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Neue Welten - Kapitel 2

> hier ist Kapitel 1


Rating: P 6
Genre: AU, Humor, ein ganz klein wenig h/c, evtl. Pre-slash
Länge: ca. 1.100 Wörter

***

Verdammt. Jetzt wußte er wieder, warum er die Sache mit den Stromkreisen im Hygiene-Untersystem so lange aufgeschoben hatte. Seufzend öffnete er die Abdeckung des Zugangsschachts. Welcher Idiot hatte sich das wieder ausgedacht? Das war eine rhethorische Frage, er kannte den Idioten oder vielmehr die Idiotin aus der Entwicklungsabteilung. Die verdienstvolle Kollegin, korrigierte er sich in Gedanken. Schließlich war es nicht zuletzt Silke Haller zu verdanken, daß sie es geschafft hatten, rechtzeitig aufzubrechen. Er zwängte sich in den Schacht. Das änderte allerdings nichts daran, daß Frau Haller von den Niederungen der Raumschiffwartung wenig Ahnung hatte. Und noch dazu neigte, ihr eigenes Körpermaß als Größenmaßstab zu nehmen – das stritt sie zwar immer ab, aber er war sich sicher, daß sie auf keinen Fall seine Proportionen bei der Planung der Wartungsschächte im Blick gehabt haben konnte.

Er stockte.

Vielleicht hätte er den zweiten Proteinriegel heute Morgen doch sein lassen sollen. Die Dinger schmeckten ja nicht mal nach was.

Zweiter Versuch. Das war ja lächerlich, seit fünfzehn Jahren nahm er diesen Zugang, wenn er an die Hygiene-Untersysteme ranmußte. Er hielt die Luft an und versuchte, mit dem linken Fuß die nächste Sprosse zu erreichen.

Keine Chance. Thiel seufzte, nur um sich unangenehm bewußt zu werden, daß er kaum tief einatmen konnte, so eng war das hier. Er würde Krusenstern rufen müssen, die paßte auch durch die schmalsten Wartungsschächte. Dazu müsste er jetzt hier nur erstmal wieder raus kommen. Er drückte sich nach oben … aber nichts. Er hielt die Luft an, bis er fast blau wurde im Gesicht, und versuchte sich mit aller Kraft aus dem Schacht zu winden.

Na toll.

***

Eine knappe halbe Stunde später kapitulierte er. Das wurde langsam immer unbequemer hier, vermutlich hatte er schon lauter blaue Flecken. Und dann würden sie ihn sowieso über kurz oder lang vermissen und dann würde ihn jemand suchen und den Weg zu seinem letzten Einsatz abgehen, das sah das Protokoll so vor. Bei seinem Glück war das dann ausgerechnet Bulle, und wenn der ihn so fand, kannte die Geschichte bald das ganze Schiff, ach was sagte er – die halbe Flotte. Nein, er würde Krusenstern rufen, solange er noch die Chance dazu hatte. Die würde sich zwar auch scheckig lachen, wenn sie ihn hier so fand, aber sie würde die Geschichte nicht weitererzählen. Also … wenigstens nicht so vielen Leuten wie Bulle.

***

„Thiel …. Das geht so nicht.“ Krusenstern ließ sich erschöpft auf den Boden fallen. „Sie sitzen zu fest! Wir müssen Hilfe rufen.“

„Nein!“

„Thiel ...“ Krusenstern stemmte die Hände in die Hüften. „Jetzt seien Sie doch vernünftig. Was bleibt uns denn sonst übrig.“

Er hätte gerne protestiert, aber irgendwie fehlte ihm die Luft dazu. Tief einatmen ging schon die ganze Zeit nicht mehr, und seit Krusenstern eben an ihm herumgezerrt hatte, schien er sich noch fester verkeilt zu haben. Der Druck auf seinen unteren Brustkorb wurde jedenfalls langsam richtig unangenehm.

„Ich kontaktiere -“

„Boerne.“

„Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“ Krusenstern sah ihn skeptisch an. „Wollen Sie sich das echt antun? Das reibt er Ihnen noch den Rest der Reise unter die Nase. Und Sie wissen -“

„Wir sind noch einige Jahre unterwegs, ja.“ Er versuchte sich zu drehen und biß sich auf die Lippen, als ihn ein stechender Schmerz durchzuckte.

„Und wieso denken Sie überhaupt, daß der das schafft, wenn ich es nicht schaffe.“ Seine Kollegin klang eindeutig eingeschnappt, aber darauf konnte er jetzt keine Rücksicht mehr nehmen.

„Zu zweit schaffen Sie das.“ Und dann hatte er einmal miterlebt, wie Boerne geholfen hatte ein Kind auf die Welt zu bringen - damals, als sie mit Leutnant Schneider im Lift festgesessen hatten. Ein Erlebnis, daß er seither gründlich verdrängt hatte, aber jetzt ploppte die Erinnerung plötzlich wieder auf. Boerne kannte sich eindeutig damit aus, irgendwas irgendwo raus zu kriegen.

***

Boerne war überraschend schnell da, was vermutlich daran lag, daß Krusenstern nur von einem Notfall gesprochen hatte, und daß Thiel Hilfe brauche. Noch überraschender war, daß er nicht lachte, als er Thiel sah. Stattdessen ging er neben dem Wartungsschacht in die Knie und fühlte seinen Puls. „Kriegen Sie genug Luft?“

„Geht so.“ Er versuchte den Kopf wegzudrehen. „Hören Sie, wir brauchen nur jemand zweites zum Ziehen. Mir geht's gut.“

Boerne hob eine Augenbraue, aber er sagte nichts weiter. Und dann ging zum Glück alles ziemlich schnell. Jeder packte einen Arm, Boerne sagte Atmen Sie so tief wie möglich aus und schon purzelte er aus dem Wartungsschacht wie eine widerspenstige Rübe, die sich aus der Erde löste. Er atmete erleichtert ein und biß sich gleich wieder auf die Lippen, als seine Rippen protestierten.

„Chef ...“

„Oh, Entschuldigung.“ Er rollte zur Seite, damit Krusenstern freikam, und landete halb auf Boerne. „Entschuldigung.“

„Krankenstation.“ Boerne sah ihn streng an. „Sofort.“

***

„Finden Sie nicht, daß Sie etwas übertreiben?“ Widerwillig zog er das T-Shirt über den Kopf. Die Bewegung konnte er jetzt gerade gar nicht brauchen. „Ich hab' mir wahrscheinlich ein paar blaue Flecken geholt. Das ist alles.“

„Ihr Puls war deutlich erhöht, die Atmung flach, und vermutlich -“, zwei warme Hände berührten ihn zielsicher dort, wo es am meisten wehtat, „- haben Sie sich ein paar Rippen geprellt, wenn nicht gar gebrochen.“

„Blaue Flecken.“ Er biß die Zähne zusammen, als Boernes Hände seinen Oberkörper abtasteten.

„Gebrochen scheint nichts zu sein.“ Boerne ließ ihn wieder los. „Ich gebe Ihnen ein Schmerzmittel und Heparin, und sie sollten sich unbedingt ein paar Tage schonen. Keine übermäßige körperliche Betätigung, auch wenn ich Ihnen normalerweise eher das Gegenteil empfehle, und vor allem: Finger weg von den Wartungsschächten.“

Thiel brummte unwillig und schielte mißtrauisch zu der Spritze, die der andere aufzog. „Wieso haben wir eigentlich immer noch kein Hypospray erfunden?“

„Weil das hier das echte Leben ist und keine Science Fiction.“ Boerne griff nach seinem Arm. „Und außerdem haben Sie wirklich ausreichend Unterhautfettgewebe zu bieten für eine subkutane Injektion.“

„Au!“ Er zog den Arm wieder zurück und warf Boerne einen finsteren Blick zu. „Jetzt gehen Sie mir damit nicht auch noch auf die Nerven! Als würde Sie das was angehen, ob ich ein paar Kilo zu viel auf den Rippen habe!“

„Darum geht es doch gar nicht …“ Boerne wedelte mit den Händen auf Bauchhöhe vor ihm herum und er war kurz davor, sie wegzuschlagen. „Ich finde ja, ein Kilo mehr hier und da kann einen Mann durchaus kleiden.“

„Was?“

„Aber wenn Sie weiterhin selbst durch die Zugangsschächte wollen, und ich weiß, wie wichtig Ihnen das ist, dann -“

„Bloß weil Frau Haller dabei nur Zwerge im Kopf hatte, muß ich noch lange nicht –“

„Frau Dr. Haller hat exzellente Arbeit geleistet, wie immer.“ Boerne funkelte ihn böse an und er erinnerte sich etwas zu spät daran, daß die zwei ziemlich eng waren. Nach allem, was man so hörte. „Auch wenn sie die Zugangsschächte zugegebenermaßen ziemlich knapp geplant hat …“

„Knapp geplant ist nett ausgedrückt.“ Er griff nach seinem T-Shirt und versuchte vergeblich, es wieder über den Kopf zu kriegen.

„Moment, ich helfe Ihnen.“

Deshalb mied er die Krankenstation normalerweise so gut es ging. Spritzen und so weiter waren ja schon schlimm genug, aber ständig mußte ihn hier jemand anfassen. Aber wenn er nicht halbnackt über die Flure zurück in sein Quartier laufen wollte, mußte er da jetzt durch.

„Na also.“ Boerne lächelte ihn an. „War doch gar nicht so schlimm.“

* tbc *




> weiter geht's in Kapitel 3

Tags: !adventskalender, f: tatort münster, g: alternate universe, g: fanfic, p: thiel / boerne
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