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Die Hochzeit - Teil 6

Prompt: Romantik/Intimität – Gefühl vs. Vernunft – für mich
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Pre-Slash
Handlung: Wenn einem plötzlich bewußt wird, was man eigentlich will, kann einen das ganz schön überfordern.
Länge: ca. 900 Wörter
Zeit: ca. 90 Minuten
A/N: Diese Geschichte hat eigentlich gar keine Handlung, wenn ich ehrlich bin *räusper*

Prolog | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5

***


Nachdem alle wichtigen und weniger wichtigen Gäste Reden auf das Brautpaar gehalten hatten – der Tisch der Verflossenen hatte doch tatsächlich ein humoriges Potpourri mit neuen Texten zu bekannten Schlagermelodien zum Besten gegeben, er vermutete stark, daß Frau Klemm daran nicht ganz unschuldig gewesen war – legte die Band los. Boerne stellte eine Bierflasche vor ihm auf den Tisch ab und sagte etwas, was vermutlich „das war ja zu befürchten gewesen“ heißen sollte. Wirklich verstehen konnte er nichts. Er warf einen Blick auf sein Handy. Schon halb elf durch. Ab wann konnte man sich eigentlich von der Hochzeitsfeier seines Vaters verabschieden, ohne unhöflich zu sein? Boerne sah auch schon ganz K.O. aus, kein Wunder nach diesem Feiermarathon. Für einen Moment blieb sein Blick an Boerne hängen, der müde an seinem Weinglas nippte, und bei dem Gedanken, daß er andere sich das ihm zu Liebe antat, wurde ihm schlagartig so warm, daß er die Krawatte um seinen Hals lockern mußte. Als sein Herzschlag sich wieder halbwegs beruhigt hatte und er wieder aufsah, starrte Boerne ihn mit großen Augen an. Schnell griff er nach seinem Bier und versuchte, so normal wie möglich zu wirken. Als er das nächste Mal zu Boerne schielte, atmete der immer noch ziemlich hastig, aber wenigstens sah er ihn nicht mehr so an, so … so … als wäre er der einzige Mensch in diesem überfüllten Festsaal. Er mußte was trinken, weil sein Mund plötzlich ganz trocken war.

Natürlich war ihm das schon früher aufgefallen. Boernes Blicke, manchmal. Die überflüssigen Berührungen. Die Hand auf seinem Rücken, als er nach dem Luftröhrenschnitt aus der Narkose aufgewacht und gegen Boerne gesackt war, eigentlich, weil er stinksauer wegen dieser absurden Lüge gewesen war. Er hatte Boerne am Kragen gepackt, daran konnte er sich noch genau erinnern, er hatte ihm sagen wollen, was er von dieser bescheuerten Lüge hielt, hatte ihn schütteln wollen, hatte … hatte weggewollt von diesem kalten Tisch und hin zu Boerne. Und der hatte weiter Unsinn geredet, auf den Knien danken, von wegen, aber er hatte ihn gehalten. Und es hatte sich richtig angefühlt. Daß Boerne da war. Daß es Boerne war. Der Thiel nicht zufällig für seine Lügengeschichte ausgesucht hatte. Den er nicht zufällig als erstes gefragt hatte, ob er mit zu dieser Feier kommen wollte.

„Alles in Ordnung?“

Er zuckte vor Schreck zusammen, als er trotz des infernalischen Lärms plötzlich Boernes Stimme im Ohr hatte. Der andere war so nahe gekommen, daß er seinen Atem spüren konnte.

„Thiel?“

Er nickte. „Meinen Sie, wir können gehen?“

„Es ist Ihr Vater.“ Boerne sah ihn aufmerksam an. „Aber so wie’s aussieht, bemerkt er in der nächsten Zeit sowieso nicht, wer noch da ist.“

Sie sahen beide nach vorne zur Tanzfläche, wo Herbert und Ilka und die anderen Ü60er ausgelassen tanzten.

„Ich rufe uns ein Taxi.“ Da war die Hand wieder, an seinem Arm, ganz kurz nur, bevor Boerne aufstand um zum Telefonieren nach draußen zu gehen.


***


Es war ein Wunder, daß sie überhaupt ein Taxi gefunden hatten, dachte Thiel, während sie durchs nächtliche Münster fuhren. Immerhin waren gefühlt dreiviertel der Münsteraner Taxifahrerinnen und Taxifahrer auf der gleichen Feier gewesen und jetzt erstens noch am Feiern und zweitens garantiert nicht mehr fahrtüchtig.

Aber der Eindruck mußte täuschen, denn jetzt saßen sie ja hier. Mit einem Taxifahrer von der schweigsamen Sorte. Normalerweise war er darüber froh, heute hätte er sich eine Plaudertasche gewünscht. So jemanden wie seinen Vater, der einem das Ohr abkaute, ob man wollte oder nicht. Das wäre jetzt alles besser gewesen als schweigend neben Boerne zu sitzen und zu wissen, daß Boerne wußte, daß er … am liebsten hätte er es ausgesprochen. Konsequenzen hin oder her. Er war sich sicher, daß es Boerne ganz genauso ging wie ihm. Und wenn er dreißig oder auch nur zwanzig Jahre jünger gewesen wäre, wenn sie nicht zusammen arbeiten würden, wenn sie nicht beide nichts anderes als gescheiterte Beziehungen vorzuweisen gehabt hätten, wenn sie wenigstens irgendetwas gemeinsam hätten außer, daß sie beide nicht besonders gut mit anderen Menschen zurechtkamen … Dann hätte er es vielleicht versucht.

Aber so, wie es war, sagte er nichts. Bis sie beide vor ihren Türen standen und Boerne seine aufschloß, während er noch nach seinem Schlüssel suchte.

„Gute Nacht.“ Boerne klang ganz verwaschen und müde. Erschöpft. So wie es ihm auch ging vor lauter Gefühlen, die ihn hierhin und dahin zerrten und die einfach nicht einsehen wollten, daß das komplett unvernünftig war. Es konnte nicht gutgehen, Und er wußte auch überhaupt nicht mehr, wie man so was anfing. Schon gar nicht mit einem Mann.

Boerne war schon fast in seiner Wohnung bis ihm bewußt wurde, daß er nicht geantwortet hatte.

„Gute Nacht, und …“

Boerne stockte und drehte sich noch einmal zu ihm um.

„Danke. Daß Sie mitgekommen sind.“

Für einen winzigen Moment sah es so aus, als wollte Boerne auf ihn zukommen. Aber dann lächelte er nur leicht. „Das hätte ich mir doch nie entgehen lassen. Wer weiß, wie viele Hochzeiten Ihr Vater noch vor sich hat.“

Jetzt mußte er auch lachen. Na ja, so halb. „Mit etwas Glück ist es diesmal die Richtige.“

„In der Hinsicht ist Ihr Vater jedenfalls ein unerschütterlicher Optimist.“

„Ja.“ Er hatte das nie verstanden. Wie Herbert jedesmal wieder so zuversichtlich sein konnte.

„Schlafen Sie gut.“

Das tat er. Er war so erschöpft, daß er es nur noch schaffte sich auszuziehen und ins Bett zu fallen. Der Schlaf hatte ihn übermannt, bevor er auch nur noch einen Gedanken daran verschwenden konnte, was heute Abend passiert war.


* tbc *


A/N: Besonders aufmerksamen Leser*innen ist bestimmt aufgefallen, daß die beiden mit Boernes Auto gekommen sind und jetzt mit dem Taxi zurückfahren. Das hat natürlich wichtige dramaturgische Gründe, z.B. um zu demonstrieren, daß Boerne doch verantwortungsbewußter ist als Thiel ihm oft zugesteht und das Auto stehen läßt, wenn er was getrunken hat und liegt keineswegs daran, daß ich vergessen hatte, daß die zwei mit dem Auto gekommen sind und dann weder den Witz mit Frau Klemm im ersten Teil noch den mit den Taxifahrern in diesem Teil aufgeben wollte …
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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