?

Log in

No account? Create an account
BT_Wandern

December 2018

S M T W T F S
      1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031     

Büttenwarder

Powered by LiveJournal.com
BT_Anfang

Wettrüsten

Sommerchallenge: Reverse – Kalter Krieg (als Fluff) – fürs Team
Team: Hufflepuff
Rating: P 12
Genre: Slash, Established Relationship, Humor, Fluff
Handlung: Mangelnde Kompromißfähigkeit in Krisensituationen kann zur rapiden Eskalation führen.
Länge: ca. 900 Wörter
Zeit: ca. 80 Minuten
A/N: Ich hoffe, man erkennt das Prompt ;) In der Mitte hat es jedenfalls Spaß gemacht, nur das Ende, das wollte nicht so.


***


Natürlich hätte ihm das schon die Jahre davor auffallen müssen. Aber anscheinend hatte er seine Nebenkostenabrechnung nie so genau geprüft, war wohl immer davon ausgegangen, daß Boerne ihn nicht übers Ohr hauen würde. Aber jetzt war es ihm aufgefallen – und garantiert war das schon immer so gegangen. Das war doch wirklich eine bodenlose … Wutschnaubend stürmte er zur gegenüberliegenden Wohnungstür.


***


Im Büro hatte er gleich Nadeshda von der Sache erzählt, weil er immer noch tierisch sauer war. Und weil Boerne natürlich kein Stück hatte einsehen wollen, daß er Recht hatte. Nadeshda hatte nur amüsiert gelächelt.

„Finden Sie das etwa in Ordnung?!“

„Ach“, Nadeshdas Blick huschte durchs Zimmer. „Ich misch‘ mich da lieber nicht ein.“

Thiel schnaubte. Er konnte sich schon vorstellen, was Nadeshda sich dachte. Streit unter Liebenden und so. „Er zieht mir – und alle anderen Mietern auch! – 2,67 Euro im Monat zu viel an Nebenkosten ab! Hier geht’s um knallharte Fakten!“ Und nicht etwa darum, daß er stinksauer war, daß sein Freund ihn so hinterhältig übervorteilte. Oder daß Boerne mal wieder auf Gedeih und Verderb auf seiner Position beharrte, ohne auch nur die geringsten Kompromißbereitschaft zu zeigen. „Und ums Prinzip! Das kann ja wohl nicht –“

„Ah, guten Morgen.“ Boerne steckte den Kopf durch die Tür. „Immer noch auf dem Kriegspfad? Willst du immer noch das Privateigentum vergesellschaften?“

„Mieser Kapitalist“, zischte Thiel.

„Ich wollte eigentlich nur –“

„Nadeshda, sagen Sie dem Herrn Professor, wenn er mir etwas Berufliches mitzuteilen hat, kann er einen Bericht schicken!“

Nadeshda rollte mit den Augen.

„Frau Krusenstern, sagen Sie dem Herrn Hauptkommissar, den Bericht habe ich schon längst geschickt. Und wenn er meint, er käme auch ohne meine Erläuterungen dazu aus, dann bitte sehr.“

Thiel schnaubte.

Boerne ging.

„Chef, meinen Sie nicht -“

„Jetzt fangen Sie nicht auch noch an!“


***


„Herbert, jetzt übertreibst du aber.“

„Übertreiben? Ich!“ Herbert sah sie empört an. „Dieser bourgoise Kapitalist hat -“

„Mein Gott …“, sie nestelte an ihrer Handtasche auf der Suche nach einer Zigarette, „er hat die Kosten der Treppenreinigung nur auf die Mietparteien verteilt, obwohl er selbst als Vermieter im gleichen Haus wohnt. Was glaubst du, wie viele Vermieter das tun?“

„War ja klar, daß du dich auf seine Seite stellst.“ Herbert verschränkte die Arme vor der Brust. „Ihr haltet doch alle zusammen, ihr –“

„Raus!“ Wilhelmine deutete zur Tür.

Herbert zog zähneknirschend ab. Das war’s dann mit ihrem gemütlichen Abend. Und alles wegen Boerne und Thiel, ausgerechnet!


***


Eigentlich hätten sie jetzt zusammen gekocht und ihren freien Abend gemeinsam verbracht. Aber Boerne mußte ja so verdammt stur sein! Den ganzen Tag hatten sie nur über Dritte miteinander kommuniziert, wenn überhaupt, und inzwischen hatten sich die gesamten Kolleginnen und Kollegen einem der beiden Blöcke angeschlossen – hier pro Boerne, dort pro Thiel. Alle bis auf Nadeshda und Frau Haller, die bildeten die Schweiz und hatten sich auf eine neutrale Position zurückgezogen. Thiel schüttelte amüsiert den Kopf, als ihm die Absurdität der Situation bewußt wurde. Vielleicht hatte er sich doch ein bißchen zu sehr aufgeregt wegen 2,67 Euro im Monat. Er schielte zur Tür und überlegte, ob er vielleicht doch …

Aber in dem Moment drehte Boerne auf der anderen Seite die Musik auf. Wagner. Volle Lautstärke. Der hatte sie doch nicht mehr alle! Von wegen einlenken, das ließ er sich nicht gefallen! Thiel wühlte wutschnaubend in seinen CDs, bis er etwas Passendes gefunden hatte. AC/DC – da würde Wagner gewaltig gegen abstinken. Er legte die CD ein und drehte die Anlage voll auf. Ha.

Einige Sekunden lang hatte AC/DC die Nase vorn, aber dann drehte Boerne weiter auf und der Walkürenritt, oder was auch immer dieser infernalische Lärm war, ließ seine Fensterscheiben erzittern.

Thiel stemmte die Arme in die Hüften. Dann ging er auf die Suche nach Ohrenstöpseln. Und dann holte er seinen Werkzeugkoffer und machte sich daran, seine Anlage, die Lautsprecher vom Fernseher, das Radio aus dem Bad und den Verstärker seines alten Plattenspielers miteinander zu verbinden. Dann würden sie ja sehen, was hier gewann – der schnöde Mammon in Gestalt von Boernes High End Gerät, oder Thiel’scher Erfindungsgeist!



Für einen kurzen Moment übertönte AC/DC Wagner. Und das Hämmern der Nachbarn an seiner Wohnungstür. Thiel grinste triumphierend. Und dann gab es einen gewaltigen Knall, es zischte und schmorte, die Sicherung flog raus, und in der plötzlichen Stille dröhnten seine Ohren.

Hustend kämpfte er sich zum Fenster und riß es auf, und dann erstickte er mit der Decke, die auf dem Sofa lag, die Flammen. Es hämmerte schon wieder an der Tür.

„Frank!“



„Frank, ist dir was passiert!?“

„Nein!“ Er sah sich in dem Chaos um, das er produziert hatte, und seufzte. Boerne hatte sich inzwischen auf seinen Zweitschlüssel besonnen und öffnete die Tür.

„Du lieber Himmel.“

„Tja.“

Sie sahen sich an.

Boerne lächelte.

Thiel mußte grinsen.

Ein paar Minuten später saßen sie auf der Couch und Thiel versuchte, wieder Luft zu kriegen, während ihm die Seiten vor lauter Lachen schmerzten. „Das ist eigentlich gar nicht komisch …“

„Wieso?“ fragte Boerne, immer noch lachend.

„Naja …“ Er deutete hinter sich. „Der Schaden …“

„Dagegen bist du versichert.“

„Bin ich?“ fragte er überrascht.

Boerne sah ihn ein wenig verlegen an. „Naja … du kümmerst dich ja nie um so was, und da dachte ich …“

Thiel schüttelte den Kopf.

„Was?“

„Du bist echt unglaublich.“

„Das sagt man mir öfter“, sagte Boerne. Aber weil er dabei ein wenig rot wurde, ließ er ihm das durchgehen. Ausnahmsweise.


* Fin *

Comments

[...]Willst du immer noch das Privateigentum vergesellschaften?“
„Mieser Kapitalist“, zischte Thiel.


So. Diesen Dialogfetzen packst Du jetzt bitte ein und verkaufst ihn an ein künftiges TM-Drehbuchautorenteam deiner Wahl. Hören kann ich es schon ganz deutlich, aber ich möchte es bitte komplett inszeniert sehen. Ich kann nicht mehr :D Zu herrlich.

Der Laptop war eigentlich schon längst aus, aber jetzt musste ich doch nochmal eben schnell. (Und *eigentlich* wollte ich durch die Bettlektüre schläftig werden, aber jetzt hab' ich mich wieder wach & munter gelacht. Aber das war's wert.)

Den Schwenk zu Wilhelmine und Herbert find' ich großartig.
Das war’s dann mit ihrem gemütlichen Abend. Und alles wegen Boerne und Thiel, ausgerechnet!
Bestimmt nicht zum ersten, und auch ganz sicher nicht zum letzten Mal ;)

Alle bis auf Nadeshda und Frau Haller, die bildeten die Schweiz und hatten sich auf eine neutrale Position zurückgezogen.
:D Hat sich deren Loyalitätsverhalten also ein wenig verschoben, seitdem die zwei ein Paar sind? Oder sie sind einfach nur schlau und wollen möglichst ohne zusätzliche Komplikationen durch den Alltag kommen.

„Dagegen bist du versichert.“
„Bin ich?“ fragte er überrascht.

Gerne dürfen sich künftige Drehbuchautoren bei meinen Dialogen bedienen ;) Ich würde nicht mal Geld dafür nehmen, um das mal zu hören und zu sehen ... [Edit: Auf die Namensnennung als Urheberin würde ich aber schon Wert legen ;)]

Ich freu mich, daß ich Dich zum Lachen gebracht habe! :D Das war der Sinn der Unternehmung. Mir hat es auch Spaß gemacht, so was albernes zu schreiben - die Sommerchallenge führt da doch immer wieder zu angenehmen Überraschungen.

Was Nadeshda & Silke angeht - ich glaube, die zwei sind einfach zu schlau, um sich in Thiel und Boernes Fehden verstricken zu lassen. Das ist ja garantiert nochmal schlimmer geworden, seit sie ein Paar sind ... und wenn man nicht aufpaßt, haben die zwei sich ganz schnell wieder vertragen und wenden sich gegen einen ...

Am Ende fand ich es etwas schwierig, den Fluff nach all der Albernheit unterzubringen. Schön, daß auch das anscheinend geklappt hat <3

Danke! :D



Edited at 2016-09-22 07:36 am (UTC)
Auf die Namensnennung als Urheberin würde ich aber schon Wert legen
Pff, in den Vorspann kommt der, wird noch vor den Produzenten und der Redakteurin erwähnt! Ehre, wem Ehre gebührt und so.
Ich finde es großartig, wozu dich die Sommerchallenge inspiriert! :D

Die Geschichte ist sehr süß geworden und total IC. Die Dialoge könnte man eins zu eins so in den Tatort übernehmen. Ich bin da voll auf isabels' Seite! Schön auch, dass Boerne das Geld, was er Thiel "abgeknöpft" hat, dann eben in eine Versicherung investiert hat. ;)

Übrigens erinnert mich der kleine Lärm-Streit der beiden (AC/DC gegen Wagner, haha! Genial! Und wer, wenn nicht Boerne und Thiel?) an eine Geschichte von Ernie und Bert, die ich auf Kassette habe. Sie heißt glaube ich "Du hast angefangen!" und da versucht auch einer den anderen zu übertönen. Sehr lustig! Schade, dass es dazu kein Video auf YouTube gibt. Aber na ja, es sind ja nicht die ersten Parallelen zwischen den beiden und Ernie und Bert, nicht wahr? ;)

„Das sagt man mir öfter“, sagte Boerne. Aber weil er dabei ein wenig rot wurde, ließ er ihm das durchgehen. Ausnahmsweise.
<3
Ja, schwierige Vorgaben beflügeln die Kreativität - zumindest klappt das bei mir oft. Ich freu mich schon auf die Bingokarte ...

Die Geschichte ist sehr süß geworden und total IC.
Danke! <3

Die Ernie & Bert Geschichte kenne ich nicht, jedenfalls nicht bewußt, aber ja, das paßt :D In jeder Hinsicht ...