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Das war ein Fehler

120 Minuten Challenge: Angst - verlorener Schlüssel – fürs Team
Team: Rapunzel
Fandom: Tatort Münster
Genre: Angst (oder so was ähnliches …), aber auch ein bißchen Humor
Handlung: Thiel macht was Dummes.
Länge: ~ 1000 Wörter
Zeit: ~ 100 Minuten
A/N: Angst ist einfach nicht mein Genre …

***


In Ordnung. Er sah es ein, die Idee war Mist gewesen. Sich nach Feierabend den Tatort nochmal anzusehen, mitten im Wald, und das alleine – was hatte er sich dabei gedacht! Thiel stützte die Hände auf die Oberschenkel und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Erst einmal hatte das alles rein gar nichts gebracht. Dann hatten ihn Schüsse in der Ferne aufgeschreckt und der Gedanke daran, daß es womöglich gerade Jagdsaison war und er in seiner beigen Jacke vermutlich leicht mit einem Reh oder so zu verwechseln, hatte nicht unbedingt zu seiner Beruhigung beigetragen. Und dann, als er schon wieder auf dem Weg zurück zum Auto gewesen war, war plötzlich ein riesiges schwarzes Vieh neben ihm aus dem Gebüsch gedonnert. Er war um sein Leben gerannt, querfeldein, durch Gestrüpp und zwischen Bäumen hindurch, immer weiter, bis er nicht mehr konnte. Zum Glück hatte sein Verfolger vorher aufgegeben. Er richtete sich wieder auf und lauschte. Nichts. Also jedenfalls nicht mehr als die üblichen Geräusche im Wald. Vermutete er wenigstens. Er war nicht so oft im Wald. Deshalb hatte er auch überhaupt keine Ahnung gehabt, daß Wildschweine so groß wurden. Und so aggressiv.

Aber gut, das Ganze war jetzt ja nun nicht mehr zu ändern, er würde das einfach als dumme Idee und Fehlschlag verbuchen. Und jetzt mußte er nur noch zum Auto zurück finden. Und weitere Begegnungen mit Wildtieren vermeiden. Und das zackig, es dämmerte nämlich schon.

***


Bis er das Auto endlich gefunden hatte, war es schon fast dunkel. Vor Erleichterung kamen ihm beinahe die Tränen. Das durfte er echt niemandem erzählen, daß er sich im Münsteraner Stadtwald verlaufen hatte. Und jetzt nix wie heim, der Magen knurrte ihm auch schon gewaltig. Erleichtert griff er in die Jackentasche nach dem Autoschlüssel.

Und in die andere Tasche.

Und in die Hosentaschen. Vorne, hinten und zur Sicherheit noch mal vorne.

Das durfte doch nicht wahr sein! Fluchend zerrte er sich die Jacke vom Leib, um sie noch einmal gründlich zu durchsuchen.

Nichts.

Irgendwo auf der Flucht vor dem Wildschwein mußte ihm der Schlüssel aus der Tasche gerutscht sein.

Thiel rüttelte panisch an der Autotür. Natürlich abgeschlossen. Nicht daß ihm das ohne Schlüssel viel genutzt hätte. Aber wenigstens hätte er sich dann ins Auto setzen können, statt hier alleine nachts im Wald zu stehen. Er zog die Jacke fröstelnd wieder an und fluchte noch einmal. So ein verdammter Mist, heute ging aber auch alles schief. Und jetzt? Zum Laufen war das zu weit, ganz abgesehen davon, daß es mittlerweile stockduster war. Und wo ein Wildschwein war, gab es vermutlich auch noch mehr. Die lebten doch in Herden. Rotten, hörte er Boernes Stimme in Gedanken. Wildschweine leben in Rotten. Thiel seufzte. Na super. Tips zum Überleben in der Wildnis wären ihm jetzt lieber gewesen. Warum mußte er sich jetzt ausgerechnet an so was erinnern?

Erst als ihn der Ruf einer Eule ganz in der Nähe zusammenzucken ließ, fiel ihm sein Handy wieder ein. Manchmal stand er echt auf dem Schlauch. Was Boerne dazu jetzt wieder zu sagen gehabt hätte, wollte er sich gar nicht vorstellen. Schnell griff er nach dem Handy, das zum Glück fest und sicher in der Innentasche seiner Jacke steckte, und rief seinen Vater an. Aus dem Augenwinkel sah er, daß der Akku nur noch auf einem Balken war. Aber für ein ganz kurzes Telefonat würde es sicher noch – Und dann ging Herberts AB ran. Wo trieb der sich denn schon wieder rum um diese Uhrzeit! Hastig gab er seinen Standort durch, so genau er das beschreiben konnte, und legte auf. Das Handy signalisierte ihm mittlerweile schon, daß es sich in Kürze verabschieden würde. Thiel holte tief Luft. Kurzentschlossen wählte er Boernes Nummer. Der war eigentlich immer zu erreichen und der Spott war ihm jetzt auch egal. Und wirklich, nach dreimal Klingeln hob Boerne ab. Er fiel dem anderen sofort ins Wort, es konnte sich nur noch um Sekunden handeln, bis sein Akku den Geist aufgab.

„Boerne, ich steh hier im Stadtwald und komme nicht mehr weg. Ich brauche –“

Das Handy verabschiedete sich mit einem schrillen Piepsen. Er versuchte es noch ein paar Mal, obwohl er natürlich wußte, daß das keinen Sinn hatte. Das Ding war tot.

Und dann wurde ihm bewußt, wie dunkel es inzwischen war. Und wie unheimlich. Und wie kalt. Er schlang die Arme um den Oberkörper und versuchte, ein Schaudern zu unterdrücken. Ab welchen Temperaturen wurde das eigentlich gefährlich? Und wie kalt wurde es um diese Jahreszeit nachts im Wald? Sollte er irgendwo Schutz suchen? Aber wo, er sah ja kaum die Hand vor Augen. Und er wollte sich lieber nicht vorstellen, was er hier nachts so aufschrecken konnte. Unwillkürlich rückte er näher ans Auto. Und dann, weil ihm nichts Besseres einfiel und er die Nacht kaum stehend verbringen konnte, rutschte er nach unten und lehnte sich gegen die Fahrertür. Irgendetwas raschelte, und irgendetwas rief in der Ferne. Und auch in der Nähe. Thiel schluckte. Bestimmt gab es hier nichts Gefährliches, nur daß es kalt und feucht und unbequem war. Das war hier schließlich ein mitteleuropäischer Wald und nicht irgendeine Wildnis.

Trotzdem hatte er sich in seinem ganzen Leben noch nicht so einsam und verlassen gefühlt. Wie viel Boerne wohl noch gehört hatte? Aber selbst wenn Boerne den Anfang noch gehört hatte, hatte er überhaupt gesagt, wo er genau war? Daß sein Vater heute Nacht noch seine Nachrichten abhören würde, war eher unwahrscheinlich. Herbert war da chronisch unzuverlässig, er wußte gar nicht, warum der überhaupt einen AB hatte. Und außerdem stand zu befürchten, daß er gar nicht mehr nach Hause kommen würde diese Nacht, seit er mit dieser Monika … oder hieß sie Michaela? Egal, auf Herberts Hilfe konnte er vermutlich nicht hoffen.

Er würde abwarten müssen, bis es hell wurde, und dann die Strecke bis zur Straße zu Fuß.

Wann wurde es im Moment eigentlich hell? Etwas flatterte im Dunkeln über seinen Kopf und er drückte sich mit klopfendem Herzen näher ans Auto.

Nur keine Panik. Die paar Stunden würde er sicher überstehen. Er hätte es beinahe laut gesagt, es war ja sowieso niemand da, der ihn hören würde. Aber der Klang seiner eigenen Stimme in der Dunkelheit war so unheimlich, daß er nach dem ersten Wort stoppte.

Und dann fing es an zu regnen.

* Fin *

Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, p: thiel / boerne
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