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BT_Wandern

April 2018

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Büttenwarder

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BT_Kochen

Altersmilde

Rating: P 6
Genre: Freundschaft, denke ich (Slash if you squint), ein wenig Humor, friendly banter
Handlung: Alltag bei Thiel & Boerne.
Länge: ~ 650 Wörter
A/N: Ein winzig kleines plotbunny, das mich bei diesem „Verstehen Sie Spaß“-Ausschnitt aus „Fangschuß“ angesprungen hat. Naja, eigentlich mehr ein no-plotbunny, aber wofür brauchen 650 Wörter schon Plot ;)


***


Thiel kniff die Augen zusammen. Verdammt. Er streckte den Arm noch ein wenig weiter aus, aber … nichts. Vielleicht sollte er einfach -

„Na, geben Sie jetzt endlich zu, daß Sie eine Lesebrille brauchen?“

Er warf Boerne einen bösen Blick zu. „Ich sehe ausgezeichnet.“ Genau. Boerne sah er genauso scharf wie immer. Auch wenn der zwei Meter entfernt stand, was das Argument ein wenig schwächte.

„Die Altersweitsichtigkeit, mein lieber Thiel, erwischt am Ende jeden. Es hat keinen Sinn, das leugnen zu wollen.“

„Da reden wir in ein paar Jahren nochmal drüber, wenn Sie an der Reihe sind.“ Er versuchte es noch einmal, aber die Schrift wollte einfach nicht klarer werden. Warum mußten die das auch so klein drucken!

„Jetzt geben sie schon her.“ Boerne nahm ihm das T-Shirt aus der Hand, warf einen kurzen Blick darauf, verkündete „40 Grad“ und warf es auf den richtigen Stapel.

„Angeber.“

„Noch was, was Sie nicht lesen können?“

Thiel rollte die Augen, schob dann aber doch die restlichen T-Shirts zu Boerne rüber. Seine Unterhosen warf er einfach alle zur 60-Grad-Wäsche, das würde schon stimmen. Und im Zweifelsfall opferte er lieber eine davon, als das Boerne die jetzt in die Hand nahm. Bei seinen St. Pauli T-Shirts war das was anderes, die waren zum Teil schon Sammlerstücke. Also, zumindest bekam man die meisten davon nicht mehr zu kaufen.

„Sie sollten zum Augenarzt gehen. Oder zum Optiker, das geht schneller und reicht auch. Ich kann Ihnen schließlich nicht ständig beim Wäschesortieren helfen. Oder die Speisekarte vorlesen. Oder -“

„Einmal!“ Thiel verdrehte die Augen, während Boerne ungerührt weiter T-Shirts sortierte. „Ein einziges Mal, und das auch nur, weil die in diesem Schickimicki-Laden eine winzige Speisekarte und schummriges Kerzenlicht hatten!“

Boerne hob eine Augenbraue.

„Was wollen Sie überhaupt hier?“Boerne war schließlich nicht vorbeigekommen, um ihm beim Wäschesortieren zu helfen. Vermutete er zumindest. Eigentlich hatte er ihn auch gar nicht reinlassen wollen und gesagt, daß er gerade was anderes zu tun hatte. Aber irgendwie funktionierte das nie, am Ende stand Boerne doch in seiner Wohnung. Ob das eher an Boernes Hartnäckigkeit oder an seiner mangelnden Widerstandsfähigkeit lag, hatte er sich schon öfter gefragt, war bislang aber noch zu keinem befriedigenden Schluß gekommen.

„Kann man nicht einmal einfach so seinen Nachbarn besuchen, ohne gleich etwas zu wollen?“ Boerne hob die Hände. „Wirklich, dieses Mißtrauen ständig … das ist übrigens auch eine typische Alterserscheinung, wenn ich darauf einmal hinweisen darf.“

Vermutlich ging es um ihren aktuellen Fall, dachte Thiel. Er hatte heute Nachmittag zusammen mit Nadeshda Zeugen befragt, und Boerne starb vermutlich vor Neugier, weil er noch nicht wußte, ob es neue Erkenntnisse gab.

„Ich dachte, Sie hätten vielleicht Lust auf ein Glas Wein zum Feierabend.“ Boerne legte den Kopf schief. „Oder meinetwegen auch ein Bier.“

„Wein ist nicht, aber Bier steht im Kühlschrank.“

Auf Boernes Gesicht stahl sich ein Lächeln. Für Thiels Geschmack sah das ja viel zu sehr danach aus, als hätte Boerne von Anfang an gewußt, daß er klein beigeben würde. „Wissen Sie was, ich springe noch mal eben zu mir rüber und hole eine Flasche Rotwein, und dann machen wir uns einen gemütlichen Abend.“

Thiel stemmte sich seufzend vom Boden hoch und sah Boerne nach, der federnden Schrittes zur Wohnungstür eilte. Er wurde echt alt. Das konnte doch nur ein Zeichen von Altersmilde sein, daß er jetzt nicht einfach die Tür hinter Boerne zumachte und nicht mehr öffnete, damit er seinen wohlverdienten Feierabend in Ruhe genießen konnte. Stattdessen rief er Boerne „Haben Sie vielleicht auch noch was zu essen im Haus?“ hinterher und versuchte das erfreute Magenknurren zu ignorieren, das bei Boernes „Ich bringe uns was mit“ einsetzte. Letztendlich wurde Ruhe ja auch überschätzt. Um mal seinen Vater zu zitieren: Ruhe hatte er auf dem Friedhof noch genug. Thiel griff sich die 40-Grad-Wäsche und machte sich auf den Weg in den Wäschekeller.

Die Tür ließ er angelehnt.

* Fin *

Comments

(Anonymous)

Ein großartiger letzter Satz! Der ist dir wirklich gelungen. Und auch die Geschichte mag ich, obwohl Thiel doch recht viel übers Alter nachdenkt ... Hat er doch nicht nötig ;)
VG Khookh
Danke! Ich bin mit dem letzten Satz auch zufrieden, obwohl ich beim Schreiben noch gar nicht wußte, daß es der letzte werden würde ;)

Hat er doch nicht nötig
Stimmt <3
❤❤❤ Wundervoll.

und sah Boerne nach, der federnden Schrittes zur Wohnungstür eilte
"Was ich nicht kann, mach' ich mit Schwung", ja, um jetzt mal einen O-Ton aus dem Verstehen Sie Spaß-Beitrag aufzugreifen.

Beim Spruch zur Altersweitsichtigkeit bin ich auch hellhörig geworden; vllt., weil es mir so vertraut vorkommt, da dies seit ca. fünf Jahren im Familienkreis immer ein brandheißes Thema ist. Sprich, da muss auch nur eine Person den Arm etwas weiter ausstrecken, um etwas zu lesen, und dann läuft der gleiche Film ab wie hier bei Boerne und Thiel.

Wenn's nach mir geht, darf Thiel demnächst auch gerne mit Lesebrille herumlaufen ❤ witzig find' ich ja, dass man in dem Beitrag sieht, wie AP vor dem Take ja genau selbige trägt und noch mal ins Skript schaut.

(und apropos Verstehen sie Spaß...my, oh my. Fremdscham-Alert. Ich hab' mich da erst heute rangetraut, und das in erster Linie nur, weil ich keinem bts-Beitrag widerstehen kann und, irrsinnigerweise, dank der ganzen Dailysoap-Filmerei im November tatsächlich das Gefühl hatte, Regie & Crew wären sowas wie alte Bekannte, die ich gerne noch mal in action sehen wollte. Naja, jedenfalls habe ich die Hälfte des Beitrags gefühlt durch vors Gesicht geschlagene Hände gesehen und ugh...das einzig wirklich lustige waren Prahl und Liefers. Apropos, die beiden = Heilige?! Ernsthaft. Vllt. lag's daran, dass sie einen besonders guten und entspannten Tag hatten, wahrscheinlich auch daran, dass Regie & Co ruhig geblieben und somit den Ton und die Atmosphäre vorgegeben bzw. maßgeblich beeinflusst haben, aber wie humorig sie das gehandhabt haben, nach mehr als einer Stunde, wahnsinn. Vllt. sind es auch nur meine laienhaften Vorurteile, aber ich hätte mich das nicht unbedingt getraut und bin auch überzeugt, dass so ein Stunt auch ganz andere Reaktionen hervorrufen würde, je nach dem, an wen man so am Filmset gerät.)
Danke! <3

Ich persönlich finde Thiel mit Lesebrille ja ausgesprochen niedlich ... von daher darf er die gerne auch mal offiziell tragen ;) AP hat wohl schon länger eine, kein Wunder, die Altersweitsichtigkeit setzt so ab 40, Mitte 40 ein. Mein Mann hat inzwischen kapituliert, bei mir fängt es ganz, ganz zaghaft an. Da wir aber beide eh schon lebenslange Brillenträger sind, war das keine große Umstellung. Wobei ich zugeben muß, daß mich die Vorstellung, bald auch im Nahbereich nix mehr zu sehen, schon ein bißchen deprimiert *seufz*

"Was ich nicht kann, mach' ich mit Schwung", ja, um jetzt mal einen O-Ton aus dem Verstehen Sie Spaß-Beitrag aufzugreifen.
*snicker*
Na wenigstens da sind sich Cantz und Hinter und ich einig über den Charakter ;)

Was Verstehen sie Spaß angeht - ich habe mir tatsächlich nur den Werbeclip angesehen. Ich würde zwar AP und JJL gerne sehen, aber ich finde die Sendung auch so schrecklich, daß ich mich nicht überwinden kann. Und Zeit hab' ich ja eh zu wenig ... Wenn's noch in der Mediathek ist, gehe ich vielleicht nochmal im Schnelldurchlauf durch, mal sehen.
Wobei ich zugeben muß, daß mich die Vorstellung, bald auch im Nahbereich nix mehr zu sehen, schon ein bißchen deprimiert
Verständlich :/ Das ist zwischen meiner Mutter und mir immer ein kleiner Aufreger; sie muss sich 'nur' mit Altersweitsichtigkeit rumschlagen und meckert aber in einer Tour darüber, wie unpraktisch das ist mit Brille und nichts mehr lesen zu können ohne yada yada yada...like...Mother...versuch mal, durch den Wald zu laufen und dann ständig Baumstämme mit Hunden (oder andersrum) zu verwechseln. And do you hear me complaining? ;) Naja, wie habe ich letztens noch gehört? "Ich gehe ohne Brille aus dem Haus, weil ich nicht weiter als drei Meter sehen will. Meine Kurzsichtigkeit ist der letzte Luxus, den ich mir leisten kann." Fand' ich sehr schön.

Du musst Dich gar nicht beeilen wegen der Mediatheksdeadline, der offiziellen VSS-Youtube-Kanal hat den Ausschnitt hochgeladen >> https://www.youtube.com/watch?v=8aoHq3JWdBE (für einen regnerischen Tag oder so)
Ach, das war auch wieder sehr schön <3
Dass Boerne ihm beim Wäschesortieren helfen muss, finde ich eine großartige Idee! Außerdem ist das mit der Weitsichtigkeit ja eigentlich wirklich schon überfällig bei Thiel. Aber na ja, es ist ja Fiktion, da kann man wohl darüber hinwegsehen. ;)

Boerne sah er genauso scharf wie immer.
Ich war ja etwas enttäuscht, dass du nicht "Boerne sah genauso scharf aus wie immer" geschrieben hast. :DD

Du hast beiden mal wieder sehr schön eingefangen, genau wie den Moment. Danke dafür <3
Ich war ja etwas enttäuscht, dass du nicht "Boerne sah genauso scharf aus wie immer" geschrieben hast. :DD
Ganz ehrlich - beim nochmal drüberlesen ist mir der Satz natürlich sofort ins Auge gefallen und ich habe tatsächlich überlegt, ihn in die Richtung zu ändern. :D aber dann wollte ich doch nicht so dick auftragen ... außerdem denkt das sowieso anscheinend jeder gleich beim Lesen ;)

Danke Dir für den lieben Kommentar!