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Bis zum bitteren Ende

Prompt: Charakterschwächen – Besserwisser – fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Star Trek TOS
Genre: Pre-Slash, mild h/c, ein wenig Humor
Handlung: Gestrandet auf einem fremden Planeten und das Thermometer sinkt …
Länge: ca. 1.100 Wörter
Zeit: ca. 120 Minuten (das war eine schwere Geburt)
A/N: So richtig trifft es das Prompt nicht, fürchte ich. Und es ist auch sehr merkwürdig ein Pairing zu schreiben, das man schon sein halbes Leben shippt, aber noch nie so richtig geschrieben hat. Wirklich gelungen sind sie mir auch nicht, aber ich hatte Lust sie zu schreiben, und wann, wenn nicht jetzt … eine Weltherrschaft rechtfertigt doch alles ;)


***


Spock sah zum wiederholten Mal auf seinen Tricorder. „Minus 20 Grad.“ Als würde ihnen das irgendwie weiterhelfen zu wissen, wie kalt es inzwischen genau war. Er schlang die Arme fester um sich und versuchte sich so klein wie möglich zu machen. Oberfläche minimieren, Wärme sparen.

„Das wird Ihnen nur sehr begrenzt helfen“, klärte Spock ihn auf. „Sie können der Kälte auf Dauer nichts entgegensetzen.“

„Was Sie nicht sagen.“ Sein Atem bildete kleine Wölckchen. Das Zittern hatte schon vor einigen Minuten aufgehört – kein gutes Zeichen.

„Unsere Messungen von der Enterprise aus haben gezeigt, daß es auf diesem Planeten über Nacht -“

„- bis zu 40 Grad minus wird, das weiß ich auch, Spock!“ Er sollte seine Energie lieber sparen und weniger reden, aber bei Gott, wenn ihn etwas an Spock besonders nervte, war es diese elende Besserwisserei. Als wüßte er nicht auch so gut genug, wie kritisch ihre Situation war.

„Und die Nacht dauert hier zweiundzwanzig Stunden und fünfzehn Minuten“, redete Spock unbeirrt weiter. „Wir haben keine Überlebenschance.“

„Es gibt immer eine Chance.“ Leonard suchte den letzten Rest Helligkeit am Horizont. Vor ein paar Minuten war die zweite Sonne des Planeten untergegangen, und jetzt wurde es stetig dunkler.

„Ich kann Ihnen versichern, daß ich alle Faktoren einbezogen und -“

„Spock!“ Und jetzt ging der Mond auf. Drei Monde, ein wirklich spektakuläres Schauspiel. Nur daß das Mondlicht leider nicht im geringsten wärmte. Er versuchte sich noch ein wenig kleiner zu machen. „Die Enterprise wird uns finden.“

„Die Enterprise erwartet erst in“, Spock sah auf den Tricorder, „neunzehn Stunden und einundvierzig Minuten unsere nächste Meldung. Bis dahin werden wir bereits tot sein.“

Er hätte gestöhnt, wenn er noch die Energie dazu gehabt hätte. „Irgendwas wird passieren.“

„Und auf welcher Basis treffen Sie diese Aussage, Doktor?“

„Erfahrung.“

„Erfahrung.“

Er schloß die Augen und versuchte sich darauf zu konzentrieren, ganz flache Atemzüge durch die Nase zu nehmen, damit die Luft etwas angewärmt wurde, bevor sie die Lungen erreichte. „Wir sollten versuchen das bißchen Wärme zu teilen, das wir zur Verfügung haben.“

Spock setzte sich endlich neben ihn. „Das wird uns auch nicht helfen. Es wird das Unvermeidliche nur ein paar Minuten hinauszögern.“

„Können Sie vielleicht auch noch von irgendetwas anderem reden als von unserem bevorstehenden Tod?!“

„Falls Ihnen das ein Trost ist – Sie werden zuerst sterben.“

Es war erstaunlich, wie sehr die Wut seine Lebensgeister wieder weckte. „Werde ich das.“

„Die menschliche Physiologie -“

„Sie verstehen doch überhaupt nichts von Menschen! Und außerdem haben sich Vulkanier an heiße Lebensräume angepaßt und verkraften Kälte äußerst schlecht!“

Spock sagte nichts, aber er war sich sicher, daß der andere eine Augenbraue anhob. Falls die nicht schon festgefroren war. „Es ist nun einmal eine Tatsachse, daß der Körper eines Vulkaniers unter Belastungen weitaus länger -“

„Wissen Sie, was wirklich eine Tatsache ist?“ Das Zähneklappern hatte wieder angefangen und er war sich nicht sicher, daß das ein gutes Zeichen war. „Daß der Vulkanier als solcher und Sie im speziellen eine unerträgliche Nervensäge sind!“

„Ich stelle lediglich die Fakten fest.“

„Sie brauchen mir die Fakten nicht unter die Nase zu reiben, Spock. Oder denken Sie, ich weiß das nicht alles selbst?“

Spock schwieg. Und er verlor langsam aber sicher das Gefühl in Händen und Füßen. Bis vor kurzem war da noch ein beißender Schmerz gewesen, und jetzt nur noch ein dumpfes Pochen. Er wußte, was das bedeutete. Und er wußte, daß es Spock nicht besser ging, selbst wenn der einige Zeit länger durchhalten konnte als er.

„Möglicherweise …“ Spock räusperte sich. „Vielleicht wäre es nicht nötig gewesen, das näher auszuführen.“

„Tatsächlich“, murmelte er. Eigentlich hatte er mehr Sarkasmus in seine Stimme legen wollen, aber irgendwie fehlte ihm die Energie dafür. Und vielleicht war jetzt auch nicht mehr die Zeit für Sarkasmus.

„Ich … Es fällt mir nicht immer leicht einzuschätzen, wann eine Information überflüssig ist.“

„Spock …“ Er mußte das jetzt sagen. Vielleicht war er nicht mehr lange in der Lage zu reden. „Könnten Sie mich bitte …“

„Was?“

In den Arm nehmen, das klang irgendwie zu … emotional für Spock. „… festhalten?“

„Auch wenn meine Körpertemperatur etwas höher ist als die eines Menschen, wird das keine langfristige Hilfe sein, es ist sogar –“

„Spock. Bitte.“ Er fühlte schon gar nichts mehr. Und er wurde immer müder. „Sehen Sie es als menschliche Schwäche.“

Zum Glück diskutierte Spock nicht mehr länger, sondern zog ihn an sich, bis er ganz gegen ihn gelehnt war, fest umschlossen von zwei Armen. Und natürlich hatte Spock recht, er fühlte fast gar nichts, schon gar keine Wärme. Aber es war besser. Besser als alleine zu sterben. Und er hätte noch so viel sagen müssen, all die Dinge, die er in all den Jahren ungesagt gelassen hatte, aber er wußte, daß er das nicht mehr schaffen würde. Hoffte, daß Spock das vielleicht trotzdem wußte. Fühlte. Mit seinen telepathischen Fähigkeiten und der Nähe. Und er hätte Spock so gerne noch gesagt, daß …

„Eine Chance von eins zu einer Million.“ Wo hatte er das nur gelesen?

„Was?“ fragte Spock, und im gleichen Moment spürte er es. Dieses kribblige Gefühl kurz vor der Desintegration, von dem die Fachliteratur behauptete, es könne gar nicht existieren. Ein Transporterstrahl. Die Enterprise –


***


Als er wieder zu sich kam, war er in vertrauter Umgebung, wenn auch in einer Lage, die er nach Möglichkeit vermied. Er blinzelte und die Konturen der Decke der Krankenstation wurden langsam schärfer. Und es war warm. So warm, daß er wieder frieren konnte, was sein Körper weidlich ausnutzte und ihn von Kopf bis Fuß zittern ließ.

„Dr. McCoy.“ Die Stimme war unverkennbar. „Sie sind wieder bei Bewußtsein.“

Spock. Der das Offensichtliche feststellte, wie üblich.

Er versuchte den Kopf zu bewegen, ganz vorsichtig, und da war Spock, in Uniform und kein Haar am falschen Platz, als wären sie nicht gerade eben fast gestorben. Eine ziemlich komplizierte Geschichte über die Enterprise und die Gründe für eine plötzliche Kursänderung rauschte an ihm vorbei, aber das war ihm eigentlich auch reichlich egal. Hauptsache, die anderen hatten sie rechtzeitig gefunden.

„Das abgestorbene Gewebe wurde regeneriert, und Ihre Körpertemperatur langsam erhöht. Sie sollten die Krankenstation morgen schon wieder verlassen können.“

„Danke für diese Information, Dr. Spock.“

Täuschte er sich, oder hatte die spitzen Ohren des anderen eine leicht grünliche Färbung angenommen? Schlagartig mußte er an seine letzten bewußten Momente da unten auf Planet 347897 denken. Hatte Spock gefühlt, was er gedacht hatte? Oh Gott, er hoffte nur, der andere hatte das nicht getan. Oder wenigstens nicht richtig verstanden.

„Hören Sie, ich –“

Eine warme Hand berührte seine Schulter und machte es unmöglich weiterzureden. Oder auch nur zu denken. „Sie sollten jetzt schlafen und sich erholen.“

Irgendwas war anders. Er konnte es fühlen. Das waren nicht seine Gefühle, das war … Spock?

Wir reden morgen, Leonard.


* Fin *
Tags: !120 minuten, f: star trek tos, g: fanfic, g: slash, p: mccoy / spock
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