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Das Mal - Teil 6

Prompt: h/c – „Entschuldige, daß ich mir Sorgen mache“ – fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 6
Genre: AU, Seelenverwandte, Pre-Slash, mild h/c
Handlung: Hatte er wirklich gedacht, Boerne würde das einfach so auf sich beruhen lassen?
Länge: ca. 1.350 Wörter
Zeit: ca. 90 Minuten
A/N: Hatte ich's gerade im Rücken? Ja, ertappt ...

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***


Er mußte nach dem Telefonat mit Lukas tatsächlich nochmal eingeschlafen sein – kein Wunder eigentlich, viel Schlaf hatte er in den letzten Wochen nicht gekriegt, dafür war hier alles zu fremd und oft genug auch zu laut. Jedenfalls war es wieder ein Klingeln, das ihn aus dem Schlaf riß, nur daß diesmal die Wohnungstür und nicht sein Handy war.

„Janosch?“ Sein Mitbewohner lag doch garantiert noch im Bett, der kam nie früh raus, weil er abends kellnerte. Tim hingegen fuhr morgens Brötchen aus, der war schon lange weg.

„Janosch!“ Im Nebenzimmer rührte sich nichts, und die Klingel hatte kurz pausiert, um jetzt in regelmäßigen Abständen immer wieder kurz zu bimmeln. Mist. Janosch hatte ja was erzählt von wegen Exkursion. Thiel stemmte sich ächzend in die Senkrechte und biß die Zähne zusammen, als sein Rücken protestierte.

„Ja … ich komm‘ ja schon!“ Die Strecke zur Tür war ihm noch nie so lang vorgekommen, aber immerhin konnte er sich überhaupt wieder einigermaßen bewegen. Erleichtert stützte er sich mit einer Hand am Türrahmen ab und öffnete mit der anderen die Tür.

„Entschuldigung, ich … Boerne?“

Da stand tatsächlich Boerne, mit einer Aktentasche in der Hand und entschlossenem Blick.

„Was wollen Sie denn hier?“ Instinktiv versuchte er mehr Platz einzunehmen, um Boerne den Blick in den Flur zu versperren. Nicht, daß der nicht schon auf der Klingel die beiden anderen Namen gesehen haben mußte. „Woher wissen Sie überhaupt –“

„Frau Krusenstern hat mir die Adresse weitergegeben.“

Nadeshda! Und dabei wußte sie doch ganz genau, daß er das nicht wollte! Natürlich hatten sie jetzt nicht so direkt darüber geredet was passiert war zwischen Boerne und ihm, aber … Es war doch wohl klar, daß er nicht wollte, daß Boerne ihn hier besuchte.

„Und was wollen Sie jetzt hier?“

„Ich dachte …“ Boerne zögerte kurz. „Weil Sie sich krank gemeldet haben. Ich dachte, ich sehe mal nach Ihnen.“

„Na das haben Sie ja jetzt getan.“ Mit einer Hand machte er eine scheuchende Bewegung und biß sich gleich darauf auf die Lippe, weil er dabei auch den Rücken zu viel bewegt hatte. Verdammt. Er hätte doch weiter ins Hallenbad gehen sollen zum Duschen, statt zu versuchen dieses Drecksding sauber zu kriegen.

„Entschuldigen Sie, daß ich mir Sorgen mache“, sagte Boerne, und da war er wieder, der vertraute sarkastische Tonfall. Und er hätte genau so antworten müssen, hätte Boerne die Tür vor der Nase zuschlagen sollen, aber es tat so weh, Boerne reden zu hören als ob sich nichts geändert hatte, daß er überhaupt nicht reagierte. Nicht einmal, als Boerne einen Schritt auf ihn zu machte – statt zu gehen, wie man es nach so einer Bemerkung eigentlich hätte erwarten können. Beim nächsten Schritt mußte er selbst einen Schritt zurückweichen, wenn sie nicht zusammenstoßen sollten, und dann war er schon damit beschäftigt zu fluchen, weil er sich dabei höchst unglücklich den Rücken verdreht hatte.

„Sie sollten wirklich liegen und den Rücken entlasten.“

„Das hab‘ ich ja! Bis Sie geklingelt haben!“

Boerne nickte mit dem Kopf den Flur hinunter. „Dann legen Sie sich wieder hin.“


***


„Haben Sie was gegen die Magenschmerzen genommen?“ fragte Boerne, als er die halbleere Packung Schmerzmittel auf seinem Nachttisch sah.

Thiel bis die Zähne zusammen, während er versuchte in eine halbwegs bequeme Position zu kommen. „Nein.“

„Ich hab‘ Ihnen was mit gebracht.“ Boerne stellte die Tasche neben seinem Bett ab und ließ seinen Blick durchs Zimmer schweifen. „Wo ist denn die Küche?“

„Die zweite Tür rechts“, murmelte Thiel. Er war wirklich froh, daß Boerne mit keinem Wort seine Wohnsituation erwähnte. Während er vorhin im Schneckentempo den Flur zurück in sein Zimmer geschlichen war, hatte er ja mit jedem Schritt mit einer Bemerkung gerechnet. Das nennen Sie also sich vergrößern. Da haben Sie sich ja wirklich verbessert, kein Wunder, daß Sie sich das Angebot nicht entgehen lassen konnten. Er konnte die Sätze regelrecht hören in Boernes Tonfall. Aber der andere hatte geschwiegen und war einfach nur langsam hinter ihm her gelaufen.

Natürlich war zu befürchten, daß Boerne sowieso wußte, daß das alles nur ein Vorwand gewesen war. Man konnte dem anderen ja viel vorwerfen, aber dumm war er nicht.

Boerne war wieder zurück und stellte ein frisches Glas Wasser vor ihm ab. „Dem Zustand der Küche nach zu urteilen, ist das hier eine Männer-WG.“

„Frauen können genauso schlampig sein.“ Nadeshda hatte nicht umsonst ausgiebig mit ihm geübt, sexistische Bemerkungen zu identifizieren und zu vermeiden.

Boerne hob eine Augenbraue, verkniff sich aber eine Antwort. Stattdessen streckte er ihm eine Hand hin, um ihm wieder aufzuhelfen. „Im Liegen können Sie die nicht schlucken.“

Er hätte es nicht tun sollen. Genau deshalb war er doch überhaupt erst ausgezogen, um solche Situationen zu vermeiden. Aber irgendetwas in ihm war stärker als dieser völlig vernünftige Gedanke. Dieses bescheuerte Mal, oder, wahrscheinlicher, schlichtweg die Macht der Gewohnheit. Jedenfalls griff er zu und ließ sich helfen, bis er neben Boerne saß und Glas und Tablette greifen konnte, während der andere einen stützenden Arm um ihn gelegt hatte. Nicht daß das streng genommen nötig gewesen wäre, aber es tat gut.


***


Das Schmerzmittel wirkte, das Mittel gegen die Magenschmerzen auch, und die Wärmflasche, die Boerne in der Aktentasche versteckt hatte, tat ihr übriges. Ihm ging es deutlich besser als nach seinem ersten Versuch an diesem Morgen aufzustehen. Boerne hatte das Zimmer gelüftet, die Klamotten weggeräumt, die er gestern nicht mehr vom Boden hatte aufheben können, und ihm etwas zu essen gebracht.

Über den Umzug hatten sie nicht geredet. Und erst recht nicht über das Mal. Er hatte sich nicht mal bedankt, obwohl ihm klar war, daß er allen Grund dazu hatte. Er hatte auch nicht gefragt, wieso Boerne so einfach während der Arbeitszeit bei ihm vorbeischauen konnte. Das hätte er alles tun sollen, aber ihm fielen schon wieder die Augen zu, jetzt, wo die Schmerzen fast abgeklungen waren und er sich endlich entspannen konnte. In der letzten Nacht hatte er kaum mehr als ein paar Minuten am Stück geschlafen.

„Das Bett ist wirklich nichts für Sie“, sagte Boerne. „Schaumstoffmatratze. Für den Vorbesitzer mag das ja in Ordnung sein, für einen Mann Ihres Alters und Ihrer Statur hingegen …“

„Na, danke auch für die Blumen“, brummte Thiel. Die Augen machte er gar nicht mehr auf, nicht einmal, als die Matratze leicht nachgab, weil Boerne sich zu ihm gesetzt hatte. Naja. Mehr als leicht. Für Boernes Statur war das Bett auch nicht gemacht.

Als er Boernes Hand an der Schulter spürte, zuckte er nicht einmal zusammen, so weit weg war er schon. „Sie sollten wieder nach Hause kommen. Ein paar Nächte im eigenen Bett, und sie sind wieder fit wie ein Turnschuh.“

Thiel schnaubte. Echt, wer redete noch so. Außer Boerne. „Haben Sie Probleme, Nachmieter zu finden oder was?“

„Ich suche keinen Nachmieter.“

Ihm wurde es schlagartig warm, und das lag nicht an der Wärmflasche. „Ich … laß mich garantiert nicht von irgend so einem Voodoo zwingen, also -“

„Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, daß Sie Ihr Leben gerade genauso sehr beeinflussen lassen, wegen irgendeines absurden Aberglaubens?“ Boerne klang aufgewühlter, als er ihn je erlebt hatte. „Oder wollten Sie wirklich ausziehen? Wollten Sie wirklich, oder machen Sie das nicht auch nur, weil Sie denken, dieses … Muttermal hätte irgendeine Bedeutung?“

Von der Seite hatte er die Sache tatsächlich noch nicht betrachtet.

„Wollen Sie wirklich hier wohnen?“

„… Nein.“

„Dann kommen Sie wieder nach Hause.“

Thiel zögerte. Auf einem Schmerzmittelhoch sollte man vielleicht wirklich keine lebensverändernden Entscheidungen treffen. „Ich denk‘ drüber nach.“

Boernes Hand drückte seine Schulter, und Sekunden später spürte er Lippen an seiner Schläfe. Das gehörte definitiv nicht zum üblichen Programm, aber er war zu erschöpft, um sich darüber auch nur zu wundern. „Schlafen Sie erst mal eine Runde. Ich schaue heute Abend nochmal nach Ihnen.“


***


Zwei Tage später waren die Rückenschmerzen größtenteils abgeklungen. Drei Tage später schrieb ihm sein Zwischen-Vermieter, daß sein Praktikum im Ausland sich erledigt habe und er wieder zurück nach Münster kommen müsse, ob er eventuell früher wieder in sein Zimmer … Vier Tage später beauftragte er dasselbe Umzugsunternehmen, das seine Sachen ausgeräumt hatte, die wieder zurück in seine Wohnung zu liefern. Eine Woche später war er wieder zuhause.


* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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