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Das Mal - Teil 8

Prompt: Romantik/Intimität – Signifikante Größenunterschiede – fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 16
Genre: AU, Seelenverwandte, Slash, Fluff, nicht expliziter Sex (meine Lieblingsdisziplin)
Handlung: Es kommt zum äußersten. So wie bei den meisten romantischen Beziehungen früher oder später …
Länge: ca. 1.200 Wörter
Zeit: ca. 100 Minuten
A/N: Jetzt hab‘ ich’s geschafft, am Ende das Rating noch hochzuschrauben … Aber wenigstens habe ich mir die anderen Assoziationen verkniffen, die einem bei dem Prompt noch so durch den Kopf gehen könnten ;)


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***


Es fühlte sich richtig an. So richtig, daß Thiel sich jeden zweiten Tag fragte, wie er so dämlich hatte sein können und das nicht früher merken. Oder früher was tun, was gemerkt hatte er ja, wenn er ehrlich war. Er hatte nur Jahre damit zugebracht zu verdrängen, was er merkte. Und jetzt stimmte plötzlich alles. Boerne konnte ihn anfassen, ohne daß ihn das aufregte – also jedenfalls nicht in der Art wie früher. Und er konnte Boerne einfach in den Arm nehmen, wenn er nicht wußte, was er sagen sollte, was auch ausgesprochen praktisch war. Er mußte sich auch nicht mehr fragen, wie es bloß passieren konnte, daß sie so viel Zeit zusammen verbrachten. Und Boerne mußte seine Termine nicht mehr unauffällig nach dem St. Pauli Spielplan ausrichten (auch wenn er immer noch steif und fest behauptete, das habe er früher gar nicht gemacht, das sei der reine Zufall gewesen – sein Unterbewußtsein traf es wohl eher).

Von jetzt auf gleich waren sie von „wir sind nur sowas wie Freunde“ zu „wir sind seit zwanzig Jahren zusammen“ übergegangen. So vertraut und richtig fühlte sich alles an, als wäre es nie anders gewesen. Nur über das Küssen waren sie noch nicht hinausgekommen. Thiel konnte nicht wirklich sagen, weshalb, ob es an Boerne lag oder an ihm oder an ihnen beiden oder schlichtweg an der Tatsache, daß die Arbeit keine Rücksicht auf ihre veränderten Verhältnisse nahm und sie in den letzten Wochen dank diverser Wochenendschichten zu nix gekommen waren als vor dem Fernseher einzuschlafen. Möglicherweise war er auch ein ganz klein wenig zurückhaltend, weil er sich in der Hinsicht nicht so wirklich gut auskannte. Und dann war da ja auch immer noch diese Sache mit seinem eigenen Mal, die er Boerne auch immer noch nicht erzählt hatte. Und einerseits hätte er das auch am liebsten gar nicht getan, denn Boerne glaubte nicht an diesen ganzen Kram und vielleicht wäre es irgendwie komisch zwischen ihnen, wenn er jetzt mit Herberts Geschichte anfing. Andererseits fühlte es sich ganz merkwürdig und direkt falsch an, Boerne so etwas nicht zu erzählen.

Aber jetzt war Wochenende, das erste, an dem sie beide gleichzeitig frei hatten. Und nachdem sie den Samstag erst mal ausgeschlafen und auch ansonsten vor allem gefaulenzt hatten, fühlte er sich so langsam wieder wie ein Mensch und wahrscheinlich war er das jetzt, der richtige Augenblick. Um das zu erzählen.


***


Boerne hatte erst einmal gar nichts gesagt, nachdem er die Geschichte erzählt hatte, so wie er sie von Herbert gehört hatte. Er hatte nur seine Hand genommen und die kleine Narbe angesehen. Und dann, als Thiel schon beinahe aufgegeben hatte, daß der andere zu dem Thema überhaupt noch etwas sagen würde, hatte er „Ich glaube nicht an diesen Unsinn“ gesagt.

„Ich doch auch nicht.“ Was auch stimmte. Er glaubte nicht an so was, nicht wirklich. Aber … es war doch ein erstaunlicher Zufall. Und dann hatte Boerne seine Hand genommen und geküßt, und Magie hin oder her, jedenfalls war ihm schlagartig ganz warm und irgendwie kribbelig geworden. Das konnte aber natürlich genausogut daran liegen, daß sie beide ausgeruht waren und einen freien Tag vor sich hatten und daß er schon eine ganze Weile ganz gerne mehr getan hätte als Boerne zu küssen.

„Kann ich deins auch nochmal sehen?“

Boerne starrte ihn an.

„Wenn … Nur wenn das O.K. ist.“ Mit einem Mal fühlte er sich sehr nervös. Dabei war das ja jetzt gar nichts Unanständiges oder so. Nur der Rücken. Der untere. Und ein Mal, das kaum mehr als vier oder fünf Zentimeter groß war, und das er bisher nur ein einziges Mal gesehen hatte und da auch nur ganz kurz und gar nicht so richtig.

Boerne zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen.“ Er drehte sich um und begann sein Hemd aufzuknöpfen. „Das ist eigentlich nur so eine Art Rohrschachtest. Es sieht ein bißchen so aus wie … naja. Und die meisten lesen das dann hinein.“ Er schob die Hose am Bund nach unten und hob das Hemd an.

Frank

Seine Handschrift. Das erschütterte ihn am meisten. Als hätte er Boerne signiert. Vorsichtig streckte er eine Hand aus und berührte das Mal, zog die Schrift mit einer Fingerspitze nach.

Boerne war zusammengezuckt, als er ihn berührt hatte, aber er hatte nicht versucht, den Kontakt zu unterbrechen oder sein Hemd wieder über das Mal fallen lassen. „Du hast keine Vorstellung, wie oft mich das schon in peinliche Situationen gebracht hat. Wie oft ich erklären mußte, daß ich mir da nicht den Namen meines Seelenverwandten habe hintätowieren lassen – meisten in Situationen, in denen mir nun wirklich nicht der Sinn nach Gesprächen stand.“

Er konnte sich die Situationen lebhaft vorstellen. Ein bißchen zu lebhaft. Thiel biß sich auf die Lippe, um ein Seufzen zu unterdrücken. Er zog den Finger, der immer noch Boernes Rücken berührte, zurück, und legte die ganze Hand auf seinen Namen. Boerne atmete deutlich hörbar ein, sagte aber nichts. Auch nicht, als er die Hand auf dem Rücken nach oben und das Hemd aus dem Weg schob. Und dann konnte er sowieso nicht mehr viel hören über das Pochen seines eigenen Herzschlags in den Ohren, als er mit beiden Händen nach Boernes Hüfte griff und den anderen gegen sich zog. Zum Glück mußte er nichts erklären, was er wollte, war mehr als deutlich. „Oft also, hm?“

„So oft jetzt auch wieder nicht. Also … wenn man das darauf umrechnet, daß ich ja nun auch schon ein paar Jahre älter … ich meine …“ Boerne seufzte, als Thiel sich auf die Zehenspitzen stellte und seinen Nacken küßte. „Hast du dir eigentlich bezüglich der Logistik Gedanken gemacht? Weil –“

„Bett.“

Boerne gab einen zustimmenden Laut von sich und griff nach seiner Hand – die mit dem Mal, natürlich, welche auch sonst – um ihn Richtung Schlafzimmer zu ziehen. Und er stolperte hinterher mit dem deutlichen Gefühl eines Déjà-vus, das allerdings spätestens in dem Moment endete, als Boerne sich zu ihm umdrehte und hektisch das Hemd über den Kopf zerrte.


***


Bett war die richtige Entscheidung gewesen. Im Stehen im Wohnzimmer hätte er das ganz eindeutig nicht geschafft, alleine schon wegen der Logistik, wie Boerne das so nett umschrieben hatte. Er hätte ja auch einfach sagen können Du bist zu klein, das funktioniert so nicht. Thiel sah zur Seite, zu Boerne, der tief und fest schlief, den Kopf auf den Unterarm gelegt und die Lippen leicht geöffnet. Ganz vorsichtig, um den anderen nicht zu wecken, rückte er ein Stückchen näher und küßte ihn. Boerne seufzte und schlang einen Arm um ihn, ohne richtig wach zu werden. Erstaunlich, wie gut sie zusammenpaßten, jetzt und hier war der Größenunterschied genau richtig, das fügte sich zusammen wie zwei Puzzlestücke. Das erinnerte ihn wieder an davor und merkte, wie seine Ohren schlagartig ganz warm wurden; offenbar war sein Kreislauf inzwischen wieder in der Lage, Blut in andere Körperregionen zu schicken. Er vergrub sein Gesicht an Boernes Brust und atmete tief ein. Ihm war immer noch ganz schwindelig, und Boerne war so K.O. gewesen, daß er, kaum daß sie fertig gewesen waren, eingeschlafen war wie ausgeknipst.

Also. Das eben, das war auf jeden Fall was Besonderes gewesen.

Möglicherweise hatte das Mal ja wirklich was damit zu tun, Boerne hatte jedenfalls ziemlich stark reagiert, als er ihn da geküßt hatte, ganz zu schweigen von seiner eigenen Reaktion, als Boerne ihn nicht gerade sanft in die Hand gebissen hatte. Es konnte aber auch einfach nur daran liegen, daß er schon verflucht lange keinen Sex mehr gehabt hatte. Oder daran, daß er bis über beide Ohren verliebt war. Er neigte dazu, auf die letzte Erklärung zu setzen.

Zufrieden schloß er die Augen.


* Fin *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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