
hihi ... das war meine erste Titelidee, aber dann fand ich es zu albern ;)

Danke für die Rückmeldung!
Ja, das reißt schon ein wenig arg am Herzen, aber es liest sich so schön (ich mag es gerne 'bittersweet'). Und ich mag die Vorstellung, dass Boerne Zuflucht und Trost und evtl. auch Beruhigung in Thiels Wohnung sucht. Vor allem aber gefällt mir die Ausgangssituation, die es im Canon so noch nicht gab, nicht einmal in abgeschwächter Form, oder? Ich weiß ja, dass im TM hurt und drama nicht gerne breitgetreten werden, aber Boerne hat's ja jetzt schon mehrmals (bald wohl noch ein weitere Mal? ;)) körperlich so heftig erwischt, dass es ein zentraler Punkt der jeweiligen Folgen war. Thiel noch nie, von ein paar Blessuren kurz vor Tatortende und dem Beinahe-Erstickungstod aufgrund eines Haushaltsunfalls, nicht etwa aufgrund der Arbeit. (Ich fänd das ja interessant, aber gut, die Liste mit Sachen, die ich gerne mal in einem TM sehen würde, ist ziemlich lang...)

Und in das Loblied für das Münzenbild stimme ich glatt mit ein!

Frau Krusenstern ist geblieben und ruft an, wenn sich irgendetwas verändert.
Das finde ich übrigens eine sehr schöne Vorstellung ♥ (ja, ich und meine Schwäche für die Thiel-Nadeshda-Beziehung mal wieder. Aber auch die Vorstellung, dass sie Boerne als Erstes - denn so ist es doch, oder? ;) - Bescheid geben wird.)

Als sein Handy mit Frau Krusensterns Ton klingelt
Und jetzt kann ich's ja verraten, als ich die story heute Morgen das erste Mal gelesen habe, war mein erster Gedanke: Welchen Klingelton hat Boerne Nadeshda wohl zugeordnet? ...meine Prioritäten sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. (Aber es interessiert mich trotzdem.)

Ich glaube, "Erkläre Chimäre" ist tatsächlich der einzige Tatort, in dem Thiel in eine lebensbedrohliche Situation gerät. Boerne-Whump ist wohl auch bei den Drehbuchautoren mehr in ;)

Beinahe-Erstickungstod aufgrund eines Haushaltsunfalls
*grins*
Irgendwie paßt das sehr zu Thiel, daß ihn ein Haushaltsunfall beinahe umbringt ;) Das ist nunmal die Art von Unfällen, die den kleinen Mann von der Straße am häufigsten trifft ...

Und in das Loblied für das Münzenbild stimme ich glatt mit ein!
Danke, das freut mich sehr!

Natürlich ruft Nadeshda als erstes Boerne an! Und dann sofort Herbert, ähem. Das mit dem Klingelton ist eine gute Frage ... was klassisches? Oder irgendein alberner Popsong, den man bei Boerne nicht erwarten würde?

bald wohl noch ein weitere Mal? ;)
dazu sage ich nichts *pfeif*
Boerne-Whump, sehr schön, jetzt muss ich grad wirklich lachen!

Natürlich ruft Nadeshda als erstes Boerne an!
Ja, ich geb's ja zu, war eine blöde Frage. Nadeshda is' ja weder blöd noch blind, nech?

Oder irgendein alberner Popsong, den man bei Boerne nicht erwarten würde?
Wieso nur muss ich jetzt an "My ringtone for you is 'Dancing Queen' by ABBA", das House in einer Folge Wilson gegenüber offenbart? :D
Das mit dem albernen Popsong würd ich Boerne nicht absprechen, könnte es mir aber wohl eher für Thiel vorstellen (in Mord ist die beste Medizin vibriert sein smartphone doch nur, dh noch sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt).

Klassik für Nadeshda find' ich gut; ich hab' überlegt, ob er wohl irgendwas mit russischem Einfluss wählen könnte, vllt. irgendwas aus einer russischen Oper. Was er natürlich leicht ironisierend meint, das würd zumindest zu den beiden passen bzw zu der Spannung zwischen ihnen, die öfter mal aufkommt, wenn sie miteinander agieren. (Spannung mein ich nicht im Sinn von negativ oder feindselig, vielmehr in dem Sinne, dass da irgendwas 'präsent' ist; ich glaub', das liegt zum großen Teil an Nadeshda's 'not taking any of your shit'-Einstellung, die sie ihm gegenüber oft unmissverständlich verdeutlicht und das so ziemlich seit der ersten Folge. ätt' ich mich ja nie im Leben getraut).

dazu sage ich nichts *pfeif*
(¬‿¬)...Die Pressemeldungen, in die ich kurz reingeblinzelt hab, lügen vielleicht...aber die Promobilder tun's nicht. Hoffe ich zumindest.
*butts-in*
Boerne-Whump ist wohl auch bei den Drehbuchautoren mehr in ;)
Boerne ist halt von Anfang an so angelegt gewesen, dass er eher mal was auf die Nase kriegt. Seine ungesunde Neigung zur Kühnheit gepaart mit seiner Selbstüberschätzung und dem nicht allzugroßen Talent darin, Gefahrensituationen korrekt einzuschätzen, prädestiniert ihn nun mal dafür. Und Feinde hat er ja leider weiß Gott auch genug, so unmöglich, wie er sich oft aufführt. :D
Thiel ist dagegen einfach viel zu vernünftig, ruhig... ;)

Warten wir ab, was die nächste Folge bringt. Vll geht es da noch mal andersrum. Aber bei unserem Glück sind wieder Cantz und Hinter dran, dann ist eh wieder nur Klamauk angesagt.

Was den Klingelton angeht, denke ich auch, was Klassisches. So wie bei Alberich auch...
Aber bei unserem Glück sind wieder Cantz und Hinter dran, dann ist eh wieder nur Klamauk angesagt.
Ich find' ja, es wär mal wieder an der Zeit für einen dieser Produktions- und Sendezyklen, der vorgibt, dass die beiden noch zwei weitere Folgen aussetzen (evtl. verbunden mit der vagen Hoffnung, dass so auch die Qualität ihres Beitrags steigt ;) )
Hihi... sagen wir so: wenn sie sich auf ihre Wurzeln besinnen und das Team wieder so toll, leichtfüßig und liebenswert agieren lassen würden wie in "Der dunkle Fleck" etc., dann dürfen sie gleich wieder ran ans Werk. Aber so lange sie da noch so meilenweit von entfernt sind... bin ich nicht böse, wenn sie pausieren. :p
Solange er nicht abhebt, ist die Münze noch in der Luft. Sobald er abhebt, fällt sie.

Aber natürlich hebt er ab.

Was für ein wunderschönes Bild. Und so ein toller "suckerpunch"-Schlusssatz. ♥

Überhaupt liest sich das toll und ich mag offene Enden bei sowas so, so gerne.
Danke! <3
ich merke gerade, ich bin im Endspurt auch nicht mehr hinterhergekommen auf Kommentare zu reagieren ...

Ich hatte ja ein bißchen ein schlechtes Gewissen bei dem offenen Ende, schön, daß Dir gerade das gefällt!
Das ... wow. Das hat mich echt gepackt. Ich habe ja durchaus ein Fable für solche Geschichten und mich hat diese wirklich mitgenommen. Besonders der Teil, wo Boerne Thiels Wohnung betritt und den Anrufbeantworter blinken sieht - mich hat das wirklich wie so eine Welle getroffen und mitgerissen. Auch als er sich dann setzt und die Decke glatt streicht. Dieses Gefühl, dass du damit deutlich machst, ohne es zu beschreiben (allein diese Kunst!) ist sagenhaft. Die ganze Geschichte scheint in dem zuletzt beschriebenen Zeitstillstand zu geschehen und man weiß es, sobald man diesen (übrigens wirklich genialen) Vergleich liest. Ich habe richtig Gänsehaut bekommen. Und vielleicht habe ich auch ein bisschen geweint, aber wenn, dann würde ich das natürlich hier nicht zugeben ...
Aw, sorry ... Nein, natürlich freue ich mich in Wirklichkeit, daß die Geschichte Dich so mitgenommen hat, weil es ja heißt, daß sie so funktioniert wie sie soll. <3

Besonders der Teil, wo Boerne Thiels Wohnung betritt und den Anrufbeantworter blinken sieht - mich hat das wirklich wie so eine Welle getroffen und mitgerissen.
Ich finde das Bild eigentlich auch richtig furchtbar, wenn ich ehrlich bin, Wenn ich es nicht selbst geschrieben hätte, hätte ich an der Stelle auch geweint.

Aber der Vorteil bei offenen Enden ist ja, daß alles gut ausgehen kann. Und das tut es auch!