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BT_Wandern

October 2018

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Büttenwarder

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BT_Wandern

Selbstgestrickt (Adventskalender: 17. Dezember)

Rating: P 6 / P 12
Genre: Slash, Überraschung ;)
Handlung: Thiel bekommt ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Boerne auch.
Länge: 700 Wörter
Beta: califor_nia (Danke!)

~*~*~*~

  "Was ist das denn für ein kleidsamer ... Schal?"

  "Hat mir mein Vater geschenkt. Selbstgestrickt." Thiel seufzte und warf Boerne einen bösen Blick zu, was den anderen offenbar dazu veranlaßte, sein Lachen zu unterdrücken.

  "Es ist doch noch gar nicht Weihnachten, hat Ihr Vater da vielleicht etwas durcheinander ..."

  "Er ist weg über die Feiertage, deshalb hat er mir das Ding schon vorher gegeben." Thiel sah mürrisch an sich hinunter und fragte sich nicht zum ersten Mal, was sich Herbert eigentlich dachte. Und wie er damit von den Kollegen und Mitarbeitern noch ernstgenommen werden sollte.

  "Ich weiß gar nicht, worüber Sie sich beschweren, mein lieber Thiel", erklärte Boerne auch noch scheinheilig. "Das ist doch ein wirklich sehr hübsches Kleidungsstück ... Und Ihr Vater hat sich die Mühe gemacht, gleich mehrere Meter davon selbst zu stricken ..."

Das reichte nun wirklich! Er zerrte sich den Schal vom Hals und schlang ihn um Boerne. "Wenn er Ihnen so gut gefällt, können Sie ihn gerne haben!"

  "Aber nicht doch ..." Boerne hielt seine Hände fest und lächelte ihn an. "Ihr Vater wäre sicher sehr enttäuscht, wenn er wüßte, daß Sie sein Geschenk weitergeben. Das müssen Sie schon selbst tragen."

Thiels Herz schlug ein bißchen schneller, als Boerne ihm den Schal mit bedächtigen Bewegungen sorgfältig wieder um den Hals wickelte. Hoffentlich kam jetzt nicht gerade jemand ins Büro. Er hatte Boerne doch schon hundertmal gesagt, daß er ...

  "Und alle Farben des Regenbogens, wirklich sehr aufmerksam ..." Boerne lächelte noch mehr, und natürlich kam in diesem Moment jemand ins Büro. Nadeshda, um genau zu sein. Er rückte unauffällig von Boerne ab, und der andere ließ ihn los. Zum Glück hatte Boerne inzwischen akzeptiert, daß ihm wohler war, wenn nicht alle von ihrer Beziehung wußten. Und mit "nicht alle" meinte er genaugenommen niemand. Daß sie sich außerhalb der eigenen vier Wände immer noch siezten, ging auch auf sein Konto. Am Anfang hatten ihre unterschiedlichen Positionen in dieser Beziehungssache für reichlich Streit gesorgt. Aber inzwischen war ihm klar, daß der andere seinen Wunsch im Grund respektierte, auch wenn er ihn immer noch ganz gerne in kritische Situationen brachte. Was an sich schon sehr ungewöhnlich war, vor allem, weil er ebenso gut wußte, daß Boerne die Heimlichtuerei gar nicht gefiel.

Er schüttelte den Gedanken ab und räusperte sich. "Was gibt's, Nadeshda?"

  "Ich suche was ..."

  "Das sehe ich. Und was?"

Seine Kollegin schaute zu ihnen herüber. "Was ist das denn?"

  "Geschenk. Von meinem Vater", knurrte Thiel. "Sagen Sie mir lieber, was ..."

  "Ein Regenbogenschal, wie niedlich. Ist Ihrem Vater endlich aufgegangen, daß sie zwei zusammen sind?" Nadeshda hatte offenbar nur mit halbem Ohr zugehört und suchte schon wieder weiter in ihren Unterlagen.

Thiel brauchte ein paar Sekunden, bis er verarbeitet hatte, was Nadeshda da gerade gesagt hatte. Als er endlich einen Anlauf nahm, um sie zu korrigieren, sah er Boernes Blick. Nicht unbedingt traurig, eher ... resigniert. Er schloß den Mund wieder und sah zu Nadeshda, die weiter in ihren Unterlagen kramte und nicht im geringsten erstaunt schien. Seit wann hatte sie das schon gewußt? Und wer wußte sonst noch alles Bescheid?

  "Sieht so aus." Er war selbst ein bißchen überrascht, daß er das gesagt hatte.

Nadeshda wedelte triumphierend mit dem Aktenhefter und lächelte ihn an.

  "Wurde aber auch Zeit." Sie hielt ihm die Akte unter die Nase. "Hier! Ich wußte doch, daß ich den Kerl von irgendwoher kenne. Vor fünf Jahren hatten wir ihn schon mal wegen des gleichen Verdachts hier. Die Anzeige wurde zurückgezogen, deshalb ist er nicht mehr im System. Aber in meiner Handakte!"

Thiel räusperte sich. "Sehr gut. Dann ... übernehmen Sie mal die nächste Vernehmung."

Sie strahlte ihn an und war aus dem Büro, bevor er noch mehr sagen konnte.

Während er auf die Tür starrte, die sich hinter Nadeshda geschlossen hatte, konnte er Boernes Blick regelrecht in seinem Nacken spüren. Er war wirklich dämlich gewesen.

  "Tut mir leid, daß ich mich so angestellt habe ..."

  "Mhm." Boerne war so nah hinter ihn getreten, daß er ihn fast berührte. Thiel lehnte sich ein wenig zurück, um die Lücke zu überbrücken, und ließ sich in die Arme nehmen.

  "Glaubst du, Herbert hat das absichtlich gemacht?"

  "Ich glaube, ich schulde deinem Vater ein stattliches Weihnachtsgeschenk. So oder so."
 
~*~*~*~ Fin ~*~*~*~

Comments

Aww, ein sehr schönes 17.tes Türchen.
Mir gefällt die Idee so gut, dass Nadeshda das einfach ihm vorbeigehen erwähnt ~♥
Danke!

Es ist mir gar nicht so leicht gefallen, ihren beiläufigen Tonfall hinzukriegen. Schön, daß es Dir gefallen hat!
Ich höre es beim Lesen tatsächlich in ihrer Stimme und mit ihrer Betonung. Das hast Du wirklich hinbekommen, die Mühe hat sich gelohnt.
"Was ist das denn für ein kleidsamer ... Schal?" Boerne kann mit einem harmlosen Satz seine Meinung ganz klar machen.....

Eine schöne Geschichte. Ich kan mir vorstellen, dass Thiel nicht will dass andere Leute von ihrer Beziehung wissen. Ich glaube dass er selbst noch nicht so ganz versteht warum er Boerne liebt.
Boernes und Herberts Meinung in Sachen Mode gehen sicher weit auseinander :)

Ich denke auch, daß Thiel sich bedeckt halten würde - nicht nur wenn es sich um Boerne handeln würde, sondern generell. Boerne hingegen würde es kaum ein paar Stunden aushalten, ohne die Neuigkeit in die Welt zu posaunen ... ;)
Tee-hee-hee. Klasse! Gefällt mir sehr. Eine tolle Idee.
Danke! Established Relationship und alles in der Richtung ist ja nicht so meins, von daher freut es mich sehr, daß das auch Anklang findet :)
Du weißt ja schon, wie gut mir die Geschichte gefällt... aber über den ersten Satz muss ich auch nach dem 10. Lesen noch lachen!
Und mir ist irgendwie erst soeben aufgefallen, wie wunderbar mehrdeutig Nadeshdas "Wurde aber auch Zeit" ist :)

Übrigens könnte ich schwören, dass Vater Thiel gestern neben mir an der Ampel stand *lach* Ein altes Taxi, am Steuer ein etwas älterer Herr, mit grauen Haaren und Pferdeschwanz... der hat sich wahrscheinlich auch gefragt, warum ihn eine Radfahrerin total fasziniert anglotzt ;-DD
Herbert sieht ja schon recht lebensecht aus - ich habe auch schon diverse Taxifahrer erlebt, die in die Richtung gingen ;)

Ich freu' mich, daß Dir die Geschichte immer noch Spaß macht :D Du hast ja auch zum Gelingen beigetragen!

Boernes Tonfall und Gesichtsausdruck zum ersten Satz kann ich mir übrigens auch hervorragend vorstellen ...
"Wurde aber auch Zeit"
Diese Mehrdeutigkeit war gar nicht intendiert ... aber natürlich kann man das auch so lesen ;)
Hach ne wat schön^^

Ein Schal, in Regenbogenfarben... sehr subtil Herr Thiel sen., sehr subtil... Der Schal zu Thiels Wüstenurlaub in Ruhe Sanft war wohl nur eine Aufwärmübung ; )

Besonders gut hat mir dieses Mal Boerne gefallen mit seinen hinter harmlosen Bemerkungen versteckten Spötteleien.
Und Ihr Vater hat sich die Mühe gemacht, gleich mehrere Meter davon selbst zu stricken ...

Allein das Bild :D Thiel mit einem bunten Ungetüm von Schal um den Hals, das wahrscheinlich mit beiden Enden noch über den Boden schleift ; )

Und dann dieses sich nach hinten lehnen von Thiel, das vermittelt so eine Vertrautheit zwischen den beiden :3
Danke!

Ich fand die Schalszene im Original schon klasse - das traf das Verhältnis erwachsener Kinder zu ihren Eltern doch ganz gut (bzw. die nervenden Momente, die man dann so mit seinen Eltern erlebt ...).

Jetzt sehe ich übrigens auch Thiel vor mir mit einem viel zu langen Schal :) Und Herbert traue ich solche ... subtilen ... Hinweise durchaus zu ;)

Edited at 2011-12-17 04:10 pm (UTC)
Eine wunderschöne Geschichte!

Es sind viele ganz tolle Sätze darin, aber besonders romantisch finde ich ja "Boerne hielt seine Hände fest und lächelte ihn an" und "Thiels Herz schlug ein bißchen schneller, als Boerne ihm den Schal mit bedächtigen Bewegungen sorgfältig wieder um den Hals wickelte". Man kann da schon ahnen, dass mehr hinter ihrer Beziehung und dem Geschenk steckt.
Danke!

Ja, es war so geplant, daß man am Anfang schon Verdacht schöpfen kann, aber wenn mglich sollte die Leserin nicht zu schnell wissen, was gespielt wird ;)

Schwierige Sache, v.a. mit dem Sie und Du im Deutschen - in einem englischen Text ginge das viel einfacher.

Das in den Schal einpacken habe ich ein wenig von Cara geklaut, die eine ähnliche Szene geschrieben hat (in Wetteifer), die es mir auch sehr angetan hat ...

romantisch
Das hoffe ich doch :D Ich habe mein Bestes gegeben ...
Das mit dem Sie und Du hast Du doch gut gelöst. Das ist mir nämlich schon aufgefallen, dass Thiel ja dann ganz am Ende das Du verwendet - als zusätzliches Bekenntnis zu Boerne.
Ja nun, da war ja die Katze aus dem Sack, und weiteres Siezen wäre ziemlich unsinnig gewesen.

Ich denke auch, daß es geht, aber im englischen wäre es noch unauffälliger/einfacher. Oder wenn die zwei sich im Canon duzen würden, dann hätte man den Beziehungsstatus auch nicht gleich in der Anfangsszene erraten.
Ich liebe Frotzeleien! Deshalb finde ich Boernes "subtile" Kommentare zu Thiels Schal am Anfang der Geschichte auch einfach herrlich! Und es ist genau die Sorte Humor, die bei mehrfachem Lesen noch mehr gewinnt: Ab dem zweiten Durchgang weiß man als Leser ja, was das "Besondere" an dem Schal ist.
Den typischen Nadeshda-Tonfall hatte ich auch gleich im Ohr als ich ihren Kommentar zum Regenbogenschal gelesen habe. :)

Übrigens traue ich es "Vaddern" Thiel sogar durchaus zu, Thiel so einen Schal zu stricken, ohne sich groß was bei der Farbauswahl zu denken: "Ach, die Farben? Daran hab ich jetzt gar nicht gedacht. Ich hatte da eben noch so Wollreste... Aber du trägst ihn doch trotzdem, oder? Ist schließlich selbstgestrickt..." :D

(Hatte eigentlich noch jemand außer mir an dieser Stelle eine nicht so ganz passende Assoziation zu "Der Regenbogenfisch"? ... :D)
Und es ist genau die Sorte Humor, die bei mehrfachem Lesen noch mehr gewinnt: Ab dem zweiten Durchgang weiß man als Leser ja, was das "Besondere" an dem Schal ist.
Danke :) Ja, das ist ein positiver Seiteneffekt solcher Geschichten mit unerwarteter Wendung - der Anfang bekommt beim nochmaligen Lesen dann eine andere Bedeutung. Ich mag das immer ganz gern (da ich ohnehin so ziemlich alles mehrfach lese ...).

Ob Herbert sich was bei der Farbwahl gedacht hat oder nicht, habe ich für mich selbst gar nicht entschieden. Ich kann mir beides vorstellen. Sowohl, daß er einfach nur auf hübsch bunt steht als auch, daß er seinem Sohn einen WInk mit dem Zaunpfahl geben will. Wobei Herbert vermutlich eher mit der Tür ins Haus fallen würde, statt irgendwas halbwegs subtiles zu versuchen .. hm. Also vielleicht doch Wollreste?
Achja, "Regenbogenfisch" sagt mir gar nix - kannst Du mich erhellen?
"Der Regenbogenfisch" ist ein Bilderbuch für Kinder von Marcus Pfister, das 1992 zum ersten Mal erschienen ist und in dem es um einen Fisch mit schön glitzernden Schuppen geht - eben in allen Farben des Regenbogens -, der zuerst keine Freunde findet, weil er arrogant ist. Als er diese Arroganz aufgibt und anfängt, seine schönen Schuppen mit anderen zu teilen, findet er Freunde.
Also quasi eine Geschichte, die Kindern zeigen soll, dass man viel besser miteinander auskommt, wenn man seine Süßigkeiten teilt oder sein Spielzeug auch mal anderen Kindern ausleiht.

Das Buch gab es damals bei uns in der Grundschule und ich habe sogar ein Regenbogenfisch-Lesezeichen aus dieser Zeit. :)
Ich bin mir ja nicht sicher, ob Herbert sich nicht doch was bei den Regenbogenfarben des Schals gedacht hat ...
Siehe oben, ich kann mir beides gut vorstellen. Wobei ich bei längerem Nachdenken dazu neige, daß es ein Zufall war, denn Herbert würde bei einem entspechenden Verdacht bestimmt nicht nur still und leise einen Schal stricken ... sondern seinen Junior in nervige Gespräche verwickeln und ausfragen ;)