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Spieglein, Spieglein

Prompt: Charakterschwächen – Eitel – fürs Team
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 6
Genre: Freundschaft, Humor
Handlung: Boerne gibt den Retter in der Not – und läßt sich das was kosten. Hat trotz des Titels nichts mit der gleichnamigen Episode zu tun.
A/N: So richtig habe ich den Geist der Tabelle nicht erwischt, fürchte ich. Aber immerhin, die fragliche Charakterschwäche ist vorhanden. Und ich schreib jetzt einfach mal, ohne weiter zu denken …
Länge: ca. 600 Wörter
Zeit: ca. 40 Minuten


***


„Boerne ….“ Thiel sah demonstrativ auf seine Armbanduhr, aber das ging an Boerne natürlich komplett vorbei. „Wird das heute vielleicht noch was?“

„Reichen Sie mir mal eine Alternative zu dieser Krawatte. Die weinrote sollte passen.“

„Also erstens gebe ich hier nicht den Kammerdiener, und zweitens sind wir schon mindestens zehn Minuten zu spät!“

„Je später der Abend, desto schöner die Gäste.“ Boerne schubste ihn leicht zur Seite und zog eine andere Krawatte aus dem Schrank. Eine? Das waren doch mindestens drei, wenn nicht sogar vier. Er wollte doch wohl jetzt nicht … er wollte. Thiel rollte mit den Augen, während Boerne in aller Seelenruhe eine Krawatte nach der anderen vor sein Hemd hielt, sich eingehend im Spiegel musterte, die Augenbrauen kritisch zusammenzog und zur nächsten griff.

„Wir sind hier zu keiner Opernvorstellung eingeladen, sondern zu einem Termin bei Frau Klemm! Und das war auch keine Einladung, sondern eine Einbestellung!“

Boerne warf ihm einen Seitenblick zu. „Und Sie meinen, in dem Fall ist es egal, wie ich aussehe?“

Thiel war kurz davor, den anderen am Handgelenk zu packen und aus der Tür zu ziehen. Vor allem, als Boerne nach Krawatte Nummer vier wieder zur ersten griff. „Mann, Boerne, Sie sind ja schlimmer als -“

„Schlimmer als was?“

„Nichts.“ Thiel seufzte. Beinahe hätte er als meine Frau gesagt, aber erstens war Susanne nicht einmal halb so eitel gewesen wie Boerne, und dann hatte er noch das Gespräch mit Nadeshda letztens im Ohr. Frauen brauchen ewig um sich anzuziehen, oder Frauen stehen auf Schuhe, so was zu denken, sei sexistisch, hatte sie erklärt. Sie haben aber doch wirklich sehr viele Schuhe, hatte er entgegnet, aber Nadeshda hatte nur gemeint, daß das überhaupt nichts zur Sache tue. Sowas sei nämlich sexistisch, weil man damit einer Gruppe von Menschen ohne Ansehen des Individuums irgendwelche Eigenschaften zuschreibe. Bloß weil manche Frauen vielleicht … und so weiter. Und das hatte er auch vollkommen nachvollziehbar gefunden, auch wenn ihm der Gedanke nicht besonders gefiel, wie oft er trotz bester Absichten in Klischees dachte. Also kein „Sie sind ja schlimmer als meine Frau“, auch wenn ihm das leider nicht zum ersten Mal auf der Zunge gelegen hatte.

„Und?“

„Wunderbar.“ Thiel gab sich keine Mühe, den Sarkasmus in seiner Stimme zu verbergen. „Paßt ganz hervorragend zum Hemd und bringt Ihre Augenfarbe zur Geltung.“

Boerne verdrehte die Augen. „Das sagen Sie nur, weil Sie endlich los wollen.“

„Boerne … wenn wir noch später kommen, hilft es Ihnen auch nichts, daß Sie aussehen wie aus dem Ei gepellt!“

„Na bitte.“ Boerne drehte sich wieder zum Spiegel und strich das Revers seines Jacketts glatt. „Das klingt schon mehr nach Ihnen. Freut mich, daß Ihnen die Wahl gefällt.“

„Das war kein Kompliment.“

„War es doch.“

„Sie hören auch nur das, was Sie hören wollen.“

„Und noch ein Kompliment! Wenn Sie so weitermachen, werde ich noch ganz verlegen.“

„Boerne!“

„Was denn?“ Boerne warf ihm einen unschuldigen Blick zu. „Erzählen Sie mir nicht, Sie sind nicht froh, daß ich mitkomme.“

„… wenn Sie jetzt endlich mitkommen.“

Boerne grinste. Und er hätte verdammt nochmal sauer sein sollen, aber er konnte nicht. Immerhin ließ sich nicht leugnen, daß diese Wohltätigkeitsveranstaltung, zu der ihn die Klemm verdonnert hatte, ohne Boerne sehr viel unangenehmer werden würde. Wenigstens konnte er sich darauf verlassen, daß Boerne alle Blicke auf sich ziehen und den ganzen Smalltalk übernehmen würde. Während er nicht viel mehr tun mußte als das ein oder andere Glas Sekt – wenn er Glück hatte vielleicht auch Bier – zu trinken.

„Na dann …“ Boerne öffnete die Tür. „Nach Ihnen.“

Außerdem – die Verspätung konnte er auf Boerne schieben, die Staatsanwältin würde ihm das sofort glauben. Und gleichzeitig hatten sie jetzt schon fast die erste halbe Stunde dieser Veranstaltung hinter sich gebracht, und er hatte nichts weiter tun müssen als Boerne bei der Krawattenauswahl zuzusehen. Es gab wirklich schlimmeres.

* Fin *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, p: thiel / boerne
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