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Die Hochzeit - Teil 7

Prompt: Romantik/Intimität – Gemeinsam in Quarantäne – für mich
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Slash, Fluff, Humor
Handlung: „Sagen Sie mir nochmal, weswegen wir hier sind.“
Länge: ca. 1.500 Wörter
Zeit: ca. 120 Minuten
A/N: Geschafft! Das ist jetzt zwar nix, was ich nicht schon mehr als einmal und auch sicher schon besser geschrieben habe, aber es hat trotzdem Spaß gemacht alle Prompts unterzubringen :D Jetzt fehlt nur noch ein Epilog für den Joker, und die Tabelle ist fertig …

Prolog | Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4 | Teil 5 | Teil 6


***


Das laute Klopfen riß ihn aus einem Traum, in dem er sich gerade irgendwo versteckt hatte, aber seine Verfolger waren ihm immer näher gekommen und hämmerten jetzt gegen die Tür, und – mit rasendem Puls warf er die Decke von sich und setzte sich auf.

„Thiel!“

Noch ein Klopfen.

„Jetzt machen Sie endlich auf, oder ich muß den Schlüssel holen, den ich eigentlich nicht mehr habe!“

Schlaftrunken wankte er zur Tür und versuchte sich zu erinnern, was passiert war. Richtig, Herberts Hochzeit. Wochenende.

„Ich komm‘ ja schon!“

Boerne.

Er riß die Tür auf. „Was ist denn?“

„Wir müssen ins Krankenhaus.“

Er starrte den anderen so entsetzt an, daß der schnell weiterredete. „Es ist nichts passiert. Alles in Ordnung mit Herbert.“

„Aber …“ Jetzt nahm er auch wahr, daß da noch jemand hinter Boerne stand. Mit Kittel und Atemmaske.

„Ich erzähle Ihnen unterwegs, was los ist.“


***


Nachdem er das dritte Mal alle Wände des Raums abgegangen war wie ein Tiger im Käfig, verlor Boerne die Nerven. „Jetzt setzen Sie sich endlich! Wir werden hier wohl oder übel einige Zeit zubringen müssen.“

„Sagen Sie mir nochmal, weswegen wir hier sind.“ Er schielte durch das kleine Fensterchen in der Tür auf einen menschenleeren Flur. „Ich kann’s nämlich immer noch nicht glauben.“

„Chronischer Schluckauf.“ Boerne seufzte. „Und nein, das ist nicht halb so witzig wie es sich anhört. Das ist eine ernsthafte Krankheit und noch dazu hochansteckend. Und in Südindien dummerweise weit verbreitet.“

Thiel rieb sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Das konnte doch alles gar nicht wahr sein! „Ich hab‘ doch nicht mal mit Herberts Asha geredet auf der Feier!“

Boerne seufzte noch einmal. Noch ausgiebiger. „Das habe ich Ihnen doch alles schon erklärt … Es reicht auch völlig, wenn Sie mit jemandem zusammen waren, der davor näheren Kontakt mit ihr hatte. Zum Beispiel Ihr Herr Vater. Oder die Frau Staatsanwältin. Oder bei diesem Gruppenfoto, bei dem uns der Fotograf auf engstem Raum mit dieser Virenschleuder zusammengepfercht hat.“

Vor seinem inneren Auge tauchte Herbert im Standesamt vor ihm auf. War das Asha gewesen, die vor ihm gratuliert und ihn eifrig gedrückt hatte? Er hatte nur ein verschwommenes Batikmuster vor Augen, möglich war’s schon.

„Und wie gefährlich ist das jetzt …?“

Boerne zögerte einen Moment. „Nicht so gefährlich.“

„Also doch. Sonst hätten die ja wohl nicht mitten in der Nacht die ganze Hochzeitsgesellschaft zusammengetrieben.“

„Nun ja … besser sicher als … Sie wissen schon.“

„Und wenn Sie das jetzt haben und ich nicht?“ Thiel drehte sich um und sah Boerne an, der auf einer der beiden Pritschen saß, die dieser alte Aufwach-Schrägstrich-Quarantäneraum zu bieten hatte. „Das ist doch wohl komplett bescheuert, uns hier zusammen einzusperren.“

„Da wir den Abend zusammen verbracht haben, ist es mehr als wahrscheinlich, daß wir den Virus beide haben … wenn wir ihn haben.“

„Haben Sie denen das so gesagt?“ Na super, jetzt wußte auch schon die ganze Besatzung des Rettungswagens, daß sie den Abend zusammen verbracht hatten. Was auch immer das heißen sollte.

„Ich hielt es für sinnvoller, Sie nicht alleine zu lassen.“ Boerne kreuzte die Arme vor der Brust. „Und Ihr Verhalten gibt mir da völlig recht.“

„Pffff.“

„Legen Sie sich doch einfach nochmal hin und schlafen Sie noch ein bißchen. Morgen sieht das alles schon wieder ganz anders aus.“

„Auf so ein Ding leg‘ ich mich freiwillig garantiert nicht nochmal!“ Gott, selbst die scheußlichen Fliesen waren die gleichen wie in dem Raum, in dem er nach dem Luftröhrenschnitt zu sich gekommen war. Das war so ziemlich der letzte Ort, in dem er im Leben nochmal hatte Zeit verbringen wollen. Und jetzt saß er hier fest! Mit Boerne!

„Dann setzen Sie sich zu mir.“ Boernes sah ihn an. „Ich finde das hier auch nicht gerade toll und könnte mir was Besseres vorstellen. Aber wenigstens sind wir … zusammen hier.“

Das ist es ja gerade!, hätte er am liebsten geschrien. Das machte die Situation doch so unerträglich, ausgerechnet jetzt, wo er Abstand gebraucht hätte, um seine Gedanken zu sortieren und alles wieder unter Kontrolle zu kriegen. Aber dann sah er Boerne an, der, obwohl alles ja angeblich gar nicht so schlimm war, ganz schön schlecht aussah. Müde, mit Schatten unter den Augen. Irgendwie kleiner und schmaler als sonst – das machte dieses verdammte Krankenhauslicht, da sahen alle immer so aus, als würden sie gleich sterben. Thiel schluckte. Und dann war es ja auch ausnahmsweise wirklich nicht Boernes Schuld, daß sie hier gelandet waren. Außer der Sache mit den Gefühlen, aber daran waren sie vermutlich beide schuld.

„Thiel?“

Er wußte wirklich nicht, was er jetzt sagen sollte, aber er setzte sich. Neben Boerne. Ließ die Füße baumeln, weil diese blöden Pritschen so hoch waren, daß jemand von seiner Größe da schon nicht mehr vernünftig drauf sitzen konnte, und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Wand. Und ein ganz klein wenig mit der Schulter gegen Boerne.

„Der Raum erinnert mich an –“

„Mich auch.“ Natürlich. Boerne war ja auch dagewesen. Als er aufgewacht war.

„Das müßte ich jetzt auch nicht haben.“

„Ich weiß.“ Boernes Stimme war so leise, daß er sich anstrengen mußte, um den anderen zu verstehen. „Ich finde das auch … beunruhigend.“

„Mhm.“

„Obwohl es vielleicht der glücklichste Moment in meinem Leben war.“

„Was?“ Jetzt hatte er ernsthaft den Faden verloren. Oder Boerne den Verstand.

„Sie sind aufgewacht.“ Boerne stockte kurz. „Das hätte auch anders ausgehen können.“

Thiel schloß die Augen – daß das Licht in solchen Räumen aber auch immer so grell sein mußte! - und atmete tief durch. Ja, natürlich. Blind tastet er mit seiner Hand nach rechts und fand Boernes. Warm und lebendig. Moment, war das zu warm? „Haben Sie Fieber? Ist das -“

„Nein.“ Boernes Hand hielt ihn fest. „Sie haben doch immer kältere Hände als ich.“

„Hab‘ ich das?“

„Ja.“

Er spürte Boernes Kopf an seinem, als der andere sich ein wenig mehr gegen ihn lehnte. „Es könnte wirklich schlimmer sein.“

„Mhm.“ Boernes Finger glitten zwischen seine. „Denken Sie nur an Ihren Vater – das ist jetzt seine vielleicht letzte Hochzeitsnacht.“

Oh Gott, Kopfkino. „Daran will ich lieber gar nicht denken!“

Warum ausgerechnet das Boerne zum Lachen brachte, wußte er auch nicht, aber sie brauchten beide ein paar Minuten, bis sie sich wieder beruhigt hatten.

„Außerdem hätte nicht mal Herbert nach dieser Feier noch – Sie wissen schon.“

Boerne schnaubte. „… ich weiß nicht, ich traue Ihrem Vater so einiges zu.“

„Er hat jedenfalls mehr Spaß als ich.“ Da, er hatte es gesagt. Also so halb. Und mit geschlossenen Augen, weil das Licht hier so grell war. Und weil es leichter war zu reden, wenn er Boerne dabei nicht ansehen mußte.

„Er ist eben optimistisch“, murmelte Boerne. „Risikofreudig.“

„Eben. Er riskiert mehr, das heißt es geht auch öfter schief.“

„Ich denke, er läßt die Dinge einfach auf sich zukommen. Macht sich nicht so viele Gedanken darüber, was alles schief gehen könnte.“ Boernes Daumen strich über seinen Handrücken, so vorsichtig, daß man es fast ignorieren konnte. Thiel schluckte.

„Wir reden gar nicht mehr über Herbert, richtig?“

Boernes Kopf bewegte sich leicht. Nicken.

„Boerne, ich …“ Er konnte das nicht. Wirklich nicht. Das Risiko war einfach zu groß. Und vielleicht war er auch einfach zu festgefahren – auch so was, was Herbert ihm immer wieder vorwarf. Nicht mehr offen für neues und so weiter. Und das war wirklich sehr neu. Und sehr beängstigend.

„Wir reden über mich“, sagte Boerne in die Stille und warf ihn damit ganz schön aus der Bahn.

„Was?“

„Über mich.“ Boerne löste sich von ihm und sah ihn an. „Weil ich, wenn ich mehr wie Ihr Vater wäre, schon längst -“

Zu seiner Entschuldigung mußte er sagen, daß sie den ganzen Tag auf einer Hochzeitsfeier gewesen waren, nichts als Liebe und bis ans Lebensende und für immer und ewig und dann saß Boerne da neben ihm, genau so nah, daß er sich nur ein ganz kleines bißchen vorbeugen mußte, und Herberts Stimme hatte er auch schon die ganze Zeit im Ohr, sei doch einmal spontan, riskier mal was und was, wenn das Risiko am Ende gar nicht so groß war? Was, wenn Boerne ihm nach dem ersten Schreck entgegen kam, was, wenn es gar kein so großer Unterschied war, einen Mann zu küssen, was, wenn das das Beste war, was er seit Jahren gefühlt hatte, weil sie endlich, endlich aus dieser Hängepartie rauskamen, in der sie schon seit Jahren, vielleicht sogar schon seit dem ersten Tag feststeckten, was, wenn sie dieser Sache, die immer da war, wie ein Elefant, über den schon lange niemand mehr redete, das war doch das Bild, oder?, wenn sie dieser Sache endlich einen Namen gaben. Und dann öffnete Boerne seine Lippen und er hörte auf zu denken … jedenfalls so lange, bis ihm etwas einfiel. „Die haben hier doch keine Kameras, oder?“

„Ich glaube nicht.“ Boerne sah ihn an mit unordentlichen Haaren – wann war das denn passiert? – und roten Lippen und … „Auch egal.“ Wenn ein erwachsener Mann jenseits der 50 seinen nur unwesentlich jüngeren Freund auf einer Quarantänestation im Münsteraner Klinikum küssen wollte, war das ja wohl kein Problem und nichts, was irgendjemanden sonst was anging.

Boerne schien ganz seiner Meinung zu sein.


* Fin *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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