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BT_Wandern

October 2018

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Büttenwarder

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Verlust

Sommerchallenge: h/c – Joker („Er/Sie ist weg“ aus der h/c Tabelle der Sommerchallenge 2015
) – fürs Team
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: h/c
Handlung: Irgendwann mußte es ja passieren. Boerne ist trotzdem nicht darauf vorbereitet. Post-Ep zu „Gott ist auch nur ein Mensch“. Fortsetzung zu „Irrwege“, „Kommunikationsprobleme“ und „Mitleid“.
Länge: ~ 550 Wörter
Zeit: ~ 60 Minuten


***


Er spricht Boerne nicht noch einmal auf Zoltan an, aber er behält ihn im Auge. Auch nach seinem Besuch auf der Krankenstation der JVA. Zwar macht er sich inzwischen keine Sorgen mehr, daß „Gott“ noch aus dem Gefängniskrankenhaus heraus einen finsteren Plan spinnt, aber das heißt noch lange nicht, daß er sich keine Sorgen mehr um Boerne macht.

Der wiederum erwähnt es nicht, falls er ihn vor der JVA sieht. Er redet weder über Zoltan noch über irgendetwas anderes, was damit zusammenhängt. Und Thiel tut so, als hätte es ihr letztes Gespräch gar nicht gegeben, und als hätten sie nicht beinahe darüber gesprochen, was da los war zwischen Boerne und diesem Mann.

Sie reden über andere Dinge. Unverfängliche Dinge. Über die Arbeit, oder wer an der Reihe ist mit dem Rausstellen der Mülltonnen. Bis Boerne eines Abends vor seiner Tür steht. Er weiß es schon in dem Moment, als er Boerne sieht.

„Er ist weg.“

„Das … tut mir leid.“ Thiel sucht verzweifelt nach etwas Sinnvollerem. Etwas, was nicht so beliebig klingt. Aber Worte waren noch nie seine Stärke.

Boerne nickt. Und dann dreht er sich wieder um und geht zurück in seine Wohnung, bevor Thiel noch mehr sagen kann.

Erst später fällt ihm auf, wie merkwürdig es ist, daß Boerne nicht „er ist tot“ gesagt hat. Er kennt das von anderen Menschen, dieses Vermeiden der Realität, aber er hätte es nicht von Boerne erwartet. Boerne, für den der Tod ein alltägliches Ereignis ist. Der den Tod vielleicht besser kennt als das Leben.


***


Thiel schläft schlecht in dieser Nacht, und am nächsten Morgen tut er das, was er eigentlich schon abends hätte tun sollen, und klingelt bei Boerne um zu fragen, ob er etwas für ihn tun kann. Boerne sieht müde aus, so als habe er überhaupt kein Auge zugemacht. Aber auf seine Frage antwortet er nicht. Er protestiert allerdings auch nicht, als Thiel einen Schritt nach vorne macht und in seine Wohnung kommt.

„Sie sehen aus, als könnten Sie einen Kaffee brauchen.“ Er wartet Boernes Antwort gar nicht ab, sondern geht weiter zur Küche. „Ich setz mal einen auf, O.K.?“

Als er zur Seite sieht, nickt Boerne.


***


Eine ganze Weile sitzen sie nur stumm vor ihren Kaffeetassen. Die Sonne ist zwar schon vor einer ganzen Weile aufgegangen, aber das macht im November und bei diesem Wetter keinen großen Unterschied. Um die Zeitung zu lesen, müßte man Licht anmachen. Um in Boernes Gesicht zu lesen, braucht er kein Licht. Er versteht immer noch nicht wirklich, was Boerne in Zoltan gesehen hat, und wenn er ehrlich ist, will er das auch gar nicht so genau wissen. Zu schmerzhaft ist der Gedanke. Und es ist jetzt ja auch unwichtig. Er weiß vielleicht nicht, warum Boerne trauert, aber er weiß, daß er es tut. Und er kann nicht wirklich helfen, aber wenigstens tut er, was er kann. Boerne kennt ihn ja und weiß, daß er sich mit solchen Dingen schwertut.

„Die Beerdigung ist Freitag.“ Boernes Stimme klingt sehr laut in der stillen Wohnung. Thiel nickt und versucht ein mitfühlendes Geräusch.

„Würden Sie vielleicht …“ Boerne bricht ab und sieht ihn an. „Ich kann natürlich verstehen, wenn Sie nicht –“

„Natürlich kann ich mitkommen.“

Er haßt Beerdigungen. Noch eine Stufe schlimmer als Krankenhäuser. Aber deshalb wird er Boerne noch lange nicht alleine gehen lassen.


* Fin *

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