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Die Hochzeit - Teil 5

Prompt: Romantik/Intimität – auf den zweiten Blick – für mich
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Pre-Slash
Handlung: Thiel denkt über Boerne nach.
Länge: ca. 900 Wörter
Zeit: ca. 100 Minuten
A/N: Ich bin übrigens demnächst mal wieder auf eine Hochzeit eingeladen. Möglicherweise ist das der Grund für diese Geschichte. Und nein, ich war nicht gerade hungrig, als ich geschrieben habe …

Prolog | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

***


Auch der Nachtisch setzte auf Qualität statt auf Exotik. Tiramisu, Mousse au Chocolat und für die figurbewußten unter den Gästen einen Obstsalat. Also nix besonders ausgefallenes, nicht mal für ihn, aber super umgesetzt. Er konnte sich nicht erinnern, je besseres Tiramisu gegessen zu haben. Und Boerne wirkte auch nicht gerade unglücklich mit seiner Schokocreme. Außer als Thiel sie Schokocreme genannt hatte. Er unterdrückte ein Grinsen. Boerne war so einfach auf die Palme zu bringen.

Er sah zu Boerne, der gedankenverloren seinen Nachtisch löffelte und gerade ganz schön weit weg schien. In einer Schokoladendimension vermutlich. Zartbitter. Diesmal konnte er das Lächeln nicht so ganz unterdrücken, aber das sah ja gerade auch keiner. Vor allem Boerne nicht, so vertieft wie der war. Und er hatte wirklich schon mehr als genug getrunken, was war bloß in diesem Tiramisu gewesen? Ob Herbert … aber nein, nicht bei so einem Anlaß. Wobei, bei dem ein oder anderen der geladenen Gäste hätte er sich das durchaus vorstellen können. Er schüttelte amüsiert den Kopf und griff nach seiner Kaffeetasse. Unsinn. Er war einfach nur gut gelaunt, und warum sollte er das auch nicht sein. Herbert war glücklich, und er konnte das auch noch sein. Das hätte auch ganz anders ausgehen können, wenn Boerne in dieser Nacht nach Nadeshdas Beförderung nicht so geistesgegenwärtig gewesen wäre.

Auch wenn es andererseits Boernes Schuld gewesen war, daß es überhaupt so weit gekommen war, mit diesem bescheuerten Foto. Ehrlich, Gustav vorzumachen, ausgerechnet sie beide wären verheiratet – er wußte bis heute nicht, wie der andere auf so eine Idee gekommen war. Natürlich war es irgendwie naheliegend … So wie er auch zuerst an Boerne gedacht hatte, als ihm klar geworden war, daß Herbert wirklich heiratete und daß er wirklich wollte, daß er jemanden zur Feier mitbrachte. Sie hatten einfach schon so verdammt viel zusammen erlebt, auch wenn er sich manchmal fragte, wie das passieren konnte, daß all diese Dinge immer dann geschahen, wenn er mit Boerne zusammen war.

Jedenfalls hätte er das garantiert nicht erwartet, damals, als er frisch nach Münster gekommen war und sie sich im Treppenhaus das erste Mal über den Weg gelaufen waren. Oder eher in den Weg, in Boernes Fall. Was für ein arroganter Schnösel, hatte er damals gedacht. Allein schon die Klamotten und die Ausdrucksweise. Hielt sich für was Besseres. Genau der Typ, den er so gar nicht abkonnte.

Das war der erste Eindruck gewesen, und der stimmte durchaus noch immer. Boerne war arrogant und hielt sich für was Besseres oder vielmehr für den Besten überhaupt. Wenn es nach ihm ging, in allem. Aber auf den zweiten Blick war da eben doch noch mehr. Und es hatte viele zweite Blicke gegeben im Laufe der Jahre.

Als Boerne ihm erzählt hatte, wie er als Teenager in den Flügel bei diesen Alsfelds gekotzt hatte, und als er Jennifer zu Bett gebracht und zugedeckt hatte, nach der widerlichen Szene mit dem alten Alsfeld. Als er Jahre später neben seinem toten Doktorvater gekniet und Thiel schlagartig verstanden hatte, wie wichtig ihm dieser Mann gewesen war – vielleicht gerade deshalb, weil die Beziehung zu seinem echten Vater nicht die einfachste gewesen war. Aber auch, als er Boerne das erste Mal zusammen mit seiner Mutter gesehen hatte, auch wieder im Hausflur, und wie Boerne da vor seinen Augen plötzlich immer jünger geworden war und er den Jungen gesehen hatte, dem seine Mutter die Kleidung zurechtrückte, bevor sie ihn hinaus in die Welt ließ. Und als er Boerne mit Steffen Ellinghaus gesehen hatte, als der Junge den Mord gestanden hatte, ein Ergebnis einer Reihe von unglücklichen Mißverständnissen und der Tatsache, daß seine Eltern ihn zwar liebten, aber ihre Beziehung geheimhalten mußten. Weil ja um Gottes Willen niemand wissen durfte, daß der Junge der Sohn des Pfarrers war.
Als Boerne zu sich gekommen war im Krankenhaus, damals, als sie dachten, es wäre was Ernstes. Krebs.
Als er zu sich gekommen war im Krankenhaus, erst ein halbes Jahr war das her, nachdem er schon gedacht hatte, daß das jetzt das Ende war. Und Boerne war dagewesen, hatte geredet und geredet und ausgerechnet diesen Moment genutzt, um ihm die ganze Geschichte mit Gustav zu beichten. Aber am Ende hatte er ihn festgehalten.

Thiel schluckte. Jetzt war er doch wieder da gelandet, wo er lieber nicht gelandet wäre. Bei der Geschichte mit Gustav und diesem verfluchten Käsebrötchen, das beinahe sein letztes gewesen wäre. Was für ein Abgang. Kriminalhauptkommissar an Käsebrötchen erstickt. Noch peinlicher ging es wohl nicht, das war so absurd, da konnte man ja wirklich nur drüber lachen.

Nur daß es wirklich so ganz und gar nicht zum Lachen gewesen war, als es passiert war. Schrecklich war es gewesen. Er hatte Todesangst gehabt. Das sagte man so leicht, „Todesangst“. Bis zu diesem Moment hatte er nicht einmal annähernd geahnt, wie sich das anfühlte.

Aber Boerne war dagewesen. Der arrogante Schnösel mit der großen Klappe. Der zum Glück wirklich in vielen Dingen vielleicht nicht der Beste überhaupt, aber doch sehr gut war. Und der ihn garantiert nicht sterben ließ.

„Wo sind Sie denn gerade?“ Boernes Stimme riß ihn aus den Gedanken.

„Ich hab‘ … an Herbert gedacht.“

Das war das erste, was ihm einfiel. Und es war doch auch nicht unglaubwürdig, immerhin waren sie auf Herberts Hochzeitsfeier, und Boerne wußte ja, daß sein Vater und er auch so ihre Hochs und Tiefs gehabt hatten im Laufe der Jahre. Boerne sah trotzdem nicht so aus, als würde er ihm glauben, aber er bohrte auch nicht weiter nach, sondern fragte nur, ob Thiel auch noch eine Tasse Kaffee wollte. Thiel nickte. Beinahe hätte er sich schon wieder bedankt, aber das verkniff er sich in letzter Sekunde, bevor ihn Boerne noch endgültig für krank hielt.

* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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