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Neue Welten - Kapitel 4

Prompt: Sci/Fi – Joker (Rebellion) Päckchen 9
Team: Melpomene (fürs Superteam)
Fandom: Tatort Münster
Rating: P6
Genre: AU, Humor, possibly Pre-Slash
Länge: ~ 1.450 Wörter
Zeit: ~ 80 Minuten
A/N: Das Prompt kommt mehr am Rand vor, als ich das eigentlich wollte … aber es kommt.

> hier ist Kapitel 3

***


Inzwischen war er wieder voll auf dem Damm und gnädigerweise auch wieder in der Schicht, die nicht synchron zu Herberts lag. Thiel stand vor der Essensausgabe und hatte sich zur Feier des Tages endlich mal wieder einen Proteinriegel gegönnt. Das hätte sein Vater garantiert kommentiert, von wegen keine Selbstdiziplin und so. Aber er fand, so was mußte ab und an drin sein. Er wollte ja nun keinen Schlankheitswettbewerb gewinnen, er wollte nur wieder problemlos durch die Wartungsschächte kommen. Außerdem hatte ihm ein Blick auf den „Gemüseeintopf“ als Alternative gereicht. Der bestand doch wieder hauptsächlich aus Karmöhren und „Weißkohl“, der schon lange nicht mehr viel mit dem Weißkohl auf der Erde zu tun hatte. Erstaunlicherweise schmeckte das Zeug von Jahr zu Jahr fader, aber das mit den Blähungen, das hatten sie immer noch nicht in den Griff gekriegt. Und wenn man dann nur eine Schlafkoje sein eigen nannte … Nein, dann lieber man den guten alten Proteinriegel. Da wußte man wenigstens, worauf man sich einließ.

Als er mit dem Tablett weiterging, sah er schon von weitem den Doktor winken. Neben ihm saß Frau Haller, die er nun auch schon seit einigen Schichten nicht mehr gesehen hatte. Er zwängte sich durch die Menschenmassen, die von und zu den Tischen strömten, und sah, daß die beiden ihm einen Platz freigehalten hatten. Kein einfaches Unterfangen, die Kantine war wie alles andere auf dem Schiff ständig überbelegt.

Boerne zog eine Augenbraue hoch, als er den Proteinriegel auf seinem Teller sah, sagte aber nix. War auch besser so, dachte Thiel grimmig. Immerhin hatte er einen synthetischen Apfel dazu gelegt und den Schokopudding stehen lassen – obwohl das eines der Desserts war, das noch halbwegs so schmeckte, wie er es in Erinnerung hatte, auch wenn sie so etwas wie Milch natürlich schon ewig nicht mehr hatten.

Frau Haller begrüßte ihn fröhlich und widmete sich wieder ihrem Eintopf.

„Guten Appetit.“ Er stellte sein Tablett ab und klemmte sich neben Boerne. „Schmeckt’s?“

„Der Koch hat sich selbst übertroffen.“ Frau Haller kratzte den Rest Flüssigkeit aus dem Teller. „Ich hätte nicht gedacht, daß ich das mal sage, aber diese Karmöhren sind wirklich ausgezeichnet.“

Thiel schnaubte. „Das sollten Sie nicht meinem Vater erzählen. Der macht sonst so weiter und kreuzt alles mit allem, was nicht niet- und nagelfest ist.“

„Der Nährstoffgehalt ist jedenfalls sehr hoch, und außerdem enthalten sie praktisch alle lebensnotwendigen Vitamine.“

Boerne hatte natürlich auch den Eintopf genommen. Thiel biß in seinen Riegel und schloß wohlig die Augen. Fast so gut wie eine Salamipizza, zumindest, wenn man wochenlang keinen gegessen hatte.

„Wie sieht‘s aus an der Wartungsschachtfront?“

„Kann nicht klagen.“ In der Tat hatte er schon drei Kilo verloren und die Schächte waren wieder sein Freund. Bis auf den einen, den er nach wie vor Krusenstern überließ. Der war aber auch tatsächlich eine Fehlkonstruktion und mindestens anderthalb Zentimeter enger als alle anderen im Schiff. Wie auch immer das hatte passieren können. Er hatte ja Bulle im Verdacht, der seinerzeit beim Bau für diesen Sektor zuständig gewesen war. Hatte wahrscheinlich schlampig gearbeitet und Material gespart, nur um schneller fertig zu werden.

„Ich habe eine halbe Stunde Zeit auf Deck sieben ergattert.“ Boerne sah ihn an, als müßte er wissen, was er ihm damit sagen wollte.

„Ja, und?“

„Ich habe keine Zeit“, erklärte Frau Haller. „Und er hat Tickets für zwei.“

„Na wie steht’s, eine halbe Stunde Tennis?“ Boerne wackelte herausfordernd mit den Augenbrauen. „Oder Squash? Aber ich will Sie nicht überstrapazieren, wo Sie gerade erst damit anfangen.“

„Womit anfangen?“

„Sport.“ Boerne hob einen Zeigefinger. „Darüber hatten wir doch letztens gesprochen. Daß Ihnen mehr Bewegung gut tun würde.“

„Sie spielen sonst zusammen Tennis?“ Er sah verdutzt zu Frau Haller, die seinen Blick ganz ernst erwiderte.

„Natürlich. Warum auch nicht?“

„Äh …“

„Es gibt auch ein erfrischendes Zumba-Programm, das wir zusammen machen könnten, wenn Sie sich eher für so was begeistern.“

„Äh …“ Thiel schluckte den letzten Bissen. Natürlich, die Sporträume zu nutzen war eine Gelegenheit, die man nur selten bekam. Meistens war alles ausgebucht und man konnte sich nur auf lange Wartelisten eintragen. Es sei denn, Bewegung war medizinisch verordnet worden. Aber so weit war Boerne ja wohl hoffentlich nicht gegangen. „Ich überleg’s mir nochmal.“

„In einer Stunde!“ rief Boerne ihm hinterher, als sie sich auf den Weg zur Tablettabgabestelle machten. Ihre Plätze waren schon wieder besetzt, kaum daß sie sich erhoben hatten. Thiel nickte, als Zeichen, daß er den anderen gehört hatte, und machte sich aus dem Staub, so schnell er konnte.

***


In einer Stunde. Sport mit dem Doktor. Das war so ziemlich das letzte, worauf er nach einem anstrengenden Arbeitstag Lust hatte. Zum einen wegen dem Sport, und zum anderen wegen Boerne, und vor allem wegen dem, was sein Vater gesagt und was er seither nicht vergessen hatte. Wie ein blöder Ohrwurm saß das in seinem Kopf fest. Zufall. So nennt ihr jungen Leute das also heutzutage. Und dummerweise fiel ihm seitdem auf, wie oft Boerne und er sich begegneten. Obwohl er sicher war, daß er nichts dazu tat. So viele Zufälle konnte es doch gar nicht geben? Und jetzt hatte Frau Haller auch noch zufällig keine Zeit für ihr Sport-Date mit Boerne. Ha.

Andererseits hatte er jetzt noch etwa drei Stunden, bevor er ins Bett ging, um acht Stunden Schlaf zu kriegen. Das mußte sein, auch hier, auch wenn es Tag und Nacht schon lange nicht mehr gab. Normalerweise hätte er sich einen Platz im Kino gesucht oder wäre auf ein Glas synthetisches Bier in einen der Aufenthaltsräume gegangen, aber dummerweise tobte dort schon seit drei Tagen eine Rebellion. Protestkundgebung nannten das die Kolleginnen und Kollegen, der Kapitän nannte es Rebellion. Zum Glück hatte sie das Wort Meuterei noch nicht in den Mund genommen … Er warf einen vorsichtigen Blick in den Aufenthaltsraum auf seinem Deck, aber da schallten ihm sofort die inzwischen bereits vertrauten Sprechchöre entgegen. Er machte schnell kehrt, bevor er noch zwischen die Fronten der Aufrührer und der Klemm-Getreuen geriet. Das war nun wirklich nicht sein Kampf, auch wenn er den Ärger verstehen konnte. Es gab ja wirklich nicht viel, was die Leute noch hatten, und jetzt hatte Kapitän Klemm das Rauchen auf dem gesamten Schiff verboten. Nicht, daß das noch viel Spaß hätte machen sollen, denn das, was sich inzwischen Tabak nannte, war dem Erdentabak so ähnlich wie synthetisches Bier einem schönen, kühlen, frisch gezapften Erdenbier. Thiel seufzte und merkte, wie ihm bei der Erinnerung das Wasser im Mund zusammenlief. Aber gut, es war eben das, was die Menschen noch hatten. Andererseits hatte die Klemm natürlich recht – offenes Feuer auf einem Raumschiff war eine schlechte Idee, und die Flächen in den hydroponischen Gärten wurden für anderes gebraucht. Für leckere Karmöhren zum Beispiel.

Er merkte erst nach einer Weile, daß er ganz automatisch in Richtung seines Quartiers gelaufen war. Wobei, Quartier … das war auch ein Euphemismus. Schlafkoje traf es besser. Er würde sich ja nun wohl nicht die nächsten drei Stunden in einem Raum kaum größer als ein Wartungsschacht aufhalten. Und lesen, oder so. Unschlüssig tippte er gegen die Tür. Auf. Zu. Auf. Zu. Hinter ihm strömten weitere aufgebrauchte Raucher zur Kundgebung im Aufenthaltsraum. Das Kino war auch seit drei Tagen besetzt. Dazu lief seit Tagen die Durchsage vom Kapitän in Endlosschleife. Klemms Stimme, die unmißverständlich kundtat, daß sie sich nicht erpressen lassen werde. Klar, sie litt ja am wenigstens unter den Protesten, das Kapitänsquartier war ja fast so groß wie ein durchschnittlicher Aufenthaltsraum.

„Hauptmechaniker Thiel?“ Boernes Stimme in seinem Ohr übertönte den Lärm um ihn herum problemlos. Einmal mehr verfluchte er, daß er seinen Kanal für den anderen freigegeben hatte. „Was ist jetzt? In zehn Minuten können wir rein.“

„Hatte ich eigentlich schon erwähnt, daß ich auch noch zwei Tickets für einen anschließenden Saunagang habe?“

Die Saunen waren, wie alles an Bord, winzige Ein-Personen-Kabinen. Aber man schwitzte, und das beste war – es gab eine echte Dusche. Mit Wasser. Man wollte sich natürlich nicht vorstellen, dass es immer wieder und wieder das gleiche aufbereitete Wasser war, aber das mußte man ja auch nicht. In all den Jahren auf dem Schiff hatte er es kein Dutzend Mal geschafft, ein Saunaticket zu ergattern.

„Bin gleich da!“

Sollte sein Vater doch reden, was er wollte. Vielleicht machte Boerne das alles ja absichtlich, und wenn schon. Jedenfalls wußte der andere, was ein Mann nach einem harten Arbeitstag wollte. Und er war kein Mensch, der einem geschenkten Gaul ins Maul schaute. Zielstrebig eilte er zum nächstgelegenen Aufzug, während im Hintergrund wieder Klemms Stimme erklang.

Widerstand ist zwecklos. Das Rauchen auf dem gesamten Schiff ist bis auf weiteres untersagt. Ich denke doch, daß wir alle vernünftig genug sind um zu verstehen, daß das dem Allgemeinwohl dient. Wenn Sie Ihrem Unmut Luft machen wollen, tun Sie das ruhig. In wenigen Tagen sind die Entzugserscheinungen abgeklungen. Widerstand ist zwecklos. Das …

* tbc *
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