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Das Mal - Teil 3

Prompt: Angst – Überstürzter Umzug – fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 6
Genre: AU, Seelenverwandte, Angst
Handlung: Thiel unter Streß kennt nur zwei Reaktionen: Angriff oder Flucht.
Länge: ca. 950 Wörter
Zeit: ca. 80 Minuten

Kapitel 1 | Kapitel 2


***


Als wäre nicht schon alles schlimm genug, lagen jetzt auch noch zwei Tage Wochenende vor ihm. Thiel seufzte und zog die Bettdecke über den Kopf, als er sich wieder an das Gespräch mit Herbert am Vorabend erinnerte. Nicht daß er normalerweise was gegen Wochenenden hatte, ganz im Gegenteil. Aber jetzt bedeutete das keine Arbeit, die ihn ablenken würde, weil es wichtigere Dinge gab als über Seelenverwandtenzeichen, seine Mutter oder Boerne nachzudenken. Es bedeutete außerdem mehr Boerne als unter der Woche, weil es sich in den letzten Jahren so eingespielt hatte, daß sie am Wochenende zusammen aßen und manchmal auch was zusammen unternahmen – falls er nicht gerade in Hamburg zu einem Spiel war oder Boerne was Kulturelles unternahm. Was in den letzter Zeit aber immer seltener vorgekommen war, Opern, Golfspiele und ähnliches lagen meistens auf den Wochenenden, an denen er sowieso in Hamburg … Thiel kniff die Augen zusammen, obwohl es unter der Decke sowieso schon ziemlich dunkel war. Wieso war ihm das noch nicht früher aufgefallen! Boerne legte seine Termine absichtlich auf die St. Pauli Heimspiele. Damit er … Damit sie … verdammt, war das stickig hier! Hastig tauchte er wieder unter der Decke auf und japste nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen. Sein Puls raste. Sauerstoffmangel, garantiert. Oder eine Panikattacke.

Es gab eigentlich nur zwei denkbare Erklärungen für das, was er gesehen hatte. Entweder hatte Boerne sich da absichtlich seinen Namen hintätowieren lassen, und das war schon schlimm genug, weil das bedeutete, daß Boerne an so einen Quatsch glaubte, und daß er … also daß er … daß es sein Name war, den er auf seiner Haut haben wollte. Oder, und er wußte nicht, ob er das noch schlimmer fand – die Spinner hatten recht und es gab diese Male wirklich und Boerne war damit geboren worden, was bedeutete, daß irgendeine übernatürliche Macht sie quasi zwingen wollte zusammenzukommen, ob sie wollten oder nicht. Mit einem Mal konnte er seine Mutter sehr viel besser verstehen als noch am Tag zuvor. Das war eine schreckliche Vorstellung, und wenn er sein Kind vor so etwas beschützen müßte, würde er es auch tun.

Nur daß das alles nichts geholfen hatte, oder? Am Ende war er doch hier gelandet, in dieser Wohnung neben Boernes. Susanne, Lukas, alles nur ein Umweg, der ihn wieder zurück nach Münster geführt hatte und zu … Boerne.

Er setzte sich auf und schwang die Beine über die Bettkante. O.K., jetzt hatte er vollkommen den Verstand verloren. Sein Leben gehörte immer noch ihm, und kein Voodoo oder kosmisches Karma oder was auch immer bestimmten darüber, was er tat. Und als erstes würde er ausziehen. Es reichte doch wirklich, daß er Boerne auf der Arbeit sah, sie mußten nicht auch noch Tür an Tür wohnen.


***


Den ganzen Samstag hatte er es erfolgreich geschafft, Boerne aus dem Weg zu gehen, aber jetzt klingelte es so anhaltend an seiner Tür, daß er das nicht mehr ignorieren konnte. Vor allen Dingen, als Boerne auch noch anfing zur klopfen und zu rufen, daß er sehr wohl wisse, das Thiel zuhause war, sein Rad stehe nämlich noch unten vor der Tür.

Trotzdem zögerte er, als er vor der Wohnungstür stand. Aber dann holte er tief Luft, griff nach der Türklinke, und öffnete.

„Das ist ja wohl ein schlechter Scherz!“ Boerne wedelte mit einem Blatt Papier vor seinen Augen herum. „Was soll das?“

Er kreuzte die Arme vor der Brust. Ja. Fühlte sich schon gleich besser an. „Es ist mal Zeit für Veränderung, dachte ich. Was Neues. Eigentlich sollte das hier ja auch nur für den Übergang sein.“

„Sie wollen ausziehen?!“

„Umziehen.“ Er ignorierte Boernes verletzten Blick. „Mit drei Monaten Kündigungsfrist, alles ganz korrekt.“

„Aber …“ Boerne starrte ihn an. „Wenn Sie irgendetwas stört, dann sagen Sie mir das doch. Da kann man doch sicher was machen. Sie müssen doch nicht gleich –“

„Ich will mich einfach nur verändern. Vergrößern.“

„Aber -“

„Die Gelegenheit hat sich spontan ergeben. Nächstes Wochenende ziehe ich aus.“

„Was?“ Boerne wurde kreidebleich. „Aber … drei Monate …“

„Keine Sorge, ich zahle die Miete ja weiter. Und dann haben Sie genug Zeit, in aller Ruhe einen Nachmieter zu suchen.“

„Thiel …“ Boerne sah nach unten, auf das Kündigungsschreiben in seinen Händen, als müsse er sich vergewissern, daß es real war. Und dann wieder nach oben, in Thiels Gesicht. „Hören Sie, wenn es wegen dieser Sache ist … Das ist nur ein Muttermal. Das hat nichts zu bedeuten.“

„Welches Muttermal?“ Er griff nach der Tür. Nein, darüber wollte er ganz bestimmt nicht reden. Alles andere, aber nicht das. Es war so schon schlimm genug, Boernes Blick auszuhalten, er konnte jetzt wirklich nicht auch noch darüber reden.

„Thiel …“

„Es tut mir leid, daß das jetzt so plötzlich kommt, aber Sie finden bestimmt schnell jemand neues.“ Er zog die Tür zu. „Und ich muß jetzt auch … Ich habe noch … Ich bin mit meinem Vater verabredet. War noch was?“

Boerne starrte ihn an. „Nein.“

Er war heilfroh, als die Tür zu war und er Boernes Gesichtsausdruck nicht mehr sehen konnte. Seufzend lehnte er sich mit dem Rücken gegen die Tür und fuhr sich mit beiden Händen durchs Gesicht. Sein Herz raste. Auf die Schnelle hatte er erstmal nur ein WG-Zimmer zur Zwischenmiete gefunden, aber das mußte Boerne ja nicht wissen. Und in dem halben Jahr, das er da bleiben konnte, würde er schon noch was Besseres finden. Die meisten seiner Möbel mußte er zwischenzeitlich wo einlagern, aber das ließ sich auch noch regeln. Er hätte sie ja bei seinem Vater untergestellt, aber der würde dann vermutlich mit ihm darüber reden wollen, warum er das tat, und das brauchte er nicht auch noch. Schlimm genug, daß er mit Boerne hatte reden müssen.


* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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