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Auf der Reise

Prompt: AU – New Earth – fürs Team
Team: Weiß (Titanic)
Rating: P 6
Genre: AU, Humor, Slice of Life
Handlung: So eine Reise zu einer neuen Heimat kann verdammt lange werden, wenn man mit den richtigen falschen Menschen unterwegs ist …
A/N: Thiel ist auch in diesem Universum ein Muffelkopp und weiß es leider nicht zu schätzen, wenn man ihm Aufmerksamkeit entgegenbringt ;) Und meine AU-Muskeln sind ganz schön ungeübt – trotzdem war es als Experiment ganz nett.
Länge: ca. 800 Wörter
Zeit: ca. 60 Minuten


***


Thiel brummte unwillig, als ihn das unangenehme Surren des Schiffsweckers aus dem Schlaf riß. Das war immer dasselbe, wenn die Schichten rotierten und man von der Alpha- in die Gammaschicht mußte: Er fühlte sich, als hätte er gerade erst die Augen zugemacht. Schon mehr als einmal hatte er nachgefragt, warum sie die Schichten überhaupt rotieren ließen – es war ja nicht so, als ob es hier draußen einen Unterschied zwischen Tag und Nacht gab. Aber der Kapitän hatte alle Eingaben kurzerhand abgelehnt; mit dem Argument, daß das dem sozialen Gefüge der Mannschaft schaden würde, wenn jeweils das gleiche Drittel schlief.

Ihm persönlich wäre es ja recht gewesen, wenn er ein Drittel der Mannschaft nie gesehen hätte, dachte Thiel, während er die Ultraschalldusche eine Stufe höher drehte. Das Mistding arbeitete auch schon wieder nur noch mit halber Kraft, sie mußten sich dringend die Stromkreise im Hygiene-Untersystem überprüfen. Für seinen Geschmack waren es jedenfalls sowieso schon viel zu viele Menschen hier auf viel zu engem Raum.

Aber natürlich hatten sie nicht all zu große Alternativen gehabt, als sie damals gestartet waren vor fünfzehn Jahren. Es war ohnehin ein halbes Wunder, daß sie die Raumschiffe noch rechtzeitig startbereit gekriegt hatten. Jahrelang hatten sie im Akkord auf dieses Ziel hingearbeitet, immer den nahenden Untergang vor Augen. Und als sie dann gestartet waren, war natürlich noch lange nicht alles fertig, und überfüllt waren sie außerdem. Die technischen Probleme hatten sie mittlerweile einigermaßen im Griff, die Enge war geblieben – auch wenn mittlerweile einige der Älteren gestorben waren, aber dafür wurden ja auch Kinder geboren. Die Situation hatte sich erst entspannt, als sich ein Teil der Flotte auf Planet M-209156 niedergelassen hatten. Keine idealen Bedingungen, aber besiedlungsfähig. Er schaltete die Dusche aus, als er seine Kollegin an die Tür klopfen hörte, und öffnete die Tür. „Jaha … bin schon fertig.“

Krusenstern hob eine Augenbraue, sagte aber nichts. Thiel grinste. Man konnte eben nicht immer den morgendlichen Wettlauf zur Dusche gewinnen. Komisch. Er dachte immer noch morgendlich, obwohl es schon so lange keinen Morgen mehr gab. Nur noch Schichtbeginn. Zügig ging er an der Reihe der gähnenden Kolleginnen und Kollegen vorbei, die alle auf ihre fünf Minuten in den Duschen warteten. Immerhin, der Prozess war sehr viel effizienter geworden. Mensch und Kleidung wurden in einem Zug gereinigt, man konnte jeden Tag die gleiche Uniform tragen und mußte sich über nichts weiter Gedanken machen. Das kam ihm sehr entgegen. Wobei er das Gefühl von Wasser auf seiner Haut auch nach all den Jahren noch vermißte.

Jedenfalls, der Kapitän mochte vielleicht an den sozialen Zusammenhalt der Mannschaft denken, aber er wußte, daß man auf anderen Schiffen der Flotte schon lange ein festes Schichtsystem eingeführt hatte, und vermutete insgeheim, daß Kapitän Klemm nur keine Lust hatte, immer in der Gegenschicht zu ihrer Stellvertreterin zu sein. So landeten die beiden wenigstens hin- und wieder im gleichen Schlafrhythmus. Was, wenn man dem Schiffsflurfunk Glauben schenkte, den beiden aus privaten Gründen äußerst wichtig war.

Deshalb also weiterhin die Rotation. Mit dem Effekt, daß er alle paar Wochen in die Phase entrat, in der er mit seinem Vater in der gleichen Schicht war. Und bei aller Sohnesliebe – das war verflucht anstrengend, Herbert bei jeder Mahlzeit in der Kantine zu treffen. Endlose Geschichten über das Wachstum diversen Grünzeugs in den hydroponischen Gärten, das konnte ganz schön nerven. War ja schön, daß die Bio-Einheit den Rest der Mannschaft mit frischem Grünzeug versorgte, und er wußte den Beitrag seines Vaters durchaus zu würdigen, aber man mußte darüber doch nicht endlos reden! Schlimmer war nur noch –

„Ah, Hauptmechaniker Thiel! Ist der Platz noch frei?“

Dr. Boerne aus der medizinischen Einheit, selbsterklärtes medizinisches Genie und Nervensäge vor dem Herrn. Ein Nein wäre schlichtweg ignoriert worden, das hatte er in den ersten Jahren mehrfach ohne Erfolg probiert. Aus irgendeinem Grund dachte dieser Boerne, daß sie sowas wie Freunde wären. Und das, obwohl ihre Bekanntschaft mit einem ausgeschlagenen Zahn begonnen hatte, als er an einem der ersten Tage der Reise eines der Zentral-Relais ausgebaut, sich möglicherweise etwas zu schwungvoll umgedreht und Krusenstern voll im Gesicht getroffen hatte. Der anschließende Besuch auf der medizinischen Station hatte sie beide jedenfalls zusammengeschweißt, also Krusenstern und ihn. Und komischerweise hatte er seither Boerne am Rockzipfel, vor allem als sie dann nach Schichtende auch noch festgestellt hatten, daß ihre Schlafkojen vom gleichen Flur abgingen und sich direkt gegenüber lagen.

Lustlos kaute er seinen Riegel Proteinersatz, während Herbert von der einen Seite was über Zuchtversuche mit Rucola erzählte und ihn Boerne von der anderen Seite darüber informierte, daß die Röteln ausgebrochen waren und die Hälfte der Belegschaft unter zwölf seine Station heimgesucht habe.

Thiel seufzte.

Noch fünf Jahre …

* Fin *


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Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: alternate universe, g: fanfic, p: thiel / boerne
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