?

Log in

No account? Create an account
BT_Wandern

October 2018

S M T W T F S
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031   

Büttenwarder

Powered by LiveJournal.com
BT_Blick 1

Die Abstimmung II

Sommerchallenge: Schreibaufgaben – Ich-Form – fürs Team
Team: Rapunzel
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 6
Genre: Humor, Freundschaft
Handlung: Eine Art Fortsetzung zu „Die Abstimmung“.
A/N: Boerne muß natürlich mehr Worte machen ;)
Länge: 582 Wörter
Zeit: 45 Minuten

***


Ich hatte es doch gewußt, der Rauschmittelkonsum des alten Thiel hatte mittlerweile bedenkliche Ausmaße erreicht! Die Gefährlichkeit von Cannabis wurde eben doch unterschätzt. Oder waren das schon die ersten Zeichen einer beginnenden Altersdemenz? Bloß weil ich es damals mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hatte – aus völlig nachvollziehbaren wirtschaftlichen Interessen! – und Onkel Gustav was von einer Ehe mit Thiel erzählt hatte, hieß das doch noch lange nicht, daß ich jemals ernsthaft auf den Gedanken käme nochmal zu heiraten. Nein danke, ein Erlebnis dieser Art hatte mir wirklich gereicht. Und überhaupt, ich und Thiel, das war doch einfach lächerlich! Gut, er war mir damals als erster eingefallen, als mich Gustav nach einem Namen gefragt hatte, aber das wollte nichts heißen. Außer daß das Gehirn in solchen Momenten eben gerne zum naheliegendsten sprang. Das ließ sich alles völlig logisch erklären.

Und wieso starrten jetzt eigentlich alle so, als würden sie ernsthaft eine Antwort auf diese Frage erwarten? War das so eine Art Massenhysterie, ausgelöst von Thiel Senior? Ich fixierte Alberich, die vor Spannung den Atem anzuhalten schien. Hatte sie mich etwa deshalb überredet, heute Abend mitzukommen? Das war mir doch gleich irgendwie merkwürdig vorgekommen. Es war ja nicht so, daß ich diesen Fortschritt nicht begrüßen würde, aber deswegen gleich eine Feier? Aber gut, zu dem Zeitpunkt hatte ich mir nichts weiter dabei gedacht, außer daß Alberich eben gerne feierte und jede Gelegenheit zu einem geselligen Beisammensein ergriff. Und daß es mich nicht gewundert hätte, wenn sie sich in der Sache engagiert hätte – sie verteidigte ja gerne die Rechte der Entrechteten, wahrscheinlich, weil sie selbst zu einer kleinen Minderheit gehörte. Mit Betonung auf klein.

Oder war das alles ein besonders elaborierter Scherz, und die Staatsanwältin würde gleich ein großes „Erwischt!“ Schild hinter ihrem Rücken hervorziehen? Zuzutrauen wäre es ihr. Am Ende lief da wieder so eine Wette zwischen ihr und Thiel – ich hatte es ja mittlerweile fast schon aufgegeben, diese kleinen Fehden der beiden zu verfolgen.

Apropos Thiel – was redete der denn da eigentlich? Ich sah zur Seite und mußte an mich halten, um ihn nicht zu unterbrechen. Das klang ja gerade so, als wäre es völlig abwegig, daß irgendjemand mit mir … Als ob sich Thiel nicht glücklich schätzen könnte, wenn ich mit ihm! Wer würde es denn sonst mit so einem miesepetrigen Biertrinker und Fußballfanatiker aushalten? Wer außer mir würde es klaglos hinnehmen, daß er den größten Teil aller Unterhaltungen alleine bestreiten mußte? Wirklich, Thiel konnte froh und dankbar sein, daß ich –

Oha. Beinahe hätte ich das laut gesagt. Das wäre der Thielschen Überzeugungsarbeit jetzt vielleicht doch ein wenig abträglich gewesen. Auch wenn das natürlich alles rein platonisch gemeint war. Oder vielmehr nicht platonisch, wenn ich genauer drüber nachdachte. Weil Platon ja … Aber das führte jetzt weg vom Thema. Stattdessen pflichtete ich Thiel bei. Absurd. Vollkommen hirnrissig. Das „Was hast du heute Morgen denn geraucht!“ überließ ich allerdings nur Thiel, so nah stand ich dem Senior nun auch wieder nicht. Zum Glück. Wobei, bei dem Gedanken, Thiel Senior als neuen Schwiegervater Hanne vorzustellen, überkam mich eine in diesem Moment etwas unpassende Heiterkeit, die sich nur schwer wieder dämpfen ließ.

Der Möchtegern-Schwiegervater wirkte derweil langsam ein wenig geknickt. War also wohl doch kein dummer Scherz gewesen. Und auch der Rest der Festgesellschaft machte einen etwas bedröppelten Eindruck. Ich klopfte Thiel, der mittlerweile bedenklich rot angelaufen war und immer lauter wurde, beruhigend auf die Schulter, was ihn zum Glück in seiner Tirade stoppte.

Aber wirklich – wie kamen die nur auf solche Gedanken?


* Fin *

Comments

Haben mir beide gut gefallen. :D
...wer sonst würde es klaglos hinnehmen, dass er den größten Teil der Unterhaltungen alleine bestreiten musste...
Öhm ja, so kann man das natürlich auch sehen. *lol*
Boerne sieht das garantiert so ;) Sein Geschenk an die Menschheit, sozusagen ... Und mal ganz im Ernst, ich glaube sogar, daß Thiel das tatsächlich meistens gut findet, weil er dann selbst nicht so viel reden muß. Da ich selbst zu den stilleren Zeitgenossen gehöre, weiß ich, wie erleichternd das sein kann.

Danke für die Rückmeldung!
Die Ich-Perspektive ist wirklich ... ungewohnt :D Schon lustig irgendwie und interessant, wenn man darüber nachdenkt, dass ich das in Büchern zum Beispiel gar nicht ungewöhnlich finde und auch beim Schreiben von anderen Geschichten oder Gedichten schreibe ich meistens aus der Ich-Perspektive. Aber bei uns ist man halt einfach sehr an den personalen Erzähler gewöhnt :D
Hat sich trotzdem gut gelesen!

weil sie selbst zu einer kleinen Minderheit gehörte. Mit Betonung auf klein.
Hihi. Er kann es einfach nicht lassen ...

Das klang ja gerade so, als wäre es völlig abwegig, daß irgendjemand mit mir … Als ob sich Thiel nicht glücklich schätzen könnte, wenn ich mit ihm!
Das ist SO Boerne, bwahahaha! Die Vorstellung einer Hochzeit ist natürlich *völlig* abwegig, aber nur solange er das sagt!

Wobei, bei dem Gedanken, Thiel Senior als neuen Schwiegervater Hanne vorzustellen, überkam mich eine in diesem Moment etwas unpassende Heiterkeit, die sich nur schwer wieder dämpfen ließ.
*pruuust*
Das würde ich wirklich gerne lesen!

Eine schöne Idee, das aus beiden Sichtweisen lesen zu können!
Aw, Du hast ja mal wieder einen Kommentar-Marathon veranstaltet :D Das ist immer schön zu lesen, weshalb ich mal schnell als erstes hier reagiere, auch wenn sich in der Woche Urlaub das ein oder andere angestaut hat ;) vom Selbst-Schreiben ganz zu schweigen ... arg Heute ist das Wetter gekippt und ich sitze deshalb seit Tagen das erste mal wieder am Laptop.

Was die Ich-Perspektive angeht - ich habe irgendwo (vermutlich auf tumblr) gelesen, daß das früher (19. Jh. und früher) wohl gängig gewesen sei. Heute empfindet man es aber eher als ungewohnt. Zu schreiben war es eigentlich nicht schwer, fand ich, aber beim Lesen stolpere ich doch immer wieder ein wenig drüber.

Hihi. Er kann es einfach nicht lassen ...
*snicker*
Ja, allerdings ... und ich bin immer wieder überrascht, daß mir *noch* ein blöder Kommentar einfällt. Das muß der innere Boerne sein, der da nach außen drängt ;)

Das würde ich wirklich gerne lesen!
Wenn mich irgendwann mal die Muse küßt ... lustig ist die Idee ja schon, auch wenn ich glaube, daß sie in Boernes Vorstellung noch viel lustiger ist, als sie sich in echt abspielen würde.

Eine schöne Idee, das aus beiden Sichtweisen lesen zu können!
Danke, das freut mich!

Aw, Du hast ja mal wieder einen Kommentar-Marathon veranstaltet :D
Jaaa! :D Du weißt ja, bei mir geht das meistens eher wellenartig vonstatten :D

Das mit der Ich-Perspektive ist ja interessant! Wusste ich gar nicht. Wobei ich das in Büchern wirklich nicht komisch finde. Das könnte allerdings auch daran liegen, dass sehr viele Kinder- und Jugendbücher aus der Ich-Perspektive geschrieben sind (oder bilde ich mir das jetzt ein?)

Ja, allerdings ... und ich bin immer wieder überrascht, daß mir *noch* ein blöder Kommentar einfällt. Das muß der innere Boerne sein, der da nach außen drängt ;)
LOL! Geht mir aber genauso :D