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Nachbeben

Prompt: Angst - vergeben, nicht vergessen - fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Fandom: Sherlock Holmes (Granada)
Rating: P 12
Genre: angst, Pre-Slash
Handlung: Nach Reichenbach. Holmes ist zurück, und an der Oberfläche ist alles wieder wie zuvor.
Länge: ca. 600 Wörter
Zeit: ca. 90 Minuten
A/N: Das sollten mal zwei Doppel-Drabble werden, aber ich habe kapituliert ;)


***


Er weiß, daß Watson seine Gründe versteht. Die Entscheidung war logisch und richtig und hatte nicht zuletzt den Zweck, Watson zu schützen. Was Watson nicht weiß, ist, was ihn diese Entscheidung gekostet hat. Wie schwer es ihm gefallen ist, seinen liebsten Freund zu täuschen und ihm solchen Schmerz zu bereiten. Aber das ist ja auch nicht das, worum es hier geht. Worum es geht, ist, daß es die richtige Entscheidung war, die einzig mögliche. Auch wenn es bedeutete Watson glauben zu lassen, daß er bei diesem Kampf gemeinsam mit Professor Moriarty umgekommen ist.

Er weiß, daß Watson ihm vergeben hat, daß er ihn das glauben ließ. Daß er ihn diesem Schmerz ausgesetzt hat. Und mehr konnte er doch nicht erwarten. Vielleicht hat er nicht einmal das erwartet, aber Watson ist ein guter Mensch. Großherzig.

Und doch. Es ist anders zwischen ihnen. Immer wieder spürt er, wie Watson ihn ansieht – als würde er ihn gar nicht kennen. Als würde er sich fragen, was das für ein Mensch ist, der seinen besten Freund glauben läßt, er sei tot. Watson vertraut ihm nicht mehr, und wer könnte ihm das auch verübeln.

Und wenn er es wüßte, wenn er wüßte, wie schwer ihm das alles gefallen ist, wenn er von der Natur seiner Gefühle wüßte, er würde ihm noch weniger vertrauen.


***


Holmes ist nicht mehr derselbe, seit er wieder zurück ist. Watson richtet seinen Blick schnell wieder auf die Zeitung in seinen Händen als er spürt, daß der andere ihn bemerkt hat. Aber mit den Gedanken ist er ganz woanders als bei dem Artikel, der aufgeschlagen vor ihm liegt. Holmes hat sich verändert, und er hat vielleicht zum ersten Mal, seit sie sich kennen, nicht die geringste Ahnung, was zwischen ihnen steht.

Als wäre ein anderer Mensch zurückgekommen von den Toten. Er hätte ihm wirklich nicht so schnell vergeben sollen, was er ihm damit angetan hat, aber seine Freude war so groß gewesen. (Er war so überwältigt gewesen, daß er das Bewußtsein verloren hatte wie die Heroine in einem schlechten Liebesroman, was ihm immer noch ein wenig peinlich ist.)

Nur vergessen kann er das alles nicht, wie könnte er auch. Wie könnte das irgendjemand. Manchmal wacht er jetzt noch mitten in der Nacht schweißgebadet auf und denkt, daß alles nur ein Traum war, daß Holmes wirklich und wahrhaftig tot ist. Daß er ihn verloren hat. Und obwohl er weiß, daß das nicht stimmt, muß er aufstehen und hinüber zu Holmes Schlafzimmer gehen, weil er es erst glaubt, wenn er sein Ohr an die Tür legt und die ruhigen Atemzüge des anderen hört. Das kann er Holmes natürlich nicht erzählen. Genausowenig wie er ihm das Ausmaß seiner Verzweiflung erklären kann. Oder daß er seither weiß, was er vorher bereits geahnt, aber nicht vor sich selbst zugegeben hat.

Watson sieht auf, als Holmes sich räuspert. Ihre Blicke treffen sich und für einen Moment glaubt er, etwas in Holmes Miene zu sehen, was nicht da ist und nie da sein kann. Dinge zu sehen, die nicht da sind, oder alltägliche Kleinigkeiten überzuinterpretieren – das ist das Wesen einer solchen Besessenheit, das hat er als Arzt oft genug erlebt, wenn auch meistens bei hysterischen jungen Frauen. Und dann tut er das, was er sich als Arzt auch selbst empfehlen würde. Er reißt sich zusammen. Er verscheucht die irrationalen Gedanken. Er macht so weiter wie bisher, weil sich die Normalität ja irgendwann wieder einstellen muß, wenn er sich nur genügend Mühe gibt.


*Fin *
Tags: !120 minuten, f: sherlock holmes, g: fanfic
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