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Ausnahmezustand: April III

Prompt: h/c - Joker („Nahtoderfahrung“ aus der Sommerchallenge 2012)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Pre-Slash, mild h/c
Handlung: Thiel sieht das Licht, und es kommt ihm bekannt vor.
Länge: ~ 800 Wörter
Zeit: ~ 60 Minuten

Masterpost

***


Die Schmerzen in seiner Lunge waren mit einem Mal verschwunden, die Last, die ihn zu Boden gedrückt hatte, von ihm abgefallen. So war das also. Kein weißes Licht, kein Tunnel, nur das Gefühl, daß jetzt alles gut war. Ihm war seltsam leicht zumute. Aus, vorbei, nie wieder. Vielleicht war es so das -

„Thiel!“

Jemand rüttelte an seiner Schulter, und mit einem Schlag war alles zurück, der Druck, die Atemnot, und obwohl er das gar nicht wollte, versuchte er doch wieder zu atmen, schnappte nach Luft wie ein Fisch auf dem Trockenen und bekam genausowenig Luft in die Lungen.

„Ganz ruhig …“ Die Hand, die ihn eben noch geschüttelt hatte, fuhr jetzt kleine Kreise zwischen seinen Schulterblättern. „Langsam.“

Er hörte, wie Boerne Luft holte. Und ausatmete. Luft holte. Und ausatmete. Luft holte … Ihm war immer noch schwindelig, aber plötzlich wurde es leichter, wieder Luft in die Lungen zu ziehen. Die Hand strich immer weiter und er tat eine ganze Weile nichts anderes als sich darauf zu konzentrieren, wie jeder Atemzug ein wenig besser glückte.

„Was …“

„Immer weiteratmen, Thiel. Nicht reden.“

„Was …“ Er schnappte nach Luft, viel zu schnell wieder. „… machen Sie denn hier?“

„Ich habe meinen Zweitschlüssel benutzt.“ Boerne klang fast ein wenig entschuldigend, dabei ging es doch gar nicht um den Schlüssel, es ging um die Ansteckungsgefahr, die Boerne hier einfach mal eben ignorierte, ausgerechnet jetzt, wo er - „Ganz ruhig. Sie dürfen sich nicht aufregen. Konzentrieren Sie sich aufs Atmen.“

„Aber –“

„Das ist jetzt alles nicht so wichtig.“

Thiel schloß die Augen. Wünschte sich, das wäre so, und vergaß dabei ganz, auf seinen Atem zu achten. Der lief plötzlich wieder von alleine, auch wenn die Lungen immer noch schmerzten. „Aber wenn ich Sie anstecke.“

„Mit einer Panikattacke?“

„Was?“ Thiel sah auf. „Aber ich hab‘ alle Symptome. Trockenen Husten. Atemnot. Druck auf der Brust.“

Boerne erwiderte seinen Blick, die Hand immer noch auf seinem Rücken. Seine Mundwinkel zuckten. Unterdrückte der etwa ein Lachen?! Thiel richtete sich energisch auf und die Hand rutschte weg. „Was ist da jetzt so witzig! Ich bin krank und Sie, Sie sind einfach hiereingekommen, Sie –“

„Sie sollten wirklich mal lüften.“ Boerne stand auf und ging Richtung Fenster, kippte nicht nur, sondern riß es ganz auf. „Und staubsaugen könnten Sie auch mal wieder. Bei der Luft hier drin würde ich auch trocken husten.“

„Aber -“

„Das waren ganz klassische Symptome einer Panikattacke mit Hyperventilation.“

Thiel starrte Boerne hinterher, der jetzt Richtung Küche verschwand. Warum benahm der sich eigentlich immer, als wäre er bei ihm zuhause? Der Ärger machte es ein bißchen erträglicher, daß er sich gerade ziemlich dämlich vorkam. Panikattacke. Und er hatte gedacht, er müßte sterben. Bei der Erinnerung lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken. Nein, das war wirklich nicht schön gewesen. Gar nicht schön.

„Hier.“ Boerne stellte ein Glas Wasser vor ihm ab und ließ sich wieder neben ihn auf die Couch fallen. Im wahrsten Sinne des Wortes, er rutschte gleich ein Stück gegen den anderen, so sehr gab das gebeutelte Möbelstück nach. „Trinken Sie mal was. Das hilft. Garantiert haben Sie zu wenig getrunken die letzten Tage. Und nicht richtig gegessen.“

Thiel verdrehte die Augen, griff aber gehorsam nach dem Glas. Sein Hals war immer noch verflucht trocken und schmerzte. Zumindest das hatte er sich nicht eingebildet.

„Die Leute denken immer, eine Panikattacke ist was psychisches, also eingebildet, also nichts Echtes. Aber die Symptome sind ganz und gar echt, und auch wenn es nicht wirklich gefährlich ist, ist es doch äußerst unangenehm, vor allem wenn man in dem Moment nicht weiß, was passiert. Und natürlich kann so eine Attacke auch organische Ursachen haben, ich glaube aber nicht, daß das bei ihnen der Fall ist, Sie sind da eigentlich kein Kandidat für, nein, es spricht alles für psychischen Streß, das ist in der augenblicklichen Situation ja auch wirklich nur zu verständlich. Was da passiert, ist jedenfalls …“

Boerne plapperte. Das machte er immer, vor allem dann, wenn er nervös war. Warum er jetzt nervös war, verstand Thiel nicht so ganz, aber vielleicht war das auch nicht so wichtig. Immerhin drang das ein oder andere zu ihm durch. Die Symptome sind ganz und gar echt. Dann hatte er sich das also doch nicht alles eingebildet. Auch nicht diesen Moment, als alle Schmerzen und die Angst aufgehört hatten?

„Geht’s wieder?“ Boernes Stimme, die eben noch medizinische Details heruntergerattert hatte, war zum Halten gekommen.

Thiel nickte.

„Wissen Sie was? Jetzt, wo ich sowieso schon hier bin, können wir das mit der Isolation eigentlich auch für den Rest des Tages lassen. Das macht jetzt auch keinen Unterschied mehr. Was meinen Sie, wollen wir mal wieder zusammen kochen?“

Vergrößerte das das Risiko nicht doch? Aber welches Risiko eigentlich, wenn er seit Wochen fast niemanden gesehen hatte und Boerne auch nur Alberich und seine Leichen, und Hygienemaßnahmen mußte der doch sowieso die ganze Zeit einhalten bei der Arbeit, er konnte sich da ja sonst was holen.

Und außerdem wollte er. Oder wollte nicht, nicht mehr alleine sein, wenigstens heute nicht.

* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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