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Ausnahmezustand: April I

Prompt: Kleidung - Hemd mit Flecken
Rating: P 12
Genre: Pre-Slash, Slice of Life
Handlung: Die Wochenenden sind am schlimmsten.
Länge: ~ 800 Wörter
Zeit: ~ 60 Minuten

Kapitel 1 & Masterpost

***


Die Tage vergingen und er hatte sich schon fast an diesen neuen Zustand gewöhnt: Alleine frühstücken, den Laptop anwerfen und sich auf der Dienststelle einloggen, die tägliche Besprechung als Telko beziehungsweise seit kurzem, seit die IT in die Gänge gekommen war, als Videokonferenz. Was er überraschenderweise angenehmer fand als die Telkos, es war doch schön, die anderen mal wieder zu sehen, und sei es nur auf dem Bildschirm. Es brachte allerdings auch neue Herausforderungen mit sich – zum Beispiel die Kamera so auszurichten, daß seine Wohnung möglichst ordentlich aussah. Und was Vernünftiges anziehen mußte er jetzt auch wieder, er hatte nämlich ganz genau gesehen, wie sich Nadeshda das Grinsen angesichts seines Pullis verkniffen hatte. Bloß weil er mal wieder die alten Sachen auftrug, die noch zu gut zum Wegwerfen waren, die aber selbst er nicht mehr in der Öffentlichkeit angezogen hätte. Seufzend legte er den Rasierapparat zur Seite und trottete ins Schlafzimmer, um den Kleiderschrank zu öffnen. Wie erwartet, schlug ihm gähnende Leere entgegen, quasi das Gegenstück zur überquellenden Wäschetonne im Bad.

Für Pullis war es jetzt eh zu warm, sein T-Shirt Stapel bestand nur noch aus ein paar Sammlerstücken mit sentimentalem Wert, und von den drei kurzärmligen Hemden, die da noch hingen, war eines zu klein, bei einem war der Kragen durchgewetzt, aber das dritte … Er zog es heraus und erinnerte sich, das hatte er im letzten Jahr neu gekauft. Hellblau und irgendwie war der Stoff total angenehm. Das war doch sicher noch …

Mist.

Als er die kaum verblichenen Flecken sah, fiel es ihm wieder ein. Der Abend bei Boerne, als das Hemd noch fast neu gewesen war. Sie haben sich ja richtig schick gemacht, hatte Boerne gestichelt, oder vielleicht auch nicht gestichelt, ihm war das jedenfalls unangenehm gewesen wie immer, wenn Boerne seine Kleidung kommentierte. Kleider trug man, da redete man nicht drüber. Es war trotzdem ein schöner Frühsommerabend gewesen, Boerne hatte gekocht und sie hatten auf dem Balkon gegessen, und dann hatten sie noch eine Flasche Wein aufgemacht und Boerne hatte irgendeine dumme Geschichte erzählt und er mußte lachen, beim Trinken, und natürlich hatte er den Wein in den falschen Hals gekriegt und Boerne hatte ihm kräftig auf den Rücken geklopft und das war es dann gewesen mit dem Hemd. Obwohl sie direkt Salz draufgestreut hatten. Den Abend hatten sie sich nicht verderben lassen, Boerne hatte ihm ein T-Shirt geliehen und sie hatten noch bis zum Einbruch der Dunkelheit draußen gesessen, aber das Hemd war hin. Mit einem letzten bedauernden Blick hängte er es zurück und nahm das mit dem durchgewetzten Kragen – fürs Wochenende ging das gerade noch.

Dann also doch Wäsche. Da kam er wenigstens mal raus. In den Wäschekeller.

***


„Oh.“ Er machte automatisch einen Schritt rückwärts. „Ich wußte nicht, daß Sie auch gerade hier sind.“

Boerne sah ihn nicht weniger verdutzt an. Sie hatten sich nicht mehr getroffen, also nicht richtig, seit das alles angefangen hatte, und jetzt zusammen in einem Raum zu sein, fühlte sich irgendwie merkwürdig an.

„Ich kann auch später -“

„Ach was.“ Boerne öffnete das Kellerfenster ganz. „Lassen Sie die Tür offen, der Raum ist groß genug. Wenn wir uns über den Flur unterhalten, sind wir auch nicht weiter auseinander.“

Zögernd machte er wieder einen Schritt vorwärts, in den Wäschekeller. Natürlich hatte er nicht wirklich Lust, später nochmal zu kommen, jetzt, wo er sich endlich aufgerafft hatte was zu tun. Die Wochenenden waren wirklich am schlimmsten. Boerne räumte hastig seine Maschine aus und tat einen Schritt zurück, Richtung Wäscheleinen. „Bitte sehr.“

Hätte er geahnt, wir seltsam sich das anfühlen würde, er wäre vielleicht doch später wiedergekommen. Eigentlich dauerte es ja nur ein paar Sekunden, Wäsche aufzusetzen, aber wenn man jedesmal umständlich mit gebührendem Abstand umeinander herum mußte, wenn einer an die Wäscheklammern wollte und der andere an das Fleckenmittel, oder einer an die Wäschebügel und der andere an das Waschpulver, dann dauerte es eben doch ein wenig länger. Und wenn einem zwischenzeitlich bewußt wurde, daß ihre Hände sich normalerweise berührt hätten, während Boerne ihm das Fleckenmittel und er ihm die Wäscheklammern reichte, oder daß Boerne ihn normalerweise einfach beiseitegeschoben hätte, weil er nach den Wäschebügeln greifen mußte, dann wurde das irgendwie noch deprimierender.

„Ja dann …“ Er räusperte sich. Die Maschine lief endlich, und Boerne war immer noch dabei, seine Hemden ordentlich auszuschütteln und aufzuhängen. „Schönes Wochenende.“

Boerne sah über die Schulter. „Danke. Ebenso.“

Normalerweise hätte er gefragt, was Boerne vorhatte am Wochenende. Oder Boerne hätte gefragt. Vielleicht hätten sie was zusammen unternommen, aber auf jeden Fall hätte Boerne ihn Sonntagabend beim Tatort mit seinen Wochenenderlebnissen zugetextet.

Leise schloß er der Tür hinter sich. Zwei freie Tage. Vielleicht rief er mal wieder bei Lukas an.

* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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