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Das Mal - Teil 5

Prompt: Romantik/Intimität – Fettnäpfchen – fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 6
Genre: AU, Seelenverwandte, Pre-Slash, Humor
Handlung: Und schon waren sie wieder in professionellem Fahrwasser. Wie einfach das ging, wenn man nur wollte!
Länge: ca. 1.100 Wörter
Zeit: ca. 90 Minuten
A/N: Ich brauchte ziemlich lange bis zum Fettnäpfchen und es ist auch eher klein, aber es ist da … Auf jeden Fall ist das gesamte Kapitel dem Prompt zu verdanken, auch wenn ich etwas vom Weg abgekommen bin ;)


Kapitel 1 | Kapitel 2 | Kapitel 3 | Kapitel 4


***


„Was ist Ihnen denn passiert?“ fragte Boerne besorgt, als er in die Rechtsmedizin gehumpelt kam. Und schon war es wieder da, das Gefühl, daß er hierher gehörte. Er wußte genau, wie das ablief – Boerne würde versuchen aus ihm herauszukriegen, was er gemacht hatte, um sich einen Hexenschuß oder was auch immer das war zu holen, und er würde den Fragen ausweichen oder glatte Lügen erzählen; Boerne würde versuchen, sich seinen Rücken anzusehen, und er würde ihn nicht lassen; Boerne würde ihm gute Ratschläge zur Genesung erteilen, und er würde sie ignorieren. Und am Ende würde sich Boerne doch um ihn kümmern, und er würde zwar murren, aber doch schlucken, was auch immer Boerne ihm aus der Apotheke mitbrachte.

„Hexenschuß, hab‘ zu viel geputzt.“ Das in der neuen Wohnung ließ er unausgesprochen, er konnte auch so sehen, daß Boerne das mithörte. „Aber lassen wir das, ich hab‘ schon Ibuprofen geschluckt und morgen ist es garantiert wieder besser. Sie wollten mir etwas zu unserer Leichensache mitteilen?“

Boerne nickte knapp und schlug das Tuch zurück.

Und schon waren sie wieder in professionellem Fahrwasser. Wie einfach das ging, wenn man nur wollte!


***


Von dem Schmerzmittel alleine wurde der Rücken natürlich nicht besser. Außerdem hatte er jetzt Magenschmerzen, scheiß Nebenwirkungen. Boerne hatte ihm normalerweise auch immer gleich was gegen die Nebenwirkungen mitgebracht, aber er wußte nicht mehr, wie das Zeug hieß und hatte auch keine Lust, jetzt nochmal zur Apotheke zu gehen. Dann meldete er sich eben mal einen Tag krank, davon ging die Welt nicht unter. Und wenn er mehr lag und lief als saß, wurde es sicher bald besser. Eine Wärmflasche im Rücken wäre toll gewesen, aber sowas hatte er nicht, nicht mal bei den eingelagerten Sachen. Boerne hatte sowas natürlich. Aber an den wollte er jetzt wirklich nicht denken. Er seufzte und sah zur Zimmerdecke. Ganz schön gelb. Da müßte man dringend mal streichen. Das kam von der ganzen Qualmerei, das Zimmer roch auch immer noch wie ein kalter Aschenbecher, obwohl er quasi Tag und Nacht lüftete. Mit der Wohnungssuche war er trotzdem immer noch nicht vorangekommen, obwohl es dringend nötig war, daß er hier raus kam und wieder richtig lebte.

Neben ihm auf dem Boden leuchtete das Handy kurz auf und erinnerte ihn daran, daß er auch im Liegen online gehen und Wohnungsanzeigen sichten konnte. Wenn er jetzt eh nichts anderes tun konnte. Irgendwann mußte er ja. Der erste von den sechs Monaten, die er hierbleiben konnte, war schon fast rum.

Er sah wieder hoch, zur Decke, auch wenn ihn die kaum weniger deprimierte als der Gedanke, eine Wohnung zu suchen.

Und dann klingelte es. Das Reeperbahnlied. Lukas! (Boerne hatte ihm das eingestellt, verschiedene Klingeltöne für verschiedene Anrufer, und für Lukas hatte er irgendwo die Version des Reeperbahnlieds aufgetrieben und runtergeladen, die er bei seinem alten Handy als Klingelton gehabt hatte. Aber daran wollte er jetzt eigentlich gar nicht denken.)

„Hallo!“

„Hallo Papa! Stör‘ ich dich gerade? Bist du wach?“

Thiel mußte schmunzeln. In der Hinsicht waren sie beide gleich, das mit der Zeitverschiebung konnten sie sich nie richtig merken. „Nö. Hier ist Vormittag und ich bin … zuhause.“

„Urlaub?“

„Nee, Rücken.“

Lukas lachte. „Hast du’s mal wieder übertrieben?“

„Das ist echt nicht lustig!“ Er drehte sich ächzend auf die Seite, um besser telefonieren zu können. „Komm du mal in mein Alter.“

„Mhm … Nee, im Ernst, ist es schlimm?“

„Jetzt laß uns nicht Zeit mit meinen Rückenschmerzen verschwenden. Warum rufst du an?“

„Das ist nicht mehr so teuer wie früher, Papa. Und ich ruf nur so an, wollte hören wie‘s dir geht.“

„Hat Herbert mit dir geredet?“

„Was?“ Lukas klang ehrlich verwirrt. „Wieso?“

„Ach, nix …“

Puh. Falscher Alarm. Seinem Vater wäre sowas ja glatt zuzutrauen gewesen, aber offenbar gab es Dinge, vor denen selbst er zurückschreckte. Sie plauderten eine ganze Weile, Lukas erzählte von der Uni und wie es Susanne ging, und er von der Arbeit und was Herbert so trieb. Seitdem der im letzten Jahr nach Neuseeland gereist war, kannten sich Großvater und Enkel endlich auch persönlich. Vielleicht sollte er das auch endlich mal machen, Urlaub angesammelt hatte er wirklich genug. Und das mit dem Flug mußte er einfach über sich bringen. Boerne hatte ja gemeint, daß er einfach ein Beruhigungsmittel schlucken sollte, und … an den wollte er eigentlich gar nicht denken, schon gar nicht jetzt, wo er mit Lukas redete.

„Sag mal … stimmt was nicht?“

„Wieso?“

„Ist dicke Luft mit deinem Freund?“

„Welchem Freund?“

„Na dein Rechtsmediziner.“ Er konnte deutlich das Lachen in Lukas Stimme hören. „Herbert meint ja, ihr könntet auch verheiratet sein, jedenfalls was die Ehekrisen angeht.“

„Der spinnt jetzt ja wohl komplett!“ Er war laut geworden, viel lauter als er das eigentlich gewollt hatte, aber –

„Tschuldigung.“ Lukas klang besorgt. „Ich wollte dich nur ein bißchen aufziehen.“

„Ich …“

„Es ist nur … Du erzählst sonst immer von ihm.“

Tat er das? Seine Zeit mit Lukas dafür verschwenden, über Boerne zu reden?

„… und heute hast du gar nix erzählt und ich dachte, Ihr habt Euch vielleicht gestritten. Aber ich wollte damit nicht sagen, daß ... du weißt schon.“

„Wir …“ Nein, er konnte das Lukas nicht erzählen, daß er ausgezogen war. Umgezogen. „Ja, wir haben uns gestritten. Und ich hab‘ echt gerade keine Lust, über Boerne zu reden.“

„Bestimmt vertragt Ihr Euch wieder. Das tut Ihr doch immer.“

„Mhm.“ Und das mit dem Mal, das konnte er Lukas erst recht nicht erzählen. Falls man diese Ammenmärchen in Neuseeland überhaupt kannte. „Sag mal, was machen denn deine Europareisepläne?“

Lukas ging dankbar auf den Themenwechsel ein und die nächsten Minuten hörte er sich an, welche Länder sein Junge alle besuchen und wann er nun genau nach Deutschland kommen wollte.

„Du hast doch Urlaub angemeldet?“

„Hab‘ ich.“ Und jetzt, wo er die genauen Daten kannte, würde er sofort den Antrag einreichen. „Nadeshda hat gesagt sie vertritt mich auf jeden Fall, egal wann du kommst.“

„Ich freu mich schon.“

„Ich mich auch.“ Es würde komisch sein. Sich nach so langer Zeit wiederzusehen. Er kannte natürlich Fotos … Aber es würde trotzdem merkwürdig sein, seinen Sohn erwachsen wieder zu sehen. Thiel schluckte.

„Manchmal hab‘ ich aber auch ein bißchen Angst.“

„Ich auch.“

Sie mußten beide lachen.

„Nein, das wird cool.“ Lukas, immer optimistisch, das war was, was er von seiner Mutter haben mußte. Oder war er auch so gewesen, mit Anfang zwanzig? „Und ich weiß, du willst nicht drüber reden, aber das wird auch wieder, bestimmt. Egal was es ist.“


***


Egal was es ist, dachte Thiel, nachdem sie aufgelegt hatten. Lukas hatte ja keine Ahnung, wie sehr er damit den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.


* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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