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BT_Wandern

December 2018

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Büttenwarder

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Mitleid

Sommerchallenge: h/c – Joker (Inspiration: diese Geschichte von nachanca, und zwar dieser Satz „You deserve better. (…) We all do.“– fürs Team)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Pre-Slash, h/c
Handlung: Post-Ep zu „Gott ist auch nur ein Mensch“. Fortsetzung zu „Irrwege“ und „Kommunikationsprobleme“.
Länge: ~ 400 Wörter
Zeit: ~ 30 Minuten


***


„Ah, der kleine Kommissar“, sagt Zoltan. Thiel weigert sich hartnäckig, den Namen „Gott“ zu denken. Überheblicher Bastard, allein dieser Künstlername sagt doch schon alles. „Was verschafft mir die Ehre dieses Besuches?“

Thiel schnaubt. Warum ist er hier? Um mit eigenen Augen zu sehen, daß der Mann stirbt? Er stirbt. Selbst er kann das ohne Probleme erkennen. Er ist so mager geworden, daß sich fast so etwas wie Mitleid in ihm regt. Aber dann denkt er wieder daran, was Zoltan mit Boerne vorhatte, und da ist kein Mitleid mehr, nicht das geringste.

„Ich will wissen, was das soll.“ Er kann nicht anders, er muß kurz zur Seite sehen, zu stechend ist dieser Blick. „Mit Boerne.“

„Immer noch am Ermitteln, mein Lieber?“ Zoltan klingt spöttisch. „Und die Wahrheit immer noch nicht gefunden?“

„Was?“

„Im Gegensatz zu dir hat er Mitleid.“ Zoltan verschränkt die Arme vor der Brust. „Aber keine Angst, ich kann ihn dir nicht mehr wegnehmen.“

Thiel ballt die Fäuste. Manipulativer Bastard. Er hätte nicht herkommen sollen. Mit solchen Menschen kann man nicht vernünftig reden, und außerdem, wer weiß, was von seinem Verstand zu diesem Zeitpunkt noch übrig ist.

„Ich hätte ihn unsterblich gemacht.“ Jetzt ist er weg, dieser stechende Blick, Zoltans Augen sind zugefallen und er schafft es endlich wieder, dem anderen ins Gesicht zu sehen. „Unsterblich. Aber er ist doch nur wie alle anderen, hängt zu sehr an seinem kurzen irdischen Leben.“

Und plötzlich ist es doch da, das Mitleid. Es ist verdammt schwer, kein Mitleid zu haben, wenn man jemanden sieht, den nur noch so wenig vom Tod trennt. Und vielleicht hört er zu viel Schmerz hinter diesen Worten. Den Schmerz darüber, daß das eigene irdische Leben schon so früh vorbei ist. Niemand hat das verdient.

Er bringt trotzdem kein Wort über die Lippen. Immerhin hat der Kerl immer noch versucht, Boerne umzubringen. Und außerdem hätte er sowieso nicht gewußt, was er hätte sagen sollen. Und dann merkt er, daß Zoltan ihn schon wieder ansieht. Amüsiert. So als könnte er seine Gedanken lesen, was er garantiert nicht kann. Er tut nur so, das ist alles Show. Hauptsache, der Effekt stimmt.

„Keine Angst.“ Zoltans Augen fallen wieder zu. „Du findest es schon noch heraus.“

Und bevor er fragen kann, was zum Teufel das jetzt schon wieder bedeuten soll, steckt der Pfleger von vorhin seinen Kopf in die Tür und sagt, daß er jetzt gehen muß. Die zehn Minuten sind vorüber.


* Fin *

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