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Ausnahmezustand: Mai

Prompt: Romantik/Intimität: Schreibaufgabe: ohne Dialog
Team: Melpomene
Fandom: Tatort Münster
Rating: P 12
Genre: Pre-Slash, slice of life
Handlung: Der neue Alltag.
Länge: ~ 650 Wörter
Zeit: ~ 40 Minuten
A/N: Endlich kommen wir einen Monat weiter … aber noch keinen Schritt weiter ;)

Masterpost

***


Im Mai waren sie alle in der neuen Normalität angekommen – Masken beim Einkaufen, anderthalb Meter Abstand von anderen Menschen, war das je anders gewesen? Wenn man im Film sah, wie jemand jemandem zur Begrüßung die Hand schüttelte oder den anderen gar umarmte, wirkte das völlig falsch, geradezu schockierend. Arbeit von zu Hause, Abstimmungen mit den Kollegen per Telefon und Videokonferenz – wieso hatten sie das nicht eigentlich schon länger so gemacht? Mit Nadeshda hatte er mittlerweile sogar eine Video-Kaffeepause eingeführt und es fühlte sich nur unwesentlich anders an als früher, als sie sich tatsächlich in Fleisch und Blut im Büro gegenüber gesessen hatten. Selbst Herbert hatte herausgefunden, wie man Skype benutzte, und ging ihm nun virtuell nicht weniger als früher analog auf die Nerven. (Nein, in Wirklichkeit war er ganz froh, daß sie sich auch wieder sahen und nicht nur miteinander reden konnten – telefonieren war zwar gut und schön, aber das fühlte sich besser an. Solange Herbert nicht gerade dann anrief, wenn ein Spiel lief.)

Und die Infektionszahlen sanken, zumindest hier in Deutschland. Corona fühlte sich nicht mehr ganz so bedrohlich an, vielleicht, weil man sich an den Zustand gewöhnt hatte, vor allem aber wohl auch, weil die Maßnahmen wirkten und es tatsächlich besser wurde. Spekulationen über eine mögliche zweite Welle blendete er erst mal aus, er war froh, daß es so aussah, als würde sich das Leben über den Sommer weiter normalisieren.

Was für den Rest des Lebens galt, galt auch für Boerne und ihn. In ihr Leben war Routine eingekehrt: Vor der Arbeit frühstückten sie zusammen, mal holte Boerne die Brötchen und er kochte Kaffee, mal holte er die Brötchen und Boerne kümmerte sich um den Rest. Eingekauft wurde zweimal die Woche, einmal ging Boerne, einmal er, den Einkaufzettel schrieben sie zusammen und Herbert gab seine Wünsche per Skype durch oder schrieb gleich eine SMS an Boerne, der eher willens war auf seinem Handy-Display rumzutippen als Thiel. Abends kochten sie zusammen und Boerne erzählte den neuesten Klatsch aus dem rechtsmedizinischen Institut – nicht viel, weil kaum jemand vor Ort war und er im Grunde nur mit Alberich direkt zusammenarbeitet. Thiel erzählte, was er von Nadeshda in ihrer Kaffeepause gehört hatte. Meistens sahen sie danach noch zusammen fern, oder Boerne las, während er Kreuzworträtsel machte oder Fußballspiele ohne Ton schaute, oder Boerne hörte Wagner über Kopfhörer und er schaute Fußballspiele mit Ton. Wochenends machten sie dazu auch gern mal einen Wein beziehungsweise in Thiels Fall ein Bier auf. Unter der Woche blieb er lieber bei Wasser, man mußte es ja nicht übertreiben.

Die Spaziergänge waren ein regelmäßiges Ritual geworden, sie drehten unter der Woche mindestens eine kurze Runde vor dem Frühstück, meistens um den Aasee oder ein Stück die Promenade entlang, am Wochenende dann auch gerne mehr und weiter draußen im Grünen. Erstaunlicherweise stellte Thiel fest, daß man mit Boerne sehr gut spazieren gehen konnte. Ganz entgegen seiner sonstigen Gewohnheit war Boerne beim Laufen nämlich ziemlich still, genoß die Natur und wies nur hin und wieder auf eine besondere Pflanze oder einen Vogel hin. Umgekehrt hatte er Boerne ganz schön mit seinem Wissen über Insekten überrascht. Als Kind hatte er das eine Zeitlang total spannend gefunden, und auch wenn er dieses Hobby mit den Jahren aus den Augen verloren hatte, konnte er doch immer noch eine ganze Menge Käfer bestimmen.

Ja, sie hatten eine gewisse Routine gefunden, und vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, einmal darüber nachzudenken, warum das so war und wieso sich ihre Leben so nahtlos zusammenfügten. Das war ihm schon klar. Andererseits lebten sie gerade in einer seltsamen Zeit, die sich anfühlte wie aus der Zeit und dem Alltag herausgefallen. Er machte sich keine Sorgen, weder um gestern noch um morgen. Das mußte dieses „im Hier und Jetzt leben“ sein, von dem diese Lebenshilfe-Ratgeber immer faselten. Und in der Tat, dieser Zustand war enorm angenehm. Weshalb er, für dieses eine Mal, das Hinterfragen abgestellt hatte. Es war gut, wie es war. Und eigentlich wollte er im Moment noch nicht darüber nachdenken, was danach kommen würde.

* tbc *
Tags: !120 minuten, f: tatort münster, g: fanfic, g: slash, p: thiel / boerne
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